Israelophobie

Fiamma Nirenstein, Gatestone Institute, 18. Dezember 2013

Das Problem der Juden ist heute weltweit nicht Antisemitismus, sondern ein neuer Ableger davon: „Israelophobie“. Der für das Weltjudentum und seine Verbündeten produktivste Kampf wäre derzeit nicht der gegen Antisemitismus, obwohl Israelophobie ein Teil davon ist, sondern der gegen die Israelophobie selbst.

Die Feiern, die in Europa zum Gedenken an die Kristallnacht vom 9. November 1938 stattfanden, gab es im Überfluss: Kein Jude könnte wegen des sie umgebenden Mitgefühls unglücklich sein, über die öffentliche Proklamation der Notwendigkeit der Erinnerung, die absolute Ablehnung jeglichen Antisemitismus und sogar der Ablehnung jeglicher völkermörderischer Leidenschaft gegen die Juden. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel – eine von vielen resoluten Sprechern – sagte, dass die Deutschen ihre „Charakterstärke zeigen und versprechen müssen, dass Antisemitismus in keiner Form toleriert werden wird“. Das war ein Auffassung, die von allen europäischen Führungspolitikern wiederholt wurde und es war schön zu hören.

Unglücklicherweise sind diese Worte aber nur ein billiger Weg das Problem anzugehen. Sie behalten all die anderen Versprechen nicht unter Kontrolle – die zur Vernichtung der jüdischen Welt, angefangen mit Israel. Würde der Kampf gegen den Antisemitismus tatsächlich aus Erinnerung und Geschichte heraus gekämpft, würden viele Programme wie die Holocaust-Studien in Schulen, Fernsehfilmen, Reisen nach Auschwitz, interreligiöser Dialog und die historische Schande der Rassegesetze eine größere Resonanz in der europäischen Seele haben.

Selbst der Oberste Führer des Iran, Ali Hosseini Khamenei, begrüßt gelegentlich einige örtliche Juden und erklärt, dass er nichts gegen Juden hat. In der islamischen Welt hat die Verpflichtung Juden zu töten einen besonderen religiösen Charakter, wie man an der Hamas-Charta erkennen kann – in der Juden beschuldigt werden alle Kriege verursacht zu haben und es wird versprochen sie alle zu töten, einen nach dem anderen, bis zum letzten Juden – wie auch durch andere Standpunkte, die die Mutterorganisation der Hamas, die Muslimbruderschaft, einnimmt. In anderen Ländern wie der Türkei läuft der Diskurs anders: Die Todesstrafe gilt zuerst Israel und erst dann den Juden. Egal wie, der Hass auf Israel – die Israelophobie – scheint heute ein fundamentales Element der islamischen Ideologie zu sein, hört da aber nicht auf.

Der Begriff Israelophobie schient aus einem Vorurteil und irrationalem Hass auf Israel zu stammen. Das Wort wurde meines Wissens erstmals von Richard Prasquier benutzt, dem Präsidenten der CRIF (Dachorganisation der jüdischen Gemeinden Frankreichs) und war vermutlich das Gegenstück zu „Islamophobie“, ein Begriff, der genutzt wird, um ein riesiges kulturelles Vorurteil mit rassistischem Charakter gegenüber der Religion des Propheten zu definieren, während Armeen von Menschenrechtsverteidigern Wache gegen jedes Element der Diskriminierung von Menschen des islamischen Glaubens stehen.

„Israelophobie“ dagegen ist durchdrungen von Jahrhunderten antisemitischer Stereotype, doch sie hat jetzt ein intensives Eigenleben angenommen, das oft reich an zeitgenössischen Fabrikationen ist – z.B. dass Juden historisch nie in Jerusalem lebten; dass IDF-Soldaten die Organe von Palästinensern ernten; dass sie „Trennmauer“, gebaut um Terroristen draußen zu halten, eine Form der Apartheid sei – und durch diese Lügen ergießt sich ein Hass gegen Juden. Israelophobie ist ein Block des Hasses, der sich um ein Stück Land herauskristallisiert, um eine Idee. Der heutige Antizionismus kommt auf und vervielfältigt sich von Malmö bis Qom aus Vorurteilen gegen Israel: Viele seiner brutalsten Kritiker haben niemals auch nur einen Fuß in den Staat gesetzt.

Diese Angriffe auf Israel sind allzu oft aus verheerenden klassischen, antisemitischen Projektionen, Lügen und Verfälschungen zusammengestellt, um Israel zu delegitimieren – die Blutlüge, dass Juden nichtjüdische Kinder töten, um mit ihrem Blut Matzen zu backen; nicht versiegende Gier; Gleichgültigkeit und brutale Grausamkeit gegenüber jedem, der nicht jüdisch ist. Selbst legitime geopolitische Entscheidungen – wie das Recht auf Selbstverteidigung oder dass nicht erwartet wird, dass Territorium auf ewig behält, bis zu einer Zeit, in der die eingeschworenen Feinde sich vielleicht einmal entscheiden nicht mit Auslöschung zu drohen, ohne Kosten für die Verzögerung; oder andere Länder zu ignorieren, denen „Besatzung“ vorgeworfen wird wie die Türkei in Zypern, Pakistan in Kaschmir oder China in Tibet, während nur Israel zur Schmähung ausgesucht wird. Diese Beschuldigungen werden oft nicht nur in Urteile gegen Israel umgesetzt, sondern verbreiten sich dann wie ein gegen jeden Juden gerichteter Virus.

Solche Lügen haben nicht nur einige Erfolg gehabt; sie sind Mainstream geworden. Es gibt – mit wenige Ausnahmen – keinen Protest politischer Parteien oder der meisten kulturellen Gruppen dagegen. Darüber hinaus zählen diesen Lügen zu widersprechen oder historische Wahrheiten anzuerkennen nichts: Fakten verschwinden einfach. Während die political correctness offenen Antisemitismus nicht gestattet – alle Fernsehmoderatoren sind bereit Juden als einer „anderen Religion“ ein freundliches Wort zusagen und dass sie als „Minderheit“ geschätzt werden – nimmt Antiisrealismus damit nicht nur zu; er ist in Mode und snobistisch. „Dieses beschissene kleine Land“ zu sagen, wie es der französische Botschafter Daniel Bernard in London tat, ist Alltag.

Daniel Schwammenthal hat im Wall Street Journal geschrieben, dass es früher Antisemitismus ohne Juden gab; heute gibt es Antisemitismus ohne Antisemiten. Niemand – nicht einmal die meisten in der jüdischen Führung – wird öffentlich jemandem Antisemitismus zuschreiben, außer eventuell vereinzelten Neonazi-Gruppen. Während immer Schwüre abgelegt werden Antisemitismus zu bekämpfen, wird nicht einmal zugegeben, dass es ihn gibt, wenn er in den am regelmäßigsten und in den offensichtlichsten Formen zu finden ist: an Universitäten und bei „Intellektuellen“ der Medien; in bestimmten NGOs; in internationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen und ihren Ablegern; innerhalb der Europäischen Union; in „liberalen“ Verbänden, die angeblich Menschenrechte fördern – und, sowohl als Lebensstil wie auch zur Untermauerung der Identität, in der islamischen Welt. Vor kurzem reagierte bei einem Dinner ein hochrangiger Diplomaten während der zunehmende Antisemitismus in Europa diskutiert wurde, mit absoluter Verwunderung: „Ich habe nie in meinem Leben einen Antisemiten getroffen“, versicherten er und seine Frau mir. „Ich bin sicher, dass viele meiner engsten Freunde dasselbe sagen würden: Diese Vorfälle sind sporadisch, werden von extremistischen Gruppen begangen, besonders von Rechtsextremen.“ Das ist aber nicht der Fall.

Niemand, weder rechts noch links, glaubt, das Israelophobie eine Verletzung von Menschenrechten ist; niemand verteidigt das jüdische Volk gegen dieses allumfassende Vorurteil, das die Geschichte und den Charakter des jüdischen Volkes mit Lügen zudeckt. Ein Angriff auf Israel wird stattdessen als legitime Kritik an einem souveränen Land betrachtet; die Wiederbelebung des Antisemitismus (denn darum handelt es sich) gegen das jüdische Volk wird daher als nicht wichtig angesehen.

Europäische Juden und sogar eine große Zahl amerikanischer Juden – möglicherweise in der Hoffnung zu vermeiden zum Ziel solcher Dinge zu werden und möglicherweise in der Hoffnung sich der erfolgreichen Seite anzuschließen, um sich besser in die nichtjüdischen Nachbarn einzupassen – sind einer Position der komplette Unterstützung Israels ausgewichen und erscheinen stattdessen wortkarg und opportunistisch. Bei einem Treffen mit dem italienischen Außenminister kurz nach Italiens einseitiger Anerkennung Palästinas in der UNO wagte es keiner der Repräsentanten beim Treffen internationaler jüdischer Leiter – außer dieser Autorin – einen Bericht zu diesem Ereignis zu fordern.

Über Israel kann jede offensichtliche Lüge erzählt werden; sie wird immer ein Riesenecho der Zustimmung finden. Wirklichkeit und Fakten werden immer beseitigt. In seinem neuesten Buch The Devil That Never Dies: The Rise and Threat of Global Antisemitism (Der Teufel, der niemals stirbt: Aufstieg und Drohung des globalen Antisemitismus) listet Daniel Goldhagen verleumderische Äußerungen auf, die andere übe Israel gemacht haben, solche wie: Israel ist die Quelle des Chaos in den Nachbarländern; die größte Bedrohung des Weltfriedens; die Nazis unserer Zeit; es inspirierte den Krieg gegen den Irak, es kontrolliert die US-Politik; es schürt den Hass gegen die Amerikaner und den Westen; es begeht Völkermord an den Palästinensern; es will die Al-Aqsa-Moschee zerstören; es ermordet palästinensische Kinder; es vergiftet Brunnen und Menschen; usw. … Israels Politik der sexuellen Nichtdiskriminierung wurde „pinkwashing“ genannt, weil die Haltung des Respekts gegenüber Schwulen – anders als ihre Verfolgung in muslimischen Ländern – nur aus propagandistischen Zwecken erfolge.

Viel Arbeit ist auch in den Abbau des Geburtsrechts der Juden in Israel gesteckt worden; es wird behauptet, ihre Beziehung zum Land gebe es nicht, sie liege weit zurück oder nicht konstant. Ein weitere Idee, mit dem Israelophobie vollgepackt ist, ist „illegal“, was oft auf die Besatzung von Gebieten verweist, aber auch schon auf die Existenz eines Landes, das von seinen Nachbarn akzeptiert wurde, seit dem ersten Tag, als fünf arabische Armee es in der Hoffnung angriffen es auszurotten, bevor es überhaupt anfangen konnte.

Von allen asiatischen und afrikanischen Demokratien ist Israel – laut Goldhagen – die solideste und älteste; und als 57. Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen – Mitglied noch vor Spanien, Italien und Deutschland – ist nicht ein Moment vergangen, in dem sein Bestehen nicht durch den Terrorismus und den religiösen und Stammeshass der muslimischen Welt bedroht war, der oft aus Europa begleitet wurde.

Bei seiner Verteidigung hat Israel 30.000 Männer verloren – proportional entspricht das 1,18 Millionen Amerikanern. Es hat 4.000 Menschen durch Terror verloren, äquivalent wären das 157.000 Amerikaner. Als Israel nach einem weiteren Verteidigungskrieg schließlich Jordanien zurückdrängte und die von Jordanien besetzte Westbank eroberte, bot es sofort an das Land zurückzugeben – nur damit die Arabische Liga das Angebot in Form der Drei Nein von Khartum zurückwies: „Nein zu Frieden, Nein zur Anerkennung, Nein zu Verhandlungen.“

Als Israel mit Ägypten Frieden schloss, hatte es keine Probleme die Sinai-Halbinsel zum letzten Zentimeter zurückzugeben. Doch die Verantwortung für die Probleme des Erhalts des Friedens mit Ägypten wird immer nur Israel zugeschrieben, das nie etwas gesagt oder getan hat, das auch nur vage den Aggressionen der Nachbarn ähnelt. Trotzdem werden ihm die schlimmstmögilchen Verbrechen und moralische Verwerflichkeit vorgeworfen – Anklagen, denen Länder wie z.B. Südafrika beistimmen, ohne sich auch nur darum zu kümmern um zu verifizieren, ob das stimmt oder nicht, sondern es wird behauptet, Israel sei ein Land, in dem Apartheid praktiziert wird und Ministern der Regierung wird verboten dorthin zu reisen. Es spielt keine Rolle, ob seine demokratischen Institutionen und Menschenrechtsbilanz die höchsten Bewertungen bei Freedom House bekommen. Es ist unerklärlich, dass die UNO kürzlich Israel wegen Missbrauchs auf den Golanhöhen verurteilte, obwohl Fakt ist, dass Israel verletzte Syrer ins Land lässt und kostenlos in Krankenhäusern behandelt, während deren eigener Staatschef, Bashar Assad, sie in Stücke reißt.

Nicht überraschend ist die Folge der Israelophobie, dass mit Israel verbundener Antisemitismus auf dem Vormarsch ist. Nach Angaben einer Studie der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung glauben 63% der Polen und 48% der Deutschen, dass „Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt“. Derweil glauben41% der Briten und 42% der Ungarn dasselbe, ebenso 38% der Italiener. In der Umfrage antworteten 55% der Polen und 36% der Deutschen: „Wenn ich an Israels Politik denke, dann kann ich verstehen, dass die Leute Israel nicht mögen.“ Befragte in anderen untersuchten Ländern stimmen dem in einer Rate von 30 bis 40% zu. Einer Umfrage der Agentur für Fundamentale Rechte der EU (FRA) zufolge haben 48% der befragten europäischen die Anschuldigung gehört: „Israelis verhalten sich den Palästinensern gegenüber wie die Nazis gegenüber den Juden.“ In Italien, wie in Belgien und Frankreich berichteten 60% dasselbe.

Die Mainstream-„Geschichte“, wie sie jetzt genannt wird, obwohl sie falsch ist, behauptet, es gab ein „historisches Palästina‘“, das die niederträchtigen jüdischen „Siedler“ besetzten und von dem sie die leidende Bevölkerung vertrieben; doch diese Schilderung ist die Grundlage des Hasses, der zu den toxischen Mythen der Apartheidmauer, der Hausabrisse (Würde London den Bau von Häusern im Hyde Park gestatten? Oder Paris im Bois de Bologne? Oder Berlin im Tiergarten?), der Verfolgung der Palästinenser und dass ihre Kinder geprügelt und getötet werden; der zionistischen Kerkermeister, die den Gazastreifen in einen Käfig einsperren; und im Gegenzug die Verherrlichung von Terroristen, die weit verbreitete Rechtfertigung von Angriffen und auf Israel regnende Raketen; der korrupte Gebrauch europäischer öffentlicher Gelder; die Ablehnung schon der Existenz eines Staates für das jüdische Volk trotz der Akzeptierung mehrerer selbst erklärter islamischer „Republiken“ wie Pakistan und dem Iran; und Israel wird als archäologisches Überbleibsel des Kolonialismus, Imperialismus und eine Reinkarnation aller böser Kräfte, besonders des Nationalsozialismus betrachtet.

Auch Daniel Schwammenthal erwähnt Jack Straw, den ehemaligen britischen Außenminister, der letzten Monat im Unterhaus sagte, AIPAC, die Pro-Israel-Lobby in Amerika, habe „ihre unbegrenzten Finanzen zu einem der größten Hindernisse für Frieden zwischen Israelis und Palästinensern gemacht“ – wieder eine falsche Äußerung; aber, sagt Schwammenthal, die Ansicht, dass eine große Gruppe Amerikaner Israel unterstützen kann, muss – so Straw – so unglaublich sein, dass ihr sofort unmögliche und katastrophale Folgen zugeschrieben werden. Was in Wirklichkeit unglaublich scheint: dass Menschen wie der griechische Komponist Mikis Theodorakis oder José Saramago, ein portugiesischer Schriftsteller, der Israels Umgang mit den Palästinensern mit dem der Nazis mit den Juden in Auschwitz gleichsetzte, und so viele andere Intellektuelle und Prominente sie für den israelophobischen Krieg einspannen lassen.

Zu anderen unglaublichen Ereignissen gehörte, dass in Deutschland zum Jahrestag der Kristallnacht die Badische Zeitung eine Karikatur von Horst Haitinger veröffentlichte, in der eine Schnecke mit Taubenkopf zu den Friedensgesprächen mit dem Iran geht und in einem Fall klassisch antisemitischer Verunglimpfungen, in denen Juden die Rolle als Vergifter, Saboteure und Kriegstreiber gegeben wird, Israels Premierminister Benjamin Netanyahu am Telefon gezeigt wird, wie er sagt: „Ich brauche Taubengift und Schneckenkorn.“

Es scheint drei Hauptgründe für die Existenz der Israelophobie zu geben:

* Die nie zuvor gesehene weltweite Verbreitung muslimischer Präsenz, einschließlich ihrer Globalisierung im Internet, ihrer ausufernden antiisraelischen Propaganda und ihrer Macht in Institutionen.

* Die Verbreitung der Kultur der „Menschenrechte“, bei der jeder, der ein Underdog zu sein scheint, „gut“ sein muss und jeder, der kein Underdog oder Opfer zu sein scheint, daher „schlecht“ sein muss.

* Die derzeitige Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die derzeitige US-Administration hat ernsthaft eine positive Beziehung zwischen Amerika und dem Islam beworben, die – abgesehen davon, dass sie politisch fragwürdig ist – in der Welt Raum für den brutalsten Antisemitismus gibt. Der Niedergang amerikanischen Einflusses hinterließ ein Vakuum, das von allen möglichen Alternativen zu Demokratie gefüllt worden ist – ideologisch wie anders, von der al-Nusra-Front bis zur Muslimbruderschaft ebenso wie für Russland, China und Afghanistan.

Die derzeitige Administration sah diesen katastrophalen Nebeneffekt nicht voraus, doch es scheint klar, dass mit dem Entwurf der Politik, die den Gebrauch des Wortes „Jihad“ in offiziellen US-Dokumenten verbietet, niemand anhielt, um darüber nachzudenken, wie oft dieser Begriff benutzt wurde, um Terror z.B. gegen Israel zu erklären. Dieser Punkt erschien dort niemanden als für die internationale Politik des Präsidenten wichtig. Hass auf den jüdischen Staat, selbst in seiner extremsten Form, wurde anscheinend nicht als etwas betrachtet, das politische Bedeutung hat und ist daher in den letzten Jahren keinerlei ideologischer oder moralischer Maßnahmen unterzogen worden.

Was die Beziehung zum Iran angeht, ist klar, dass Präsident Obama und Außenminister John Kerry die Welt in die Akzeptanz eines militärischen Atomprogramms für ein Land führen, das seine völkermörderischen Absichten wiederholt öffentlich ausgesprochen hat. Die US-Unterhändler schienen einfach einen Deal geschluckt zu haben, der jeglichen Spielraum für zukünftige Verhandlungen vernichtet hat; der alle für den Iran alle Vorteile hatte und effektiv keinen für den Westen; der dem Iran bei seinem Streben nach Atomwaffen half, statt in Übereinstimmung mit sechs UNO-Resolutionen die Anreicherung zu stoppen; der für die Bürger des Iran keine Verbesserungen der Menschenrechte beinhaltete; und der nicht gegen die nach der UNO-Charta illegalen Drohungen des Iran vorgeht einen anderen Mitgliedsstaat – Israel – zu auszuradieren.

Ständige Drohungen gegen Israel sind auch aus der sunnitischen Welt gekommen. In Ägypten sagte Mohamed Badie, der spirituelle Führer der Muslimbruderschaft: „Wir werden weiterhin die Flagge des Jihad gegen die Juden schwenken, unsere ersten und größten Feinde.“ Scheik Yussuf al-Qaradawi erklärte: „Allah hat den Juden eine ständige Bestrafung für ihre Korruptheit auferlegt. Die letzte wurde von Hitler geführt. Es gibt keinen anderen Dialog mit ihnen außer dem Schwert und der Schusswaffe. Wir beten zu Allah, dass jeder bis zum letzten von ihnen getötet wird.“ Neu ist das völlige Fehlen einer Reaktion auf diese Positionen.

Der islamische Kleriker Yussuf al-Qaradawi, spiritueller Führer der Muslimbruderschaft, bedrohte Juden in seiner beliebten Sendung auf Al-Jarzia TV (Bildquelle: memritv.org)

Frühere amerikanische Präsidenten haben immer ein Verbot der rassistischsten und gefährlichsten Aspekte des Islam bezüglich Israel, den Juden und Christen angedeutet oder klar gemacht. Nicht so bei der derzeitigen US-Administration. Niemand von ihr hat je dem Iran, mit dem sie eine Vereinbarung zu unterschreiben vor haben, gesagt, dass er Israel nicht „als eine verrottete Wurzel“ ansehen darf, „die vernichtet werden muss“. Niemand von ihr hat den Palästinensern jemals gesagt, dass es „nicht hilfreich“ ist jeden Tag, besonders während Verhandlungen, zu wiederholen, dass Israel ein mörderisches, rassistisches, Völkermord begehendes Land ist – ein Vorwurfe, der gerade erst wieder von Saeb Erekat erhoben wurde, dem Chefunterhändler der palästinensischen Delegation.

Mit einem Wort: Damit, dass dem Islam anscheinend freie Hand im Tausch für nichts gegeben wurde, hat die derzeitige US-Administration die heftigsten der feindlichen – sowohl israelophobischer wie auch anderer – Botschaften gestattet sich ohne Vorwarnung auszubreiten. Ohne dass Amerika Wache steht, werden alle nicht muslimischen Länder frische Beute für ihre Gegner.

Was die Menschenrechte angeht, haben die sie angeblich unterstützenden Organisationen keine Waffe beim Angriff auf Israel ausgelassen, einem der Länder, das in der Umsetzung der Menschenrechte ist am gewissenhaftesten ist – trotz der fast unmöglichen Bedingungen eines winzigen Landes, das seit seiner Geburt militärischen, wirtschaftlichen oder diplomatischen Attacken – oft allen dreien gleichzeitig – ausgesetzt ist. Der Angriff von Menschenrechtsgruppen kann nicht Ergebnis von der Beobachtung der Fakten sein. Würden reine Fakten genommen, sollte Israel an oder nahe der Spitze jeder Liste an Ländern stehen, die Menschenrechte verkörpern. Antiwestliche Staaten jedoch, die bei den Vereinten Nationen die Mehrheit stellen, begannen 1975 Zionismus mit Rassismus zu verknüpfen – womit sie vermutlich „westlichen Imperialismus“ meinten. Die Behauptungen wurden dann von antisemitischen NGOs gefördert und finanziert, was in den Durban-Konferenzen der UNO gipfelte. An diesem Punkt wurden Menschenrechte dahingehend verdreht, dass sie als Schild genutzt wurden, hinter dem die Angriffe auf Israel eskaliert wurden, sowie die UNO-„Friedensschützer“ in Afrika vor dem „Lebensmittel-gegen-Sex-Skandal“ geschützt wurden, bei dem sie Kinder sexuelle missbrauchten, die zu schützen sie beauftragt waren.

Die systemische Krankheit bezüglich „Antiimperialismus“ kam ind er Geschichte eines politischen Flügels auf, der sich zu der Zeit, als der Kommunismus sich als Totalitarismus erwies, sich nicht darüber zu beschweren, sondern an seiner Seite gegen Kapitalismus, Imperialismus und was immer sonst eine „Ungerechtigkeit“ zu sein scheint zu kämpfen.

Die Juden jedoch mit ihrer Geschichte aus Leiden und Tod entsprachen nicht länger dem Image, dass sie, mehr als jeder andere bequeme Weiße im Westen, Munition für den Krieg gegen die „bourgeoise“ oder Mittelklasse-Gesellschaft sind. Die marxistisch-wirtschaftliche Sicht auf Klassenkampf kann als „win – lose“ gesehen werden – was bedeutet: Wenn ich „gewinne“, muss das durch Ausnutzung von jemand anderem gewesen sein, der „verlor“. Die kapitalistische Sichtweise andererseits kann als die eines „Win-win“ gesehen werden: Wenn du gewinnst, gewinnt jeder – der Anstieg der Tide hebt alle Boote mit an. Es ist diese kapitalistische Sicht, die Gesellschaften zu nie erträumtem Erfolg katapultiert hat. Durch das marxistische Modell der Gewinner gegen Verlierer jedoch – das im frühen 20. Jahrhundert populär war, bis es sich in Staaten wir Russland und Kuba als katastrophal erwies, wo die einzigen Gewinner sich als die paar Leute an der Spitze erwiesen – entstand die Benutzung der Menschenrechtsfrage, oft als taktische und politische Waffe gegen jeden, der auch nur wohlsituiert aussah – besonders gegen Israel, wahrscheinlich als Verkörperung einer Nation zumeist Weißer, die trotz so vieler laufender Bemühungen sie auszurotten, nicht einmal abgebremst werden.

Die 1960-er Jahre leitete verbale Aggression des „radikalen Chic“ ein, der immer noch in Gebrauch ist, wodurch die Welt plötzlich mit „Faschisten“ angefüllt ist. Als solche wurden Margaret Thatcher, George Buch, Silvio Berlusconi und Ronald Reagan betrachtet, gefolgt von Schriftstellern und Sängern – einfach, weil sie keine Kommunisten waren. So wurde Israel, ein Freund Amerikas, das aber angeblich das Leid der Palästinenser verursachte (einer armen, arabischen, muslimischen Drittwelt-Bevölkerung, die – obwohl niemand je darüber redet – erbitterte und autoritäre Führung gegenüber dem eigenen Volk gewohnt ist) ein „faschistisches“, „imperialistisches“ Land: weil es nicht im „richtigen“ Lager war, das der „Volksdemokratien“ – allesamt faktisch Diktaturen.

Das Fehlen klarer Verurteilung europäischen Terrorismus, auf verschiedene Weisen rational gemacht – zum Beispiel als Genossen, die ein paar Fehler gemacht haben – war von der Rechtfertigung internationalen Terrorismus gegen Israel begleitet: dem Anschlag auf die olympischen Spiele von München 1972 bis zur Verherrlichung der Terroristen, die gerade erst von Israel freigelassen wurden und eine Rote-Teppich-Behandlung durch Mahmud Abbas erfuhren und jeder von der PA mit Schecks von $50.000 plus einem monatlichen Gehalt belohnt wurden. Einer dieser vor kurzem freigelassenen Terroristen hatte einen Vater getötet, der mit seinem kleinen Mädchen an der Seite im Auto unterwegs war; ein anderer hatte einen Holocaust-Überlebenden mit einer Spitzhacke getötet; und ein weiterer griff einen Mann an und zerstückelte ihn, der in Gaza in einem Büro arbeitete, das Palästinensern Hilfe bot.

Diese Ereignisse sind ein Teil der Israelophobie in einer Welt, die Gesetze macht um eine rauchfreie Umwelt zu bekommen, aber nicht gegen Kinderehen oder Ehrenmorde oder weibliche Beschneidung; und die niemals das Gefühl hatte sich mit dem Terrorismus gegen Israel auseinandersetzen zu müssen oder mit den Menschenrechten, auf die Israelis einen Anspruch haben könnten.

Vor ein paar Monaten ärgert sich Baroness Catherine Ashton öffentlich über den Zustand eines palästinensischen Häftlings, der den Weg des Hungerstreiks gewählt hatte, doch sie übernahm keine Haltung zu den Massakern in Syrien, nicht einmal zu den Toten Palästinensern im Flüchtlingslager Yarmuk, wo viele Palästinenser durch Luftangriffe des Regimes Assad massakriert wurden.

Die Juden wissen derweil, das sie, indem sie innerhalb der bewährten Grenzen des „Nie wieder“ bleiben, Mitgefühl, Verständnis und Schutz finden. Israel andererseits ist terra incognita, wo jede Kritik, so scheint es, als „legitim“ angesehen wird.

Doch Israelophobie hat nichts mit legitimer Kritik am Staat Israel zu tun: Sie gründet nicht auf irgendeiner Beobachtung der Realität. Sie ist eine Besessenheit und deren klarste Bekundungen sind die UNO-Resolution „Zionismus ist Rassismus“ von 1975; die Wut, mit der gerade erst neun Anträge gegen Israel in der UNO-Vollversammlung verabschiedet wurden, die sogar von einer Übersetzerin mit versehentlich offenem Mikrofon kommentiert wurden; und als die UNO-Vollversammlung insgesamt 23 ähnliche Resolutionen durchdrückte, in denen allesamt aus legitimer Verteidigung die Grausamkeit eines „rassistischen“ und mörderischen Landes gemacht wird.

Es muss eine Strategie geben, die die Folgen der Israelophobie in Betracht zieht. Sie würde die Geschichte Israels umfassen, seine Werte, sein Handeln, sein Recht sich zu verteidigen – und den verbalen und physischen Missbrauch, dem es ständig ausgesetzt ist. Es ist auch notwendig weiter den Antisemitismus zu bekämpfen. Jede andere Option wird nur dem Terrorismus – sowohl dem gegen die Juden als auch dem gegen Nichtjuden – erlauben zu wachsen.

2 Gedanken zu “Israelophobie

  1. Ach, könntet Ihr doch das laute „Bravo-heplev“ von mir hören zu diesem wahrlich einzigartig guten Beitrag! Großen Dank an „heplev“!!!

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