Zwei Meldungen in den deutschen Medien

übernommen mit freundlicher Genehmigung von Lila

Eine groß aufgemacht. Flüchtlinge in Israel demonstrieren für ihre Rechte. Ich kann die deutsche Reaktion auf die Demo in Tel Aviv nicht besser kommentieren als auf Achse des Guten bereits geschehen:

Israel hat ein Flüchtlingsproblem, so wie Europa auch. Und trotz des von linken Journalisten propagierten Rassismus in Europa und in Israel treibt es die Flüchtlinge eigenartigerweise genau dorthin, wo der Rassismus besonders deutlich ausgeprägt ist: nach Israel. Da wundert es den einfach strukturierten Tagesschau-Zuschauer schon, warum die Flüchtlinge nicht in Ägypten oder Libyen bleiben oder gleich bis Syrien durchmarschieren, allesamt Beispiele für gelebte Demokratie, Frieden und Freiheit in der arabischen Welt. Warum muss es ausgerechnet Israel sein?

Der Bürgerkrieg in Syrien mit über 100.000 getöteten Menschen ist den Journalisten nicht mehr aufregend genug, da muss es schon eine Großdemonstration in Israel sein. Ob das damit zu tun hat, dass es für den Tagesschau-Reporter schlichtweg bequemer ist, in Tel Aviv vom Dach eines Hotels seinen Bericht zu senden, um pünktlich zur Happy Hour wieder in der Hotellobby zu sein, als in Aleppo in einer Ruine zu hausen?

Dazu fragt es sich doch, was dieselben deutschen Israel-Kritiker dazu sagen würden, wenn Flüchtlinge in Deutschland eine automatische Anerkennung ihres Asylantrags forderten – auch in Deutschland werden solche Anträge doch individuell behandelt und nicht als Gruppe. Es ist billig, das viel ärmere, kleine und bedrohte Israel wegen einer Problematik aufs Korn zu nehmen, die im großen, reichen, friedlichen Europa nicht besser gelöst ist.

Ja, das war die große Meldung in allen deutschen Medien.

Die kleine? Oh, die kleine hat es gar nicht erst in die deutschen Medien geschafft, die findet sich nur in israelischen. Warum sich mit Kinkerlitzchen das gute Gefühl der moralischen Überlegenheit kaputtmachen?

Nicht nur in Tel Aviv wird demonstriert. Manchmal auch in Berlin.