Der Wasserkrieg in Nahost

Ulrich W. Sahm, 13. Februar 2014 (direkt vom Autor)

Das Wasser ist knapp in Nahost und dennoch kein Kriegsgrund. Denn die Wasserverteilung wurde seit 1950 mit Abkommen geregelt. Zwischen Israel und Palästinensern ist die Wasserverteilung seit 1993 durch die Osloer Verträge und weitere Abkommen geregelt. Dennoch wird um das Wasser ein Propagandakrieg geführt. Die vom Europäischen Parlamentspräsidenten Martin Schulz genannten Zahlen widersprechen sogar offiziellen palästinensischen Angaben.

Der Winterregen speist drei wassertragende Erdschichten, „Aquifer“ genannt. Der See Genezareth wird durch Flüsse aus Israel, Libanon, Syrien und Jordanien gefüllt. Hinzu kommen neue Entsalzungsanlagen, sodass Israel heute schon über Wasser-Überfluss verfügt. Einzigartig ist die Wiederaufbereitung von 90% des „Grauwassers“. In separaten Rohren wird es der Landwirtschaft zwecks Bewässerung zugeführt.

Insgesamt stehen zwischen Jordan und Mittelmeer 1.433 Mio. Kubikmeter (MKM) Frischwasser zur Verfügung. Laut israelischen Angaben „produzieren“ die Palästinenser aus illegalen Brunnen weitere 17 MKM, während Israel an Jordanien 50 MKM Wasser liefert, das im Winter im See Genezareth „zwischengelagert“ wird.

2010 standen jedem Israeli 160 Kubikmeter zur Verfügung und jedem Palästinenser 129. Die Weltbank errechnete für Israelis 240 Kb3, weil sie neben Frischwasser auch das aufbereitete Grauwasser mitrechnete.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Frischwasser ist bei Israelis zwischen 1967 und 2009 von 504 Kubikmeter auf 137 gesunken. Im gleichen Zeitraum stieg der Verbrauch bei Palästinensern von 86 auf 90 Kubikmeter.

In Israel entspricht der Wasserverlust (gebrochene Rohre) mit 10% dem Durchschnitt in Industriestaaten. Bei den Palästinensern liegt der Verlust durch Diebstahl und mangelhafte Infrastruktur bei 33%.

Die Palästinenser verweigern die Verwendung aufbereiteten Grauwassers aus Israel. Die Palästinenser lassen ihr Abwasser in die Natur ab,  obgleich Deutschland Millionenbeträge für den Bau einer Kläranlage etwa bei Bethlehem bereitgestellt hat. Die Kläranlage müsste östlich von Bethlehem in israelisch-kontrolliertem Gebiet stehen. Nach palästinensischer Vorstellung käme das einer „Anerkennung“ der israelischen Besatzung gleich. Das Ablassen von Schmutzwasser in die Natur führt zu einer unumkehrbaren Grundwasserverseuchung.

Preise: Die Palästinenser behaupten, einen vielfach höheren Wasserpreis als Israelis zahlen zu müssen. Tatsache ist, dass die Autonomiebehörde Wasser aus Israel zu einem subventionierten Preis erhält. Viele Palästinenser haben keine Wasserzähler, zahlen also gar nichts, wie der Bürgermeister von Ouja bei Jericho bestätigte. Er erwartet von der „internationalen Gemeinschaft“, ihm aus Ramallah zugeschickte Wasserrechnungen zu begleichen. Ähnlich verhält es sich mit dem Strom. In Gaza sei es „nicht üblich“, die Stromrechnung zu zahlen, bestätigte mal ein EU-Beamter, um zu „erklären“, wieso die EU die Kosten für die Stromherstellung übernehme: „Damit die Menschen im Gazastreifen nicht im Finstern sitzen“. Die Schulden der palästinensischen Autonomiebehörde an Israels Strom- und Wassergesellschaft belaufen sich auf mehrere hundert-Millionen Dollar. Aus politischen Gründen wagt es Israel nicht, diese Schulden mit monatlichen Überweisungen an die Autonomiebehörde aus eingezogenen Steuern und Zöllen abzutragen. Die Regierung in Ramallah könnte sonst nicht mehr Gehälter bezahlen.

Illegale Brunnen: Die Israelis beklagen das illegale Bohren von über 300 Brunnen im Westjordanland. Im Gazastreifen hat illegales Abpumpen des Grundwassers zu einer humanitären Katastrophe geführt. Weil dem Aquifer zu viel Süßwasser entnommen worden ist, floß salziges Mittelmeerwasser nach und zerstörte das Süßwasser. Israel liefert das Trinkwasser für die 1,2 Bewohner des Gazastreifens.

Swimmingpools: Ein klassisches Element der palästinensischen Propaganda sind die Swimmingpools in israelischen Siedlungen, weshalb den Palästinensern Wasser „geklaut“ werde. Doch palästinensische Hotels locken Gäste mit luxuriösen Schwimmbädern. Millionäre haben sich neben ihren Villen Schwimmbäder gebaut, teilweise mit olympischen Ausmaßen. Auf Verkehrsinseln in Hebron und Nablus stehen Springbrunnen mit Wasserspielen.

Die „Freunde der Erde“, eine NGO mit Schwerpunkt auf Wasser, schrieb nach dem Eklat in einer Pressemitteilung: Gemäß unseren Berechnungen lag 2011 der Wasserkonsum pro Kopf/Tag in Israel bei 250 Litern (offenbar das aufbereitete Wasser für die Landwirtschaft mitgerechnet). Bei den Palästinensern im Westjordanland lag der pro Kopf/Tag Verbrauch bei 70 Litern (nach Abzug von 30 % Verlusten): Ein Vielfaches mehr als jene von Martin Schultz erwähnten 17 Liter.

Die offizielle palästinensische Wasserbehörde gibt an, dass jedem Palästinenser gar 103 Liter pro Tag zur Verfügung stünden (offenbar ohne die Verluste abzuziehen).

(C) Ulrich W. Sahm