Die tödliche Entjudung Jerusalems

Richard L. Cravatts, FrontPageMag, 2. Dezember 2014

Als Beispiel dessen, was die erkenntnisreiche Kommentatorin Melanie Phillips in ihrem Buch The World Turned Upside Down (Die Welt auf den Kopf gestellt) als einen „Dialog der Dementen“ bezeichnet, setzt Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eine lange Tradition der Versuche Jerusalem zu entjuden fort, indem er seine verlogene Auffassung zum Ausdruck bringt (seine Worte): „Jerusalem hat einen besonderen Duft und Geschmack, nicht nur in unseren Herzen, sondern auch in den Herzen aller Araber und Muslime und Christen“ und „Jerusalem ist die ewige Hauptstadt des Palästinenserstaats und ohne es wird es keinen Staat geben“. Derselbe Fachmann für Geschichte, der einen Doktorarbeit schrieb, die das Ausmaß und die Wahrhaftigkeit des Holocaust in Frage stellte, stellte jetzt die historische Behauptung auf, es habe nie eine jüdische Präsenz und Geschichte in der heiligsten Stadt der Welt gegeben.

In den letzten Wochen war Abbas wieder zugange und fügte seinem taktischen Feldzug zur Entjudung Jerusalems allgemein und des Tempelbergs im Besonderen eine neue Schicht hinzu. In einem im Oktober im PA-TV ausgestrahlten Interview stellte Abbas die atemberaubend absurde Behauptung auf, dass Juden nicht nur keinen historischen Anspruch auf den Tempelberg hätten, sondern ihnen auch niemals werden sollte ihre Anwesenheit an diesem Ort erlaubt zu bekommen. „Die Siedler sind angekommen…“, sagte er. „Das ist unser Heiligtum, unsere Al-Aqsa und unsere [Grabes-]Kirche. Sie haben kein Recht es zu betreten… oder es zu besudeln. Wir müssen das verhindern…“

Nur in einem alternativen, orwellschen Universum könnte nur einer Gruppe Menschen auf der Erde – Juden – auferlegt werden an der einzigen heiligsten Stelle ihres Glaubens zu beten und darüber hinaus gesagt bekommen, dass ihre Anwesenheit dort nicht nur provokant, sondern auch ekelhaft ist und den Boden besudel, auf dem dieser andere Glaube – Muslime – einen triumphalistischen religiösen Anspruch erhebt und dort betet.

Dieser Versuch die jüdische Präsenz aus Jerusalem – genau genommen aus dem gesamten historischen Palästina – wegzuretuschieren ist natürlich keine neue Botschaft von Abbas. Im Jahr 2000 drückte er ähnliche Verachtung für die Vorstellung aus, dass jemals ein jüdischer Tempel auf dem Tempelberg existierte und selbst wenn es ihn gegeben hätte, würden alle von Israel an den Palästinensern begangenen Vergehen jeglichen Anspruch aufheben, den Juden – außer ihrer Niederträchtigkeit hätten haben können. „Jeder, der die Vergangenheit vergessen will [d.h. die Israelis], kann nicht kommen und behaupten, der [jüdische] Tempel sei unter dem Haram gewesen“, behauptete Abbas absurderweise in einem Artikel in Kul Al-Arab, einer arabischsprachigen israelischen Wochenzeitung. „… Doch selbst wenn das so wäre, akzeptieren wir es nicht, weil es nicht logisch ist, wenn jemand einen praktischen Frieden haben will.“

Geht man nach der Erklärung der Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, vom 30. Oktober dann ist das Vergessen der Vergangenheit etwas, an dem John Kerrys Amt mitschuldig ist. „Wir sind extrem besorgt von den eskalierenden Spannungen in Jerusalem und besonders in der Umgebung des Hamar al-Scharif, des Tempelbergs“, sagte Psaki, wobei sie gezielt und alarmierend den Tempelberg und der weiteren Umgebung, die heute als Ostjerusalem beschrieben wird, zuerst mit seinem arabischen Namen nannte und damit den fadenscheinigen Anspruch der Palästinenser auf spirituellen und territorialen Rechten an dem Ort festigt und anscheinend gleiches Gewicht gibt.

„Es ist tatsächlich entscheidend, dass alle Seiten Zurückhaltung üben, provokatives Handeln und Reden unterlassen und den Status quo bewahren“, fügte sie an, womit sie suggerierte, das Juden nicht erlaubt werden sollte auf dem Berg zu beten und dass befohlen wird, dass der Status quo, mit dem Juden das Beten dort verboten ist, fortgesetzte wird, um die muslimischen Empfindlichkeiten nicht zu reizen.

Aber die Beschreibung von Ostjerusalem – oder eigentlich eines jeglichen Teils Jerusalems – als von Israel „besetztes“ Territorium, über das er aber Souveränität hat, liest Abbas wie auch das US-Außenministerium) einmal mehr den Inhalt und den Sinn der Resolution 224 des UNO-Sicherheitsrats von 1967 falsch; diese schlug einen Rückzug Israels „aus Gebieten [nicht allen Gebieten] vor, die es im Sechstage-Krieg eroberte. Kritiker der Politik Israels, die den Sinn der Resolution entweder gewollt falsch verstehen oder absichtlich verschleiern, sagen, der jüdische Staat verletze 242 mit der fortgesetzten Besetzung der Westbank und Jerusalems, einschließlich dessen, was fälschlicherweise heute als „arabisches“ Ostjerusalem bezeichnet wird. Doch die,d ie Resolution 242 verfassten, waren sehr präzise darin die Sprache des Status zu formulieren und sie hatten nie den Gedanken, dass Jerusalem von Israel nach dem Sechstagekrieg besetzt worden sei. Der ehemalige US-Botschafter bei der UNO, Arthur Goldberg, einer der Verfasser der Resolution; er machte das sehr deutlich, als er einige Jahre danach schrieb: „Resolution 242 bezieht sich auf keine Weise auf Jerusalem und das wurde bewusst ausgelassen. … Zu keiner Zeit in [meinen] vielen Reden [vor der UNO] nahm ich auf Ostjerusalem als besetztes Gebiet Bezug.“

Aber die wahre Gefahr des palästinensischen Denkens zu Jerusalem – und in der Tat zum ganzen von ihnen begehrten Palästina, einschließlich Israels – wurde in Yassir Arafats eigener Sicht offenbart, die er in einer Ausgabe von al-Hayat al-Jadia vom Juli 2000 zum Ausdruck brachte, als er drohte: „Sie können uns mit Gewalt besetzen, weil wir heute schwächer sind, aber in zwei Jahren, zehn Jahren oder hundert Jahren wird es jemanden geben, der Jerusalem [für sie] befreien wird.“

Jerusalem zu „befreien“ bedeutet natürlich nicht, dass man es in eine pluralistische, offen Stadt verwandelt, in der Mitglieder der drei großen Religionen frei leben und ihren Glauben offen praktizieren können. Jerusalem für die Palästinenser zu befreien würde eher von der Art Befreiung sein die Transjordanien von der Arabischen Liga durchführte, als sie das jüdische Viertel von Jerusalem 1948 niederbrannten und plünderten; sie vertrieben oder töteten seine unglückliche jüdische Bevölkerung, zerstörten 58 Synagogen, viele davon hunderte Jahre alt; sie gruben Grabsteine des mit Geschichte beladenen jüdischen Friedhofs auf dem Ölberg aus und nutzten sie für als Platten für Latrinen; sie schlossen alle Juden vom Gebet an der Westmauer oder vom Zutritt zum Tempelberg aus.

Aber falsche irredentistische Ansprüche, islamisches Überlegensheitswahn, der Juden und Christen zwingt in Dhimmitum unter muslimischer Kontrolle zu leben und eine klare kulturelle und theologische Missachtung für anderen Glauben – während man sich in der Schlacht um die Souveränität über Jerusalem abmüht – sind nach Angeben von Dore Gold, Israels ehemaligem Botschafter bei den Vereinten Nationen, nicht die gefährlichsten Aspekte einer diplomatischen Kapitulation, die den Palästinensern gestatten würde ein geteiltes Jerusalem zu beanspruchen. In seinem fesselnden Buch The Fight for Jerusalem: Radical Islam, the West, and the Future of the Holy City (Der Kampf um Jerusalem: der radikale Islam, der Westen und die Zukunft der Heiligen Stadt) zeigt Gold einen weit beunruhigenderen Aspekt auf: In ihrem Streben der arabischen Forderung nach einer Präsenz und nach religiöser Souveränität über Jerusalem stattzugeben, könnten das US-Außenministerium, die EU, die UNO-Mitgliedsstaaten und islamische Fürsprecher im Nahen Osten und weltweit sogar jihadistische Impulse entzünden, die sie mit ihren gut gemeinten, aber fehlerbehafteten Diplomatie zu schwächen wollen.

Warum? Gold erklärt: „In der Welt der apokalyptischen Spekulation hat Jerusalem viele weitere Assoziationen – es ist der Ort, wo der messianische Mahdi [der Erlöser des Islam] seine Hauptstadt errichten wird. Aus diesem Grund, argumentieren manche, solle s der Sitz des neuen Kalifats werden, das die meisten islamischen Gruppen – von der Muslimbruderschaft bis zu Al-Qaida – errichten wollen.“

Als Yassir Arafat im Juli 2000 seine letztliche „Befreiung“ Jerusalems las heilige und nicht endende Ambition der palästinensischen Sache zum Ausdruck brachte, definierte er sie als Wiedereroberung dessen, was nach seiner Meinung muslimisches Land gewesen war und sein sollte, so wie die letztliche Ausrottung Israels und die Rückforderung des gesamten historischen Palästina es erreichen würde. Die Gründung der palästinensischen Hauptstadt in Ostjerusalem ist der erste wichtige Schritt der langfristigen Strategie die Juden der Levante loszuwerden und das Haus des Islam in Palästina wieder zu errichten. „Jerusalems Rückgewinnung wird von manchen als eines der Zeichen gesehen, dass ‚die Stunde‘ und das Ende der Zeit bevorstehen“, behauptete Gold. „Und das Wichtigste ist: Wegen dieser Assoziationen ist es der Ausgangspunkt für einen neuen globalen Jihad, der von der Überzeugung gestärkt ist, dass der Krieg sich diesmal entsprechend einem vorgeplanten religiösen Script entwickeln wird und daher Erfolg haben muss.“

Weit davon entfernt eine politische Situation zu schaffen, in der beide Seiten – Israelis wie Palästinenser – das Gefühl haben sie hätten gleichen Nutzen angestrebt und erhalten, würden solche Verhandlungen und Endstatusvereinbarungen genau den gegenteiligen Effekt haben: Destabilisierung der Region und Schaffung nicht des oft erhofften „Seite an Seite in Frieden leben“ von Israel und Palästina, sondern einen aufhetzerischen Kessel, der in einem vernichtenden, jihadistischen Wutanfall explodiert. Diejenigen im Westen, die Israel drängen „Jerusalem wieder zu teilen und seine heiligen Stätten abzutreten“, warnt Dore, „könnten durchaus glauben, dass sie die Flammen der radikalen islamischen Wut dämpfen, aber tatsächlich werden sie diese Flammen nur zu eine Größe aufdrehen, die sie vorher nicht gekannt haben.“ Wenn das Außenministerium und andere westliche Diplomaten darauf versessen sind die arabische Straße zu beschwichtigen, indem sie Israel unter Druck setzen als Friedensangebot an die Palästinenser Jerusalem zu teilen, könnte das durchaus genau das gegenteilige Ergebnis erbringen – eine jihadistische, apokalyptische Bewegung, die von der fehlgeleiteten Diplomatie des Westens gestärkt ist, der einmal mehr Israel auffordert seine Sicherheit und nationale Identität zu opfern, damit die Islamisten ihre eigenen imperialen und theologischen Bestrebungen auf Kosten des jüdischen Staates verwirklichen können.