Wenn eine Entschuldigung nicht “tut mir leid” bedeutet

Paula R. Stern, Times of Israel blogs, 23. März 2014

Vor vielen, vielen Jahren machte meine älteste Tochter etwas, das der Rest von uns als falsch betrachtete. Sie wurde aufgefordert sich zu entschuldigen und tat das auch. Ihre genauen Worte waren: „Na gut, Entschuldigung.“
Obwohl sie sich an ihre Entschuldigung als ernsthaft erinnert, vermute ich, dass der Rest von uns es nicht so sah und von da an hatte die Formulierung „Na gut, Entschuldigung“ sich in unserem Haus mit der Bedeutung herumgetrieben, dass der sich Entschuldigende es nicht ernst meinte und nur die Formalität erledigte, weil diese gefordert war.

Eine Entschuldigung ist nicht wirklich eine Entschuldigung, wenn sie mehr dazu gemacht wurde Kritik stumm zu machen, als zuzugeben, dass etwas falsch gemacht wurde. Und ja, der Wert einer Entschuldigung hat eine direkte Verbindung zur Ernsthaftigkeit, mit der sie abgegeben wird. Es muss erst einmal ein Bewusstsein für das geben, was falsch gemacht wurde; Und die Absicht sein Bestes zu geben, um dasselbe in der Zukunft zu vermeiden. Um eine Entschuldigung wirklich auf die Ebene zu heben, wo sie Vergebung wert ist, ist es also am besten so viel wie möglich zu tun, um den verursachten Schaden zu lindern.

Als ich gerade eine Entschuldigung las, die wegen einer Reise abgegeben wurde, die ein Teil der jüdischen Studenten von Harvard ans Grab von Yassir Arafat unternahm, konnte ich, den „Na gut, Entschuldigung“-Ton mit jedem Wort hören. Die Entschuldigung ist zu wenig, zu spät, zu unaufrichtig und legt nahe, dass kein Versuch unternommen wird den Schaden ungeschehen zu machen und den durch diesen unsensiblen und unbedachten (soll heißen: unglaublich dummen) Trip verursacht wurde.

Was mir wegen der Entschuldigung Sorgen bereitet, war die Notwendigkeit zuerst einmal nur anzugreifen und dann zu sagen: „Ja, ups, war eine schlechte Idee.“ Doch selbst in diesem Ups steckt Kritik. Wie können wir es wagen ihnen vorzuwerfen sie würden Israel nicht unterstützen? Warum glaubt ihr Leute denn, wir würden Arafat ehren?

Moment … sie gingen zu Arafats Grab! Sie empfanden ihn als bedeutend genug, um dort zu lächeln und zu posen, damit sie es allen zeigen konnten, wenn sie zurückkommen.

„Hallo??? Jetzt macht aber!“, möchte ich sie anbrüllen. Wenn ihr das Grab von jemandem besucht, der hunderte Israelis ermordete, dann wisst ihr, dass wir das Recht haben uns zu wundern.

Was die Harvard-Studenten (und der Leiter der Wohlfahrtsorganisation, die die Reise sponserte) nicht begreifen ist, dass vielen von uns hier in Israel – rechts wie links, Blogger und Bäcker gleichermaßen – der Besuch die wachsende Kluft zwischen israelischen und amerikanischen Juden zeigt. Mehr noch: Er zeigt die Tiefe der Ignoranz, die selbst angeblich intelligente Menschen zur Schau stellen können, wenn sie darin versagen die Anstrengung zu leisten etwas zu lernen, bevor sie sich ihre sprichwörtlichen Füße in den Mund stecken.*

Warum fanden sie es angemessen Yassir Arafat ihre Ehrerbietung zu erweisen? Das ist die Frage, die sie stellen sollten, statt uns anzugreifen und zu sagen, der Besuch sei nicht gewesen, was er eindeutig war. Wie kann man abstreiten, dass ein Grab zu besuchen tatsächlich dem Toten die Ehre zu erweisen ist? Warum sonst besucht man ein Grab, wenn nicht aus diesem Grund?

Die angemessene Entgegnung zu dem, was getan wurde, wäre gewesen – Köpfe hätten (im übertragenen Sinne) rollen müssen. Welcher Idiot glaubte, dass der Besuch von Arafats Grab diesen Studenten helfen würde ein tieferes Verständnis des Konflikts im Nahen Osten zu vermitteln?

Es gibt ein paar Dinge, zu denen Israel als Nation fast völlig eins ist. Mit Ausnahme der Shulamit Aloni und denen, die ihrer fehlgeleiteten und wahnhaften Politik folgen, erinnern sich die Israelis an Arafat zum größten Teil als den Mörder und Terroristen, der er war. Die Liste der von ihm geplanten und umgesetzten Anschläge definiert, wer er war und was er tat.

Und vielleicht war die sofort folgende Reaktion schlimmer als der Besuch selbst. Die reflexhafte Reaktion war, den Israelis Vorwürfe zu machen – und israelische Blogger zu beschuldigen den Besuch falsch zu interpretieren. Entschuldigt uns hier in Israel bitte, aber wie half dort hinzugehen diesen Studenten irgendetwas über das hinaus zu verstehen, was eine gute Google-Suche ihnen gebracht hätte?

Lasst mich euch hier helfen.

Yassir Arafat wurde 1929 in Kairo geboren – stimmt. Er wurde nicht in Israel geboren (oder in Palästina, wie es damals genannt wurde). Hat irgendjemand das der Gruppe gesagt? Jau, der Chefterrorist des palästinensischen Volks … wurde nicht einmal hier geboren.

1964, drei Jahre BEVOR es die sogenannte „Besatzung“ gab, gründete er eine Organisation, die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) genannt wurde und deren erklärtes Ziel es war Palästina von den Besatzern zu befreien. Ich möchte diese Harvard-Studenten daran erinnern, dass es 1964 oder 1965 oder 1966 keine Besatzung gab; nicht einmal (jedenfalls) während der ersten Hälfte des Jahres 1967.

Nach diesem Datum gab es nach Angaben einer recht großen Anzahl Israelis (wie mir) und Experten zu internationalem Recht nach dem Krieg von 1967 keine Besatzung, denn was gewonnen wurde, war erst einmal historisch unser und darüber hinaus das direkte Ergebnis eines von ihnen angezettelten Krieges. Sie verloren also – wir besetzten nicht … sie wählten Krieg – wieder und wieder und wieder! Wenn also die Besatzung nach Arafat 1967 begann und das alles ist, was die Palästinenser heute wollen, warum wurde die Organisation 1964 gegründet? Auf diese Frage bekomme ich nie eine Antwort…

Fakt ist, dass Arafat alles wollte, was zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan liegt und um das diesen Harvard-Studenten kristallklar zu machen: Dazu gehören Tel Aviv, Haifa, ganz Jerusalem und alles andere, was ihr neben eurem Besuch in Ramallah gesehen habt.

Damals … und auch heute bleibt das das Ziel der Palästinenser. Damals und heute. Und diese Haltung – „vom Fluss bis zum Meer“ – ist es, worum es bei einem Besuch von Arafats Grab ging. Ihr habt dem Konzept Israel von der Landkarte zu wischen Glaubwürdigkeit verliehen, indem ihr den Chefarchitekten dieses Plans besucht habt.
Arafat war kein General einer Armee, die uns als Invasionsarmee bekämpfte, sondern ein erbärmlicher, widerlicher Terrorist, der unsere Schwächsten angriff. Wieder und wieder. Oh, er war glücklich einen Soldaten zu töten, aber Soldaten waren bewaffnet und bereit und deshalb zog Arafat – flennender Feigling, der er war – unsere „weichen“ Ziele so sehr vor – Babys, Teenager, Alte, schwangere Frauen – niemand war ausgenommen. Das ist es, was ihr geehrt habt.

Ich könnte über Maalot schreiben – wo Arafats Terroristen 21 Kinder ermordeten; von München, wo Arafats Todesmissionare 11 Athleten ermordeten. Ich könnte vom Massaker an 21 Israelis auf einer Küstenstraße schreiben; von Leon Klinghoffer, den auf der Achille Lauro ermordeten amerikanisch-jüdischen Krüppel. Ich könnte Stunden lang schreiben und dennoch nicht das Böse dieses heruntergekommenen Mannes voll erklären. Der Planer, der Mörder, der Terrorist – all das wurde in diesem Grab beerdigt, das diese Studenten aufsuchten.

Was machen diese Studenten und ihr Bild, wie sie an seinem Grab lächeln und posieren? Sier erinnern mich an einen Vorfall, der sich vor 10 Jahren in Polen abspielte. Ich war mit einer älteren Tochter nach Polen gefahren; sie gehörte zu einer Gruppe Oberschülerinnen aus ganz Israel. Als ich in der Nähe des Tors von Auschwitz stand und darauf wartete, dass unsere Gruppe sich versammelte, um das Konzentrationslager anzusehen, in dem Millionen krepierten, sah ich, wie einige südkoreanische Touristen auf unsere israelischen Mädchen zugingen – auf diejenigen die israelische Flaggen in der Hand hatten. Wäre es nicht cool ein Bild mit diesen hübschen Mädchen und der israelischen Flagge zu bekommen, müssen die Koreaner gedacht haben und deshalb baten sie die Mädchen für Bilder zu posieren.

Die Mädchen standen lächelnd dort, während zwei koreanische Männer bei ihnen standen und ein dritter sie fotografierte, bevor sie die Plätze tauschten, damit auch der Fotograf sein Foto bekam.

Ich stand mit meiner Tochter etwas weiter daneben und wusste, es war falsch und ich konnte mir vorstellen, wie diese Männer nach Korea zurückkamen und Bilder ihrer Tour und der hübschen, lächelnden israelischen Mädchen herumzeigen. Ich wollte die Koreaner nicht in Verlegenheit bringen, also sagte ich den Mädchen leise auf Hebräisch: „Habt ihr vergessen, wo ihr seid? Ihr seid in Auschwitz. Das ist kein Ort um für Bilder zu posieren. Wollt ihr, dass sie Bilder von lächelnden Israelis hier in Auschwitz haben?“

Die Mädchen sahen sich um und erkannten, wie unangemessen es war. Auschwitz ist ein Ort des Todes, nicht des Lächelns; Arafats Grab ist der Ort eines Mörders, kein Ort, an dem jüdische Studenten posieren.

Hätte eine Gruppe Harvard-Studenten mich gefragt, hätte ich ihnen etwas Ähnliches gesagt. Schaut, wo ihr seid oder wohin sie euch bringen. Wie könnt ihr da sein? Wollt ihr dieses Bild auf Facebook posten? Offenbar hapert es ihnen derart an Bildung … dass sie es taten.

Um Klartext zu reden: Es ist ihr gutes Recht nach Ramallah zu fahren. Doch wenn sie das tun, dann müssen sie akzeptieren, dass wir das Recht haben von ihnen – und ihrer Huldigung – angewidert zu sein. Solange sie (und ihre Eltern und diejenigen, die sich diese unüberlegte Reise ausdachten) in den USA lebten, haben sie kein Recht etwas anderes zu erwarten als unsere völlige Verachtung für das, was sie mit dem Trip nach Ramallah taten.

Und wenn es ihnen Leid tut – wenn – dann schlage ich mehr vor als eine halbe Entschuldigung. Ich schlage vor, sie besuchen die Gräber der Menschen, die Arafat ermordete.

Geht zu David Hatuel, dessen schwangere Frau und vier Töchter aus nächster Nähe erschossen wurden und erklärt ihm eure Neugier von der anderen Seite zu lernen. Entschuldigt euch bei ihm.

Geht zu Limor Har-Melekh, deren Ehemann Schalom vor ihren Augen ermordet wurde. Sie war schwanger, als auch sie mittelschwer verletzt wurde. Ihr könnt erklären, wie ihr nicht meintet Arafat zu ehren, als ihr ihre Tochter traft, die glücklicherweise die Operation überlebte, mit der sie aus dem Schoß ihrer Mutter geholt wurde, als sie die Kugeln entfernten, die in deren Körper geschossen worden waren.

Geht zu Arno Herenstein, der schwer verletzt und dessen Frau Yafit ermordet wurde, als Arafats Terroristen in sein Haus eindrangen und das unbewaffnete Paar angriffen. Entschuldigt euch bei ihm, denn er und andere Opfern wie er leben für immer mit dem, was Arafat und seine Mörder taten.

Es kommt für jeden Menschen im Leben der Moment, an dem er erwachsen werden und Verantwortung übernehmen muss. Niemand zwang diese jungen Leute zu Arafats Grab zu gehen. Jeder einzelne von ihnen stieg in diesen Bus und ging in dieses Gebäude. Jeder einzelne entschied sich neben dem Grab zu stehen und sich fotografieren zu lassen. Als ich 16 war, ging ich auf eine Reise und fühlte mich nicht wohl mit einem Ort, an den die Gruppe fuhr; also nahm ich eine Pause und bliebt zurück. Sage keiner, dass jeder einzelne dieser Studenten nicht dasselbe hätte tun können.

Was ich in der abgegebenen Entschuldigung hörte, war die in unserer Familie berüchtigte „Na gut, Entschuldigung“-Entschuldigung. Israel steht bereit um zu sehen, ob dies eine ernste Entschuldigung war oder nicht.

Eine letzte Bemerkung an Barry Shrage, den Präsidenten der Combined Jewish Philanthropies, der Organisation, die den Israel-Besuch des Harvard College sponserte. Israels Bloggers hatten recht, dass sie die Empörung unseres Landes zum Ausdruck brachten. Ihr habt versucht uns zu diskreditieren, indem ihr vor „den Gefahren von Bloggern und anderen“ warnt, „die die Macht und Reichweite des Internets benutzen, um die Bedeutung zu verfälschen“.

Es ist der Job von Journalisten und Bloggern andere aufmerksam zu machen. Es gab in der Berichterstattung zu diesem Vorfall keine Verfälschung. Ihre Wohlfahrtsorganisation sponserte eine Reise zum Grab eines Killers. Statt den Boten zu attackieren schlage ich vor, dass Harvards jüdische Studenten nie wieder den Fehler machen einem Mörder unseres Volkes Ehrerbietung zu erweisen, zumindest nicht, während sie auf Ihre Kosten reisen.

Eure „Na gut, Entschuldigung“-Entschuldigung ermutigt sie nicht nur das in der Zukunft wieder zu tun, sie gibt uns jedes Recht Ihren Einsatz für Israel infrage zu stellen. Ich persönlich hoffe, dass Ihre Organisation sich die Zeit nehmen wird sich bei all denen zu entschuldigen, die von dem Tun dieser Gruppe verletzt worden sind.

Diese Familien haben genug gelitten – sie haben nicht verdient, was Ihre Organisation ihnen angetan hat.
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* Ein amerikanisches Sprichwort: „to put one’s foot in one’s mouth“ – in etwa: ins Fettnäpfchen treten.