Ausnutzung der Verfolgung von Christen zur Dämonisierung Israels

Raymond Ibrahim, The American Thinker, 10. November 2013

Was ist schlimmer als das Schweigen der westlichen Christen zur muslimischen Verfolgung ihrer Glaubensgeschwister in der islamischen Welt? Die Antwort: Zynisch diese Verfolgung für eine politische Agenda auszunutzen – im Fall eines kürzlich veröffentlichten Artikels des Daily Beast, um am Staat Israel und seinen Unterstützern kein gutes Haar zu lassen.

Der Titel lautete „Why Won’t the West Defend Middle Eastern Christians?“ (Warum will der Westen die Christen des Nahen Ostens nicht verteidigen?) und wurde von Diarmaid MacCulloch geschrieben, einem Fellow am St. Cross College; der Artikel streift die Verfolgung von Christen, aber in erster Linie als Sprungbrett, um die Unterstützung Israels durch amerikanische Christen anzugreifen. Beachten Sie den folgenden Auszug:

… eines der Schweigen, die ich am frustrierendsten finde, ist genau der fehlende Lärm westlicher Christen zum Schicksal uralter Christenheiten im Nahen Osten. Im Kern des Problems im Nahen Osten befinden sich sieben Jahrzehnte ungelösten Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern[.]

Ja, westliches Schweigen zum Leid nahöstlicher Christen ist so real wie frustrierend. Aber wie genau ist MacCulloch in der Lage zu der Schlussfolgerung zu springen, dass der arabisch-israelische Konflikt „der Kern“ des Problems ist?

Was ist mit all den gut dokumentierten islamischen Doktrinen, die die Unterdrückung und Verfolgung von Christen und andern Nichtmuslimen kodifizieren?

Was ist mit der dokumentierten Tatsache, dass Christen unter dem Islam mehr als 1.300 Jahren vor der Existenz des Staates Israel verfolgt wurden – in völliger Übereinstimmung mit besagten Doktrinen?

Was ist mit der Tatsache, dass Christen derzeit in jeder Ecke der islamischen Welt verfolgt werden, wie es meine monatliche Serie „Muslim Persecution of Christians“ dokumentiert – darunter in so unterschiedlichen Ländern wie Pakistan, Indonesien, Kasachstan, den Philippinen und jeder Ecke Afrikas – und nicht nur im Nahen Osten?

Sicherlich ist dies – und nicht der winzige und relativ neue Staat Israel – der wahre „Kern des Problems“.

Natürlich kommen alle oben angeführten Punkte zur islamischen Feindschaft gegenüber Christen für Denker wie MacCulloch nicht in Betracht, denn sie porträtieren den Islam in einem negativen Licht und müssen deshalb falsch sein (für ausgiebige andere Dokumentation s. Crucified Again: Exposing Islam’s New War on Christians).

Stattdessen bietet MacCulloch politisch korrekte Textbaustein-Äußerungen wie „Christen sind die Sündenböcke für den Glauben einer extremistisch militanten Minderheit der Muslime, die ihre eigene Religion durch Intoleranz verraten und andere Muslime sich wegen dessen, was geschieht, beschämt sein lassen.“

Tatsächlich ist es MacCulloch, der sich selbst betrügt, indem er den Islam als „toleranten“ Glauben bezeichnet, wenn jedes mäßig objektive Lesen der Doktrin und Geschichte  – die sich in täglichen Schlagzeilen offenkundig gemacht – ohne Ausnahme das Gegenteil beweist.

Gleichermaßen kritisiert MacCulloch, statt nach dem Kern zu graben und die Wahrheit offenzulegen, die protestantische Eschatologie und die US-Unterstützung für Israel, deren Konsequenzen „für die traditionellen Christenheiten des Nahen Ostens besonders schlimm gewesen sind“.

Es wäre nützlicher und aufrichtiger gewesen, wenn er offenkundigere Fragen angesprochen hätte, zum Beispiel:

  • Als die Muslimbruderschaft und ihre Unterstützer in Ägypten rund 80 christliche Kirchen niederbrannte und Christen, einschließlich Kindern ermordete – ganz zu schweigen von all den anderen antichristlichen Gräueltaten, die sie davor beging und seitdem beging – war das wegen Israel oder wegen etwas Persönlicherem?
  • Wenn islamische Rebellen in Syrien Christen terrorisieren, ihre Priester und Pastoren enthaupten, christliche Kreuze zerbrechen und Ikonen zerschlagen – alles unter dem Skandieren islamischer Losungen – ist das wegen Israel oder wegen etwas Angeborenerem?
  • Wenn Muslime in Indonesien illegal Kirchen absperren, Christen dazu zwingen Weihnachten auf der Straße zu feiern – nur, damit sie mit Kuhmist und -Urin beworfen werden – ist das wegen Israel oder etwas tiefer Verwurzeltem?
  • Wenn die nigerianische islamische Gruppe Boko Haram hunderte Kirchen zerstört und tausende Christen abschlachtet und wenn an der anderen Seite Afrikas die somalische islamische Gruppe Al-Schabaab Konvertiten zum Christentum terrorisiert und enthauptet – geschieht das wegen Israel oder wegen etwas Dogmatischerem?
  • Wenn christliche Minderheiten im von der Hamas geführten Gazastreifen entführt und zum Übertritt zum Islam gezwungen werden, geschieht das wirklich wegen Israel oder wegen des Offensichtlichen?

MacCulloch hat mit einer Sache Recht: Viele Muslime hassen Israel. Aber dieser Hass ist – weit davon entfernt die Verfolgung von Christen auszulösen – genau genommen ein Nebenprodukt derselben Feindseligkeit, die das islamische Herrenmenschentum für alle Nichtmuslime hervorruft. Der Grund, dass sie für Israel viraler ist, ist, dass der jüdische Staat sich in einer einzigartigen Position der Autorität über Muslime befindet, anders als bei den verletzbaren christlichen Minderheiten (und vollständig erklärt in diesem Arikel).

Das Thema des Schweigens durchzieht MacCullochs Artikel im Daily BEast – insbesondere, dass westliche Christen zum Leiden ihrer verfolgten Geschwister schweigen. Dieses Schweigen ist wahr und Besorgnis erregend – und gewiss machen sich viele amerikanische protestantische Großkirchen-Denominationen hier schuldig.

Statt jedoch das Leiden der christlichen Minderheiten einfach auszunutzen, um Israel zum Sündenbock zu machen – ironischerweise einen Staat, der sich in einem existenziellen Kampf gegen genau dieselbe Ideologie und Kräfte befindet, die die Christen verfolgt – wäre es für MacCulloch selbst besser gewesen er hätte geschwiegen.