Dänischer Botschafter wirbt für neue Version der Diskriminierung Israels

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Anwendung von zweierlei Maß gegenüber Juden ist ein klassisches Mittel des Antisemitismus. Jahrhunderte lang wurden Juden in Europa und andernorts durch zweierlei Maß diskriminiert, weil sie „keine von uns“ waren. Zu einigen Beispielen der Diskriminierung gehörte, dass Juden gezwungen wurden in Ghettos zu leben, andere Kleidung zu tragen, von vielen Berufen ausgeschlossen waren, Sondersteuern zahlen mussten und so weiter.

In der langen Geschichte der europäischen Diskriminierung von Juden kommen von Zeit zu Zeit neue Erfindungen auf. Für ein Beispiel dessen wurde von Jesper Vahr, dem dänischen Botschafter in Israel, geworben. Auf einer von der Jerusalem Post gerade veranstalteten Konferenz sagte er, Europa sollte an Israel zweierlei Maß anlegen, wenn es dessen Handeln mit dem anderer Staaten des Nahen Ostens vergleicht. Um das Ganze noch schlimmer zumachen, fügte Vahr hinzu: „Israel sollte darauf bestehen, dass wir es diskriminieren, dass wir zweierlei Maß anwenden. Denn ihr gehört zu uns.“1

Vahr fuhr fort: „Die Israelis fragen, warum Europa seinen Nachbarn ein anderes Maß anlegt, so wie an Syrien… Das sind nicht die Standards, nach denen ihr beurteilt werdet. Es sind nicht die Standards, nach denen Israel beurteilt werden wollen sollte.“

Diese Kommentare implizieren, dass das Europa, von dem der Botschafter in höchsten Tönen sprach, zur Pflege einer kolonialen Haltung zurückgekehrt ist. Die westlichen Kolonisatoren sahen auf die Einheimischen herab, als gehörten sie minderwertigen Kulturen an und legten zweierlei Maß an, als deren Handeln zu beurteilen Teil der herrenmenschlichen Mentalität war.

Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besagte jedoch unter anderem: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Die von Vahr beworbene Sichtweise, dass Syrien nach einem niedrigeren Standard beurteilt werden sollte, impliziert, dass die Syrer mit weniger Vernunft, weniger Gewissen und weniger Würde gesegnet sind als Europäer und Israelis.

Ein israelischer Journalist erklärte mir einmal, warum manche westlichen Journalisten nicht viel von palästinensischen Verbrechen berichten. Er sagte etwas in der Richtung: „Sie betrachten die Araber als Wilde und denken: ‚Was kannst du von solchen Leuten erwarten?‘“ Die Erklärung des Journalisten war eine krudere Bekundung der Haltung, die der dänische Botschafter bewirbt.

Das zweierlei Maß der Europäer gegenüber Israel passt sehr gut zu einer Haltung, die ich andernorts im Einzelnen als „humanitären Rassismus“ beschrieben habe. Diese Art Rassismus wird selten anerkannt, liegt aber inhaltlich eng beim kolonialistischen Rassismus, obwohl er von der Linken kommt. Er erhält den Minderwertigkeits-Status der Nichtwestler, bietet aber den als minderwertig Wahrgenommenen Sympathie. Humanitärer Rassismus kann am besten so definiert werden, dass er Menschen bestimmter ethnischer oder nationaler Gruppen für deren kriminelles Verhalten oder Absichten reduzierte Verantwortung zuschreibt, selbst wenn diese ein größeres Ausmaß haben. Humanitäre Rassisten beurteilen Straffälligkeit und Verbrechen entsprechend der Hautfarbe und dem sozioökonomischen Status der Täter unterschiedlich. Weißen wird z.B. ein höheres Maß Verantwortung abverlangt als Farbigen.2

In der Praxis gibt das europäische zweierlei Maß den Palästinensern die Lizenz Verbrechen zu begehen, die in der Folge ignoriert werden können. Mahmud Abbas und die Fatah verherrlichen regelmäßig die Mörder israelischer Zivilisten. Diese Politik ist für Europa nicht problematisch, weil ihr humanitärer Rassismus es erlaubt an den Palästinensern einen niedrigeren Standard anzulegen. Die Hamas fördert Völkermord an allen Juden im Streben danach Allah zufriedenzustellen. Die Hamas ist auf die europäische Liste der Terrorgruppen gesetzt worden, weil ihr Islamonazismus in den europäischen Augen ein wenig zu weit geht, nachdem die Juden in Europa während des Holocaust das Ziel von Völkermord waren. Dennoch spenden die Europäer Geld zum Wiederaufbau des Gazastreifens, selbst wenn sie wissen, dass ein Teil dieser Gelder den Säckel der Hamas füllen wird.

Man muss mit Vahrs Meinung energisch umgehen, denn diese ist keiner privaten Natur. Frans Timmermans ist der derzeitige Erste Vizevorsitzende der Europäischen Kommission. Er war noch niederländischer Außenminister, als er im Dezember 2013 an der Universität Tel Aviv sprach. Dort sagte er: „In den Beziehungen zwischen Israel und Europa wird zweierlei Maß angelegt. Warum? Weil die Europäer Israel als ein europäisches Land ansehen. Israel wird auf dieselbe Weise beurteilt, wie andere europäische Länder sich selbst und andere europäische Länder bewerten.“3

Das Thema der europäischen Haltung gegenüber israelischen Siedlungen zeigt, dass selbst diese Äußerung nicht stimmt. Nach den neuesten Regeln der EU sollte nichts von ihrem Geld in Projekte innerhalb israelischer Siedlungen gehen, weil die EU sie als in „besetzten Gebieten“ gelegen betrachtet. Sie befinden sich in Wirklichkeit in „umstrittenen Gebieten“. Die EU behauptet, da sie Israels Souveränität über die Gebiete nicht anerkennt, habe sie die Pflicht zu verhindern, dass ihr Geld diese erreicht.

Eugene Kontorovich hat jedoch darauf hingewiesen, dass die EU trotz dieser Richtlinien „immer noch wissentlich und gezielt Siedlungen in besetzten Gebieten beträchtliche Finanzmittel zukommen lässt – zumindest im türkisch besetzten Nordzypern. Die EU finanziert also die Besetzung eines EU-Mitgliedsstaates. Die Invasion durch die Türkei und die Besetzung Zyperns 1974 wurde vom UNO-Sicherheitsrat verurteilt und die offizielle Politik der EU sieht so aus, dass die türkische Besatzung illegitim ist. Die EU erkennt die türkische Regierung in Nordzypern nicht an. Dennoch betreut die EU ein komplettes Programm der Zuführung von Geldern nach Nordzypern.“4

Das ist ein deutliches Beispiel dafür wie die EU Israel diskriminiert, indem sie von Israel höhere Standards fordert als von sich selbst. Die Äußerungen des dänischen Boschafters dienen als gutes Beispiel dafür, wo das Ugly Europe (UE – das hässliche Europa) und die Europäische Union (die EU) sich überschneiden. Wie die Dänen ihre Kriegsvergangenheit enorm ausschmücken, indem sie die dänischen Massenmorde an Juden in Osteuropa nicht erwähnen, ist noch eine ganz andere Geschichte.5

 

1 Tovah Lazaroff: Danish Ambassador JPost’s Caroline Glick exchange verbal blows over EU attitude toward Israel. Jerusalem Post, 12. Dezember 2014.
2 Manfred Gerstenfeld: Behind the Humanitarian Mask. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs/Friends of Simon Wiesenthal Center for Holocaust Studies), 2008, S. 22-23.
3 Rede von Frans Timmermans, Universität Tel Aviv, 9. Dezember 2013.
4 Eugene Kontorovich: How the EU directly funds settlements in occupied territory. Jerusalem Post, 28. September 2013. [s. auch: Die EU finanziert illegale Siedler! (Jedenfalls illegale türkische Siedler)]
5 http://www.thelocal.dk/20141015/danish-nazis-killed-1400-jews-in-wwii-new-book