Ein Opfer der „Langzeit-Häftlinge“ äußert sich

Facebook, 29.07.2013 (Original in Yedioth Aharonoth, 29.07.2013)
(Auf Facebook fand ich heute Morgen eine richtige Übersetzung, die ich jetzt hier vewende.)

Ein Beitrag von Adi Moses, die als 8 Jährige, in einem palästinensischen Terroranschlag verletzt wurde und ihre Mutter und ihren kleinen Bruder verlohr. Ihr Beitrag ist schmerzhaft zu lesen und Sie verdient es, dass dieser mit so vielen Menschen wie möglich geteilt wird:

Sie kennen meine Geschichte. Im Jahr 1987 warf ein Terrorist eine Feuerbombe auf das Auto meiner Familie. Er ermordete meine Mutter und meinen Bruder Tal und verletzte meinen Vater, meinen Bruder, seine Freundin und mich. Es ist eine Geschichte, die Sie kennen. Aber …mich kennen Sie nicht wirklich.

Ich war 8 Jahre alt, als dies geschah. Während mein Vater mich in Sand einrollte, um meinen brennenden Körper zu löschen, schaute ich in die Richtung unseres Autos und beobachtete, wie meine Mutter vor meinen Augen verbrannte. Diese Geschichte war noch nicht zu Ende, an diesem Tag im Jahr 1987. Diese Geschichte ist das schwierige Leben, das ich seitdem geführt haben.

Ich bin immer noch 8 Jahre alt, im Krankenhaus in kritischem Zustand. Schreiend vor Schmerz. Bandagiert von Kopf bis Fuß. Und mein Kopf ist nicht der Gleiche. Nicht mehr voll von goldenen langen Haaren. Der Kopf ist verbrannt.. Das Gesicht, Rücken, die Arme und Beine – verbrannt.

Ich bin von Familienmitgliedern umgeben, aber meine Mutter ist nicht bei mir. Sie umarmt und streichelt mich nicht. Sie ist nicht diejenige, die meine Bandagen wechselt. In dem Zimmer nebenan liegt mein Bruder Tal. Schreiend vor Schmerz. Ich rufe ihm zu, um Schafe mit mir zu zählen, damit er einschlafen kann. Drei Monate später stibt der kleine Tal an seinen Wunden. Ich sitze, ganz oben, auf einem Stuhl auf dem Friedhof einbandagiert und sehe zu, wie mein kleiner Bruder begraben wird.

Seit vielen Monaten ist mir der Aufenthalt in der Sonne wegen der Verbrennungen verboten, so dass ich lange Hosen und langärmelige Hemden zur Schule trage. Auch im Juli und August. Und unter den Klamottentrage ich noch einen Druckanzug gegen Narbenbildung. Es ist schmerzhaft und heiß und juckent.

Jetzt bin ich 12 Jahre alt. Eine andere Operation soll eine Narbe korrigieren, die eine begrenzte Beinbewegung verhinderte. Und dann feiere ich meine Bat Mitzvah. Und meine Mutter ist nicht bei der Feier. Also ich weine leise in der Nacht und schreibe zu ihr.

Ich werde älter. Ich mag es nicht, dass die Leute auf der Straße mich anstarren, mag es nicht, wenn die Kassiererin im Supermarkt fragt – „Oh, Kind, was ist mit dir passiert“. Ich mag es nicht, dass jeder Blick und jede Frage mich weglaufen und weinen lässt.

Ich erreiche das Alter von 14 und ich lebe immer noch in Alfei Menashe. Ich habe einen Vater, einen älteren Bruder, Freunde, ich bin ein guter Schüler. Aber ich habe auch unerträgliche Narben. Ich habe keine Mutter. So lag ich auf der Straße und sage zu mir, dass, wenn ein Auto kommt, was auch immer passiert, passiert. Aber es geschieht nicht. Also stehe ich auf und kehre nach Hause zurück.

All die Jahre des Erwachsenwerdens, bevorzugten meine Freunde an den Strand zu gehen. Aber ich gehe nicht, weil ich Narben haben. Weil ich verbrannt bin. Und ich schäme mich.

Dann bin ich 18 und möchte zur Armee, aber ich werde nicht eingezogen. Die Armee weigert sich, Verantwortung für meine Narben zu übernehmen. Also helfe ich im Militär freiwillig und diene für ein einhalb Jahre.

Nach der Armee studiere ich für meinen Bachelor-Abschluss. Am College habe ich neue Leute kennengelernt, die, natürlich, mich fragen, was mir passiert ist. Ich antworte „Terroranschlag“. Und sie antworten immer „wow, wirklich? Ich dachte Dir wäre als Kleinkind heißes Wasser übergeschüttet wurden.“

Und die Kleidung? Lange Ärmel wurden mit kurzen Ärmeln ersetzt, aber keine T-Shirts, weil ich eine hässliche Narbe unter der linken Schulter habe. Absolut keine kurzen Röcke oder Hosen – denn ich habe hässliche Narben an den Beinen.

Heute bin ich 34 Jahre alt, genau im Alter meiner Mutter zum Zeitpunkt des Angriffs. Von nun an wird sie für immer jünger als ich sein. Und immer noch, beantworte ich mindestens vier Mal pro Woche Fragen über das, was mir passiert ist. Und manchmal frage ich mich, ob der Kerl an mir nicht interessiert ist, allein wegen der Narben. Und ich muss immer meine Narben erklären und zu sagen, wo sie genau herkommen, bevor ich mich vor einem Mann entblöße.

Ich bin 34 Jahre alt, aber in den letzten Tagen wurde ich wieder zur 8-Jährigen, die zum brennenden Auto schaut und wartet, bis ihre Mutter herauskommt.

Yitzhak Rabin, der Verteidigungsminister zum Zeitpunkt des Angriffs, versprach meinem Vater, dass sie den Terroristen fangen. Und das taten sie. Und sie verurteilten ihn. Um zwar lebenslänglich und weiteren 72 Jahren im Gefängnis.

Und Sie Minister? Mit der Bewegung einer Hand beschlossen sie, ihn zu befreien. Denjenigen, der all diese Geschichte verursacht hat. Und Sie werden mich nicht überzeugen, dass Sie meinen Schmerz verstehen, weil Sie dies nicht tun. Keine Erklärungen, die versuchen rational zu sein, werden helfen.

Sie sind herzlose Wesen und abtrus. Mit Ihrer Entscheidung, den Mörder freizulassen, spucken Sie auf die Gräber meiner Mutter und meines Bruders Tal. Sie löschen diese Geschichte von den Seiten der Geschichte des Staates Israel. Und im Gegenzug für was?

Ich bitte Sie, ihn von der Liste der Freizulassenden zu entfernen. Lassen Sie ihn im Gefängnis. Dass er verrotten wird, wie er verrotten sollte. Zünden Sie nicht wieder das Feuer an, was er anzündete. Zerstören Sie nicht diejenigen, die in dieser Familie übrig sind. Retten Sie uns. Denn wenn er losgelassen wird, werden mein Vater, Bruder und ich nicht mehr in der Lage sein, zu leben.

3 Gedanken zu “Ein Opfer der „Langzeit-Häftlinge“ äußert sich

  1. […] Eindrucksvoll schildert Adi Moses ihre Geschichte. Als achtjähriges Mädchen erlebte sie den Terror am eigenen Leib, erlitt schlimmste Verbrennungen, musste mit ansehen, wie ihre Mutter verbrannte und ihr jüngerer Bruder Tage später qualvoll starb. Nachzulesen ist die Geschichte hier. […]

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