Christliche Feinde und Freunde Israels in Norwegen

Manfred Gerstenfeld interviewt Sverre Hove (direkt vom Autor)

In den 1970-er Jahren nahm die frühere Bischofsgeneration eine feste Haltung gegen den Antisemitismus ein. Sie gab auch zu, dass die Verteidigung norwegischer Juden 1942 durch die Kirche – volkstümlich der „Brief zu den Hebräern“ genannt – zu spät kam, um ihre Deportation in die Todeslager der Nazis zu verhindern.

Die gegenwärtige Generation lutherischer Bischöfe in Norwegen ist von propalästinensischer Theologie sowie Ersetzungstheologie beherrscht. Letztere behauptet Gottes Bund mit den Juden sei durch einen mit Christen ersetzt worden. Oslos Bischof Ole Christian Kvarme lebte mehrere Jahre in Israel und spricht exzellent Hebräisch. Sein Einfluss wurde vor seiner Einsegnung ins Bischofsamt von einer feindseligen Kampagne der Medien und Linken lahm gelegt. Kvarme ist ein Freund Israels, weiß aber, dass harsche Medienkritik kommen wird, wenn er das öffentlich zu laut sagt.

Sverre Hove
Sverre Hove

Odd Sverre Hove war Chefredakteur der norwegischen christlichen Tageszeitung Dagen. Er war früher Landdekan der norwegischen Kirche und Generalsekretär der norwegischen Fischermission.

Eine Neuorientierung des Jahres 1675 schuf im Lauf der Jahre eine anhaltende Spaltung zwischen lutherischen Theologen. Die meisten aus dem Establishment blieben bei der Ersetzungstheologie. Die unabhängigeren Theologen liebten die biblischen Verheißungen einer jüdischen Rückkehr in das verheißene Land. Die Spaltung besteht bis heute.

Die norwegische Kirche war seit dem Mittelalter Staatskirche. Nach der lutherischen Reformation im 16. Jahrhundert wurde die Kirche noch stärker durch den König gelenkt. Die Verfassungsänderung des Jahres 2011 beendete den staatlichen Status der norwegischen Kirche. Ihre Bischöfe und Dekane werden nicht länger durch die norwegische Regierung ernannt. Die letzten Jahre des Staatskirchensystems waren von einer stark wachsenden sozialdemokratisch-ideologischen Vormacht in der Kirche gekennzeichnet, die gegen unpopuläre biblische Wahrheiten kämpfte.

Man sollte die gegenwärtige Freiheit der Kirche nicht überbewerten. Sie ist immer noch dem politischen Druck unterworfen, da über ihre Haushalte weiterhin das Stortinget (Parlament) und örtliche Stadträte entscheiden. Jedes Jahr wird eine ähnliche Geldsumme pro Mitglied an nicht staatskirchliche religiöse Gemeinschaften überwiesen, um finanzielle Diskriminierung zu vermeiden.

Die Mitgliedschaft in der norwegischen Kirche liegt bei 77% der Bevölkerung, vor vierzig Jahren lag sie bei rund 96%. Diese Abnahme kam teilweise wegen einen wachsenden Übergang in protestantische Freikirchen und zur katholischen Kirche zustande, dadurch, dass Menschen areligiös werden sowie durch die Einwanderung von Katholiken, Muslimen, Hindus und so weiter. Der Kirchenbesuch ist im Vergleich mit den Ergebnissen zu Umfragen zum persönlichen Glauben ungewöhnlich niedrig.

In den 1980-er Jahren gestatteten Regierung und Storting die Gründung einer jährlichen Kirchensynode (Kirkemøte). Sie besteht aus 80 gewählten Repräsentanten und rund 15 nicht gewählten Mitgliedern, von denen 12 Bischöfe sind. Außerdem wurde ein Synodenrat (Kirkerådet) mit rund 15 Mitgliedern eingerichtet.

Der Ökumenische Rat (MKR, Mellomkirkelig Råd) der Kirchensynode ist ein starker Verfechter palästinensischer Theologie und unterhält Verbindungen zum Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf. Die derzeit gewählte Kirchensynode ist zusammen mit dem Synodenrat in Fragen „politischer“ Theologie oft moderater. Im September 2013 schickte der MKR einen liturgischen Text zur palästinensischen Besatzungstheologie an alle örtlichen Kirchen, der eine Woche lang auf freiwilliger Basis verwendet werden sollte. Der MKR wurde hinterher vom Kirkerådet kritisiert, der gegen politische Äußerungen innerhalb von kirchlicher Liturgie Einwände erhob.

Der größte Teil der norwegischen christlichen Unterstützer Israels ist in verschiedenen Kirchen, in Bethäusern sowie bei den meisten Mitgliedern protestantischer Freikirchen zu finden. Es gibt eine Anzahl proisraelischer Organisationen. Die wichtigste und effektivste ist die nicht religiöse MIFF (Med Israel for Fred). Die Mitgliederzahl in dieser proisraelischen Fürsprechergruppe wächst rapide. Die meisten Mitglieder sind Christen und Juden. Sie hat blühende Aktivitäten in Oslo und Regionalstädten überall in Norwegen.

Die meisten proisraelischen Bewegungen haben Treffen, große Sommerkonferenzen, verteilen Mitgliedschafts-Flyer und äußern sich gelegentlich öffentlich. Ihre Mitglieder nehmen hin und wieder an öffentlichen Pro-Israel-Demonstrationen in Oslo teil, wann immer etwas Besonderes im Gange ist.

Proisraelische Gruppen werden zumeist ignoriert oder gelegentlich von Arbeitsparteilern und anderen Linken in den Medien angegriffen. Zu den Ausnahmen gehören die kleine christliche Tageszeitung Dagen und die Wochenzeitung Norge Idag, die jetzt einen eigenen Buchverlag hat. Vårt Land ist eine einigermaßen ausgeglichene, in Oslo veröffentlichte Zeitung mit einer stärker der Kirche zugeneigten Linie. Sie ist in der Regel für proisraelische Op-Eds offen. Der Einfluss dieser Gruppen auf die allgemeine Öffentlichkeit ist jedoch bescheiden, da das Land von einer monolitisch linken ideologischen Vormacht beherrscht wird, die wenig Toleranz besitzt. Hoffentlich wird die neue norwegische Regierung aus Konservativen und Progressiven Israel nicht so feindlich gegenüber stehen, wie es ihre von der Arbeitspartei dominierte Vorgängerin war.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Ein Gedanke zu “Christliche Feinde und Freunde Israels in Norwegen

  1. Norwegische Christen sind z.B, auch mit den Besitzern vom Hotel „Eshel HaShomron“ in Ariel, Shomron (Samaria) und dem dortigen „Blblischen Garten“ befreundet.
    Ihre Spendenaktionen für die Erweiterung des „Bliblischen Gartens“ dort sind nicht unerheblich. uchkommen regelmäßig norwegische christliche Gruppen dort hin!

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