Wie kann Israel seine Sicherheit Leuten anvertrauen, die bezüglich Ägypten derart falsch lagen?

Evelyn Gordon, Commentary Magazine, 15. August 2015

Den vielen Gründen, warum die derzeitigen israelisch-palästinensischen „Friedensgespräche“ eine Totgeburt sind, können wir jetzt einen weiteren hinzufügen: die Lage in Ägypten. Das Problem ist nicht einfach, dass  das Chaos an Israels ehemals stabiler südlicher Grenze seine Bereitschaft senkt „Risiken für den Frieden“ einzugehen, die die Lage in der Westbank kopiert. Es ist auch das, was die Lage über die Urteilsfähigkeit der Obama-Administration aussagt.

Samuel Tadros vom  Hudson Institute erinnert uns daran, dass die Administration, als vor zwei Jahren die ägyptische Revolution ausbrach, Beratung aus historischen Präzedenzfällen suchte:

Nach Angaben der New York Times bat Präsident Obama seine Mitarbeiter den Übergang in mehr 50 Ländern weltweit zu studieren um zu verstehen und vorherzusagen, wohin Ägypten und andere Länder im nahen Osten steuern könnten. Nach ausführlichen Studien sagten seine Mitarbeiter voraus, „das Ägypten entsprechend Südkorea, den Philippinen und Chile ist“. Monate später war die Administration immer noch sehr zuversichtlich bezüglich ihrer Einschätzung. Man war sich zwar der Hindernisse bewusst, die dem gewünschten Übergang zur Demokratie im Weg standen, doch Benjamin Rhodes, ein stellvertretender nationaler Sicherheitsberater, vertrat hartnäckig: „Die Zielrichtung der Veränderung geht in die richtige Richtung.“

Überflüssig zu erwähnen, dass Ägypten eine völlig andere Richtung einschlug als Südkorea, die Philippinen oder Chile. Die Muslimbruderschaft übernahm die Macht, nur um sich später noch als so inkompetent sowie antidemokratisch zu erweisen, dass das Militär sie entsprechend der vom Volk ausgehenden Forderung absetzte (anti-Bruderschaft-Demonstrationen brachten unglaubliche 14 Millionen Menschen auf die Straßen). Die Bruderschaft ging nicht still und jetzt gibt es das Risiko, dass das Blutbad dieser Woche in Kairo einen Bürgerkrieg auslösen wird.

Nichts davon war unvorhersehbar. Tatsächlich warnten von Anfang an israelische Offizielle einhellig, dass aus der ägyptischen Revolution nichts Gutes entstehen würde und die meisten israelischen Kommentatoren (einschließlich meiner Person) stimmten zu – wofür sie von Mitgliedern des außenpolitischen Establishments der USA rundheraus verdammt wurden. Genauso wenig überrascht es, dass Israels Einschätzungen sich als akkurater als die der Amerikaner erwiesen: Was in Israels unmittelbarer Nachbarschaft geschieht, hat weit mehr Einfluss auf das Leben der Israelis als auf das der Amerikaner und deshalb investieren die Israelis mehr Zeit und Aufwand darein, es zu verstehen.

Doch jetzt verlangen dieselben Leute, die bei Ägypten so sehr daneben lagen, dass die Israelis ihnen vertrauen bei einem israelisch-palästinensischen Handel den Schiedsrichter zu spielen. Die Administration schickte sogar einen hochrangigen General, den ehemaligen US-Kommandeur in Afghanistan John Allen, „um Israels Sicherheitsbedürfnisse festzulegen“ – und Wehe Israel, wenn es anderer Meinung ist. Doch eigentlich machte sich Präsident Barack Obama gar nicht erst die Mühe auf Allens Ergebnisse zu warten; er behauptete vor zwei Jahren, dass die Grenze „auf den Linien von 1967 gründen“ müsse und dass dies mit Israels Sicherheitsbedürfnissen absolut vereinbar sei. Egal, dass keine israelische Landkarte mit zu verteidigenden Grenzen jemals damit überein stimmte.

Mit anderen Worten: Die Administration hat bereits deutlich gemacht, dass sie Israels Sicherheitsforderungen nicht unterstützen wird; sie erwartet von Israel sich ihrer Beurteilung zu beugen. Doch die Leute, die glaubten Ägyptens Revolution würde der in Chile oder Südkorea ähneln, sind keine Leute, auf deren Urteil Israel sich unter Umständen bezüglich seiner lebensnotwendigen Sicherheitsbedürfnisse verlassen könnte. In dieser Lage ist die Erzielung eines Deals, der Israels minimale Sicherheitsnotwendigkeiten zufrieden stellt, unmöglich, selbst wenn alle anderen Fragen auf irgendeine magische Weise gelöst werden sollten.

Doch Fakt ist, dass Außenminister John Kerry klar gemacht hat, dass er sich zuerst mit Grenzen und Sicherheit befassen will. Und das bedeutet, dass es nicht lange dauern wird, bis die Blase platzt.