Ashton gedenkt der Holocaust-Opfer – ohne Juden zu erwähnen

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 27. Januar 2014 (direkt vom Autor)

In einer Erklärung der EU Außenkommissarin zum Holocaust Gedenktag werden zwischen diplomatischen Formeln weder Juden noch Antisemitismus erwähnt. Die hohe Kommissarin der EU Außenpolitik, Catherine Ashton, hat eine offizielle Erklärung zum internationalen Holocausttag veröffentlicht. Darin gedenkt sie den Opfern des Holocaust, die „in der finstersten Periode europäischer Geschichte brutal ermordet“ worden seien. Der Gedenktag müsse uns erinnern, „Vorurteile und Rassismus zu bekämpfen“, heißt es weiter in der Erklärung. „Der Respekt für Menschenrechte und Vielfalt befindet sich im Herzen (der Werte) wofür die Europäische Union steht.“

Im Mittelpunkt des Holocaust stand vor allem die Ausrottung des jüdischen Volkes, obgleich neben 6 Millionen Juden auch polnische Intellektuelle, politische Gegner der Nazis, Geistliche, Sinti und Roma, Schwule und andere von den Nazis ermordet worden sind. Gleichwohl vermeidet Ashton in ihrer Erklärung die Erwähnung von Juden oder der Identität anderer Opfer.

Michael Mann, ein Sprecher Ashtons, erklärte auf Anfrage, dass doch jeder wisse, wer die Opfer des Holocaust gewesen seien: „überwiegend Juden aber auch andere“. Die Erklärung solle der Welt zeigen, dass „wir weiterhin wachsam sind“. Der Sprecher äußerte sich nicht auf die Anmerkung, dass die EU zwar gegen Vorurteile, Intoleranz und Hass-Sprüche ankämpfe, jedoch Antisemitismus in der Erklärung auch nicht erwähne.

Der Sprecher des israelischen Amtes wollte sich zu Ashtons Erklärung nicht äußern, reagierte aber auf Michael Manns Erklärung: „It goes without saying, but goes better mentioning it.“ (Selbstverständlich geht es ohne Erwähnung (der Juden), aber es wäre besser gewesen, sie zu erwähnen.“

(c) Ulrich W. Sahm

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