Israel ist … von Natalie Portman

Jews News, 28. Juli 2014

Wo ich geboren wurde. Wo ich mein erstes Eis am Stiel aß und zum ersten Mal Toilettenpapier benutzte. Wo einige meiner 18 Jahre alten Freunde ihre Nächte in Bunkern verbringen, mit ihren Helmen auf dem Kopf schlafen. Wo Wachleute die einzigen Jobs sind, bei denen es mehr Bedarf als Bewerber gibt. Wo Wüsten blühen und Pioniergeschichten sentimentalisiert werden. Wo ein dorniger, süßer Kaktus das Symbol des idealen Israelis ist. Wo einzuwandern „aufsteigen“ und auszuwandern „absteigen“ genannt wird. Wo meine Großeltern nicht geboren, aber gerettet wurden.

Wo das Jahr die Jahreszeiten der Oliven, der Mandeln und der Datteln hat. Wo das grenzüberschreitende Schweine- oder Garnelengericht trotzig aus einer jüdischen Speisekarte heraussticht. Wo trotz beträchtlicher Besonderheit Säkularismus die Regel ist. Wo Wein religiös süß ist. WO „arabische Häuser“ ein positiver Grundbesitz-Begriff ohne jegliche Ironie ist. Wo es endloses Material für schwarzen Humor gibt. WO es zahllose Wörter für „sich Sorgen machen“ gibt, aber ein einziges für „Vergnügen bereiten“. Wo Lachen die Währung ist; und Witze die Religion. Wo politische Parteien sich schneller vermehren als die Menschen. Wo religiös zu werden als „Rückkehr zu einer Antwort“ bezeichnet wird und säkular zu werden „Rückkehr zu einer Frage“.

Wo in 50 Jahren sechs Staatsbürger einen Nobelpreis gewonnen haben. Wo 2004 der erste olympische Goldmedaillengewinner seine Medaille im Segeln erhielt (ein Israeli gewann auch eine Bronzemedaille im Judo). Wo es zwei Stunden weiter im Norden Schnee und zwei Stunden weiter im Süden den Hamsin (Wüstenwind) gibt. Wohin Moses nie seinen Fuß setzen durfte, aber dessen Straßen wir vermüllen. Wo die Sprache, in der Abraham mit Isaak sprach, bevor er ihn opfern sollte, wiederbelebt und um die Worte für „Sweatshirt“ und „Schadenfreude“ und „Chemiewaffeneinsatz“ und „Pressekonferenz“ ergänzt wurde. Wo der Muezzin singt und die Kirchenglocken läuten und die Schofare an der Mauer frei rufen. Wo die Geschäftsleute feilschen. Wo die Politiker feilschen. Wo es eines Tages Frieden, aber nie Ruhe geben wird.

Wo ich geboren bin. Was mein Inneres nicht verlässt.

3 Gedanken zu “Israel ist … von Natalie Portman

  1. Danke liebe Natalie für diese zu Herzen gehende Schilderung. Wie kann man Israel, die Juden, schneller kennen, schätzen und lieben lernen, als durch Deine Schilderung?

    Hab Dank dafür.
    Herzlich, Paul

  2. Auch ich, eine Nicht-Jüdin, danke Dir für Dein eindrucksvolles und sehr sensibles Zeugnis, liebe Natali Portman.
    Ich werde aus auf einen meinen Israel-blogs übertragen – heplev weiß über meine Verlinkung mit seiner Seite Bescheid.
    Noch einem vielen, vielen Dank
    uns
    Schalom u’wracha
    Uta (AhuvaIsrael)

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