Holocaust-Gedenken – neues Instrument für Antisemitismus?

Peter Martino, Gatestone Institute, 4. November 2013

“Nein, wir leben nicht in einem neuen Mittelalter; und nein, in Europa gehen nicht überall die Lichter aus.“ – Jonathan Freedland, The Daily Beast.
„Angesichts der Beispiele grausamen Verhaltens müssen wir von ihnen lernen. Es scheint so, dass das Leiden der Juden sich nicht auf ihre Sicht darauf, wie mit anderen umgegangen werden soll, übertragen hat.“ – David Ward, MP; Mitglied des Bildungsausschusses, britisches Parlament.

Antisemitismus ist heute nicht nur in Frankreich Mainstream geworden, wie Guy Millière letzte Woche auf der Internetseite Gatestone schrieb, sondern überall in Westeuropa. Ein schockierender Aspekt der neuen Welle des Antisemitismus besteht darin, dass das Gedenken an den Holocaust dazu missbraucht wird Antisemitismus und Hassgefühle gegen Israel zu propagieren – den Staat, den das jüdische Volk gründete, um sich vor zukünftigen Holocausts zu schützen.

Ein Artikel auf der Gatestone-Website vom September 2013 erklärte, wie Geschichtslektionen und sogenannte Gedenk-Bildung zum Holocaust in belgischen Schulen dazu genutzt werden Schülern Hass auf Israel einzuimpfen. Die historische Existenz des Holocaust und der Vernichtungslager der Nazis wird nicht geleugnet, wie es einige Antisemiten zu tun versuchen, sondern die Realität des Holocaust und der Vernichtung der Juden wird trivialisiert – besonders durch die Gleichsetzung des aktuellen Umgangs mit den Palästinensern durch Israel mit dem Umgang der Nazis mit den Juden.

Wie in dem Artikel vom September vermerkt, müsste es zur Entlarvung des Gleichheits-Märchens genügen darauf hinzuweisen, dass die in Auschwitz ankommenden Juden nur noch ein paar wenige Stunden oder höchstens ein paar Wochen zu leben hatten, während die Lebenserwartung der Palästinenser im Gazastreifen 72 Jahre beträgt. Es würde genügen darauf hinzuweisen, das in Auschwitz in einem einzigen Monat mehr Juden ermordet wurden als Palästinenser während der gesamten 65-jährigen Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts starben. Diese schlichten Fakten werden aber den Kindern niemals gezeigt, die derart mit Hass auf den jüdischen Staat indoktriniert werden.

Als Reaktion auf den Artikel entfernte Klascement, die von der belgischen Regierung subventionierte Bildungsorganisation, die eine antisemitische Karikatur einstellte, die die Lage der Palästinenser im Gazastreifen mit dem der Juden in den Vernichtungslagern der Nazis gleichsetzte, diese Karikatur von ihrer Internetseite. Wie aber Joods Actueel, das größte jüdische Magazin in Belgien, betonte, lehnte die Organisation es ab sich zu entschuldigen. Es wurde auch nichts wegen der antiisraelischen Desinformationskampagne in belgischen Schulen und des Missbrauchs des Holocaust-Gedenkens zu diesem Zweck unternommen.

Das Problem ist leider kein spezifisch belgisches. Auch in anderen Ländern wird die Erinnerung an die Nazi-Gräuel – wie an die Kristallnacht, das Massaker im Warschauer Ghetto oder den Holocaust allgemein – missbraucht, um Hass auf Israel zu schüren.

Früher in diesem Jahr setzte David Ward, britischer Unterhausabgeordneter und Mitglied des Bildungsausschusses im britischen Parlament, unverblümt den israelisch-palästinensischen Konflikt mit dem Holocaust gleich.

Bei der Unterzeichnung des Book of Commitment des Holocaust Educational Trust im Unterhaus erklärte Ward: „Da ich Auschwitz zweimal besuchte – einmal mit meiner Familie und einmal mit örtlichen Schulen – macht es mich traurig, dass die Juden, die während des Holocaust unglaubliche Level der Verfolgung erlitten, innerhalb weniger Jahre nach der Befreiung aus den Todeslagern im neuen Staat Israel an den Palästinensern Gräuel begehen und das tagtäglich in der Westbank und dem Gazastreifen fortsetzen … Angesichts der Beispiele grausamen Verhaltens müssen wir von ihnen lernen. Es scheint so, dass das Leiden der Juden sich nicht auf ihre Sicht darauf, wie mit anderen umgegangen werden soll, übertragen hat.“

Davor hatte derselbe britische Abgeordnete Israel ein „Apartheid-Regime“ genannt. Auf seiner Internetseite beschuldigte er außerdem den jüdischen Staat „ethnischer Säuberungen“. Es ist aufschlussreich zu erfahren, dass dieser Mann britische Schüler auf ihren Bildungsfahrten nach Auschwitz begleitet. Angesichts seiner Einseitigkeit wäre es alles andere als überraschend, wenn er in Auschwitz, wo Millionen Juden ausgelöscht wurden, britische Schüler mit seinem Hass auf Israel indoktriniert. Es ist eine Beleidigung der Juden, die in Auschwitz starben, dass Leute wie David Ward die Gemüter von Schulkindern mit Hass auf genau den Staat füllen, in dem die Kinder und Enkel vieler Holocaust-Opfer eine sichere Zuflucht gefunden haben.

Vor sechs Jahren besuchte eine Delegation deutscher katholischer Bischöfe Israel und die Palästinensergebiete. Während dieses Besuchs verglich auch Mgr. Gregor Maria Hanke, der Bischof von Eichstätt, Israel mit Nazi-Deutschland. „Heute Morgen [sahen wir] in Yad Vashem die Fotos des unmenschlichen Warschauer Ghettos und heute Abend fuhren wir in das Ghetto in Ramallah. Das macht einen wütend“, merkte der Bischof an. Sein Kollege Mgr. Mixa, Bischof von Augsburg, fügte an, dass die Palästinenser ein einer „ghettorartigen“ Situation leben und dass ihre Behandlung durch Israel „beinahe Rassismus“ ist.

Es graut einem sich vorzustellen, was Mgr. Hanke und Mgr. Mixa deutschen Schulkindern sagen würden, wenn sie sie bei einem Besuch in Yad Vashem oder einer Tour durch das ehemalige Warschauer Ghetto begleiteten.

Auch in den Niederlanden wird das Gedenken an die Nazi-Gräuel missbraucht, um Hass auf Israel zu schüren. Vor fünf Jahren wurde das Gedenken an die Kristallnacht in Amsterdam von offiziellen Rednern missbraucht, darunter vom ehemaligen sozialistischen Bürgermeisters von Amsterdam, der „Islamophobie“ und die „Diskriminierung von Einwanderern“ in den Niederlanden heute mit den Nazis-Exzessen während der Kristallnacht gleichsetzte.

Eines der transparentesten Beispiele für Holocaust-Missbrauch ist vielleicht der Missbrauch des Leidens von Anne Frank. Letzten April meinte Giulio Meotti in der israelischen Publikation Arutz Sheva, dass das Anne-Frank-Museum in Amsterdam lieber geschlossen werden sollte, denn „es ist heute ein Ort, an dem Antisemitismus grassiert“.

Das Anne-Frank-Museum befindet sich in dem Haus, in dem die jüdische Familie Frank sich in einem geheimen Anbau versteckte, bis sie 1944 verhaftet wurde; es ist die am meisten besuchte Holocaust-Gedenkstätte Europas. Das Museum wird allerdings von der Anne-Frank-Stiftung betrieben, die ihr Ziel offenbar nicht nur darin sieht (1) Antisemitismus zu bekämpfen, sondern auch (2) „Gleichberechtigung“ zu propagieren, (3) eine „vielgestaltige Gesellschaft“ und (4) „aktive Staatsbürgerschaft“ als Verteidigung gegen „Vorurteil, Ausgrenzung und Extremismus“.

Die drei letzten Ziele haben das erste völlig zersetzt: Die Anne-Frank-Stiftung ist propalästinensisch und ein lärmender Kritiker niederländischer Politiker, die dem Islam kritisch gegenüber stehen und Israel verteidigen. Die Stiftung warnte auch, dass in den Niederlanden „Islamophobie“ und „negative Ansichten“ zu Muslimen stärker werden.

Das Anne-Frank-Museum, schreibt Meotti, hat „der Geschichte Anne Franks fast alle jüdischen Bezüge genommen… Das Ergebnis ist: Die Öffentlichkeit wird heute für die Einzigartigkeit der Katastrophe desensibilisiert, die die Vernichtung des europäischen Judentums war. Das Museum hat sich auch in eine machtvolle Quelle der Kritik an Israel in Europa verwandelt.“ „Israel“, schrieb die Anne-Frank-Stiftung in einem Bericht, „drängt die Palästinenser wirtschaftlich in eine Ecke und erniedrigt sie psychologisch.“

Das oben gezeigte Anne-Frank-Museum in Amsterdam wird von der Anne-Frank-Stiftung betrieben, die in einem Bericht schrieb: „Israel drängt die Palästinenser wirtschaftlich in eine Ecke und erniedrigt sie psychologisch.“ (Bildquelle: Massimo Catarinella/WikiMedia Commons)

2004 verglich eine Ausstellung im Anne-Frank-Museum den ehemaligen israelischen Premierminister Ariel Sharon mit Adolf Hitler. Der ehemalige sowjetische Dissident Natan Sharansky, damals ein israelischer Minister, reagierte empört. Er sagte, das Museum „zeigt Verachtung für die Erinnerung an die sechs Millionen, die im Holocaust ermordet wurden.“

Seit 2004 hat sich die Lage mit der Anne-Frank-Stiftung jedoch nicht geändert; sie ist immer noch durchdrungen von antiisraelischer Einseitigkeit. Obwohl Anne Frank von den Nazis ermordet wurde, weil sei Jüdin war, versuchen seitdem belgische Bildungseinrichtungen, britische Parlamentarier, deutsche Bischöfe und sogar das zur Ehrung Anne Franks gegründete Museum die Botschaft zu vermitteln, dass die heutigen Anne Franks palästinensische Mädchen sind, die kurz davor stehen von Israelis ermordet zu werden.

Nicht alle stimmen mit dieser Sicht zum Zustand des Antisemitismus in Europa überein. In The Daily Beast gestand Jonathan Freedland ein, dass es „für Juden Probleme“ gibt schreibt aber: „[Nein], wir leben nicht in einem neuen Mittelalter; und nein, in Europa gehen nicht überall die Lichter aus.“ Er erwähnt, dass in Grßbritannien „die Juden das Unbehagen wegen der Grundhaltung der nationalen Zwiesprache zu Israel fühlen können – eine Karikatur in einer Zeitung hier, die Redewendung eines Politikers dort – aber sie genießen auch ein jüdisches Leben, das auf viele Weise reicher ist als je zuvor“. Er fährt mit der Erwähnung eines „Festivals jüdischen Lernens“ fort, das Limmud heißt, der jüdischen Buchwoche, zwei Sitcoms, die auf jüdischem Familienleben beruhen und dass, „wenn die derzeitigen Umfragen bis 2015 stabil bleiben“, Ed Milliband, „der wiederholt den Stolz auf seine  jüdischen Wurzeln betonte“, der nächste britische Premierminister der Labour Party wird.

Ein Gedanke zu “Holocaust-Gedenken – neues Instrument für Antisemitismus?

  1. Ein weiteres Beispiel, wie „das Gedenken an den Holocaust dazu missbraucht wird Antisemitismus und Hassgefühle gegen Israel zu propagieren“, findet sich auf der Facebook-Seite von Ursula Keller hier:

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