Kein Ende einer selbst geschaffenen Tragödie

Daniel Mandel, The American Thinker, 12. Juni 2014

Mahmud Abbas’ Fatah/PA hat gerade ein Aussöhnungsabkommen mit der Hamas zementiert – der Terrorbewegung, die der Fatah 2007 den Gazastreifen abnahm und deren Charta Judenmord fordert. Die von den USA vermittelten israelisch-palästinensischen Verhandlungen sind in einer vorhersagbaren Runde an Schuldzuweisungen gescheitert. Doch die in den letzten Wochen zelebrierten Ereignisse bieten den Schlüssel für das Verständnis, weshalb solche Gespräche unvermeidlich in eine Sackgasse führen. Am 15. Mai begingen die Palästinenser das, was sie die Naqba (Arabisch für „Katastrophe“) nennen – den Tag, an dem Israel nach Ablauf der britischen Herrschaft unter einem Völkerbund-Mandat entstand.

Diese Gegenüberstellung von israelische Unabhängigkeit und Naqba ist kein Zufall. Wir sollen es so begreifen, dass Israels Gründung die Vertreibung Hunderttausener palästinensischer Araber verursachte.

Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. Ein im letzten Jahr deklassifiziertes britisches Dokument von Anfang 1948 erzählt die Geschichte: „Die Araber haben überwältigende Niederlagen erlitten … Jüdische Siege … haben die arabische Moral auf Null reduziert und sie folgen dem feigen Beispiel ihrer unfähigen Führer und fliehen zu Tausenden aus den gemischten Gebieten.“

Mit anderen Worten: Juden und Araber, einschließlich irregulärer Auslandsmilizen aus Nachbarstaaten, befanden sich bereits im Krieg und Araber flohen, noch bevor Israel am 15. Mai 1948 in Souveränität entstand.

Damit besteht das, was heute die Naqba genannt wird, nicht aus gewalttätiger israelische Vertreibung von Arabern, sondern aus benachbarten arabischen Armeen und interne palästinensischen Milizen, die auf Israels Unabhängigkeitserklärung und den Abzug der Briten mit Feindseligkeiten in großem Stil antworteten. Tel Aviv wurde aus der Luft bombardiert und der Kopf der provisorischen israelischen Regierung, David Ben-Gurion, hielt aus einem Luftschutzbunker seine erste Radioansprache an die Nation.

Israel hielt der Invasion und der Verstümmelung – dem allgemein bestätigten Ziel der arabischen Kriegsteilnehmer – stand und die Palästinenser gingen als am schlimmsten geschädigte aus dem gesamten Projekt hervor. Am Ende des Krieges lebten 600.000 Palästinenser als Flüchtlinge unter benachbarten arabischen Regimen. Neulich formulierte es Abudlateef Al-Mulhim in Arab News so: „Es war eine Niederlage, aber die Araber entschlossen sich es eine Katastrophe zu nennen.“

Entsprechend irreführend ist der Begriff Naqba. Tatsächlich riecht er nach Lüge, weil er eine von anderen zugefügte Tragödie impliziert. Die Tragödie war natürlich selbst zugefügt. Israels UNO-Botschafter Abba Eban drückte es einige Jahre später so aus: „Ermittelt man erst einmal die Verantwortung für diesen Krieg, dann hat man die Verantwortung für das Flüchtlingsproblem festgestellt. Nichts in der Geschichte unserer Generation ist klarer oder weniger kontrovers als die Initiative der arabischen Regierungen für den Konflikt, aus dem die Flüchtlingstragödie entstand.“

Die Palästinenser jedoch trauern heute nicht wegen der schlecht durchdachten Wahl in den Krieg zu ziehen, um Israel abzutreiben. Sie trauen nur darüber, dass sie scheiterten.

Das läuft historischer Erfahrung mit desaströsen Niederlagen zuwider. Die Deutschen betrauern heute ihre Verluste im Zweiten Weltkrieg – aber nicht indem sie ihren Einfall in Polen rühmen und ihre Versuch Europa zu unterjoche rechtfertigen. Sie verherrlichen die Nazi-Aggression nicht.

Die Japaner betrauern ihre Verluste im Zweiten Weltkrieg – aber nicht, indem sie ihren Angriff auf Pearl Harbor und ihren Versuch Südostasien zu unterjochen preisen. Sie verherrlichen den japanischen Imperialismus nicht.

Schon die Existenz der Naqba-Gedenkfeiern ist daher auf eine Weise lehrreich, die wenige begreifen. Sie informiert uns darüber, dass die Palästinenser die Tatsache nicht eingestehen – wie es die Deutschen und Japaner gemacht haben – dass sie als direktes Ergebnis ihrer Bemühungen Täter zu sein Opfer wurden. Sie informiert uns, dass die Palästinenser heute immer noch gerne Erfolg mit dem hätten, mit dem sie damals so jämmerlich scheiterten. Und sie informiert uns darüber, dass sie keine Verantwortung für ihre eigene missliche Lage übernehmen, die bis heute aufgrund ihres eigenen Beharrens darauf auf einzigartige Weise beibehalten wird.

Wenn Leser das bezweifeln, denken Sie bitte über die folgende kurze Darstellung nach: Im Januar 2011 bot John Manley, der damalige Außenminister in Jean Chretiens kanadischer Regierung, den palästinensischen Flüchtlingen und ihren Nachkommen ein Willkommen in Kanada an. Die palästinensische Antwort? Mr. Manley wurde als Puppe von palästinensischen Randalierern in Nablus verbrannt und der palästinensische Abgeordnete Hussam Khader von der Fatah – nicht der Hamas oder einer der anderen islamistischen Gruppen – erklärte: „Wenn es Kanada mit der Umsiedlung ernst ist, dann können Sie militärische Angriffe in Ottawa oder Montreal erwarten.“ Ein ähnliches Angebot des damaligen australischen Einwanderungsministers Philip Ruddock erhielt ebenfalls eine drohende palästinensische Erwiderung.

Warum diese erstaunliche Reaktion eines offiziellen Regierungsvertreters auf ein Angebot zu Flüchtlingshilfe? Weil die Gründung eines Palästinenserstaates und die Neuansiedlung der Flüchtlinge und ihrer Nachkommen im Land oder im Ausland jegliche international akzeptierten Begründungen für den Konflikt beseitigen würde. Das ist der Grund, warum Hilfe bei der Lösung des palästinensischen Flüchtlingsproblems als feindlicher Akt betrachtet wird – und zwar von den Palästinensern.

Naqba-Gedenkveranstaltungen verraten, dass es in dem Konflikt um Israels Existenz geht – nicht um Territorium, Grenzen, heilige Orte, Flüchtlinge oder irgendeine Aufstellung von Einzelheiten.

Wenn die Palästinenser akzeptieren, dass Israel von Dauer ist, wird die Möglichkeit des Endes des Konflikts in Sicht kommen. In der Zwischenzeit kann verantwortliches Regieren von Naqba-Gedenkveranstaltungen abhalten – statt sie als harmlosen Ausdruck nationalen Verlustes oder nationaler Trauer zu behandeln – als einen kleinen Schritt darauf hin diesen Tag näher zu bringen.