Eine überraschende pro-israelische Strategie in Europa

Evelyn Gordon, Commentary Magazine, 6. Juli 2013

Pro-israelische Aktivisten in Norwegen, wo antiisraelische Geisteshaltung grassiert, haben es ganz gewiss nicht leicht. Es war daher faszinierend, David Weinbergs Bericht zur Sache zu lesen, von der sie feststellten, dass sie damit sehr erfolgreich für Israel eintreten – eine, die von amerikanischen Aktivisten erstaunlicherweise allgemein ignoriert wird: Die Geschichte der jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern.

Der norwegische Aktivist Odd Myrland bezeichnet diese Geschichte, die die meisten Norweger nie zu hören bekamen, einen „KO-Schlag“, der „das Spielfeld ausgleicht und die Menschen zwingt über Gerechtigkeit für Israel nachzudenken.“ Weinberg erklärt, dass das Gespräch neu ausgerechnet wird: Statt dass es um palästinensische Rechte gegen israelische Sicherheit geht – bei den meisten Westlern ein Rohrkrepierer, da Rechte leicht über Sicherheit triumphieren – wird daraus „eine Debatte um eine Balance der Rechte: um israelische/jüdische Rechte und palästinensische/arabische Rechte“.

Auf den ersten Blick scheint das bizarr. Was hat Israels Eingliederung Hunderttausender jüdischer Flüchtlinge aus arabischen Ländern mit den Fragen zu tun, auf die antiisraelische Aktivisten üblicherweise aus sind: „der Besatzung“ und den Siedlungen“? Doch aus einem damit nicht in Zusammenhang stehenden Interview mit Dr. Qanta Ahmed, einer in Großbritannien geborenen Muslime, die ausgiebig in arabischen Ländern praktiziert, ergibt sich ein Hinweis.

Ahmed, die letzten Monat zum ersten Mal Israel besuchte, stellte fest, dass sie in der gesamten muslimischen Welt pausenlos hört, „wegen Israel haben die Palästinenser ihre Häuser und ihr Land abgenommen bekommen“.

Doch Ahmed, deren Eltern Flüchtlinge wurden, als 1947 mit der Teilung von Indien und Pakistan 10 bis 12 Millionen Menschen in beide Richtungen flohen (die Ahmeds flohen nach Pakistsan), hat nicht ganz so viel Verständnis. Obwohl sie versteht, wie herzzerreißend Flüchtlingsdasein sein kann, hat sie erlebt, wie ihre Eltern sich ein neues Leben schufen – und „ich sehe auch, wie Menschen nach Israel kamen, von denen einige kaum den Holocaust überlebten, in ein Land, wo sie an das Klima nicht gewöhnt waren und wo sie keine Familie hatten. Und doch schafften sie es irgendwie diese außergewöhnliche, komplizierte Nation aufzubauen.“

Sie sagt das nie ausdrücklich, aber die Bedeutung ist klar: Die derzeitige Misere der Palästinenser ist weniger die Folge der Gründung Israels als ihr eigenes Bestehen darauf in der Vergangenheit zu leben und weil die arabischen Länder darauf bestehen, sie weiter in dieser Lage zu halten. Statt sich ein neues Leben aufzubauen, wie es andere Flüchtlinge gemacht haben, klammerten sie sich an den Traum der Beseitigung Israels und in sein Territorium „zurückzukehren“ – ein Traum, der Frieden seit inzwischen 65 Jahren ausschließt und kein Zeichen zeigt, dass er ausstirbt. 2011 z.B. beteuerte der PLO-Botschafter im Libanon, ein palästinensischer Staat würde allen palästinensischen Flüchtlingen weiter die Staatsbürgerschaft verweigern, selbst denen, die bereits dort leben, um die Forderung nach ihrer „Rückkehr“ nach Israel aufrecht zu erhalten.

Außerdem, vermerkte Weinberg, zeigt diese Frage, dass Israel „gerecht und moralisch handelt“, ein scharfer Gegensatz zu arabischen Staaten: Während es die jüdischen Flüchtlinge eingliederte und ihnen erlaubte sich ein neues Leben aufzubauen, lehnten es die arabischen Staaten ab die Palästinenser zu integrieren – sie verweigerten ihnen die Staatsbürgerschaft und hielten sie in verwahrlosten Lagern, um sie als Waffe gegen Israel zu behalten.

Schließlich wirft es ein neues Licht auf „die Besatzung“. Ahmed z.B. befindet sie als unberechtigt, gibt aber zu, dass es keine Alternative gibt: „Wie würden Sie die Kontrolle abgeben, wenn es eine virulent jihadistische Ideologie und viele muslimische Führer außerhalb der Region gibt, die nicht nur sagen, dass Israel nicht anerkannt werden, sondern überhaupt nicht vorhanden sein sollte?“ Das ist ein Problem, das nur allzu wenige Westler bereit sind anzuerkennen. Doch die Flüchtlingsfrage hebt dieses fortgesetzte Verlangen hervor Israel zu beseitigen.

Schmachvollerweise scheint Israel dieses Thema aufgegeben zu haben: Niemand in der derzeitigen Regierung führt die Arbeit des ehemaligen stellvertretenden Außenministers Danny Ayalon weiter, der hart daran arbeitete, über alles mögliche von Konferenzen bis zu YouTube-Kampagnen die weltweite Aufmerksamkeit darauf zu lenken.

Aber amerikanische und europäische jüdische Gruppen könnten in die Bresche springen. Der Kongress hat bereits parteiübergreifend Gesetze eingebracht, die die Frage der jüdischen Flüchtlinge in jeden Einsatz für den Nahen Osten einbezieht, doch der Großteil der Welt bleibt für seine Existenz unkundig. Und wie die Erfahrung in Norwegen zeigt, muss dieses Unwissen dringend korrigiert werden.