Gedankenverlorenes Territorium – Ich bin froh nicht dieselbe UNO-„Hilfe“ zu bekommen wie die palästinensischen Flüchtlinge

PreOccupied Territory, 29. Juni 2014

Von Hassan Amir, Flüchtling aus Mossul (Irak)

Meine Familie wurde letzte Woche heimatvertrieben, als Soldaten der Islamischer Staat im Irak und der Levante hereinfegten. Als Schiiten sind wir unter diesen sunnitischen Fanatikern persona non grata, also blieb uns zu diesem Zeitpunkt nichts anderes übrig als nach Jordanien zu gehen. Wir sind Flüchtlinge. Und wir bekommen verdammt wenig Hilfe von der internationalen Gemeinschaft, die vermutlich vom Irak die Nase voll hat. Für mich ist das in Ordnung, denn wenn man sieht, wie die UNO mit den palästinensischen Flüchtlingen umgeht, dann muss man zustimmen, dass sie mehr schadet als nutzt.

Eine anständige Flüchtlingsagentur sorgt für die unmittelbaren physischen Bedürfnisse der Heimatvertriebenen, dann versucht sie einen sicheren Ort für sie zu finden. Ob wir auf Dauer hier in Jordanien bleiben werden oder nicht, es gibt keine Möglichkeit, dass ich die Zukunft meiner Familie einer Organisation anvertraue, die Generationen von Palästinensern dazu verdammt hat auf ewig in der Luft zu hängen, in Elend zu leben und von den Gastgeberländern diskriminiert zu werden. Die United Nations Relief and Works Agency? Verschont mich mit der! Hilfe für wen eigentlich?

Für mich. Ich bin erleichtert, dass wir nicht Zielperson der bizarren Welt des palästinensischen Flüchtlingsschicksals sind, in dem das Ziel perverserweise nicht darin besteht echten Menschen angemessene Unterkunft zu finden, sondern deren staatenlose Seelen als Druckmittel für Verhandlungen in einem immer verzweifelten Kampf beizubehalten, mit dem die Juden aus ihrem Staat verdrängt werden sollen. Gebt das auf, ihr Deppen. Das geht jetzt schon 66 Jahre so. Sie gehen nirgendwo hin. Aber wir – wo immer wir einen sicheren Ort mit einem Mindestmaß an wirtschaftlichen Chancen finden. Wir sind nicht blöde.

Wenn es etwas gibt, das wir durch die Vertreibung aus dem einzigen Haus, das wir kannte, gelernt haben, dann das, dass niemand das Recht auf ein Anspruchsdenken hat. Ansprüche sind eine Seuche, die einen Menschen nur zu immerwährender Enttäuschung und Verzweiflung verurteilen kann. Auch wenn es hart für uns ist, sind wir dankbar, dass wir wenigstens nicht von der UNO trainiert werden zu glauben wir hätten Anspruch auf irgendetwas, das niemand sonst je erhielt. Rückkehrrecht? Wann war das je Ergebnis irgendwelcher internationaler Vereinbarungen? Welche Art absurden „Rechts“ ist das? Niemand wird für MEIN Recht auf Rückkehr nach Mossul kämpfen.

Was die Kräfte angeht, die gegen ISIL kämpfen, so machen wir uns nicht vor sie hätten meine Interessen im Sinn. Der Iran hat den Iran im Sinn. Ihr könnt euren Hinter verwetten, dass niemand den roten Teppich für uns Flüchtlinge ausrollen wird, wenn die ISIL jemals besiegt wird. Shaut euch Quneitra in Syrien an. Assad ließ die Einwohner nie zurückkehren; er zog es vor die Ruinen als permanente Propagandaausstellung zu behalten. Willkommen im Nahen Osten.

Der größte Gefallen, den die UNO den palästinensischen Flüchtlingen tun könnte, wäre aufzuhören ihnen zu „helfen“. Dann wären sie wenigstens nicht so unglücklich wie ich.

Aber halte nicht die Luft an. Ich bin zu sehr damit beschäftigt tatsächlich zu versuchen, die Dinge für mich und meine Familie zu verbessern. Sollte die UNO sich jemals melden, dann bin ich nicht Zuhause. Ich werde schon für mich selbst sorgen.

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