Europa verliert die Geduld

Dan D. Aridor, Gatestone Institute, 25. Juni 2013

Das Europa des Mr. Hague verliert nicht die Geduld; es verliert die Nerven, seinen Charakter, seine Werte, sein Zuhause.

Ende Mai diesen Jahres gab der britische Außenminister William Hague eine Äußerung ab: „Europa verliert die Geduld“. Es gibt eine ganze Menge Gründe dafür, aus denen Minister Hague eine solche Erklärung hätte abgeben können:

  • Ein britischer Soldat wurde auf der Straße ermordet; auch in Frankreich wurde ein Soldat ermordet. Beide Angriffe scheinen Hass-Verbrechen von Muslimen gegen Christen zu sein.
  • 60.000 britische Frauen wurden genital verstümmelt – durch ein Ritual, das von Muslimen praktiziert wird. 20.000 weitere sind in unmittelbarer Gefahr gezwungen zu werden, dieser Prozedur unterzogen zu werden.
  • In Ägypten machen Muslime Jagd auf die Ureinwohner des Landes, die christlichen Kopten.
  • In Syrien haben die Gräueltaten durch den Einsatz von Chemiewaffen ein neues Hoch erreicht. Die Zahl der Todesopfer im Bürgerkrieg geht auf die 100.000 zu.
  • In Saudi-Arabien werden Frauen diskriminiert und eine Kultur von Frauen als Sexsklavinnen blüht auf.
  • Eine wichtige Persönlichkeit der PA, Jibril Rajoub, hat gerade erklärte, dass Palästinenser, wenn sie denn könnten, Israel mit Atomwaffen angreifen würden. Von keinem palästinensischen Politiker war eine Verurteilung oder Zurückweisung zu hören.
  • In Mauretanien gibt es immer noch Sklaven; in Indonesien werden Menschen immer noch mit dem Stock geschlagen; der Iran hängt Homosexuelle an Kränen; in der Türkei sitzen mehr Journalisten im Gefängnis als in jedem anderen Land, einschließlich dem Iran und Nordkorea; Saudi-Arabien verweigert Frauen Bewegungsfreiheit, gestattet nicht, dass Bibeln ins Land mitgebracht werden und es gibt keine Gleichberechtigung vor dem Gesetz, beim Eigentumsrecht, keine freie Meinungsäußerung, keine freie Presse und keine freie Religionsausübung.
  • In Großbritannien und überall in Europa werden israelische Sprecher, jüdische Studenten oder einfach nur Juden regelmäßig angegriffen; die Art kann man als die neuen „Braunhemden“ Europas beschreiben. (Gelegentlich geschieht das auch an amerikanischen und kanadischen Universitäten.)

Minister Hagues Kommentare richteten sich allerdings gegen Israel und die Siedlungen. Hague verfehlte es vermutlich nur durch Zufall sich daran zu erinnern, dass die meisten Araber – sowohl in der PA und der Hamas-Charta sowie mit allen Landkarten Palästinas, die derzeit bei ihnen in Gebrauch sind – den gesamten Staat Israel als eine große „Siedlung“ betrachten. Hage gab diese Kommentare während seines Besuchs in Israel Ende Mai ab. Was Minister Hague offenbar verurteilt ist die Siedlung des jüdischen Volkes in seiner historischen Heimat – dessen Schaffung das britische Empire zu verhindern versuchte, trotz der San Remo-Vereinbarung von 1920 (ein internationales Treffen, an dem Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan teilnahmen, wo unter anderem die Balfour-Erklärung übernommen wurde). Das britische Mandat für Palästina gründete auf den Entscheidungen von San Remo und sollte in Palästina eine jüdische Heimstatt schaffen.

Anscheinend sind es also nicht Hass-Verbrechen überall in der muslimischen Welt, in arabischen Ländern oder in Sharia-Enklaven in Großbritannien oder gar in London, die Minister Hague erzürnen.

Das jüngst Hass-Verbrechen, die Enthauptung eines britischen Soldaten in London, trieb einen der die politische Korrektheit am stärksten unterstützenden Vertreter unserer Zeit – den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair – endlich dazu zu sagen, was niemand sonst zu sagen wagt: dass es ein „Problem mit dem Islam“ gibt.

In einem Schritt, der an Nazideutschland erinnert, ist das von den Herren Cameron und Hague geführte Großbritannien Teil wachsender Bemühungen in der Europäischen Union aus den Gebieten jenseits der Waffenstillstandslinien von 1949 – wo das Schießen endete, nachdem Israel am Vorabend seiner Geburt die von fünf arabischen Armeen durchgeführte Invasion von 1948 überlebte – exportierte israelische Produkte zu kennzeichnen. Die Linien sind auch als „Grenzen vo 1967“ bekannt; nach dem Sechstage-Krieg wurden neben anderen Schwachstellen diese „Grenzen“ vom verstorbenen, linken Außenminister Israels, Abba Eban, die „Auschwitz-Grenzen“ genannt – eine Breite von gerade 14km, weniger als die Länge der Insel Manhatten. Diese „Taille“ macht heute das Zentrum Israels aus und ist sein am engsten besiedelter Teil.

Bemerkenswert: Die EU schlägt keinerlei ähnliche Kennzeichnung von Waren aus anderen Territorien vor, die als „besetzt“ gelten. Darüber hinaus verurteilten die Briten zwar Israel wegen dem, was man dort „die Gebiete“ nennt, „besetzen“ aber weiter die Falkland-Inseln, die ihnen von Argentinien als deren „Malvinas“ abgesprochen werden – auf der anderen Seite des Atlantiks, alles andere als nahe Großbritannien.

Mr. Cameron und Mr. Hague setzten ihre Namen auf die Liste der Leute, die dafür eintreten jüdische Waren oder Firmen zu kennzeichnen. In einer Zeit, in der sowohl der Staat Israel als auch die Juden in so vielen internationalen Foren derart gewalttätig angegriffen werden – nicht wegen der so genannten Gebiete, sondern einfach aufgrund ihrer Existenz – stellt sich dieser Außenminister in die Reihe einer unheiligen Tradition britischer Politiker seit den Tagen des britischen Mandats in Israel vom Ende des Ersten Weltkriegs bis 1947. Dieses ungehörige Verhalten schient die britische Bürokratie und viele in der britischen Elite gegenüber anderer Politik und andere Zeiten blind zu machen; vermutlich wird so eine Kampagne gegen die Legitimität Israels und seines Existenzrechts in seiner 3000 Jahre alten historischen Heimat.

Nach Angaben von The Bible and the Sword, einer umfassenden Studie der historischen Beziehung  zwischen dem englischen Volk und den Juden und ihrer Verbindung zum als Israel oder Palästina bekannten Land durch die Jahrhunderte, verfasst von der zweifachen Pulitzerpreis-Gewinnerin Barbara Tuchman, war es eine der größten Persönlichkeiten der britischen Geschichte, Richard Löwenherz, der so viele Christen für eine Chance opferte Jerusalem zu erobern. William Marshal, der als der größte König beschrieben wird, kämpfte ebenfalls um das Heilige Land. Für Richard Löwenherz und William Marshal gab es keinen Waffenstillstandsvertrag von 1949, „Grenzen von 1967“, „Besatzung“ oder „Siedlungen“. Unter Verweis auf die Bibel schrieben sie ihre Rechtfertigung zum Kampf um das Land Israel – das Verheißene Land – einer höheren Macht zu.

Jerusalem befindet sich im Herzen des Landes, so wie es sich in den Herzen so vieler Christen befand, die bei dem Versuch starben es von der muslimischen Besatzung zu befreien. In den Jahrhunderten, als die Muslime Jerusalem kontrollierten, war es nie Hauptstadt. Es wird nirgendwo im Koran erwähnt, nicht ein einziges Mal. Doch es ist mehr als zwei Jahrtausende von den Lippen eines jeden Juden bei den täglichen Gebeten, an den hohen Feiertagen und bei jeder Hochzeit genannt worden und es war – und ist immer noch – das Herz und die Seele des jüdischen Volks. Fünfmal täglich wendet sich jeder folgsame Muslim von Jerusalem ab, um in Richtung Mekka zu beten.

William Hague verliert die Geduld mit einer Verbindung von mehr als drei Jahrtausenden zwischen dem jüdischen Volk und einem winzigen Landstrich – eine Verbindung, die für Generationen britischer Führungspolitiker so entscheidend war. Tuchman erklärt im Vorwort zu ihrem Buch: „Der britische Verrat am eigenen Impuls der Schaffung einer nationalen Heimstatt; die Weißbuch-Politik, die Absprache mit den Arabern, das Stauchen des Exodus und die Internierung vor Hitler geflohener Juden in neuen Konzentrationslagern auf Zypern sowie schließlich die Ermutigung der arabischen Offensive in der direkte Folge des britischen Abzugs waren alle unmöglich ohne Empörung in einen Zusammenhang zu bringen.“

Das waren aber nicht die letzten Male, dass britische Politiker das jüdische Volk und den Staat Israel verrieten. Innerhalb einer Zeitspanne von acht Jahren bewiesen die Briten dass Israel und sein Überleben die britische „Elite“ nicht interessierten. Einer fand im Juni 1967 statt, als die Armeen von Jordanien, Syrien und Ägypten drei Wochen lang damit drohten den Staat Israel auszulöschen – der damals keine „Gebiete“ hatte. Nicht England, nicht Frankeich und nicht einmal die Vereinigten Staaten kamen Israel zu Hilfe.

1973, etwas mehr als sechs Jahre danach, während der dunkelsten Stunden des Yom Kippur-Krieges, als die Amerikaner eine Luftbrücken-Operation zur Hilfe für die überraschten Israelis schicken wollten, konnten sie nicht eine einzige westliche Demokratie finden, die ihren Flugzeugen gestatten würde zu landen und aufzutanken. Nicht einmal England, Amerikas strategischer und kultureller Partner, der von den Amerikanern in zwei Weltkriegen gerettet worden war. Nich tnur lehnten es die westlichen Länder ab den wenigen Übriggebliebenen zu Hilfe zu kommen, die den Holocaust überlebt hatten; sie weigerten sich, amerikanischen Flugzeugen durch Betanken zu helfen oder ihnen zu gestatten ihren Luftraum zu nutzen. Die amerikanischen Piloten, die Europa mit ihrem Blut retteten, mussten ihr Leben riskieren genau die Route zwischen Europa und den arabischen Ländern zu fliegen, die ans Mittelmeer grenzen, um nicht den Luftraum europäischer Länder zu verletzten. Nur die Diktatur Portugal erlaubte es den Flugzeugen auf den Azoren zu landen und aufzutanken.

Ein paar Jahre davor, am 7. Dezember 1970, war der westdeutsche Kanzler Willy Brandt, ein Friedensnobelpreisträger, vor dem Denkmal des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943 auf die Knie gefallen. Viele in Polen und Deutschland war von dieser berühmten Geste der Buße und Abbitte tief gerührt. Der Kanzler sagte später: „Unter dem Gewicht der Geschichte tat ich, was Menschen tun, wenn ihnen die Worte fehlen. Auf diese Weise gedachte ich der Millionen Ermordeten.“ Diese Geste hielt Kanzler Brandt allerdings nicht davon ab, 1973 Verrat an seinen eigenen Worten zu begehen, indem auch er amerikanischen Flugzeugen das Auftanken in Deutschland verweigerte. Er lehnte es ab den Flüchtlingen des Holocaust und ihren Nachkommen zu helfen, also genau den Menschen, die er – auf Knien und mit Tränen – um Vergebung angefleht hatte.

Großbritannien, das so schnell dabei ist Israel zu verurteilen und ungeduldig mit ihm ist, verhängte 2009 nach der Operation Gegossenes Blei praktisch eine Blockade, indem es Waffenexport-Lizenzen widerrief. Operation Gegossenes Blei wurde durch den damaligen Premierminister Ehud Olmert ausgeführt, nachdem Jahre lang von der Hamas tausende Raketen in israelische Städte, auf israelische Zivilisten geschossen wurden. Das Embargo von 2009 war kein isolierter Vorfall: 2002 lehnte die britische Regierung es ebenfalls ab, Schleudersitze für F-4 Phantom-Flugzeuge zu verkaufen, die von der israelischen Luftwaffe geflogen wurden. Derselbe Ehud Olmert schlug 2008 das weitreichendste Friedensangebot an PA-Präsident Mahmud Abbas vor, der es genauso ablehnte wie Yassir Arafat Premierminister Ehud Baraks Angebot in Camp David im Jahr 2000 ablehnte und wie die Arabische Liga Israels Verhandlungsangebot für die Rückgabe der „Gebiete“ mit der Resolution von Khartoum ein paar Monate nach dem Sechstage-Krieg von 1967 ablehnte – jede Zurückweisung ohne auch nur ein Gegenangebot zu machen.

Die britische Politik ist – wie gewöhnlich – doppelgesichtig und heuchlerisch. Britannien verurteilt Israel bei jeder sich bietenden Gelegenheit, will dann aber Israels Beistand und guten Willen für sich in Anspruch nehmen. Dieses Jahr wurde der Geburtstag ihrer Majestät Queen Elizabeth II. in Israel im weltbekannten Weizmann-Institut gefeiert. Chaim Weizmann, der erste Präsident Israels und ein Weltklasse-Wissenschaftler leistete große Beiträge in der Unterstützung der Kriegsanstrengungen der Alliierten im Ersten Weltkrieg; seine wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit wird von der britischen Regierung in Ehren gehalten – derart, dass Premierminister David Cameron ein persönliches Interesse daran hat. Großbritannien hat in der britischen Botschaft in Tel Aviv ein Technologiezentrum gegründet – das erste seiner Art. Der Zweck dieses Zentrums ist unter anderem israelische Firmen zu ermutigen ihren Hauptsitz in Großbritannien zu nehmen. Als er im November 2010 Israel besuchte, nannte Außenminister William Hague die wissenschaftlichen und Geschäftsverbindungen „einen der Grundpfeiler der Beziehung zwischen Britannien und Israel“. Es ist fast so, als würde sich die Geschichte wiedeholen. In dem Versuch seine Wirtschaft voran zu bringen, sucht England jüdische Hilfe – eine Einladung, die der von Oliver Cromwell aus dem Jahr 1657 ähnelt, der den 350 Jahre dauernden Bann der Juden in England aufhob.

Vielleicht würden Minister Hague und Premierminister Cameron wegen der Gesetzlosigkeit und der Menschenrechtsverletzungen, insbesondere die der Frauen, im eigenen Land in Sorge geraten – das direkte Ergebnis des Nachgebens gegenüber muslimischen Forderungen nach dem Scharia-Gesetz im Land. Diese Politik der Unterwerfung sollte dem Westen ernsthaft Sorge bereiten. Die Lage hat sich derart verschlechtert, dass England seine eigenen Männer in Uniform nicht mehr auf die Straße lassen kann; britische Soldaten sind jetzt nicht in Israel Ziel, sondern in London. Wenn die Herren Cameron und Hague sich immer noch um Menschenrechte sorgen, sollten sie vielleicht damit anfangen mit offiziellen Vertretern Saudi-Arabiens oder Ägyptens zu beginnen, wo es reichlich Geduld zu verlieren gibt: Die herrschenden Wahhabiten und Muslimbrüder trampeln systematisch auf den Menschenrechten, Frauenrechten, Kinderrechten, Landbesitzrechten, gleicher Rechte vor dem Gesetz, Rechtstaatlichkeit, freier Meinungsäußerung und freie Religionsausübung herum – abgesehen von anderen widerwärtigen Gepflogenheiten. Es gibt Verfolgung von Christen und jedem sonst, der als „nicht muslimische genug“ angesehen werden.

Juden zu drangsalieren ist relativ leicht; es gibt keine wirklichen Konsequenzen, außer dass mann die wahre Farbe seines Charakters offenbart. Vielleicht muss William Hague sich nicht wegen der Politik sorgen, die seine Regierung bezüglich Palästinas vorantreibt: Zukünftige Generationen Briten könnten ihren Anspruch auf Jerusalem weiterführen, doch aus einer religiösen Grundlage heraus, die nicht die anglikanische ist. Zu dieser Zeit könnten die Briten die Frage der „besetzten Gebiete“ näher an Zuhause finden, wie es bereits in Spanien der Fall ist, wo Muslime ihre Ansprüche auf das „besetzte“ Andalusien abstecken. Das Europa des Mr. Hague verliert nicht die Geduld; es verliert die Nerven, seinen Charakter, seine Werte, sein Zuhause.

2 Gedanken zu “Europa verliert die Geduld

  1. Vielen Dank, lieber heplev, für diesen sehr informativen Artikel.
    Eine Bitte: Dieser Sinn entstellende Schreibfehler sollte beseitigt werden.

    „Diese Geste hielt Kanzler Brandt allerdings nicht davon ab, 1973 Verrat an seinen eigenen Worten zu begehen, indem auch er es ablehnte amerikanischen Flugzeugen das Auftanken in Deutschland zu verweigern.“

    Herzlich, Paul

    • Danke, Paul. Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich Korrektur lesen sollte. Da baue ich eigentlich immer Veränderungen ein und dann kommen immer wieder solche Dinger bei rum. 😦

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