Wie klein ist der israelisch-palästinensische Konflikt? Statistiken

J. M. Mens, Times of Israel Blogs, 6. Januar 2014

Wenn über Israel und den Konflikt gestritten wird, dann werden viele der Israelunterstützer die Unterstützer von Boykott, De-Investition und Sanktionen oder anderer solcher Gruppen fragen, warum sie derart fanatisch von Israel und genau diesem Konflikt besessen sind. Das wird oft als der „Verantwortung aus dem Weg gehen“ ausgelegt oder, wie die American Studies Association es formulierte: „Irgendwo muss man mal anfangen!“ Wenn man aber darüber nachdenkt, dann ist es eine sehr berechtigte Frage, warum so viele von dem besessen sind, was man nur als einen Mikrokosmus in der leider enormen Bandbreite der Konflikte in der Welt erklärt werden kann.

Die meisten Quellen stimmend darin überein, dass die Zahl der Toten des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern von 1948 bis 2009 rund 14.000 beträgt. Dieser eher herzlose Kommentar mag kritikwürdig sein, aber das ist wirklich nichts im Vergleich zum Rest der Welt, nicht einmal, wenn man andere Ereignisse dieses halben Jahrhunderts einbezieht. Ich finde es erstaunlich, dass „Boykott-Anstrengungen gesteigert werden“ und „Israel zum internationalen Paria-Staat erklärt werden wird“, wenn kein Friedenshandel in einem der zahmsten Konflikte der Weltgeschichte erzielt werden wird.

Die Welt ist mit dem Leid der palästinensischen Araber sowohl im Gazastreifen als auch in der Westbank beschäftigt. Ihre Lage ist Besorgnis erregend. Doch wie ich sage, ist das ein Mikrokosmos in einem Spektrum an Konflikten und Problemen, die bis heute andauern. Wenn auch nur ein einziger Palästinenser getötet wird, kommt das oft auf die Nachrichten-Internetseiten. Derweil sterben in Syrien tagtäglich Hunderte und ihre Namen bleiben unbekannt. In den letzten drei Jahren ist Israel von den Vereinten Nationen kritisiert, verurteilt und sogar diffamiert worden, weil es Siedlungen in der Westbank baut. Und ich sage:

Derweil war in den letzten drei Jahren folgendes:

Die Zahl der Todesopfer in Syrien steht bei rund 130.000 und steigt weiter. Es sieht so aus, als würde die Zahl der Todesopfer bis Ende des Jahres auf weit über das Zehnfache der Zahl der Toten im israelisch-palästinensischen Konflikt steigen. Doch nach der Konfiszierung der Chemiewaffen scheint das niemanden zu kümmern.

Die Zahl der Todesopfer im Südsudan überstieg in der Hälfte des letzten Dezembers auf über 1000 und steigt täglich weiter. Das in einen Bürgerkrieg übergehende Land hat innerhalb eines Monats 7% eines 61 Jahre andauernden Konflikts erreicht. Kindersoldaten werden benutzt. Aber niemand scheint die Lage des Zerfalls im Südsudan sonder zu kümmern.

Über die Konflikte dieser beiden Länder wird nicht so breit berichtet, sie werden nicht so behandelt und es gibt keine Shuttle-Diplomatie des US-Außenministers John Kerry, um diese Konflikte zu bewältigen. Es gibt keinen Dialog dazu, es gibt keinen Versuch Verhandlungen in Gang zu bringen. Der Krieg in Syrien zieht sich in die Länge, der Krieg im Sudan beginnt, ohne dass etwas dazu gesagt wird.

Derweil haben Sie vermutlich hiervon noch nicht einmal etwas gehört:

– Der Konflikt zwischen der Bewegung West Papua und der indonesischen Regierung, bei dem seit 1962 mehr als 400.000 getötet wurden und der bis heute weiter geht. Die UNO hat diesen Konflikt nicht angerührt, doch die Kriegsverbrechen gehen weiter. Der US-Schlüssel in Ostasien hat diesen Konflikt nicht einmal angerührt und bearbeitet die Rechte offenbar nicht – derweil das palästinensische Recht auf Selbstbestimmung die Nummer eins auf der Liste der US-Außenpolitik ist.

– Der Konflikt der peruanischen Rebellengruppe Leuchtender Pfad mit der Regierung, durch den seit den 1980-er Jahren mehr als 70.000 Menschen getötet wurden, geht bis heute weiter. Es gibt ein Wiederaufleben der Aktivitäten der Gruppe und doch hat die Welt sich damit kaum auseinandergesetzt. Jeder mit Abitur kann die Grundzüge des israelisch-palästinensischen Konflikts aufsagen, aber niemand weiß oder kümmert sich um einen Aufstand, der viel mehr Tote gefordert hat.

– Der Bürgerkrieg in Kolumbien hat seit 1964 zwischen 50.000 und 200.000 Menschen getötet (und 2 bis 4 Millionen heimatlos gemacht) und geht bis heute weiter. Der Krieg zwischen der kommunistischen FARC und der Regierung hat zu enormem Verlust an Leben und einer atemberaubenden Vertreibung von Menschen geführt. Auch hier schweigt die Welt.

– Durch den mexikanischen Drogenkrieg wurden seit 2006 mehr als 100.000 Menschen getötet und seit 2012 mehr als 26.000 verletzt. Die mexikanische Regierung bekämpft Drogenbarone, Kartelle, Mafia und andere Gruppen, was zu intensiver Gewalt führt, die bis heute andauert.

– Durch den nie enden wollende somalische Bürgerkrieg sind seit 1991 mehr als 500.000 Menschen getötet worden. Die Vereinten Nationen griffen 1992 ein, doch die Kämpfe gehen bis heute fort und es gibt Anzeichen, dass er sich noch weiter intensiviert. Islamistischer Radikalismus von Gruppen wie al-Shabab nehmen an Stärke zu und verursachen weiteren Schaden. Doch immer noch versucht die Welt nicht diesen Konflikt zu lösen.

All diese Konflikte sind mindestens doppelt so explosiv und doppelt so herzzerreißend wie der andauernde im Nahen Osten. Siedlungsbau besetzt mehr Zeit im Fernsehen als fast jeder andere Konflikt. Doch die Welt bleibt still. Was soll Israel sagen? Danke für eure Sorge?

Noch ein Punkt. Besatzung? Ist das hier das Thema?

Was ist mit Kurdisten?
Die Kurden haben eine Geschichte von mehr als 4400 Jahren in der Region und doch haben sie kein Recht auf Selbstbestimmung. Ihr Land wird von mehreren Saaten besetzt, besonders von der Türkei; und für sie gibt es keine riesigen Unterstützer-Lobbys oder Demonstrationen. Die Türkei ist keinen Boykottdrohungen ausgesetzt.

Was ist mit der Westsahara?
Das Volk der Westsahara hat den Einsatz von Napalm und weißem Phosphor auf ihre Flüchtlingslager erlitten und ist derzeit von Marokko besetzt. Marokko wird nicht boykottiert und es gibt keine Flottillen zugunsten des Volks der Sahawi.

Was ist mit Nordzypern?
Natürlich wäre keine Erwähnung von „Besatzung“ vollständig, ohne Zypern zu erwähnen, dessen nördlicher Teil von der Türkei seit den 1970-er Jahren illegal besetzt ist. Wie ich schon sagte: die Türkei wird wegen seiner Besatzung nicht boykottiert oder kritisiert.

Und das beste von allem ist die humanitäre Hilfe. Die Palästinenser erhalten pro Kopf mehr humanitäre Hilfe als jedes andere Land der Erde. $1.800 pro Kopf jedes Jahr, wobei die US-Hilfe als Teil der gegenwärtigen Friedensverhandlungen um $440 Millionen erhöht werden soll. Im Vergleich dazu erhält Somalia (mit einer drastisch schlimmeren Lage, was Armut, Tod, Konflikt und Krankheiten angeht) Hilfe von $220 pro Kopf. Der Sudan, ebenfalls mit einer entsetzlichen humanitären Lage, die weit schlimmer ist als die in den Palästinensergebieten, Erhält Hilfen von $190 pro Kopf. Äthiopien, mit einer der schlimmsten Armusraten der Welt, erhält Hilfen von weniger als $50 pro Kopf. Die Palästinenser sacken mehr als achtmal so viel ein sie die Somalis, mehr als neunmal so viel wie die Sudanesen und mehr als das 30-fache der Hilfen an Äthiopien.

Ich frage also: Warum ist die Welt so besessen von der Palästinenserfrage und zwar was Zeit in den Medien, Aufmerksamkeit, Auslandshilfe und diplomatische Bemühungen angeht? Hat es mit Ölgeld zu tun? Ist Hass auf Israel ein integraler Teil einer vorherrschenden Ideologie? Oder sind die anderen Konflikte, andere Heimatlose und Hungernde und umkämpfte Völker der Welt zu langweilig, um in die Nachrichten zu kommen und mit Geld berieselt zu werden? Ist das fair?

Ich weiß es nicht. Doch jeder, der seine Zeit damit zubringt ein rotes X auf den Davidstern auf einer israelischen Flagge zu malen oder sagenhafte Apartheidmauern zu gestalten, um damit Kirchen zu dekorieren, sollte sich dieselbe Frage stellen. Wer sich entscheidet, dass ein palästinensisches Leben wertvoller ist als das Leben eines Menschen in Papua oder dem Sudan oder eines Kolumbianers, der seine ganze Zeit mit der Konzentration auf diese Frage verbringt, dann muss der sich ein paar ernste Fragen über seine Wahrnehmung der Menschheit stellen.

4 Gedanken zu “Wie klein ist der israelisch-palästinensische Konflikt? Statistiken

  1. Zitat:
    Wenn über Israel und den Konflikt gestritten wird, dann werden viele der Israelunterstützer die Unterstützer von Boykott, Di-Investition und Sanktionen oder anderer solcher Gruppen, warum sie derart fanatisch von Israel und genau diesem Konflikt besessen sind. Das wird oft als der „Verantwortung aus dem Weg gehen“ ausgelegt ………
    Zitat Ende.

    Dieser satz scheint mir schwer verständlich

  2. weil es noch größeres unrecht auf der welt gibt, wird dadurch ein weniger großes unrecht gerechtfertigt?

    • Das ist das typische Heuchel-Argument, das nichts zur Sache beiträgt, keine Argumente bringt und nur wieder darauf hinausläuft einzig Israel zur Rechenschaft ziehen zu wollen, andere aber ungeschoren lässt.
      Wer nur einen aussondert, um ihm seine Verfehlungen vorzuhalten, aber andere, die weitaus schwerere Schuld auf sich laden, der handelt einseitig und verleumderisch. Und da es der jüdische Staat ist, bin ich durchaus geneigt, diesem den richtigen Namen zuzuordnen. Auch auf die Gefahr hin, dass jetzt wieder das Keulen-„Argument“ ausgepackt wird. Das wiederum genauso unsachlich ist wie das angeführte Scheinargument der Gerechtigkeit.

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