Katharinenkloster auf Sinai soll zerstört werden

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 15. April 2014 (direkt vom Autor)

Das Katharinenkloster im Sinai, zu Füßen des Berges, wo Moses die 10 Gebote empfangen hat und neben dem Tal, wo das Volk Israel um das Goldene Kalb getanzt hat, soll abgerissen werden. Das hat der ägyptische General Ahmed Ragai Attiya gefordert, nachdem die griechisch-orthodoxen Mönche das Kloster in einen „Hort für Ausländer“ verwandelt hätten. Wie die wichtigste ägyptische Zeitung Al Ahram berichtet, habe der General a.D. vor Gericht Klage eingereicht, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Kloster aus dem 6. Jahrhundert dem Erdboden gleich zu machen und die Mönche zu deportieren, weil sie eine „Gefahr für die nationale Sicherheit Ägyptens“ darstellen.

In einem Fernsehinterview habe Attiya den 37 überwiegend aus Griechenland stammenden Mönchen vorgeworfen, nicht nur eine geheime Wasserquelle, die „Quelle des Moses“, versteckt zu haben, sondern über dem Kloster auch noch die griechische Flagge gehisst zu haben. So hätten sie den geschichtsträchtigen Ort in eine „von Ausländern okkupierte Stätte verwandelt, was einem Verstoß gegen die nationale Sicherheit und die ägyptische Souveränität gleich komme.“

Der Anwalt des Klosters, Ihab Ramzy, habe alle Vorwürfe des Generals zurückgewesen. St. Katharina ist eines der ältesten ständig bewohnten christlichen Klöster der Welt und werde von den Mönchen nur gehütet. Es stehe zudem unter strenger Überwachung des Ministeriums für Altertümer. „Die Mönche dürfen nicht einmal eine Wand ohne Genehmigung neu tünchen.“

Der Prozess ist laut Al Ahram bis Juni 2014 vertagt worden, um beiden Parteien zu ermöglichen, Beweise für ihre Behauptungen beizubringen.

Das St. Katharina Kloster wurde zwischen 548 und 565 an der Stelle des „brennenden Busches“ des Moses errichtet. Den Namen erhielt das Kloster von einer christlichen Märtyrerin namens Katharina, die gemäß der Legende von Engeln zu dem Kloster gebracht worden sei. Die Mönche hätten sie begraben, nachdem sie um das Jahr 800 geköpft worden sei.

Das Katharinenkloster ist die wichtigste Touristenattraktion im Süden des Sinai. Viele Touristen aus Israel und aus der Welt besuchen das Kloster, trotz der unsicheren Lage auf der Halbinsel.

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