Mitleid mit den Palästinensern? Ohne mich

Tausende Araber sterben in Syrien und im Südsudan. Wo ist die Empörung zugunsten derer, die wirklich leiden?

Norman Podhoretz, Wall Street Journal, 9. April 2014

Provoziert vom vorhersagbaren Zusammenbruch der lächerlichen, von Außenminister John Kerry erzwungenen Verhandlungen der Palästinenser mit den Israelis möchte ich etwas gestehen: Ich habe kein Mitgefühl – gar keins – für die Palästinenser. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass sie welches verdienen.

Das stellt mich natürlich vor die Dolche, die von der erleuchteten Meinung gezogen werden, die vom bekannten Triumvirat der Universitäten, der Mainstream-Medien und der Unterhaltungsindustrie gezogen werden. Denn jeder in deren Welt ist so sehr damit beschäftigt wegen des angeblich unvergleichlichen Leidens der Palästinenser zu weinen, dass kaum eine Träne für die Drangsal anderer Völker übrig bleibt. Und die universelle Wut wegen der den Palästinensern angetanen vermeintlich monumentalen Ungerechtigkeit ist derart alles verzehrend, dass praktisch keine Entrüstung mehr für eigendeinen anderen Beschwerdeführer infolge ungerechtfertigter Misshandlung verfügbar ist.

Nach meiner aufgeklärten Meinung ist dieses Bild des schlimmen Zustands der Palästinenser nicht weniger als grotesk unverhältnismäßig. Lassen Sie mich die Palästinenser ausklammern, die als israelische Staatsbürger in Israel leben und die dieselben politischen Rechte genießen wie israelische Juden (was weit mehr ist als man zu den Palästinensern sagen kann, die in welchem arabischen Land auch immer leben) und lassen Sie mich auf diejenigen konzentrieren, die unter israelischer Besatzung der Westbank leben.

Nun, um es mit dem bedeutendsten Maß zu beurteilen und dieses auf nur zwei Fälle dessen anzuwenden, was genau jetzt dort vorgeht: In Syrien verhungern Tausende arabischer Geschwister, während nach Angaben des UNO-Vertreters vor Ort im Südsudan 3,7 Millionen Menschen – was etwa einem Drittel der Bevölkerung entspricht – sich dem unmittelbaren Hungertod ausgesetzt sehen.

Und die Palästinenser? Stimmt, wenn sie von der Westbank nach Israel im engeren Sinn reisen wollen, sind sie gezwungen an Checkpoints anzuhalten und werden Durchsuchungen nach Selbstmord-Westen oder anderen Waffen des terroristischen Arsenals unterzogen. Als sie Außenministerin war, beklagte Condoleezza Rice einmal die große Unannehmlichkeit und Demütigung, die durch solche Dinge den armen Palästinensern zugefügt werden. Sie hatte allerdings nichts zu Palästinensern zu sagen, die in der Westbank verhungern – aus dem einfachen Grund, dass solche nicht zu finden waren.

Auch im Gazastreifen verhungerte niemand, als er ebenfalls unter israelischer Besatzung stand. Und trotz der gegenteiligen Propaganda sieht sich auch heute trotz der Blockade von den Israelis zur Verhinderung der Lieferung versteckter Waffen zum Einsatz gegen die Juden eingerichteten Blockade niemand diesem Schicksal ausgesetzt.

Apropos Gaza: Es kann als Fallstudie für das Ausmaß dienen, in dem die Palästinenser die Notlage sich selbst zugefügt haben. So erwarteten einige Gratulanten, als jeder einzelne Israel 2005 aus dem Gazastreifen geholt worden war, dass die jetzt in voller Kontrolle befindlichen Palästinenser sich der Aufgabe widmen würden ihn in ein freies und wohlhabendes Land zu verwandeln. Stattdessen machten sie darauf einen Zufluchtsort für Terrorismus und eine Basis zum Abschuss von Raketen nach Israel.

Derweil ging wenig bis nichts der in den Gazastreifen gekippten Milliarden an Hilfen – einiges davon von reichen amerikanisch-jüdischen Spendern – in die Verbesserung der Lebensbedingungen der Allgemeinbevölkerung. Was die Mehrheit dieser einfachen Palästinenser nicht davon abhält die Hamas zu unterstützen, unter deren Führung dieser Prioritätenfolge treuer gefolgt wurde als unter den leicht weniger militanten Rivalen der Fatah.

Was die den Palästinenser angeblich angetane monumentale Ungerechtigkeit angeht, so besteht diese weitgehend darin Territorium in dem Krieg verloren zu haben, den sie 1967 selbst provozierten, sowie der Ablehnung ihrer Forderung, dass ihnen jeder Zentimeter davon von den israelischen Siegern dieses Krieges zurückgegeben wird. Solche Forderungen sind immer als Revanchismus oder Irredentismus bekannt und allgemein abgelehnt worden, erst vor kurzem wegen der russischen Einnahme der Krim. Doch wenn es um Israel geht, wird alles auf den Kopf gestellt, so dass palästinensischer Irredentismus allgemein unterstützt wird.

Die begleitende und gleichermaßen große Ungerechtigkeit, die die Palästinenser angeblich erlitten, besteht darin, dass ihnen ein eigener Staat verweigert worden ist. Doch das zeichnet sich kaum als einzigartig aus, angesichts von Dutzenden anderen ethnischen Gruppen – von denen die Kurden die bekannteste ist – denen es genauso geht.

Auf jeden Fall ist auch diese „Ungerechtigkeit“ selbst zugefügt, da die Palästinenser in den vergangenen 15 Jahren dreimal Angebote eines Staates auf dem größten Teil des von Israel 1967 eingenommenen Territoriums abgelehnt haben – mit Jerusalem als ihrer Hauptstadt. Sie haben diese Ablehnungen mit einer Ausrede nach der anderen gerechtfertigt, aber wie jeder, der dazu bereit ist, sehen kann, wollen sie in Wahrheit keinen eigenen Staat, der Seite an Seite mit Israel lebt, sondern einen Staat, der Israel komplett ersetzt.

Damit kommen wir zu dem Hauptgrund, wie ich glaube, dass die Palästinenser keinerlei Mitgefühl verdienen, ganz zu schweigen von dem erstaunlichen Maß, in dem sie es erhalten (und nicht zuletzt von vielen meiner Mitjuden). Es ist so, dass sie seit dem Tag der Entstehung Israels 1948 nie aufgehört haben als ihr Ziel zu erklären, den Staat von der Landkarte zu wischen. In allen anderen Zusammenhängen würde dies bei seinem verdienten Namen „Völkermord“ genannt und von allen anständigen Menschen verurteilt werden. Doch es sind – und hier wird wieder alles auf den Kopf gestellt – sind es bei jedem einzelnen Schritt, den Israel unternimmt um sich gegen eine derart schamlose und bösartige Absicht zu wehren, die Israelis, die obsessiv verurteilt werden, von der UNO ebenso wie von den zunehmend schrillen Verbreitern dessen, was sich selbst „Antizionismus“ nennt, aber ebenfalls zunehmend vom Antisemitismus nicht zu unterscheiden ist.

Auch sind es leider nicht nur die Führer der Palästinenser, die diese böse Absicht hegen. Wie von Umfrage nach Umfrage sowie von den Wahlen offenbart wird, die der Hamas den Weg zur Übernahme der Macht im Gazastreifen freimachten, tut das auch eine entscheidende Mehrheit des palästinensischen Volks. Dies ist zweifellos das Resultat nicht nachlassender Indoktrination von oben, doch der Schaden ist angerichtet und das Endergebnis sieht so aus, wie es ist.

In der Tat ist das Beste, was man sowohl über die Palästinenserführer als auch die Geführten sagen kann, dass viele von ihnen sich nicht länger einbilden – wie es der ehemalige Präsident Gamal Abdel Nasser von Ägypten tat – sie hätten die Macht die Juden Israels ins Meer zu treiben. Daher sind sie jetzt bereit das Ziel des Völkermords aufzugeben und sich mit dem bescheideneren Ziel der Politizids zu begnügen – soll heißen, den jüdischen Staat loszuwerden, indem man ihn, durch verschiedenen „friedliche“ Mittel wie das „Rückkehrrecht“, in einen Staat mit palästinensischer Mehrheit umwandelt.

Ich für mein Teil bete täglich, dass der Tag kommen wird, wenn die Palästinenser endlich ihre bösartige Absicht gegenüber Israel aufgeben, das mich von jeglichem Mitgefühl für sie abhält und dass sie ihren inneren Frieden mit der Existenz des jüdischen Staates in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft schließen. Doch bis dieser Tag kommt, wird der „Friedensprozess“ weiter so aussichtslos sein, wie er es so lange schon gewesen ist und als wie er sich gerade einmal mehr erwiesen hat. Noch etwas ändert sich nie: Als John Kerry am Dienstag auf dem Capitol Hill aussagte, waren es die Israelis, die er für dieses jüngste diplomatische Fiasko verantwortlich machte.

Norman Podhoretz war von 1960 bis 1995 Chefredakteur des Magazins Commetary. Sein jüngstes Buch heit „Why Are Jews Liberals?“ (Warum sind Juden Linke?)