Gedankenverlorenes Territorium – Abbas: Rivlins Vegetarismus beleidigender als seine Politik

ProOccupied Territory, 11. Juni 2014

Jerusalem, 11. Juni – Palästinenserpräsident Mahmud Abbas reagierte auf die Wahl Reuven Rivlins zum Präsidenten Israels, indem er an den vegetarischen Sensibilitäten des Letzeren Anstoß nahm, statt an dessen Ansichten zur Erwünschtheit der Annexion von Teilen der Westbank nach Israel.

Abbas ließ sein Büro ein Gratulations-Formschreiben an das demnächstige Staatsoberhaupt schicken, eine Botschaft, die ausdrücklich und uncharakteristisch die problematische Haltung des neu gewählten Präsidenten zu Bereichen ignoriert, die die Palästinenser für ihren Staat anstreben; offenbar war er von Rivlins Meidung von Fleisch stärker entsetzt.

„Als ordnungsgemäß gewählter Führer des palästinensischen Volks biete ich Glückwünsche zu Ihrer Wahl als Präsident“, hieß es in der Botschaft. „Ich hoffe, wir können gemeinsam an einer gerechten Lösung des Konflikts zwischen unseren Völkern arbeiten, trotz Ihrer offensichtlichen Unfähigkeit anzuerkennen, dass Menschen Allesfresser sind, keine Kaninchen.“ Die Botschaft offerierte dem gewählten Präsidenten eine riesige Auswahl köstlicher Fleischgerichte zu übergeben; er schlug vor, dass der ehemalige Knesset-Präsident Fleisch vielleicht deshalb verschmäht, weil es ihm nie anständig zubereitet wurde.

Der Abgeordnete Reuven Rivlin wurde gestern als Nachfolger von Shimon Peres zu Israels nächstem Präsidenten gewählt; dessen Amtszeit endet nächsten Monat und er ist nicht dafür bekannt auf schmackhaftes, saftiges Fleisch zu verzichten. Rivlin jedoch hat seit den 1960-er Jahren tierisches Fleisch gemieden, eine Tatsache, die der Palästinenserführer offenbar weit beunruhigender findet, als dass der Israeli eine Politik befürwortet, die dem entstehenden Palästinenserstaat den weitaus größten Teil des erhofften Territoriums vorenthalten würde.

„Wie wir alle wissen, war auch Hitler Vegetarier“, erklärte der palästinensische Soziologe Khalil Shikaki. „Es ist nicht so, dass Abu Mazen glaubt, das Meiden von Fleisch sei einer Ursache – oder gar ein Symptom – völkermörderischer, wahnsinniger, fremdenfeindlicher, wahnhafter Demagogie, aber die Assoziierung ist kaum positiv zu sehen. Ich glaube, Abu Mazen hat das Gefühl, dass er das kollektive palästinensische Unbehagen einem Mann gegenüber zum Ausdruck bringt, der einen der grundlegenden Genüsse teilzuhaben, die sich an der Spitze der Nahrungskette befinden.“

„Es abzulehnen die Macht über Leben und Tod über andere Kreaturen, ob menschlich oder nicht, bei jeder sich bietenden Gelegenheit auszuüben ist uns schlicht wesensfremd“, fügte Shikaki hinzu. „Genau genommen würde ich das als beleidigend bezeichnen.“