Wiederholen Kinder Worte, lernen sie mehr

Fünfjährige erinnern zweimal so viele Worte, wenn sie sie laut aussprechen, stellt israelische Studie fest

Andrew Tobin, Times of Israel, 5. September 2014

Neue israelische Forschung legt nahe, dass junge Kinder beim Lesen wichtige Worte wiederholen zu lassen ihre Fähigkeit sie zu erinnern enorm verbessern dürfte; diese Ergebnisse treffen mit dem Beginn eines neuen Schuljahres zusammen.

In einer kleinen, noch unveröffentlichten Studie, erinnerten fünfjährige Kinder bis zu zweimal mehr Worte, die sie laut ausgesprochen hatten, als solche, die sie nicht ausgesprochen hatten. Während frühere Studien hatten Ähnliches, wenn auch mit weniger eindrucksvollen Resultaten, bei erwachsenen Lesern festgestellt hatten, ist diese Studie die erste, die Sprachgedächtnisleistung bei jungen Kindern unter Nutzung von Bildern testete.

Die Forscher hinter der Querschnittsstudie, die im Journal of Child Language veröffentlicht werden wird, legt nahe, dass Kindern vorzulesen am besten interaktiv gemacht wird, mit reichlich Pausen und Wiederholung. Die Methode schient eine gute Möglichkeit für Eltern und Lehrer zu sein, Bildung bleibend zu machen, sowohl in Vorbereitung auf die Schule und wenn die Kinder erst alt genug sind, um den Klassenraum zu betreten.

„Es reicht nicht, dass man mit seinem Kind da sitzt und ihm eine Geschichte vorliest“, sagt Dr. Michal Ichet, eine Sprachtherapeutin an der Universität Ariel, die die Studie zusammen mit Dr. Yaniv Mama durchführte, einem Wahrnehmungspsychologen der Universität. „Laut lesen ist großartig, es ist etwas, das natürlich und leicht zu tun ist.“

Junge Forscher

Die Forschung der letzten Jahre hat festgestellt, dass Erwachsene Worte wahrscheinlicher erinnern, die sie laut aussprechen. Der „Produktionsprozess“, wie das genannt wird, erhöht den Wiederaufruf um 20 Prozent.

Um zu sehen wie sie das bei Kindern auswirkt, die zu jung zum guten Lesen sind, gaben die Forscher 30 fünfjährigen Kindern zwei unterschiedliche Tests. Im ersten wurde ihnen eine Reihe Bilder von bekannten Objekten gezeigt – darunter ein Haus, ein Tisch und ein Hund. Ihnen wurde gesagt, sie sollten sich an so viele der auf den Bildern abgebildeten Worte wie möglich erinnern. Die Hälfte sagte die Bilder laut vor, die andere nicht.

Als sie ein paar Minuten später aufgefordert wurden so viele Worte wie möglich wieder aufzurufen, erinnerten die Kinder 30 Prozent der Worte, die sie laut gesagt hatten und nur 15 Prozent der Worte, bei denen sie das nicht machten. Der Produktionsprozess war dann 100 Prozent – fünfmal stärker als bei Erwachsenen.

Der zweite Test war darauf ausgelegt zu sehen, ob der Produktionseffekt mit unbekannten Wörtern funktioniert. Denselben Kindern wurden Bilder von Objekten gezeigt, die sie nicht benennen konntne – z.B. ein Trog, ein Cape und Manschettenknöpfe. Bei der Hälfte wurde den Kindern das Wort zu jedem Bild gesagt und sie wurden aufgefordert es zu wiederholen. Bei der übrigen Hälfte wurde ihnen das Wort zu jedem Bild zweimal gesagt.

Weil es schwieriger ist neue Wörter zu behalten, wurde den Kindern die Worte, die sie gelernt hatten, noch einmal vorgelesen und sie aufgefordert die entsprechenden Bilder aus einer Auswahl von vieren herauszusuchen, statt dass man sei einfach auffordere die Worte zu erinnern. Die Kinder erinnerten 54 Prozent der Worte, die sie wiederholt hatten und 40 Prozent der Worte, bei denen sie das nicht gemacht hatten.

„Das war das ‚Hoppla‘-Experiment“, sagte Ichet; sie behauptet, es beweise, dass diese Methodologie in der Tat genutzt werden kann, um Kindern zu helfen neue Worte zu erwerben und ihren Wortschatz zu erweitern.

Die Macht der Stimme

Eltern und Lehrer sind lange gedrängt worden kleinen Kindern vorzulesen; das gründet auf Forschung, die zeigt, dass das die Entwicklung von Sprache und Lese-Schreib-Fähigkeit fördert. Die Ergebnisse der israelischen Studie deutet darauf hin, dass es einen großen Unterschied macht, wie das Vorlesen erfolgt.

Pausen zu machen und junge Kinder wichtige Worte wiederholen zu lassen, hilft ihnen zu behalten, was sie hören, sagen die Forscher.

Das Geheimnis des Produktionseffekts, sagen sie, liegt höchstwahrscheinlich darin, dass Worte laut vorgelesen und als eindeutig erinnert werden. Das kann so sein, weil die Worte, statt nur gedacht zu werden, auch gesagt und gehört werden – was den kognitiven Effekt verdreifacht.

Erwachsene können den Effekt auch für sich selbst nutzen – ob sie für eine Prüfung an der Universität lernen oder sich auf die Präsentation einer Arbeit vorbereiten. Die Forschung zeigt, dass das mit Sätzen und Absätzen sowie auch mit fremden Sprachen funktioniert.

Worte zu flüstern oder zu mit den Lippen zu formen erhöht die Erinnerung bei Erwachsenen nicht stark, zeigt die Forschung. Es hat sich gezeigt, dass jemand anderes die Worte sagen zu hören oder sie aufzuschreiben, mehr hilft, aber immer noch nicht so stark wie sie auszusprechen.

Doch die Erwachsenenforschung zeigt, dass es einen Punkt abnehmender Erträge gibt – es hilft nicht, nur alles laut zu lesen. Wenn mehr Worte laut gelesen werden als nicht laut, dann hat sich erwiesen, dass die Methode ihre kraft Worte ins Gedächtnis zu pflanzen verliert. Die Forscher nehmen an, dass das auch für Kinder gilt, doch sie haben das Konzept noch nicht getestet.