Norwegischer Diplomat schadet dem Image seines Landes

Op-ed von Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Im Verlauf der letzten Jahre ist in Israel ein wenig mehr über die hasserfüllten Einstellungen Norwegens zu Israel und den Juden bekannt geworden. Das hat zu einem zunehmend negativen Image dieses Landes geführt. Der größte Schaden dafür, wie man in Israel Norwegen betrachtet, wurde vermutlich von seinem derzeitigen Botschafter Svein Sevje verursacht.

In einem Interview mit dem extrem linken israelischen Journalisten Akiva Eldar erklärte Sevje vor kurzem, warum Bashir Assad als barbarischer Diktator statt demokratischer Reformer in die Geschichte eingehen wird. Er implizierte, dass der syrische Bürgerkrieg aus der fehlenden Friedensvereinbarung mit Israel resultiert; er sagte: „Ich glaube, mit einer solchen Vereinbarung würde Syrien heute ein anderes Land sein. Die Notstandsgesetze hätten abgeschafft werden müssen; das Regime hätte Reformen ausgeführt. Das Regime war versteinert und sie wussten, dass eine Öffnung für demokratische Werte einen Machttransfer bedeuten würde und dazu waren sie nicht bereit. Eine Friedensvereinbarung mit Israel hätte eine Öffnung zur Welt bedeutet.“1

Die meisten diplomatischen Posten Sevjes befanden sich im Nahen Osten. Er hat allerdings reichlich wenig aus der tausendjährigen Geschichte des Antisemitismus gelernt, in dem Juden dauernd für das Fehlverhalten anderer verantwortlich gemacht wurden. Man erkennt dies aus seiner Äußerung gegenüber Eldar zu den Oslo-Vereinbarungen und ob als Ergebnis davon Frieden erreicht worden wäre: „Ich bin mir der Tatsache durchaus bewusst, dass das, was in den arabischen Ländern um euch herum geschieht, nichts mit dem Fehlen einer Vereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern zu tun hat, aber sie hätte den Vorwand beseitig, Israel für alles verantwortlich zu machen.“ Es überrascht nicht, dass Sevje in diesem Interview weder etwas über die Glorifizierung von Mördern israelischer Zivilisten durch die palästinensische Autonomiebehörde sagt, noch über die religiösen Elemente in der völkermörderischen Charta der Hamas.

Eine Reihe der von Sevje israelischen Medien gegenüber getätigten Äußerungen nach Breiviks Morden im Jahr 2011 haben enorm zu Norwegens schlechtem Image beigetragen. In diesen Ausführungen implizierte er, dass Terror gegen Israel in norwegischen Augen gerechtfertigt sei. Das löste heftige Reaktionen verschiedener israelischer Autoren aus. Caroline Glick, stellvertretende Chefredakteurin der Jerusalem Post, zitierte Sevje: „Wir Norweger betrachten die Besatzung als Grund für den Terror gegen Israel. Viele Norweger sehen die Besatzung weiterhin als den Grund für Anschläge gegen Israel. Wer immer so denkt, wird seine Meinung nicht als Ergebnis des Anschlags in Oslo ändern.“ Glick kommentierte: „Nach Meinung der illiberalen Norweger ist also Terrorismus gerechtfertigt, wenn die Ideologie dahinter als gerechtfertigt angesehen wird. Für sie ist es inakzeptabel, dass Breivik norwegische Kinder ermordet, denn seine Ideologie ist falsch. Aber es ist akzeptabel, wenn Palästinenser israelische Kinder ermorden, denn ihre Ideologie ist richtig.“2

Der Politikwissenschaftler Barry Rubin schrieb: „Viele Europäer werden Terror gegen Israelis oder auch Amerikaner akzeptieren; sehr wenige werden dem Terror gegen ihre europäischen Mitbürger applaudieren. Einer der sensibelsten Aspekte des mörderischen Terroranschlags in Norwegen durch einen rechtsgerichteten Bewaffneten ist diese Ironie: Das Jugendlager, das er angriff, betrieb, was im Grunde – obwohl die Lagerteilnehmer das zweifellos nicht so sehen – ein Terror befürwortendes Programm.“3

Das von Norwegens linker Partei betriebene Lager warb dafür die Blockade des terroristischen Hamas-Regimes im Gazastreifen zu durchbrechen und für die sofortige Anerkennung eines palästinensischen Staates, ohne dass diese Einheit irgendetwas tun müsste, was sie davon abhält als Terrorbasis gegen Israel genutzt zu werden. Sie rechtfertigten Kräfte, die Terror gegen Israelis verübt hatten und Tausende von Menschen wie sie selbst töteten.“ In einem anderen Artikel schrieb Rubin: „Menschen, die Begründungen für Terrorismus zustimmen und diese Bewegungen politisch belohnen, verstärken den Terrorismus.“4

Diplomaten im Ausland versuchen die Beziehungen zwischen ihren Ländern zu verbessern. Vebjørn Dysvik jedoch veröffentlichte in seiner Zeit als stellvertretender Leiter der norwegischen Botschaft in Tel Aviv unter Sevje Blogeinträge auf der Internetseite der norwegischen Regierung, in denen er einseitige Rhetorik wiederholte, dass Siedlungsaktivitäten ein Hindernis für eine friedliche Lösung seien.5 Bei einer weiteren Gelegenheit beschrieb Dysvik auch, dass die „Besatzung“ ein „definierender Faktor“ der Beziehungen Norwegens zu Israel sei.6

In einem kürzlich mit der Jerusalem Post geführten Interview sagte Sevje, dass Norwegens Botschaft in kulturelle Aktivitäten in Israel investieren will, um ab jetzt das negative Image des Landes zu verbessern.7 Um das zu erreichen, hätte Norwegen effektivere Wege finden können. Es wäre zum Beispiel weit bedeutungsvoller gewesen, hätte sich König Harald V. für die hohen Orden entschuldigt, die er extremen Antisemiten verlieh, die sich als Antiisraelis tarnen. Der den Holocaust umkehrende Karikaturist Finn Graf zeichnete den ehemaligen Premierminister Ehud Olmert als Nazi-Kommandeur. Im März 2007 wurde er zum Ritter des prestigeträchtigen Königlichen Ordens von St. Olav geschlagen. Zwei weitere Auszeichnungen wurden den Hamas-Unterstützern und Förderern von Ritualmord-Vorwürfen Mads Gilbert und Erik Fosse verliehen. Der König verlieh eine weitere an den muslimischen Antisemiten Trond Ali Linstad, wurde aber angesichts weit verbreiteter Kritik gezwungen sie zurückzunehmen.

Die Förderung kultureller Aktivitäten durch Sevjes Botschaft begann grottenschlecht. Diese Woche wurde großzügige Unterstützung einer Konferenz an der Universität Haifa zum Oslo-Prozess angekündigt. Der einzige norwegische Sprecher ist der regelmäßig antiisraelische Hetzer Nils Butenschøn. Er sprach auch in einem Seminar der NTNU-Universität von Trondheim, das stattfand, bevor deren Vorstand 2010 darüber abstimmte, ob Israel boykottiert werdensoll. Ha’aretz bezeichnete dieses Seminar als ein „Allstar-Team der Israelhasser“.8

Norwegen hat eine neue Regierung, die wahrscheinlich die feindselige, zum Teil antisemitische und humanitär-rassistische Politik des von der Arbeitspartei dominierten bisherigen Kabinetts nicht fortsetzen wird. Ich wurde vor kurzem von einem norwegischen Fernsehsender und anderen dazu interviewt, wie die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verbessert werden können. Ich wiederhole hier, was ich dort sagte: Der erste Schritt sollte sein, den derzeitigen norwegischen Botschafter durch jemanden zu ersetzen, der sein Land weit besser repräsentiert.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

 

1 Akiva Eldar: Norwegian Diplomat Doubts Israel Settlement can be Stopped. Al-Monitor, 16. September 2013.
2 Caroline Glick: Breivik and totalitarian democrats. Jerusalem Post, 28. Juli 2011.
3 Barry Rubin: The Oslo Syndrome. Jerusalem Post, 31.August 2011.
4 Barry Rubin: Norway and Terror: Repressing discussion doesn’t help. Jerusalem Post, 6. August 2011.
5 Vebjørn Dysvik: Bosettinger til besvær. Norge I verden: Tel Aviv (Regjeringen), 15. März 2013.
6 Raphael Ahren: Told that Norway is the West’s most anti-Semitic country, diplomat lashes out at israel. The Times of Israel, 6. November 2012.
7 Barry Davis: Dancing with Norway. Jerusalem Post Magazine, 25. Oktober 2011, S. 20.
8 Why Nils Butenschøn must partake in next week’s seminar on anti-Semitism. Norway, Israel and the Jews, 11. Juni 2013.