Israelische „Mini-Farm“ könnte die Hungrigen der Dritten Welt ernähren

David Shamah, The Times of Israel, 26. Juni 2014

Livingbox, ein System für landlose Stadtbewohner, kann Gemüse überall wachsen lassen; dazu verfügt es über einen autarken „geschlossenen Kreislauf“ aus Energie und Nährstoffen und hilft eine Milliarde bedürftiger Menschen zu ernähren. Das System hat einen Preis als vielversprechendstes Projekt erhalten, das Ländern hilft sich zu entwickeln und ihre Wirtschaft zu optimieren.

Nitzan Solan, Mitschöpfer des Projekts, sagt, die Livingbox „ist das perfekte System, denn es lässt jeden überall Gemüse ohne die Notwendigkeit fruchtbaren Bodens, fließenden Wassers oder Strom ziehen, zudem braucht man nur minimale landwirtschaftliche Fähigkeiten. Es kann helfen Menschen in Entwicklungsländern zu ernähren, denn es bietet ihnen Zugang zu frischen, nahrhaften Lebensmitteln, wobei es ihnen hilft die Umwelt sauber zu erhalten.

Ist es einmal aufgebaut, ist das System autark. Festgesetzt werden muss noch der Anfangspreis, aber das Team verspricht ihn akzeptabel zu halten.

Für die Entwicklung von Livingbox erhielten Solan und seine Partner Moti Cohen und Mendi Pollak den $20.000-Hauptpreis in der Pears Challgenge, einem Wettbewerb, der von der internationalen Pears-Stiftung und der Universität Tel Aviv veranstaltet wird und darauf abzielt israelische Start-up-Unternehmen zu ermutigen Verbindungen zu den Bedürfnissen der Afrikaner herzustellen, Lösungen in Bereichen wie Landwirtschaft, Gesundheit, Wasser, Informations- und Kommunikationstechnologie, Bildung und erneuerbarer Energie zu entwickeln.

Livingbox basiert auf Hydrokulturen – der Wissenschaft Gemüse in Wasser anzubauen. Gemüse kann in Wasser Wurzeln schlagen, wenn die richtigen Nährstoffe hinzugefügt werden. Das System von Livingbox liefert diese Nährstoffe in ein hydrokulturelles Zuchtbeet von fünf Quadratmetern und nutzt dazu organische Fisch-Abfälle, Lebensmittelreste oder sogar Tier-Fäkalien.

Die von Livingbox genutzte Technologie ist nicht neu, sagte Solan. Das Neue ist seine Entwicklung als Methode Familien in Entwicklungsländern mit Lebensmitteln zu versorogen; dazu wurden die verschiedenen Technologien und Zuchtmethoden zusammengeführt, um ein System zu entwickeln, das nichts als Haushaltsmüll benötigt.

Das System wird „Livingbox“ genannt, weil es als modulares Boxen-Set zum Verbraucher kommt, das, einmal ausgepackt, in einer Abfolge aufgebaut werden kann. Die Nutzer füllen das Zuchtbeet mit Frischwasser und setzten ihre Samen oder Setzlinge hinein. Dann schließen sie einen (oder alle) der Wachstumsmechanismen an, die das System nutzt, sagte Solan.

Wir können Gemüse unter Nutzung von drei Typen organischen Abfalls ziehen – aus Fischabfall, mit übrig gebliebenem organischem Müll wie verrottetem Gemüse oder Schalen und sogar mit (tierischem) Abfall.“ Alle drei Systeme generieren den Stickstoff, den Pflanzen zum Gedeihen brauchen, sagte Solan.

Die „Fisch-Methode“, bei der Wasser, in dem Fische schwimmen, gefiltert und recycelt wird, ist bei Fischzüchtern gut bekannt. Der Recycling-Prozess entfernt den Stickstoff aus dem Wasser und leitet ihn ins Zuchtbeet. Die Fische bekommen sauberes, frisches Wasser zurück, während die Pflanzen den notwendigen Nährstoff bekommen. Die Fische werden mit übrig gebliebenem Essen gefüttert, das in ihre Kiste kommt.

Livingbox hat außerdem ein Modul, das in bestehende Systeme integriert werden kann, das übrig gebliebenes und ungenießbares Essen in Biogas umwandelt. Ins Zuchtbeet geleitet, liefert das die Nahrung, die die Pflanzen brauchen. Dieselbe Technik wird angewandt, um organischen Müll von Tieren und Menschen umzuwandeln. „Wir wenden allgemein bekannte wissenschaftliche Prinzipien an, um diese Materialien in Gas und ‚Futter‘ für die Pflanzen umzuwandeln, die durch die gelieferten Nährstoffe aufblühen“, erklärte er. „Ist das Gemüse einmal angebaut, können die Nutzer sie ernten und den Zyklus von vorne beginnen, indem sie einfach Wasser, Müll und vielleicht etwas mehr Fisch hinzufügen, wenn sie sich entschieden haben die zu essen, die für ihre Box zu groß werden.“

Das System ist nicht nur für Privathaushalte geeignet, sondern auch für Bauern. „Livingboxen können in großen Reihen aneinander gehängt werden, wobei die Zuchtbeete eine Größe je nach Bedarf bekommen“, sagte Solan. „Die Größe von fünf Quadratmetern ist perfekt für eine vier- bis fünfköpfige Familie, aber Bauern, die ehrgeiziger sind, könne ihre Installationen so groß machen, wie sie wollen.“

Zahlen der UNO zeigen, dass 2012 fast eine Milliarde Menschen in den Entwicklungsländern unter Mangelernährung litten oder nicht das Geld hatten, um sich gesundes Essen zu kaufen – eine Zahl, die Gefahr läuft dramatisch zu steigen, da die Weltbevölkerung wächst, besonders in den Entwicklungsländern.

„Wir sehen diese Lösung als eine, die den Bedarf zu entschärfen helfen kann“, sagte Solan. „Wir glauben, dass ein Großteil der Finanzierung und Ansporn unsere Lebensmittelproduktion zu verteilen und zu installieren von lokalen und internationalen Institutionen in den Entwicklungsländern kommen werden, einschließlich Stadtverwaltungen und NGOs, wie auch von den Vereinten Nationen oder der EU, die alle an der Hilfe zur Verbesserung der Lebensmittelproduktion arbeiten.“

Livinbox hat mehrere Pilotgeräte noch für dieses Jahr an NGOs gegeben, sagte Solan; die Kommerzialisierung könnte bald danach kommen. Die Entwickler haben sich noch nicht auf einen Preis festgelegt, aber sie versprechen, dass er für ihre Zielgruppenbasis erschwinglich sein wird – Stadtbewohner in großen Städten in Entwicklungsländern, die die Ernährung nicht bekommen, die sie brauchen, weil sie sich es nicht leisten können teure, hochwertige Lebensmittel zu kaufen.

Das beeindruckte die Leute bei Pears Challenge. Dr. Aliza Belman Inbal, Direktorin des Pears Program for Innovation and International Development an der Universität Tel Aviv, sagte, der Zweck der Challenge sei es Unternehmern lernen zu helfen, wie man Geschäfte mit den Entwicklungsländern – in Afrika, Lateinamerika und Asien – macht, indem man Bedürfnisse ins Auge fasst und Lösungen zur Verfügung stellt, die fortschrittliche Technologie made in Israel nutzt.

Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Märkte des letzten Jahrzehnts waren in Afrika und es gibt dort großen Bedarf für die Art von Dingen, die israelische Unternehmer am besten können, wie Handy-Apps, Umwelttechnologie, landwirtschaftliche Technologie und mehr“, sagte Inbal. Produkte wie Livingbox, sagte sie, „werden die Keimzelle der Start-up-Nation bilden, was nicht nur für den Westen, sondern auch für die Entwicklungsländer Innovationen schaffen wird.“

Die Pears-Stiftung, die die Challenge und das Programm der Universität Tel Aviv sponsert, ist ein Förderer „der jüdischen Werte der sozialen Gerechtigkeit, individuellen Verantwortung und des Gebots einen positiven Unterschied zu machen“, was nach Angaben der Organisation unter anderem auch die Unterstützung des Konzepts von „Israel als Weltbürger“ beinhaltet.

Mit der Challenge arbeiten außerdem das Global Social Benefit Institute der UC Santa Clara, die sozial-unternehmerische Gruppe MInga und IsraDev zusammen; letztere bringt Unternehmer zusammen, um Technologie für die Entwicklungsländer nutzbar zu machen. „Wir glauben, dass dieses Projekt einige wichtige Veränderungen nach Afrika, Asien und Lateinamerika bringen kann, ebenso für die israelische Welt der Start-up“, sagte Inbal. „Die Challenge wird hoffentlich der Beginn einer wachsenden Beziehung zwischen israelischen Start-ups und den Entwicklungsländern sein.“