Ein Brief aus Jerusalem an die Welt

gefunden auf Facebook, 7. Juni 2014

Dieser Brief wurde 1969 geschrieben:

Ein Brief aus Jerusalem an die Welt

von Eliezer Ben Yisrael

Ich bin kein Wesen von einem anderen Planeten, wie ihr zu glauben scheint.

Ich bin ein Jerusalemer – wie ihr, ein Mann aus Fleisch und Blut.

Ich bin ein Bürger meiner Stadt, ein integraler Bestandteil meines Volkes.

Ich habe ein paar Dinge, die ich mir von der Seele reden muss.

Ich bin kein Diplomat, also brauche ich kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Ihr habt diese Stadt nicht gebaut; ihr habt nicht in ihr gelebt; ihr habt sie nicht verteidigt, als sie kamen, um sie zu zerstören.

Und wir werden verdammt sein, wenn wir sie uns von euch wegnehmen lassen.

Es gab ein Jerusalem, bevor es New York gab.

Als Berlin, Moskau, London und Paris verseuchte Wälder und Sümpfe waren, gab es hier eine blühende jüdische Gemeinschaft.

Sie gab der Welt etwas, lange bevor ihr euch gegründet habt und das habt ihr seitdem immer abgelehnt – einen humanen Moralkodex.

Hier wandelten die Propheten, ihre Worte leuchteten wie gegabelte Blitze.

Hier wollte ein Volk nichts anderes als in Ruhe gelassen zu werden, wehrte Wellen heidnischer Möchtgern-Eroberer ab, blutete und starb auf den Festungsmauern, warf sich lieber selbst in die Flammen seines brennenden Tempels statt sich zu ergeben. Und als es schließlich von der schieren Menge überwältigt und in Gefangenschaft geführt wurde, schwor es, dass lieber seine Zungen gespalten bekommen, sein Arme verkümmert haben wollte, als Jerusalem zu vergessen.

Zwei schmerzerfüllte Jahrtausende lang, als wir eure unwillkommenen Gäste waren, beteten wir täglich für die Rückkehr in diese Stadt. Dreimal täglich baten wir vom Allmächtigen: „Sammle uns aus den vier Enden der Welt, bring uns rechtschaffen in unser Land, kehre in Gnade nach Jerusalem zurück, Deine Stadt, und wohne dort in ihr, wie DU es versprochen hast.“ An jedem Yom Kippur und Passah äußern wir innig die Hoffnung, dass wir nächstes Jahr in Jerusalem sein werdne.

Eure Inquisitionen, Pogrome, Vertreibungen, die Ghettos, in die ihr uns gestopft habe, eure Zwangstaufen, eure Quotensysteme, euer vornehmer Antisemitismus und der endgültige, unaussprechliche Horror, der Holocaust (und schlimmer: eure Furcht erregendes Desinteresse daran) – sie alle haben uns nicht gebrochen.

Sie dürften das Wenige aufgezehrt haben, das ihr noch an moralischer Stärke besessen habt, aber sie schmiedeten uns in Stahl.

Glaubt ihr, nach allem, was wir durchgemacht haben, könntet ihr uns heute brechen?

Glaubt ihr wirklich, nach Dachau und Auschwitz hätten wir Angst vor euren Drohungen mit Blockaden und Sanktionen?

Wir sind in der Hölle gewesen und sind zurück – eine Hölle, die ihr gemacht habt.

Was könntet ihr denn noch in eurem Arsenal haben, das uns Angst einjagen könnte?

Ich habe zweimal gesehen, wie diese Stadt bombardiert wurde, von Staaten, die sich zivilisiert nennen.

1948, als ihr apathisch zusaht, sah ich wie Frauen und Kinder in Stücke bombardiert wurden, nachdem wir eurer Aufforderung zur Internationalisierung der Stadt zustimmten.

Eine tödliche Kombination erledigte das: Britische Offiziere, arabische Kanoniere und in Amerika gebaute Kanonen.

Und dann die barbarische Plünderung der Altstadt, das vorsätzliche Abschlachten, die mutwilige Schändung der Zerstörung jeder einzelnen Synagoge und religiösen Schule; der jüdischen Friedhöfe; der Verkauf von Grabsteinen als Baumatieral für Geflügelgehege, Armeelager und sogar Latrinen durch eine schaurige Regierung.

Und ihr habt nie ein Wort gesagt. Ihr habe nie den leisesten Protest gehaucht, als die Jordanier den uns heiligsten Ort unter Verletzung der Zusicherungen absperrten, die sie nach dem Krieg machten – einen Krieg, den sie zufälligerweise gegen die Entscheidung der UNO führten.

Nicht einmal en Murmeln kam von euch, wann immer die Legionäre in ihren stacheligen Helmen von hinter den Mauern das Feuer auf unsere Bürger eröffneten.

Eure Herzen bluteten, als Berlin belagert wurde. Ihr habt schnell eure Luftbrücke eingerichtet, um „die furchtlosen Berliner zu retten“.

Aber ihr habt nicht ein Gramm Lebensmittel geschickt, als Juden im belagerten Jerusalem verhungerten. Ihr habt gegen die Mauer gedonnert, die die Ostdeutschen mitten durch die deutsche Hauptstadt bauten – aber nicht ein einziger Mucks kam von euch über die andere Mauer, die, die das Herz Jerusalems zerriss.

Und als dasselbe 20 Jahre später wieder geschah und die Araber wieder eine brutale, nicht provozierten Bombardierung er Heiligen Stadt auslösten, hat da irgendjemand von euch etwas getan?

Das einzige Mal, dass ihr in Schwung gekommen seid, war als die Stadt endlich wieder vereint wurde. Da habt ihr die Hände gerungen und voller Überheblichkeit von „Gerechtigkeit“ und der Notwendigkeit der „christlichen“ Eigenschaft geredet die andere Wange hinzuhalten.

Die Wahrheit ist – und tief in euch wisst ihr das – würdet ihr es vorziehen, dass die Stadt zerstört wird, statt dass Juden sie regieren.

Egal in wie diplomatische Worte ihr das kleidet, das Jahrhunderte alte Vorurteil tropft aus jedem eurer Worte.

Wenn unsere Rückkehr in die Stadt eure Theologie verwirrt hat, dann solltet ihr vielleicht besser euren Katechismus überprüfen.

Nach dem, was wir durchgemacht haben, werden wir uns nicht passiv der verdrehten Idee anpassen, dass wir ewige Heimatlosigkeit erleiden müssen, bis wir unseren Retter anerkennen.

Zum ersten Mal seit dem Jahr 70 gibt es jetzt in Jerusalem völlige Religionsfreiheit für alle.

Zum ersten Mal seit die Römer eine Fackel an den Tempel legten, hat jeder gleiche Rechte.

(Ihr zieht es vor, dass einige gleichere haben als andere.)

Wir hassen das Schwert, aber ihr ward es, die uns zwangen es aufzunehmen.

Wir lechzen nach Frieden – aber wir werden nicht zum Frieden von 1948 zurückkehren, wie ihr das von uns gerne hättet.

Wir sind Zuhause. Das klingt großartig für eine Nation, von der ihr wolltet, dass sie über die Oberfläche des Globus wandert.

Wer werden nicht weggehen.

Wir lösen das Gelöbnis ein, das unsere Vorväter ablegten:

Jerusalem wird wieder aufgebaut.

„Nächstes Jahr“ und das Jahr danach und danach und danach, bis ans Ende der Zeit – „in Jerusalem!“

Anmerkung des Redakteurs: Dieser Brief erschien ursprünglich im Sommer 1969 als Editorial in der lange nicht mehr bestehenden Times of Israel. Es ist erstaunlich, dass seine Worte immer noch gut nachhallen. Und es ist so traurig, dass diese Worte nach all der Zeit immer noch gesagt werden müssen.
Nach heutigem Stand hat kein Land der Welt seine Botschaft in der Hauptstadt Israels.
Nach heutigem Stand reden Menschen und Regierungen rund um die Welt immer noch davon Jerusalem zu spalten, zu teilen.
Aber die Tatsache bleibt, dass die Welt israelische Souveränität über irgendeinen Teil Jerusalems nicht anerkennt, geschweige denn es als unsere Hauptstadt betrachtet.

Lesen Sie daher diesen Brief wieder und wieder und teilen Sie ihn mit anderen.