Israel gegen die Kräfte des gefühlsbetonten Appells

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die weltweite Reaktion auf Israels Operation „Fels in der Brandung“ hat einmal mehr den starken Einfluss des gefühlsbetonten Appells gezeigt und wie oft er rationale Analyse verdrängt. In vielen westlichen Gesellschaften dominieren der emotionale Ruf nach Mitleid und die Einbeziehung des Armutsaspekts innerhalb eines Themas regemäßig die Bewertung aller anderen beteiligten Fakten. Man muss kein Experte für die Effektivität falscher Argumente sein, um festzustellen, wie diese Technik für Propaganda genutzt wird.

Die Hamas und viele ihrer diversen Verbündeten bei westlichen Journalisten haben diese Tatsache verstanden. An die Emotionen des Publikums in der Welt zu appellieren lenkt den Fokus von Fakten und gesunder Logik ab. Videos oder Fotos toter palästinensischer Kinder, obdachloser Menschen und der Zerstörung von Häusern hat oft mehr Wirkung als die lange Liste der von der Hamas begangenen Verbrechen anzuführen. Diese Islamonazi-Bewegung will in ihrem dezidierten Streben Allah zu gefallen alle Juden töten. Ihre Führer wiederholten dieses Ziel während „Fels in der Brandung“ mehrfach.1

Die Hamas verschoss Raketen aus zivilen Bevölkerungszentren und gab offen zu, dass sie das tat.2 Sie benutzte menschliche Schutzschilde. Die IDF-Truppen im Gazastreifen fanden sogar ein vom militärischen Flügel der Hamas veröffentlichtes Handbuch mit dem Titel „Urbane Kriegsführung“. Es erklärte, wie die palästinensische Zivilbevölkerung gegen die IDF-Soldaten eingesetzt werden konnte und offenbarte, dass die Hamas sich durchaus bewusst ist, dass die IDF der Minimierung des Schadens für Zivilisten verpflichtet ist.3 Während der gesamten Operation warb die Hamas für ihre Liebe zum Tod.4 Sie scheint ein fortgesetztes Interesse daran zu haben die palästinensischen Opferzahlen in die Höhe zu treiben. Die Zahl der toten Kinder wird zu einem besonders nützlichen Mittel an die Gefühle der Welt zu appellieren. All diese Taktiken sind Methoden, die den Faktor des gefühlsbetonten Appells einsetzen.

Der Einfluss des gefühlsbetonten Appells in vielen Teilen der westlichen Welt hat den israelischen Diskurs über die Bedeutung großer Sorge um die Minimierung der Schäden für Zivilisten beherrscht. Nach internationalen Standards war die Opferrate von toten Zivilisten zu toten Terroristen der Operation „Fels in der Brandung“ niedrig. Auf Grundlage der Namen der getöteten Palästinenser berechnete das Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center, dass 52% der im Gazastreifen Getöteten palästinensische Kombattanten waren.5 Oberst Richard Kemp, ehemaliger Kommandeur der britischen Streitkräfte in Afghanistan, hat erklärt, dass im weltweiten Durchschnitt die Rate vier getötete Zivilisten für jeden getöteten Kombattanten beträgt.6

Die Nutzung des gefühlsbetonten Appells durch Israels Feinde kehrt regelmäßig wieder und setzt israelische Argumente und die Abwägung der Fakten außer Kraft. Ihn zu nutzen war während früherer israelischer Operationen im Gazastreifen allgemein verbreitet. Er wird auch in Bezug der Sicherheitsmaßnahmen genutzt, die Israel anzuwenden gezwungen ist, so der Einrichtung von Checkpoints. Der Sinn von Checkpoints ist es, palästinensische Mörder daran zu hindern illegal nach Israel einzudringen und Menschen zu töten. Das Thema ist jedoch in eine Quelle des Mitleids für die Palästinenser manipuliert worden, die diese Sicherheitsüberprüfungen über sich ergehen lassen müssen.

Alle zwei Jahre wird in Bethlehem eine Kirchenkonferenz mit dem Titel „Christus am Checkpoint“ veranstaltet. 2012 sagte ihr Organisator Munther Isaac, sie werde „auch abgehalten, um zu erkennen, was Jesus Christus tun und sagen würde, wenn er tagtäglich durch einen Checkpoint gehen müsste und zu festzulegen, wie er mit den Gefühlen der Wut und der Bitterkeit umgehen würde, die durch die Checkpoints ausgelöst werden“.7

Ähnliche Argumente werden bezüglich der Trennsperre verwendet, die gebaut wurde, um palästinensische Terroristen davon abzuhalten nach Israel zu gelangen. Oberst Danny Tirza, der Chef der strategischen Planung der Barriere war, erklärte, welche Überlegungen in ihre Gestaltung eingingen. „Wir mussten Israels Sicherheitsbedürfnisse berücksichtigen, aber auch die Rechte der Menschen, die in dem Bereich leben, um die Störung des täglichen Lebens der Palästinenser zu minimieren. Israels Oberster Gerichtshof sagte, wir müssten mehr Gewicht auf das Alltagsleben der Palästinenser legen, also veränderten wir den Verlauf an einigen Stellen und an anderen veränderten wir die Abläufe, durch die den Menschen ermöglicht wird von einer Seite des Zauns auf die andere zu gelangen.“8 Dennoch war die Sicherheitsbarriere schwerer Kritik ausgesetzt, auch durch den Internationalen Gerichtshof.9

Viele Reaktionen auf den Fall der Gaza-Flottille waren nur weitere Beispiele des effektiven Einsatzes des gefühlsbetonten Appells. Hauptorganisator der Flottille war die türkische IHH, ein Organ, das unter starkem Verdacht steht Verbindungen zu Terroristen zu haben. Auf der Mavi Marmara, dem größten Schiff der Flottille, befanden sich Einzelpersonen mit Terror-Verbindungen. Das Ganze war angeblich eine Hilfsmission, doch dieses Schiff führte überhaupt keine Hilfsgüter mit. Mehrere der Aktivisten an Bord der Mavi Marmara waren auf die Ausübung von Gewalt vorbereitet und mit Waffen ausgestattet, die dazu genutzt wurden die israelischen Soldaten anzugreifen. Sieben der an Bord getöteten neun Aktivisten hatten vor Reiseantritt ihren Wunsch geäußert als Märtyrer zu sterben.10 Trotz all dieser Fakten schaffte es Erdoğans Türkei die Gaza-Flottille und die Tötung mehrerer kämpfender Aktivisten in eine riesige menschliche Tragödie zu verwandeln.

Die israelischen Behörden haben offenbar sehr wenig von dem begriffen, wie der gefühlsbetonte Appell funktioniert und was ihn im Propagandakrieg effektiv macht. Und das trotz seiner widerholten und erfolgreichen Anwendung durch Israels Feinde. Wann immer eine militärische Operation geplant wird, widmet man einige Aufmerksamkeit der Frage, wie sie der Außenwelt dargestellt werden soll. Das ist ein sehr unvollständiges Herangehen an den Umgang mit dem bedeutenden Einsatz des gefühlsbetonten Appells durch Israels Feinde.

Das Thema des gefühlsbetonten Appells und wie ihm effektiv begegnet werden kann, ist eine komplexe Angelegenheit. Es ist kein Thema, für das Laien Lösungen entwerfen können. Ein Team aus Psychologen sollte die Erfolge des antiisraelischen gefühlsbetonten Appells sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart systematisch analysieren und zwar zusammen mit anderen Spezialisten, darunter Rechtsanwälten und PR-Experten. Es müssen effektive Methoden entwickelt und dann von den israelischen Behörden ausprobiert werden, um den fortgesetzten Einfluss des gefühlsbetonten Appells abzuschwächen. Fakt ist: Das hätte schon vor vielen Jahren gemacht werden müssen.

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1 www.palwatch.org
2 Associated Press/Ha’aretz: Hamas acknowledges its forces fired rockets from civilian areas. Ha’aretz, 12. Sepember 2014.
3 Captured Hamas Combat Manual Explains Benefits of Human Shields. IDF-Blog, 4. August 2014.
4 www.palwatch.org
5 Examinationof the names of Palestinians killed in Operation Protective Edge – Part Seven. The Meir Amit Inteligence and Terrorism Information Center, 1. Dezember 2014.
6 Richard Kemp: Gaza’s Civilian Casualties: The Truth is very Different. Gatestone Institute, 3. August 2014.
7 Dexter Van Zile: Israeli Jews: The Impossible People at Christ at the Checkpoint. CAMERA, 11. April 2012.
8 Danny Tirza: The Strategic Logic of Israel’s Security Barrier. Jerusalem Center for Public Affairs, 8. März 2006.
9 Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory, International Court of Justice. 9. Juli 2004
10 Steven G. Merley: Turkey, the Global Muslim Brotherhood, and the Gaza Flotilla. Jerusalem Center for Public Affairs, 2011.

Ein Gedanke zu “Israel gegen die Kräfte des gefühlsbetonten Appells

  1. Ja, ja, ja, und nochmals Ja, lieber Manfred Gerstenfeld.

    Sie haben in allen Punkten recht.
    Seit 6 Jahren bin ich als alter Mann in den Besitz eines PC gekommen. Seitdem beschäftige ich mich mit Israel besonders intensiv. Die Durchschlagskraft der palästinensischen Propaganda ist mir schon immer bewusst gewesen. Das ganze Ausmaß habe ich aber erst durch das Internet erfahren. Auch in meinem unmittelbaren christlich geprägtem Umfeld hat diese Propaganda tiefe Spuren hinterlassen.
    Lange Zeit ist man in Israel wohl davon ausgegangen, dass sich die Wahrheit schon durchsetzen werde. Das war ein verhängnisvoller Irrtum. Israel muss viel Energie und Kompetenz in den Propagandakrieg stecken. Auch durch die letzte, eigentlich verheerenden militärischen Niederlage, ist die Hamas gestärkt worden. Ein Beispiel ist die finanzielle Unterstützung durch die Weltöffentlichkeit.

    Wie Sie schon schrieben, kann ich als Laie auf diesem Gebiet nur das Ergebnis wahrnehmen. Eine Strategie zur Führung des Propagandakrieges kann ich leider nicht entwickeln.
    Ich hoffe nur, dass die Verantwortlichen in Israel das erkannt haben.
    Wahlkampf mag wichtig sein.
    Der Propagandakrieg gegen die PA ist wichtiger.

    Vielen Dank für Ihre sehr kompetenten Ausführungen, die ich immer wieder gerne lese.

    Heplev, Dir vielen Dank für die Veröffentlichung.

    Herzliche Grüße,
    eine gesegnete Weihnachtszeit und WEITER SO für’s Neue Jahr.

    Paul

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