Offener Brief an John Kerry

Paula R. Stern, 2. Februar 2014 (Übersetzung: Yvaine de Winter)

Sehr geehrter Außenminister John Kerry,

wegen meiner Achtung vor den USA werde ich versuchen, Ihnen gegenüber die Wertschätzung aufzubieten, dieSie so sehr verdient zu haben glauben. Es ist schwierig, ohne Ärger mit Ihnen zu sprechen; und es ist schwierig, scheinbar schon wieder ganz am Anfang beginnen zu müssen, da Sie in Ihrem Streben nach Ruhm und Glanz die Geschichte ganz klar ignorieren. Ihre Mission ist zum Scheitern verurteilt und das Ergebnis wird Israel schaden, auch bei einem Fehlschlag — oder besser: insbesondere bei einem Fehlschlag.

Bedeutendere Menschen als Sie haben versucht, Frieden im Mittleren Osten zu erreichen bzw. zu erzwingen. Ich verspreche Ihnen, dass auch Sie scheitern werden. Sie werden scheitern, weil Sie nicht die Wurzel des Problems ansprechen. Sie, wie so viele vor Ihnen, machen es sich leicht. Sie beschuldigen Israel. Das geht so leicht — und es ist so dumm.

Ich könnte Ihnen einen Vortrag über Geschichte halten — eine Geschichte, länger und bedeutsamer, als Sie sich vorstellen können. Ich könnte Ihnen von Ungerechtigkeit erzählen — ja, unser Land ist voll mit Gräbern von Menschen, die ermordet wurden, weil sie hier lebten, weil sie ins Ausland reisten, weil sie im falschen Restaurant gegessen haben oder den falschen Bus genommen haben.

Ich könnte Ihnen von Gerechtigkeit erzählen — von einem Bevölkerungsaustausch ähnlich den vielen in der Geschichte, wo sich Nationen zwischen Krieg und Frieden einen Lebensraum genommen haben. Araber verließen ihre Länder, und zwar höchst freiwillig, damit ihre einfallenden Brüder den Weg frei hatten, um die Juden ins Meer zu treiben. Und unser Volk verließ seine Häuser und Besitztümer in arabischen Staaten – und zwar durch Zwang und nicht freiwillig – und kam nach Israel.

Wir ernährten unsere Brüder, gaben ihnen Kleidung, ein Zuhause. Und was am wichtigsten ist, wir liebten sie und machten ihnen das wertvollste Geschenk — eine Zukunft, eine Gegenwart, als integraler Bestandteil des Landes und des Volkes in diesem Staat. Meine Nachbarn, die Familien auf der anderen Straßenseite — sie leben in denselben Häusern wie ich, fahren dieselben Autos, gehen auf dieselben Schulen. Er ist Ingenieur; er ist Richter. Sie ist Krankenschwester; sie ist Anwältin. Dies gilt für alle meine Nachbarn, obwohl ihre Großeltern ohne jedweden Besitz hier angekommen waren.

Und gleichzeitig stecken die Araber ihre „Brüder“ an vielen Grenzen in Flüchtlingslager und hungern sie aus. Sie erzogen sie zur Bitterkeit — nicht gegenüber jenen, die sie in Elend und Schmutz beließen, sondern gegenüber jenen, die sie zu besiegen hoffen. Die Araber beschuldigen uns, und Sie sind naiv genug, uns ebenfalls zu beschuldigen?

Jene wählten den Krieg, John Kerry, während wir uns für den Kompromiss entschieden. Und Sie schieben uns die Schuld an der schrecklichen Ereigniskette der vielen Jahrzehnte zu? Sie fielen 1948 bei uns ein — fünf arabische Nationen. Sie griffen an. Aus purer Verzweiflung errangen wir genug Land, um uns eine gewisse Sicherheit zu geben… das währte nur für 7 Jahre, bis wir erneut angegriffen wurden. Aber was wir alles in diesen 7 Jahren erreichten! Wir begrüßten unsere Flüchtlinge aus Europa, aus arabischen Staaten. Wir bauten Zeltstädte und verwandelten diese in richtige Städte. Wir bezwangen das Sumpfland und machten es bewohnbar. Und wir erzogen unsere Kinder in dem Traum, dass es eines Tages Frieden geben würde. Wir bauten Universitäten und Schulen und Parks.

Doch die Araber gaben keine Ruhe. 1948, 1956, dann 1967 und wieder 1973 und wieder und wieder, fast täglich, wehren wir uns auch 2014 gegen ihre Versuche, das zu beenden, was sie 1948 nicht beenden konnten. Die Araber haben nicht daraus gelernt und es ist sehr verwunderlich, dass auch Sie, John Kerry, nicht daraus gelernt haben.

Wir haben ganze Gemeinden erbaut und evakuiert; wir haben Land aufgegeben für nichts als die Hoffnung, dass wir die „Unersättlichen“ sättigen könnten. Wir sind um die Welt geflogen, um anderen zu helfen — bei Erdbeben, Tsunamis, vernichtenden Stürmen, Hungersnöten und mehr.

Wir haben den Arabern erlaubt — ja, erlaubt –, Zehntausende Raketen auf unsere Städte zu feuern, und wir wissen, dass sie über 170.000 weitere Raketen und Geschosse haben, um es erneut zu tun. Wir haben zu jeder Zeit und ohne jede Vorankündigung die Möglichkeit, Gaza völlig einzuebnen und plattzumachen. Und bei jedem ihrer Angriffe denken wir daran und wissen, wir können das nicht tun, wir werden das nicht tun. Und Sie beschuldigen uns, dass es keinen Frieden gibt?

Wenn wir sie aufhalten möchten, wenn wir ihre militärischen Optionen etwas zurückschrauben möchten, nur ein wenig, dann zielen wir auf die Raketenwerfer, die Waffenlager, die Trainingscamps, während sie auf unsere Städte zielen — Beersheba, Sderot, Ashkelon, Netivot, Ashdod. Und Sie drohen uns wegen dem andauernden Kriegszustand?

Es kann keinen Frieden geben, wenn man seinen Feind nicht kennt. Es kann keine erfolgreichen Verhandlungen geben, wenn man diejenigen, die man an einen Tisch setzt, nicht versteht. Sie versagen in beidem.

Als ich hörte, dass Sie Israel drohen, sollten die Friedensgespräche scheitern, konnte ich nur den Schluss ziehen, dass Ihre Unwissenheit größer ist, als ich dachte. Vor Jahren wusste ich bereits, dass Sie keine Ahnung haben, wie die arabische Welt denkt, wie sie fühlt, wovon sie träumt. Nun weiß ich, dass das auch für Israel gilt — Sie verstehen uns nicht besser, als Sie die Araber verstehen, und das erstaunt mich.

Anders als die arabischen Länder ist Israel eine offene Gesellschaft — lesen Sie unsere Zeitungen, sprechen Sie mit den Menschen auf unseren Straßen. Niemand wird Sie aufhalten, und wir eskortieren Sie auch nicht mit der Geheimpolizei, um genau zu steuern und zu kontrollieren, was Sie sehen und erleben. Gehen Sie in irgendeine Stadt, in irgendein Dorf, in eine beliebige Siedlung, und Sie hören immer dasselbe. Nehmen Sie eine Straße, sprechen Sie mit irgendjemandem und fragen Sie sie, wovon sie träumen, was sie sich für ihre Kinder erhoffen. Wir träumen nicht vom glorreichen Tod und von dem Märtyrertum unserer Söhne. Wir träumen davon, dass unsere Kinder nicht mal zur Armee müssen.

Freunde von mir haben sich sehr damit gequält, dass ihre Söhne zur Armee gingen. Ich konnte das verstehen, denn ich bin in den USA aufgewachsen, wo alle meine Freunde gesagt haben, sie würden die USA verlassen, bevor sie zur Armee beordert würden. Ich wusste nichts von Armeen und Kriegen und Waffen. Aber meine Freunde hier in Israel? Sie haben in der Armee gedient; warum also haben sie sich so gequält, als ihre Söhne einberufen wurden?

Immer und immer wieder wurde mir gesagt: „Wir haben gedient, damit sie nicht mehr dienen müssen“. Sie hätten niemals geglaubt, dass ihre Söhne und Töchter über 20 Jahre später drei Lebensjahre opfern müssten und es immer noch Krieg geben würde.

Davon hören Sie nichts in der arabischen Welt. Oh, dort wird man Ihnen sagen, dass man vom Frieden träumt, denn dort weiß man, dass das genau das ist, was Sie hören wollen. Auf Arabisch jedoch spricht man von einer Zeit, in der es keine Juden mehr im Mittleren Osten gibt, keine Juden in dem von den Arabern vergegenwärtigten Palästina. Ihre religiösen Führer feuern sie im Ruhme Allahs und des Jihads an. Und trotzdem erwarten Sie von uns, dass wir mit ihnen Frieden schließen?

Die dortige Kultur fußt auf einem Traum — einem Traum, dass sie die Welt beherrschen werden… meine Ecke der Welt, John Kerry, und auch Ihre. Die dortige Gesellschaft glaubt an einen Himmel, den man verdient, indem man andere tötet; und so feiern sie, wenn sich ihre Söhne in die Luft sprengen und Juden töten. Und ja, man hat auch am 11. September gefeiert, als Ihre Leute zu Tode kamen, ebenso wie gefeiert wurde, als wir ihre Mörder und Terroristen freiließen in der Hoffnung, sie endlich zu besänftigen… sie und auch Sie.

Wenn Sie ihre Fähigkeit zu feiern nicht verstehen, so gebe ich zu, dass auch ich das nicht verstehe. In Videos sah ich Mütter ihre Söhne umarmen, in der Nacht bevor sie sich umbrachten… ebenso wie die unschuldigen Männer, Frauen und Kinder ihrer Feinde, die zufällig im gleichen Bus waren, im Einkaufszentrum oder die einfach nur zuhause schliefen. Es ist ihnen egal, ob sie einen Soldaten töten, einen Mann mit einem Gewehr, eine schwangere Frau oder ein hilfloses Kind. Je mehr, desto besser, in ihrer verdrehten Interpretation dessen, was ihr Gott wohl von ihnen möchte. Sie verstehen das nicht, und ich verstehe, warum das so schwierig zu verstehen ist angesichts Ihrer westlichen Mentalität. Aber Ihr Unverständnis gibt Ihnen nicht das Recht, es einfach zu ignorieren.

Bei Ihrem Ziel, Frieden in unseren Hals zu stopfen, werden Sie jedoch nicht aus diesem Grund versagen. Sie werden versagen, weil Sie, so erstaunlich es ist, nicht einmal Israel verstehen. Wir sind leicht zu verstehen, sehr leicht, ganz ehrlich. Sie müssen nur zuhören und hinschauen — aber selbst das liegt Ihnen fern.

Hören Sie unsere Nationalhymne — da ist nicht von Krieg die Rede. Sie heißt „Die Hoffnung“ und spricht von einem zweitausend Jahre alten Traum, ein freies Volk zu sein. Das wertschätzen wir — die Fähigkeit, uns zu schützen und im Land unserer Vorväter frei zu leben. Selbst die politisch am weitesten rechts Stehenden bei uns wären gewillt, einen Kompromiss einzugehen, um echten Frieden zu bekommen, einen Frieden, in dem unsere Kinder und Enkel ohne die Ängste leben können, die wir heute jeden Tag haben. Wir mischen uns nicht ein, wie sie ihre Kinder erziehen; wir sind dumm genug, sogar einige ihrer Schulbücher zu finanzieren — alles getreu unserem fehlgeleiteten Glauben, dass wir Frieden mit denen machen können, die ihn gar nicht wollen.

Sie drohen uns mit wirtschaftlichen Sanktionen, mit internationaler Isolation. Das ist Ihr letzter großer Fehler und es ist ein außerordentlich großer. Israel lacht heute Morgen über Sie. Wirtschaftliche Sanktionen?

Man hat uns vergast, geschlagen, verbrannt und mit Bomben zugepflastert. Man hat uns gejagt, verfolgt und jahrhundertelang in vielen Ländern und auch in diesem Land während der letzten paar Jahrzehnte gehasst. Man hat die Synagoge niedergebrannt, in der sich meine Großmutter versteckte; man hat meine Urgroßmutter vergast.

Internationale Isolation? Man hat uns in Ghettos gesteckt, unsere Busse in die Luft gesprengt und unseren Babys in den Kopf geschossen. Man hat meinen Nachbarn gelyncht und die Busse angegriffen, in denen meine Freunde saßen. Sie haben den Lehrer meiner Tochter erschossen (und auch seinen kleinen Sohn) und einem Arbeitskollegen aufgelauert und ihn ermordet.

Wir kämpfen ums Überleben, John Kerry — heute nicht weniger als 1948. Der EINZIGE Unterschied ist, dass wir durch die Gier und Dummheit der arabischen Nationen heute stärker sind als je zuvor, nicht schwächer. Sie werden versagen, John Kerry, da Sie dumm genug sind zu glauben, dass Sie herkommen und Ihre amerikanische Flagge schwenken können, auf Ihre Uhr schauen und uns sagen können, dass diese Friedensverhandlungen um 17 Uhr zu Ende sein müssen, da Sie danach eine Verabredung für die Oper oder für ein Baseballspiel haben.

Die Araber haben Sie nun lange Zeit zum Narren gehalten. Beim Kaffee erzählt man Ihnen etwas von Frieden und wenn Sie den Raum verlassen, klopft man sich gegenseitig auf die Schulter und lacht — wieder ein Tag, an dem man die USA erfolgreich hat dumm aussehen lassen.

Diesmal aber haben wir das mit den Arabern gemeinsam; auch wir lachen über Sie. Naftali Bennett hat versucht, es Ihnen zu erklären: „Niemals hat es eine Nation gegeben, die wegen wirtschaftlicher Drohungen Land aufgegeben hat und auch wir werden das nicht tun. Nur Sicherheit wird wirtschaftliche Stabilität bringen, kein Terroristenstaat nahe dem Ben-Gurion-Flughafen.“

Bedeutendere Männer als Sie haben versagt, John Kerry — und ich verspreche Ihnen: Bevor Sie nicht Israel kennen und die Araber verstehen, haben Sie keine Erfolgschance. Schauen Sie lieber den Superbowl, dann haben Sie wenigstens etwas Sinnvolles mit Ihrer Zeit angestellt.

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Ein Gedanke zu “Offener Brief an John Kerry

  1. Dieser Brief müsste Kerry die Augen oeffnen, wenn er das zulaesst. Sie erinnert an Jesaja, der in 2. Könige 19: 21 von Gott ausrichten lässt was er wegen Sanherib sagte:
    Es verachtet dich, es verspottet dich die Jungfrau, die Tochter Zion; die Tochter Jerusalem schüttelt das Haupt hinter dir her.
    Wen hast du verhöhnt und gelästert und gegen wen die Stimme erhoben?
    Gegen den Heiligen Israels hast du deine Augen empor gerichtet!

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