Der Blender

MarktGaza
Markt in Gaza

Robin Renitent (direkt vom Autor)

Der Blender ist ein Mensch, der vorgibt kompetent zu sein, sich mit schönen und gesetzten Worten in die Herzen seiner Mitmenschen schummelt und ihnen sein Halbwissen als Wahrheit verkauft. Die Sicherheit seines Auftretens, die blumige und effektheischende Eloquenz seiner Aussagen beeindruckt seine Umwelt, besonders unbedarfte, unkritische und schlichte Gemüter und es verschafft unserem Blender eine fast orgiastische Lust, wenn eben diese Simpel an seinen Lippen hängen. Natürlich gelangt er in der Wiederholung seiner Worthülsen und der Verwendung eingängiger Satzbausteine und vorgefertigter Stereotype zu einer gewissen Fertigkeit, die den Aufbau seiner Vortragsergüsse und zwischen Buchdeckel gegossenen „Originalerlebnisse“ dem unkritischen Zuhörer plausibel erscheinen.

Jürgen Todenhöfer, von Herbert Wehner, der sich nicht blenden ließ und den seicht daherkommenden Zeitgeisthansel durchschaute, treffend-polterig „Hodentöter“ genannt, beherrscht diese Techniken wie kaum ein anderer umtriebiger Jürgen-Dampf-an-allen-Brennpunkten. Und die eigene Lust sich im Licht berühmter Zeitgenossen zu sonnen strahlt anerkennungssuchend durch die Brillengläser. Blender sind immer von ihrer eigenen Größe beeindruckt und sie dekorieren sich gerne mit Zitaten anderer Großer, sofern sie denn ins Konzept passen. Genauigkeit ist dabei nur hinderlich, lächerliche Stolpersteine auf dem Wege zum Ziel.

Eine geistig Verwandte Jürgens ist übrigens Claudia Roth, obwohl sie ihm intellektuell nicht gewachsen ist, wollte sagen, noch eine Qualitätsstufe tiefer rangiert. In ihrer Empathie aber ähneln sie sich, bauchgesteuert und den Verstand als hinderlich ausschaltend. Insbesondere, und das erzähle ich meinen Kindern als abschreckendes Beispiel, vermarkten sie ihre Kurzeindrücke als situationsverbindliche Kompletterfahrungen. Uns Claudia also hatte ihr Urteil über die DPRK (Nordkorea) nach 3 Tagen fertig und ihre Aussage gipfelte in dem erstaunten Ausruf:

Ich habe noch kein Land erlebt, das mir so geschlossen vorgekommen ist, so in sich verbarrikadiert. Die Distanz ist so unendlich groß zu den Menschen. Du kannst nicht auf sie zugehen, weil es für die Menschen möglicherweise auch eine Gefährdung wäre.

Zu dieser Aussage kommt jeder TV-Glotzer wenn er sich der Erfahrungen der 2. Hand, den Aussagen Anderer, transportiert über den Fernseher, bedient, zwischen Umschalten von Big Brother nach DSDS.

Doch zurück zu Todenhöfer. Er kann das noch toppen. Er war 1 Tag in Gaza. In Worten: EINEN. Meine Familie ist schwer beeindruckt. Um unseren Kindern einen umfassenden Eindruck der politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Eigenheiten eines Landes zu geben waren wir mit ihnen wochen-, ja monatelang in den anvisierten Ländern. Danach erst hatten wir eine schwache und immer noch keine umfassende Ahnung. In China waren das beispielsweise 5 Monate, in der DPRK 2 Wochen, in Israel 3 Monate, in Australien, Indien, Kambodscha, Vietnam, Korea, Japan etc. pp. mindestens jeweils 2 Monate. Insgesamt haben wir das bei 50 Ländern durchgezogen (indem wir natürlich das deutsche Schulsystem unterlaufen haben) und wenn wir uns heute äußern, immer noch mit Vorbehalt.

Ja und auch in der Westbank und in Gaza und in Ägypten waren wir. Übrigens mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ohne Delegation. Was Todenhöfer da gesehen hat, in 24 STUNDEN (!!!) ist uns entgangen, komplett entgangen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir kein Buch verkaufen wollten und keine Interviews und keine TV-Dokumentationen drehen. Es liegt daran, dass wir nicht von uns selbst und unserem Mut beeindruckt sind, sondern von den realen Gegebenheiten die wir, zeitgeistunabhängig und frei von ideologischer Aufarbeitung, ungefiltert wahrgenommen haben.

Uns Jürgen aber geilt sich an den Rezensionen der grenzdebilen Lohnschreiber auf:

„Wer an einer persönlichen Haltung zu den weltpolitisch relevanten Konflikten der vergangenen Jahre interessiert ist, kommt an dem Mann nicht vorbei. Irak, Iran, Tunesien, Ägypten, Libyen, Afghanistan, Syrien: Jürgen Todenhöfer berichtet auf eigene Rechnung.“

Jau, dieser mutige Deutsche, Vorbild für alle Sesselpupser, ist von sich selbst und seinem Mut nachhaltig beeindruckt:

Angeblich war meine „Einreise“ durch einen kleinen, dunklen Erdtunnel illegal. Darauf stehen mehrere Jahre Gefängnis. Aber wirklich illegal ist nur die Art und Weise, wie in Gaza zwei Millionen Menschen in einem großen Käfig eingesperrt sind. Gefährlich war der Tunneltrip nach Gaza und zurück auch. Weil die Tunnels regelmäßig von Israel bombardiert oder von Ägyptern zugeschüttet oder gewässert werden. Über zweihundert Menschen sind hier seit 2007 ums Leben gekommen.

Und Todi-tralala hat es gerade noch mal geschafft. In 24 Stunden hin- und zurück. Zu Jules Vernes Zeiten wäre er in nur 50 Tagen statt 80 um die Welt. Wetten daß?

So also ticken sie die Blender. Und haben auf Facebook 57658 „Freunde“. Na denn!

Wir haben, sorgsam ausgewählt, nur 100. Wir wollen ja auch niemanden blenden. Wir wollten ja auch keine Verkaufserlöse erzielen. Auch eine Anhängerschar und Claqueure brauchen wir nicht. Unser selbstgewähltes Erziehungs- und Wahrnehmungsziel für unsere halbwüchsigen Kinder war und ist die Erfahrung der 1. Hand. Sehen, erleben und verarbeiten. Aber nicht in 24 Stunden.

Derlei unterhaltsame Scharlatanerie überlassen wir den Schaumschlägern und eitlen Blendern.

In Jürgen Todenhöfer haben die ihren Meister gefunden. Nein Jürgen, wir werden Dein Buch nicht kaufen.

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2 Gedanken zu “Der Blender

  1. Todi-tra-la-la hat das auf seiner Seite sofort gelöscht. Blendern fehlt auch Selbstkritik, Kritik aber können sie gar nicht haben.

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