Die palästinensischen Terrorplanungs-Dokumente aus dem Orienthaus noch einmal betrachtet

Manfred Gerstenfeld interviewt Michael Widlanski (direkt vom Autor)

Das Orienthaus – auf Arabsich „Beit al-Sharq“ (Das Haus des Ostens) – war die strategische und politische Basis der Palästinensischen Befreiungsorganisation in Jerusalem. Der Gebäudeverbund gehörte Faisal Husseini und weiteren Mitgliedern der führenden arabischen Familie in Jerusalem. Aus diesem Komplex ein politisches, strategisches und logistisches Zentrum im Herzen der Hauptstadt Israels zu machen war eine unverfrorener Verstoß gegen die Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO, die allgemein als „Die Oslo-Vereinbarungen“ bekannt sind.

Mit den Oslo-Vereinbarungen war es der PLO und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) verboten innerhalb von Jerusalem zu agieren. Sie begannen jedoch auf der Stelle diese Vorkehrungen zu missachten. Husseini, Mitglied des 13-köpfigen PLO-Exekutivrats, nutzte den Orienthaus-Komplex als persönliche Machtbasis und stellte die Gebäude dem PLO-Vorsitzenden Yassir Arafat zur Verfügung.

Dr. Michael Widlanski ist Autor des Buches „Battle for Our Minds: Western Elites and the Terror Threat“ (Der Kampf um unsere Gemüter: Westliche Eliten und die Bedrohung durch den Terror)1. Er lehrt an der Bar Ilan-Universität und war Berater für strategische Angelegenheiten und Redakteur der Aufbereitung der Archive des Orient-Hauses der PLO durch Israels Ministerium für öffentliche Sicherheit.

Die Aktivitäten im Orienthaus wurden zum Stachel im Fleisch mehrerer israelischer Regierungen. Israel verzichtete auf ein Vorgehen gegen das Orienthaus, zum Teil wegen diplomatischen Drucks aus der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten.

Nach den fehlgeschlagenen Gesprächen zwischen Arafat und dem israelischen Premierminister Ehud Barak Mitte 2000 begann Arafat einen Terrorkrieg gegen Israel, den er die „Al-Aqsa-Intifada“ nannte. Ariel Sharon besiegte Barak bei den Wahlen im Februar 2001. Sharon ließ die israelische Polizei das Orienthaus erst nach dem Selbstmord-Bombenanschlag auf ein Restaurant in Jerusalem konfizsieren, bei dem 14 Menschen ermordet wurden. Mehr als 500.000 Dokumente, Tonbänder, Festplatten, Poster und Filme wurden in dem Komplex beschlagnahmt.

Der Minister für öffentliche Sicherheit, Uzi Landau, übernahm dann die Initiative zu studieren und aufzudecken, was im Orienthaus-Gelände tatsächlich stattgefunden hatte. Ich wurde zum Leiter des Teams bestellt, das sich damit beschäftigte. Die beschlagnahmten Dokumente malten ein düsteres Bild. Zu ihnen gehörten unterschriebene Botschaften Arafats und Husseinis, mit denen Mord befohlen und bezahlt wurde – was alles Jahre nach dem Schwur der PLO von Gewalt gegen Israel Abstand zu nehmen.

Die Papiere zeigten, dass Arafat die so genannte „Al-Aqsa-Intifada“ viele Monate im Voraus geplant hatte. Sie offenbarten auch, dass die Fatah – die Hauptkomponente der PLO – und die Hamas gemeinsame strategische Ziele haben, insbesondere die Vernichtung Israels, und nur in taktischen Dingen uneins sind.

Wir hatten nur vier Übersetzer, die an den 500.000 Positionen arbeiteten, die mehr als einen riesigen LKW-Anhänger füllten. Trotz der Zeit- und Budget-Limitierung fanden wir schnell heraus, dass das Material aus dem Orienthaus unglaublich wichtig war, da es Arafats Verhaltensmuster und seine Visionen für die Zukunft zeigte. Einige Dokumente zeigten, dass Arafat Hand in Hand mit Hamas-Führer Scheik Ahmed Yassin arbeitete; er schickte persönliche Briefe zur Koordination von Angriffen auf Israel an den Hamas-Führer.

Infolge der Tatsache, dass die Dokumente politisch so explosiv waren, gab Ariel Sharon Minister Uzi Landau nicht viel Unterstützung, höchstwahrscheinlich aus politischen Gründen. Sharon erkannte, dass das gefundene Material einen vernichtenden Schlag gegen die Oslo-Vereinbarungen und das sie leitende grundlegende Denken darstellte. Diese Dokumente zeigten, dass die PLO nie wirklich Interesse am Frieden mit Israel hatte. Sie demonstrierten zudem, dass die PLO der Hamas bezüglich dessen, wie man mit Israel umging, der Hamas weit näher stand, als Shimon Peres und Yossi Beilin – die Architekten der Oslo-Vereinbarungen – jemals zuzugeben bereit wären. Diese Botschaft wurde zwar der israelischen Presse und natürlich auch der amerikanischen und europäischen Presse niemals voll dargestellt, erreichte aber dennoch in einem gewissen Ausmaß die israelische Wählerschaft.

Es ist unmöglich zehn Jahre an Operationen und 500.000 Dokumente in ein paar Worten zusammenzufassen. Doch einige Beispiele daraus werden die wahren Absichten der Palästinenser illustrieren. Zum Beispiel drängt ein internes Dokument des palästinensischen Allgemeinen Geheimdienstes aus dem Jahr 1996 alle palästinensischen Offiziere wo und wann immer Waffen zu finden, die im Endkampf mit Israel genutzt werden können. Dieser Text wurde zur Verbreitung unter den Truppen massenhaft produziert. Mit Datum vom Dezember 1996 ist es ein Ruf nach Waffen gegen Israel – fünf Jahre vor dem Beginn des palästinensisch-israelischen Abnutzungskriegs, der als „Al-Aqsa-Intifda“ bekannt ist.

Ein weiteres gefundenes Dokument war Arafats handsignierte Bestätigung und Einführung zu einer Rede seines Sekretärs Taeb Abdel-Rahim im September 1999, mit der er Gewalt als Mittel Israel zu besiegen begrüßte.

Mehrere unterschriebene Dokumente aus dem Jahr 2000 zeigen, dass Husseini – der Arafats persönlicher Repräsentant in Jerusalem war – seine Angestellten drillte und seine Anwälte sorgfältig auf die „Intifada“ mit Israel vorbereitete, die im September desselben Jahres ausbrach. Darüber hinaus wurde eine von Arafat unterschriebene Liste für Zahlungen an palästinensische Terroristen und Mörder gefunden. Dazu gehörten seine handschriftlichen Änderungen, was die an jeden Mörder zu zahlenden Summen betrifft.

Wir konnten nicht einmal die Hälfte der Dokumente erfassen, weil weder die Zeit noch das Budget reichten. Doch sie schufen eine schwerwiegende Anklage gegen viele sogenannte palästinensische „Moderate“ wie Faisal Husseini und Bassam Abu-Sharif. Husseini war ein Terror-Planer und Zahlmeister; Abu-Sharif plant in einem der Dokumente Reporter in Jerusalem auf dieselbe Weise zu beschwatzen oder zu erpressen, wie die PLO es in Beirut in den 1970-er und 1980-er Jahren erfolgreich machte.

Abschließend ist es kein Zufall, dass die New York Times die Veröffentlichung der Dokumente ablehnte, obwohl ich als ihr ehemaliger Reporter ihnen einen Exklusiv-Knüller anbot. Einfach gesagt: Die Dokumente hätten den Ruf der New York Times und ihre Redaktionspositionen ausgehöhlt.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzender vom Jerusalem Center of Public Affairs.

 

1 Michael Widlanski: Battle for Our Minds: Western Elites and the Terror Threat. New York (Simon and Schuster), 2012.