Enthüllt: USA stoppten während Gaza-Krieg Waffenlieferungen an Israel

David Hornik, FrontPageMag, 22. Oktober 2014

Am 14. August berichtete das Wall Street Journal, dass im Juli, nachdem Israel die Operation „Fels in der Brandung“ im Gazastreifen begann, Washington Israel damit überrascht hatte, dass es eine israelische Anfrge wegen einer „großen Anzahl Hellfire-Flugkörper“ ablehnte. Hellfires sind eine wichtige Luft-Boden-Präzisionswaffe, passend für die Art Krieg, wie Israel ihn gegen die Hamas und andere Terrorgruppen im Gazastreifen führt.

Jetzt berichtet Amir Rapaport, Reporter-Veteran für israelische militärische Angelegenheiten und Herausgeber der Website Israel Defense:

Die ganze Wahrheit … ist weit schwerwiegender: Offenbar haben die USA während der Operation „Fels in der Brandung“ alle Verbindungen zu Israels Verteidigungs-Beschaffungsdelegation in den USA gekappt. Tage lang konnte nicht ein einziger Poste verschickt werden. Die erwartete Luftbrücke an US-Munition kam nie an ihrem Verschiffungspunkt an.

Die Krise begann rund 10 Tage nach Beginn der Operation „Fels in der Brandung“ in der Folge von Vorwürfen, der Anteil nicht betroffener ziviler Toter am Gazastreifen sei extrem hoch (die IDF hat zugegeben, dass rund die Hälfte aller palästinensischer Toter vermutlich Zivilisten waren, die nicht an den Kämpfen beteiligt waren).

An diesem Punkt reichte der israelische Verteidiungsbetrieb den USA einen Antrag auf verschiedene Munitionstypen vor, darunter Hellfire-Flugkörper, um die schrumpfenden Bestand der ID aufzustocken. …

Die Anweisung die Abarbeitung aller israelischer Anfragen zu stoppen kam von weit oben – vermutlich dem Weißen Haus, u.a. weil Israel die Initiativen von Außenminister John Kerry ignorierte und es vorzog die Operation über einen direkten Kanal mit den Ägyptern zu beenden. Das Außenministerium war über mehrere Monate über Israel verärgert, seit preisgegeben wurde, dass der israelische Verteidigungsminister Mosche Ya’alon Kerry unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „messianisch“ bezeichnet hatte.

Für Washingtons Ingrimm gegen Israel werden hier nicht weniger als drei Gründe angeführt. Bezüglich des ersten – der angeblich hohen Zahl palästinensischer ziviler Opfer – stellte eine noch andauernde Studie des Meir Amit Intelligence and Information Center fest, dass die Quote der Toten bisher tatsächlich bei etwa 50% Kombattanten und 50% Zivilisten beträgt. Damit schneidet Israel im Vergleich mit Raten von drei für jeden Kombattanten in Afghanistan getöteten Zivilisten und vier Zivilisten für jeden Kombattanten im Irak und im Kosovo gut ab.

Was Israels „Ignorieren“ von Kerrys „Initiativen“ angeht, so beinhaltend diese Initiativen die Aushandlung eines Waffenstillstands mit der Hamas über die prima Hilfe der Türkei und Qatars – ein
Schritt, der sowohl von Israel als auch Ägypten stramm abgelehnt wurde, weil sowohl die Türkei als auch Qatar offenkundig pro-Hamas agieren.

Und was Ya’alons Titulierung Kerrys als „messianisch“ angeht, so machte er das im Zusammenhang mit Kerrys Versuchen an einem israelisch-palästinensischen Friedensprozess, in denen die USA sich politisch wie militärisch Ya’alons Autorität als israelischer Verteidigungsminister aneigneten, indem intensiv ein israelischer militärischer Abzug aus dem Jordantal geplant wurde – ein Schritt, den Ya’alon als unvereinbar mit Israels Sicherheit betrachtet.

Jedenfalls nennt Rapaport den Munitionsstopp ein „bedeutendes Traum in den amerikanisch-israelischen Beziehungen die bereits Rückschläge erlebten. Zu weiteren Folgen beichtet er, dass

Innerhalb des israelischen Verteidigungsestablishments dieser neueste Fall zu einer Neubewertung des fast automatischen Verlassens auf einen Lufttransport aus den USA als Teil praktisch jeden Kriegsszenarios geführt hat.

Zu den derzeit in Betrachtung genommenen Maßnahmen gehört … eine massive Wende hin zu in Israel produzierter Munition. Zum Beispiel könnten die von den Amerikanern nicht gelieferten Hellfire-Flugkörper durch solche IAI [Israel Aerospace Industries] ersetzt werden, während Präzisionsmunition von Rafael die Luft-Boden-Waffen aus den USA ersetzen können. Seit der Operation „Fels in der Brandung“ hat die israelische Verteidigungsindustrie bereits dringende Aufträge für Waffen und Munition im Wert mehrere Milliarden Schekel.

Rapaport vermerkt jedoch, dass

die Waffenfrage gegen Ende der Operation „Fels in der Brandung“ gelöst wurde und … trotz der jüngsten Ereignisse die strategischen Verteidigungsbeziehungen zwischen den beiden Ländern auch jetzt noch weitergehen, einschließlich intensiver Geheimdienst-Kooperation. Das US DOD (US-Verteidigungsministerium) und das IMOD (israelische Verteidigungsministerium) machen auch mit zahlreichen gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten weiter und US-Verteidigungshilfe wird ein beträchtliches Element des israelischen Verteidigungsbudgets bleiben, was es Israel ermöglicht so extrem kostspielige System wie das zukünftige Kampfflugzeug F-35 zu erwerben. Die Amerikaner haben außerdem während der Operation „Fels in der Brandung“ ihre Unterstützung für das Projekt Eiserne Kuppel verstärkt…

Alles in allem dürfte diese Begebenheit eine wichtige Lernerfahrung für Israel signalisieren, außerdem einen Schritt zur Reifung als Land: Die Erkenntnis, dass die USA zwar ein Freund und Verbündeter sind, aber kein großer Bruder, auf den man sich in einem Ausmaß verlassen kann, dass man ihm das eigene Schicksal ins seine Hände legt.

Nach Darstellung von Rapaport und anderen überlebt die tief institutionalisierte strategische amerikanisch-israelische Beziehung und gedeiht selbst in der Ära Obamas. Das bedeutet aber nicht, dass eine ideologisch feindselige Administration wie die Obamas Israels Abhängigkeit nicht nutzen wird, um es für vermeintliche Missstände bestraft, selbst wenn – oder besonders – zu einer Zeit, in der Israel angegriffen wird, wie es mit tausenden Hamas-Raketen im letzten Sommer der Fall war.

Da es in der Zukunft durchaus weitere derart ideologisch feindliche oder Israel unfreundlich gesonnene Administrationen geben kann, ist es gut zu wissen, dass Israel sein „fast automatisches Verlassen“ auf US-Luftfrachtlieferungen neu überdenkt und einen „massiven Übergang zu in Israel hergestellter Munition“ überlegt. Es wäre deutlich realistischer.

Ein Gedanke zu “Enthüllt: USA stoppten während Gaza-Krieg Waffenlieferungen an Israel

  1. Wo ich über die gestoppte Hellfire-Flugkörper gelesen habe -, hier oder anderswo – weiß ich nicht mehr. Aber ich erinnere mich daran, diese Nachricht seinerzeit gelesen zu haben und auch, wie empört ich darüber war. Von anderen gestoppten Lieferungen las ich nichts. Wie auch immer, Israel soll so unabhängig sein, wie es bei einem solchen Mini-Staat überhaupt möglich ist. Denn Verlaß ist auf keinem.
    lg
    caruso

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