Die palästinensischen Flüchtlinge – ein Realitätscheck (Teil 2)

Yoram Ettinger, Israel HaYom, 29. Dezember 2013

Die Frage der palästinensischen Flüchtlinge ist eine, die dramatisch fehlinterpretiert wird, deren Umstände und Zahlen verzerrt werden, um den jüdischen Staat zu delegitimieren.

Die Wurzeln damals und heute

Nach Angaben des deutschen Nahostexperten Fritz Grobba („Männer und Mächte im Orient“) wollte die Palästinenserführung von 1948, angeführt von Großmufti Haddsch Amin al-Husseini, die Nazi-Methode zur Massakrierung der Juden im gesamten Nahen/Mittleren Osten einsetzen. 1941 entwarf der Mufti einen Vorschlag mit der Forderung, dass Deutschland und Italien das arabische Recht „das jüdische Problem“ in Palästina und den arabischen Ländern in Übereinstimmung mit nationalen und rassischen arabischen Interessen zu regeln, ähnlich der Verfahren, die zur Lösung des „jüdischen Problems“ in Deutschland und Italien. Am 24. November 1947 drohte der amtierende Vorsitzende des (palästinensischen) Arabischen Hohen Rates, Jamal al-Husseini: „Palästina wird von Feuer und Blut verzehrt werden“, wenn die Juden irgendeinen Teil davon bekommen. Am 16. April 1948 sagte Jamal Husseini dem UNO-Sicherheitsrat: „Der Repräsentant der Jewish Agency sagte uns gestern, dass sie keine Angreifer seien, dass die Araber mit den Kämpfen begonnen hätten. Wir streiten das nicht ab. Wir sagten der ganzen Welt, das wir kämpfen würden.“

Am 9.Januar 2013 schwor Mahmud Abbas dem Großmufti die Treue. Der eng mit der Naziführung zusammenarbeitete, insbesondere mit Himmler, Hitlers skrupellosester rechter Hand: „Am Jahrestag der Fatah erneuern wir das Gelöbnis an unsere glücklichen Märtyrer. … Wir geloben den Weg der Märtyrer weiterzugehen. … Hier müssen wir an die Häftlinge erinnern – den Großmufti von Palästina, Haddsch Amin al-Husseini.“

Wer ist verantwortlich?

Der PLO-Vorsitzende und PA-Präsident Mahmud Abbas gab zu: „Arabische Armeen zwangen die Palästinenser ihre Häuser zu verlassen“ (Filastin A-Thawra, März 1976). Am 13. Mai 2008 behauptete Al-Ayyam, die zweitgrößte pro-Abbas-Tageszeitung der Palästinenser: „[1948] sage die Arabische Befreiungsarmee (ALA) den Palästinensern, sie sollten ihre Häuser und Dörfer verlassen und ein paar Tage später zurückkehren, damit die ALA ihren Auftrag ausführen kann.“

Der Leiter des britischen Nahost-Büros in Kairo, JohnTroutbeck berichtete im Juni 1949: „Arabische Flüchtlinge sprechen mit größter Bitterkeit von Ägypten und anderen arabischen Staaten. Sie wissen, wer ihre Feinde sind. Ihre arabischen Brüder überzeugten sie unnötig ihre Häuser zu verlassen.“ Sir Alan Cunningham der letzte britische Hochkommissar in Palästina, schrieb am 28. April 1948, dass die völlige Räumung den Arabern Haifas von höheren arabischen Kommandos aufgedrängt wurde. Der US-Generalkonsul in Haifa telegrafierte am 25. April 1948, dass „berichtet wird, dass der Hohe Arabische Rat allen Araber befiehlt wegzugehen“.

Azzam Pascha, Generalsekretär der Arabischen Liga, sagte der libanesischen Tageszeitung Al-Holda am 8. Juni 1958: „1948 wurde uns versichert, dass die Besatzung Palästinas ein militärischer Spaziergang sein würde. … Brüderlicher Rat an die Araber in Palästina war, ihre Häuser vorübergehend zu verlassen.“ Der Londoner Economist schrieb am 2. Oktober 1948: „Der mächtigste der Faktoren [die die arabische Flucht auslösten] waren die Ankündigungen der Hohen Arabische Exukutive, die die Araber zur Flucht drängte. … Es wurde klar zu verstehen gegeben, dass die Araber, die in Haifa blieben und jüdischen Schutz akzeptierten, als Abtrünnige betrachtet würden.“ Der syrische Premierminister Khaled al-Azam gab das 1973 in seinen Memoiren zu: „Wir brachten den Flüchtlingen Vernichtung, indem wir sie aufforderten ihre Häuser zu verlassen.“

Der ersten US-Botschafters in Israel, James G. McDonald schreibt („My Mission in Israel“): „Diese Araber flohen aus Palästina als Ergebnis einer Massenpanik, als die reichen Araber, fast bis auf den letzten Mann, im November 1947 begannen wegzulaufen. … Die Flucht wurde von Horrorgeschichten über jüdischen Sadismus provoziert, die vom Mufti und seinen Anhängern in Umlauf gesetzt wurden. … Die Flüchtlinge waren den arabischen Führern anzulasten, als Ergebnis eines Krieges, den sie anfingen und verloren.“

Wie viele Flüchtlinge? Der regionale Kontext

Während die tatsächliche Zahl der palästinensischen Flüchtlinge von 1948/49 320.000 betrug, schreibt Dr. Yoel Guzansky, dass rund ein Drittel der syrischen Bevölkerung von 23 Millionen vor kurzem ihre Häuser verloren und über zwei Millionen (die Zahl wächst weiter) haben Zuflucht in arabischen Nachbarländern gefunden. In Jordanien gibt es 1,2 Millionen Flüchtlinge, was die innenpolitische Instabilität verstärkt; 800.000 sunnitische Muslime flohen in den Libanon, was den schiitisch-sunnitischen konfessionellen Terrorismus verschärft und eine existenzielle Bedrohung darstellt; 700.000 sind in der Türkei, 250.000 im Irak und 125.000 in Ägypten. Eine Million Libyer sind aus ihrem Land geflohen, das seit dem Sturz und der Ermordung von Muammar Gaddafi 2011 zunehmend gewalttätig und instabil geworden ist. Eine halbe Million Flüchtlinge aus Äthiopien, Somalia, Dschibuti und dem Sudan ist im Jemen angekommen, der von einer ähnlichen Zahl an Jemeniten belastet ist, die ihre Heime wegen Stammes-, religiösen, ideologischen und geografischen inneren Konflikten verloren.

Nach Angaben des britischen „Survey of Palestine, Volume I“ – zitiert in Samuel Katz‘ „Battleground: Fact and Fantasy in Palestine“ – gab es 1947 in dem Gebiet, das Israel wurde, 561.000 Araber. Katz trägt vor, dass es bei Kriegsende 140.000 Araber in Israel gab; damit konnte es nicht mehr als 420.000 heimatlose Araber gegeben haben. „Ende Mai 1948 schätzte Faris el-Khoury, Syriens Repräsentant beim UNO-Sicherheitsrat, ihre Zahl auf 250.000. … Emil Ghoury vom Hohen arabischen Rat – der Führung der Araber im britischen Mandat Palästina – verkündete am 6. September 1948, dass die Zahl der geflohenen Araber bis Mitte Juni 200.000 betrug und ihre Zhal bis 17. Juli auf 300.000 gestiegen war. … Graf Bernadotte, UNO-Sonderrepräsentant in Palästina, schätzte die Zahl der arabischen Flüchtlinge auf 360.000, darunter 50.000 auf israelischem Gebiet.“ E. R. Noderer von der Chicago Tribune berichtete am 10. Mai 1948: „Es wird geschätzt, dass 150.000 Araber die Bereiche Palästinas verlassen haben, die im Teilungsplan den Juden zugesprochen wurden.“

Falschinformationen und Desinformationen haben den diplomatischen Diskurs zur Palästinenserfrage dominiert, was dazu führte, dass westliche politische Entscheidungsträger und öffentliche Meinungsmacher irregeführt wurden, womit arabische Erwartungen und Forderungen radikalisiert, Terrorismus geschürt und die Aussichten auf Frieden minimiert wurden.

(Teil 1 hier)