Warum prägten Muslime eine Menorah auf ihre Münzen?

Elder of Ziyon, 13. September 2013

Das saudi-arabische „Journal of Archaeology“ hat den Artikel einer „Expertin“, die behauptet, sie könne den Anspruch widerlegen, dass das gerade gefundene Medaillon mit einer siebenarmigen Menorah in Jerusalem irgendetwas mit dem Judentum zu tun habe.

Die angebliche Gelehrte namens Abir Ziad sagt, es sei unmöglich, dass der Fund jüdisch ist – weil es damals in Jerusalem keine Juden gab. Sehen Sie, sagt Ziad, Titus verbot den Juden im Jahr 70 n.Chr. den Zutritt zu Jerusalem und der Bann blieb gültig, bis Saladin ihn 1187 aufhob.

Für jeden westlichen Historiker ist das ist natürlich neu. Es gab nur zwei Zeiten, zu denen Juden aus Jerusalem verbannt wurden: als Hadrian das 131 n.Chr. tat – ein Verbot, das während Kaiser Julians Herrschaft (361-363) aufgehoben wurde; und als Jordanien Juden von 1948 bis 1967 das Betreten der Altstadt verbat.

Doch die Expertin Ziad hat weitere Beweise. Sehen Sie, all die Mikvaot (rituellen Bäder), die die Archäologen in hoher Konzentration um den Tempelberg fanden, sind gar nicht jüdisch – sie sind einfach ganz gewöhnliche Bäder. Offenbar richteten die Byzantiner oder sonst jemand in Jerusalem nahe am Tempelberg einen Badebezirk ein, den es nie gab.

Das Ganze ist eine aufwändige Fälschung und alle nicht muslimischen Archäologen sind Teil der Verschwörung.

Über diese absurden „Beweise“ hinaus – die nichts beweisen außer der Tatsache, dass muslimische „Forschung wenig mehr ist als Schwindel“ – ist ihr nächster „Beweis“ eine nähere Betrachtung wert.

Sie sagt, die Menorah selbst sei kein jüdisches Symbol, sondern tatsächlich hätten frühislamische Omayyaden-Münzen einen Kerzenleuchter zusammen mit dem islamischen Glaubensbekenntnis getragen.

Das ist sogar wahr:

Was ist hier los? Warum prägten Muslime auf ihre Münzen ein Objekt, das wie eine Menorah aussah?

Hier wird es jetzt gut.

Die meisten der abgebildeten Kerzenleuchter haben fünf Arme, obwohl die frühesten islamischen Kerzenhalter-Münzen sieben Arme aufwiesen.

All diese Münzen sind klar nach dem Muster jüdischer Münzen aus der Zeit von Jahrhunderten davor geprägt.

Doch es gibt einige Unterschiede. Wie erwähnt haben die meisten fünf Arme, nicht sieben; und mancher behauptet, das solle die fünf Säulen des Islam repräsentieren.

Beachten Sie den horizontalen Balken über die oberen Enden des Kerzenhalters (das oben abgebildete Medaillon hat ihn auch, darüber gibt es aber noch Flammen). Der Fuß auf den islamischen Münzen hat zwei Enden, während auf den jüdischen Münzen ein dreiteiliger Fuß zu finden ist.

Geprägt wurden alle „Menorah“-Münzen in – Jerusalem.

Auf der oben abgebildeten Münze steht: „Aliya, Madinet Bayit al-Maqdis“ – das bedeutet Aelia Capitolina (der römische Name für Jerusalem) und „Stadt des Heiligen Tempels“.

Die Muslime wussten sehr wohl, dass die Menorah das Judentum symbolisierte und Jerusalem der Ort des jüdischen Tempels war.

Dass sie die Menorah als Symbol benutzten, war ein Versuch die religiösen Symbole des Judentums zu vereinnahmen, doch der Symbolismus der goldenen Menorah in den jüdischen Tempeln Jerusalems war den Gestaltern ebenso offensichtlich wie den Menschen, die die Münzen nutzten.

Andere (echte) Forscher merken an, wenn man die islamischen Münzen umdreht, dann ähnelt das Bild einer Kuppel – dem Felsendom.

Der „Fuß“ der Menorah mit ihren zwei Enden ähnelt ein wenig einem Halbmond. Und offenbar ist die Schrift auf mindestens einer Münze so aufgebracht, dass man sie als Kuppel sieht, nicht als Menorah.

Nach Angaben dieses Buchs, wies mindestens eine weitere Münze desselben Zeitabschnitts ein optisches Spiel auf; sie zeigte das Bild einer Amphore (eines für zeremonielle Zwecke genutzten Kruges), die auf den Kopf gestellt einer Mohnblume ähnelte, einem weiteren populären Münzbild.

Es ist durchaus möglich, dass die islamischen „Menorah-Münzen“ Jerusalems besonders gestaltet waren, um zu zeigen, dass die jüdischen Tempel, universal durch die goldene Menorah darin symbolisiert, vom muslimischen Felsendom „gekippt“ worden war, der bewusst an dieser Stelle gebaut wurde! Muslime sind besonders gewöhnt an Symbolismus und dies wäre ein mächtiges Symbol, das zeigt, dass die heiligste Stätte des Judentums durch einen muslimischen Bau ersetzt wurde – durch ein einfaches Umdrehen der Münze.

Die Existenz dieser Münzen beweist genau das Gegenteil dessen, was Abir Ziad behauptete. Sie beweisen, dass Muslime im Morgengrauen des Islam allgemein verstanden, dass Jerusalem eine jüdische Stadt war, die die Überbleibsel des großen jüdischen Tempels beherbergt. Und genauso bewusst, wie sie ein Gebäude auf den Ruinen des Tempels bauten, um diesen Ort zu vereinnahmen, usurpierten sie das Symbol der Monarah selbst – und versuchten vielleicht ihre Ersetzung des Tempels durch den Felsendom auf ihren Münzen zu symbolisieren!

2 Gedanken zu “Warum prägten Muslime eine Menorah auf ihre Münzen?

  1. Was ist hiermit?

    Unter Antonius Pius (138 – 161) kehrten wieder liberale Zustände ein, die antijüdischen Gesetze wurden zum Großteil aufgehoben, worauf viele wieder aus dem Exil zurückkehrten.

  2. Die Antwort ist eine andere:
    Der Frühislam war bis ins späte 8.Jh keineswegs eine eigene Religion, sondern ein arabisches Christentum. Und zwar antibyzantinisch, antitrinitarisch und alttestamentarisch orientiert. Der frühe Islam (Islam=Übereinstimmung, und zwar mit den hl.Büchern Thora und Bibel) verstand sich als christliche Erneuerungsbewegung mit Zentrum Jerusalem, selbstverständlich. Die ursprüngliche Gebetsrichtung war ja unbestritten Jerusalem, die Kaaba ist auch nach Jerusalem ausgerichtet.
    Alle arabischen Münzen bis weit ins 8.Jh zeigen durchwegs jüdisch-christliche Symbole wie Kreuz, Menorah, Palme, Fisch oder Jesus mit dem Richtschwert.
    Frühere Interpreten sahen darin die sprichwörtliche Toleranz der Muslime. Die gab es allerdings damals noch gar nicht. Die frühesten Mohammedlegenden (Hadithe, Sira) tauchten erst im späten 8.Jh. auf, also fast 200 Jahre nach „Mohammed“.

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