SodaStream ist eine Fabrik, keine Siedlung

Yaakov Lozowick, 31. Januar 2014

Ich hatte diese Woche einen E-Mail-Austausch mit einem Typen, der uns wirklich nicht mag. Zum Thema dieser SodaStream-Fabrik in Mischor Adumim informierte er mich, dass die palästinensischen Arbeiter dort wie Sklaven behandelt werden. Als ich vorschlug, ich würde gerne ihre Lohnabrechnungen sehen, um seine Aussage zu überprüfen, machte er einen Rückzieher: Lohnabrechnungen beweisen gar nichts, sagte er mir, das einzige, was wichtig ist, ist, dass Palästina nicht souverän ist.

Was mich ans Denken brachte. Der israelisch-arabische Konflikt sorgt dafür, dass ansonsten vernünftig-normale Menschen den Verstand verlieren, so dass sie allen möglichen faulen Zauber betrieben. Die SodaStream-Story schein ein solcher Fall zu sein. In jedem anderen Zusammenhang wird weltweit eine Firma, die eine Fabrik in einem unterentwickelten Land betreibt, um so Vorteile aus den niedrigen Arbeitskosten zu ziehen, als Segen für das Gastgeberland betrachtet (wenn auch vielleicht nicht für das reiche Land, in dem die Fabrik vorher stand). SodaStream jedoch zahlt hunderten palästinensischen Arbeitern nicht, was sie von einem palästinensischen Arbeitgeber bekommen würden. Es bezahlt den palästinensischen Arbeitern israelische Löhne, samt der sozialen Zusatzleistungen, die vom israelischen Gesetz vorgeschrieben sind.

Niemand wohnt in der SodaStream-Fabrik: Sie ist eine Fabrik. Wann immer es Frieden zwischen Israel und Palästina gibt, sind Fabriken in israelischen Besitz in Palästina, die Palästinenser beschäftigen, genau die Art von Sache, die sich jeder wünschen sollte. Nicht wegen der „weichen“ Vorteile, dass Menschen Seite an Seite arbeiten, was etwas ist, das nicht einfach gemessen werden kann; sondern wegen der „harten“, quantifizierbaren Vorteile der Arbeitsplätze und Devisen.

In jedem anderen Zusammenhang wird dies FDI (foreign direct investment – direkte Investition aus dem Ausland) genannt und wird von Politikern eifrig erstrebt und von Ökonomen befürwortet. Wenn es zu Israel-Palästina kommt, dann wird dieser normale Diskurs allerdings ganz still.

7 Gedanken zu “SodaStream ist eine Fabrik, keine Siedlung

  1. Du wirst es kaum glauben, aber GENAU SO EINE Antwort hatte ich erwartet 😀 😀

  2. Und hier kommt auch der passende Konter:

    http://www.mediadb.eu/forum/zeitungsportraets/haaretz.html

    Was nu? Ist das IFM auch von der Hamas gekauft? 😀

    Marktanteil ist eben nicht alles. Die Sächsische Zeitung hatte 1946-1989 fast 100 Prozent Marktanteil in Dresden. Als SED-Zentralorgan war in ihr dennoch selten die Wahrheit zu lesen, sondern allenfalls das, was das Regime darunter verstand.

    • Na und? Der Text ist zuletzt am 4.5.2012 geändert (!) worden. Von wann sind die Zahlen über die Auflage? Die angeführten Referenztexte sind 11 Jahre alt – Minimum!
      Letztes Jahr lag die Reichweite von Ha’aretz bei unter 5%. Und es ändert nichts am Charakter des Blattes. 2012 war übrigens Israel HaYom noch nicht in der Statistik, das inzwischen auflagenstärker als Yedioth ist.
      Man sollte schon aktuelle Zahlen haben, sonst hat man Probleme beim Weitpinkeln.

  3. Und das hier:
    „1. „Haaretz“ ist eine zionistische Zeitung, die die Existenz und Stärkung Israels als einen jüdischen und demokratischen Staat unterstützt.“
    ist heutzutage nur noch ein ganz, ganz schlechter Witz der übelsten Sorte.

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