Mir ist egal, dass Muslime sich vor Synagogen stellen

Marc Goldberg, Times of Israel blogs, 21. Februar 2015

In der Folge eines terroristischen Mordes an einer Synagoge in Kopenhagen haben viele norwegische Muslime sich entschlossen Solidarität mit der dortigen jüdischen Gemeinde zu zeigen. Sie werden eine Position außerhalb einer Synagoge beziehen, um sie zu „beschützen“, indem sie einen „menschlichen Friedensring“ darum bilden.

Ich wünschte, sie täten das nicht.

Oberflächliche Solidaritätsbekundungen sind gut und schön, aber was wir brauchen ist etwas weit Reelleres. Kein vernünftiger Mensch hat jemals bezweifelt, dass es jede Menge Muslime da draußen gibt, die glücklich sind Seite an Seite mit Juden zu leben. Ich würde es aber lieber sehen, dass die muslimische Gemeinschaft aktive Maßnahmen ergreifen, um den Extremismus in ihren eigenen Moscheen, Schulen und Institutionen einzudämmen. Das brauchen nicht nur die Juden, das brauchen alle.

Wird irgendeiner der Politiker Europas, in deren Händen die Macht liegt den islamischen Extremismus anzugehen, überhaupt irgendetwas tun um sicherzustellen, dass man sich mit dem wirklichen Problem beschäftigt?

Vielleicht könnten sie daran arbeiten den islamischen Extremismus zu entgegenzuwirken, statt den Premierminister Israels anzugreifen, weil er den Juden sagt, sie sollten Aliyah machen. Natürlich würde ich von europäischen Politikern nichts anderes erwarten als von Aufrufen des israelischen Premierministers Europa den Rücken zu kehren und nach Israel zu ziehen empört zu sein. Solche Aufrufe dienen als Erinnerung an das europäische Versagen, wenn es darum geht das Judentum als integrierten Teil Europas zu akzeptieren.

Der Zionismus ist eine jüdische und eine europäische Ideologie. Er wurde in Europa als Reaktion auf einen Hass auf Juden geboren. Eines Hasses, dessen Name – Antisemitismus – von einem Judenhasser geprägt wurde, der seinen Hass wissenschaftlicher klingen lassen wollte. Jedes Mal, wenn Sie jemanden argumentieren hören, er könne nicht antisemitisch sein, weil er selbst Semit ist, sehen Sie, dass diese Bemühung Früchte trägt.

Der einzige Grund, dass Israel existiert, ist Europas schäbiger Umgang mit den Juden. Die Tatsache, dass Juden im 21. Jahrhundert Europa weiter verlassen, um in Scharen nach Israel zu gehen, ist eine brutale Erinnerung an das europäische Versagen gegenüber den Juden. Kein Wunder, das europäische Politiker es persönlich nehmen – es ist eine brutale Anklage ihrer Unfähigkeit.

Im April gibt es in Southampton eine Konferenz unter dem Titel „Internationales Recht und der Staat Israel“. Der Zionismus wird auf Grundlage von Menschenrechten attackiert werden. Das ist Europas großes Thema. Die linke Brutstätte für Ideen von Toleranz, Aufklärung und viele andere nette, puschelige Philosophien werden immer ein Problem haben; er ist eine jüdische Ideologie, der dem „aufgeklärten“ Europa den Spiegel vorhält und ihm sein wahres Gesicht zeigt.

Wie aufgeklärt kann Europa denn sein, wenn die Juden dort kein Zuhause finden können? Statt sich mit den Folgen einer solchen Frage zu beschäftigen, würden europäische Intellektuelle weit lieber Israel attackieren und delegitimieren. Das ist einfacher und benötigt weit weniger Prüfung des eigenen Gewissens.

In Southampton wird man die üblichen Einwände gegen Israel ausrollen. Israel wird als ethnischer Staat angegriffen werden, der nicht allen seinen Bürgern Menschenrechte oder Demokratie bietet. Es wird als die Vorherrschaft einer Gruppe betreibend verschrien werden, obwohl es in Wirklichkeit schlicht das Ergebnis davon ist, dass Juden einen Staat gründeten, in dem sie die Gleichberechtigung finden können, die sie in Europa entzogen bekamen. Hätte Europa den Juden diese Rechte geboten, dann wäre der Zionismus natürlich gar nicht erst entstanden.

Darüber hinaus: Hätten die Europäer es geschafft ein Umfeld zu schaffen, in dem Juden als Gleichberechtigte behandelt werden, würden sie jetzt nicht fliehen.

Der Zionismus dient dazu den Europäern zu sagen, dass die Gesellschaften, auf die sie so stolz sind, dabei sind zu scheitern. Diese Kritik ist der Grund, dass wir solch eine heillose Abwehrhaltung in einem Interview auf Channel 4 erleben, wo einem israelischen Journalisten, der Antisemitismus offenlegte, „Provokation“ vorgeworfen wurde. Wir sehen ihn, wenn Politiker auf den Aufruf eines israelischen Premierministers Juden auffordert Europa zu verlassen, mit rechtschaffener Empörung und persönlichen Angriffen reagieren.

Es ist viel einfacher das irrelevante Handeln einer Reihe von muslimischen Aktivisten zu feiern oder Bibi Netanyahu zu attackieren oder sogar bewaffnete Wachen vor Synagogen zu stellen, als die darunterliegenden Probleme in der europäischen Gesellschaft zu verändern, die sicherstellen, dass tausende junger europäischer Muslime loslaufe, um im Islamischen Staat zu kämpfen und zu sterben.

Es ist dieses europäische Bedürfnis vorzugeben, dass alles gut ist, das zu dem Narrativ geführt hat, das wir überall um uns herum erleben. Das ist der Grund, dass wir jede Menge über Lassanna Bathily hören, der für seine Rolle beim Verstecken von Juden während des Anschlags au feinen koscheren Supermarkt in Paris mit der französischen Staatsbürgerschaft geehrt wird, aber nicht über das heldenhafte Verhalten von Yoav Hattab. Er wurde getötet, als er einen Terroristen angriff, der bereits vier Menschen getötet hatte. In diesem Zusammenhang ist es Bathily, der zum Helden gemacht wird, während Hattab auf ein paar Nachrichtenmeldungen und einem Grab in Jerusalem überlassen wird.

Hattab, der Sohn des Oberrabbiners von Tunesien, passte nicht in ein europäisches Narrativ, das lieber einen Muslim als Helden gelobt sehen möchte, weil er Juden im Kühlschrank versteckte und weglief, als einen Juden, der einen bewaffneten muslimischen Terroristen angriff und dabei getötet wurde. Das erste Narrativ fördert den Mythos der Koexistenz, der es Politikern gestattet Aufrufe zur Bekämpfung des islamischen Extremismus abzuleiten, dem sie es erlaubt haben während ihrer Zuständigkeitszeit aufzublühen. Letzteres könnte – was der Himmel verhüten möge – dafür sorgen, dass Juden ermutigt werden lieber für sich zu kämpfen als weiter den Soldaten an ihrer Türschwelle und der Regierung und Parlament ausgeliefert zu sein.

Wenn europäische Politiker glücklich damit sind Wachen vor jüdische Ziele zu stellen und es ablehnen das Problem des radikalen Islam anzugehen oder es überhaupt beim Namen zu nennen, dann wissen wir, dass die Dinge sich nicht ändern werden. In diesem Europa werden die Juden schwach und wehrlos bleiben, die Hilfe eines Staates benötigen, der zeigen wird, wie wunderbar es ist bewaffnete Waffen und Worte der Verurteilung gegen Antisemitismus zu liefern. Aber die Juden brauchen bewaffnete Wachen nur wegen des Versagens Europas sich mit seinem jüdischen Problem auseinanderzusetzen – vielleicht eher mit seinem muslimischen Problem. Wir brauchen verurteilende Worte und Soldaten vor unseren Gemeindehäusern nur, weil den Führungspolitikern in ganz Europa der Mut fehlt sich des Problems des Judenhasses anzunehmen, der in ihrer Gesellschaft eitert, wie es immer schon gewesen ist.

Wäre es den europäischen Politikern ernst mit dem Antisemitismus fertigzuwerden, würden wir sehen, dass sie muslimische Organisationen und Institutionen angehen, die ihre Gemeinden mit Hass auf Juden, Christen und Demokratie indoktrinieren. Stattdessen sehen wir, dass sie von genau den Politikern gefeiert werden, die behaupten den Extremismus auszumerzen. Das ist dieselbe Geisteshaltung, mit der der damaligen Leiter des Muslim Council of Britain zeitgleich mit dem damaligen Oberrabbiner Jonathan Sacks in den Adelsstand erhoben wurde. Der eine verrichtete gemeinnützige Arbeit und repräsentierte die jüdischen Gemeinschaft, während der andere eine Organisation anführte, die weiterhin den Holocaust-Gedenktag boykottierte und den Tod britischer Soldaten forderte.

Aber natürlich kann man keinen Juden ehren, ohne das auch mit einem Muslim zu tun. Offenbar ist dafür jeder Muslim gut. Es ist diese klassische Geisteshaltung, diese Ermutigung des Anscheins des Fair Play in Sachen einer substanziellen Politik, die uns überhaupt erst in diesen Schlamassel gebracht hat.

Ich schlage vor, dass man es Fortschritt nennen sollte, wenn Europas Politiker sich jetzt gegen Antisemitismus äußern statt ihn zu ermutigen oder sogar begehen. Doch dieser „Fortschritt“ kommt zu spät und ist zu wenig. Wir müssen nicht länger warten, bis die europäischen Politiker die Kurve kriegen; wir müssen uns nicht darauf verlassen, dass Muslime für ein nettes Foto vor Synagogen stehen, das allen erlaubt vorzugeben alles sei in Ordnung. Ich würde sogar viel lieber sehen, dass diese Muslime uns unsere Gemeindehäuser verteidigen lassen würden und sich auf die Bekämpfung des Extremismus konzentrierten, der in ihren Gemeinden so um sich greift.

Aus diesen Gründen also habe ich so gar kein Interesse daran, dass Muslime vor Synagogen sthen und sehr viel Interesse daran zu wissen, was die europäischen Regierungen tun wollen, um den islamischen Extremismus auszumerzen, den sie viel zu lange ignoriert haben.

Nachtrag:
Da waren alle so glücklich, dass eine Gruppe Muslime einen „Friedenskreis“ um die Synagoge von Oslo bilden wollen. Dieser Gruppe ist aber auch ein Problem: Genau dieselben Muslime sind – zumindest in entscheidenden Teilen – Israelhasser; einer der Hauptorganisatoren der Aktion hat das zur Genüge auf Facebook kundgetan und lässt dabei Verschwörungstheorien nicht aus.

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9 Gedanken zu “Mir ist egal, dass Muslime sich vor Synagogen stellen

  1. Der Text hat mir sehr gut gefallen. In Deutschland wird der Antisemitismus rein auf „Nazis“ zurückgefürt. Muslime stehen aufgrund politischer Korrektheit außerhalb der Diskussion und haben hier Narrenfreiheit. Die Aktion mit dem Umstellen der Synagoge befriedigt die Medien und suggeriert, dass alles in Ordnung sei. Ist es aber nicht, ganz und gar nicht.

  2. Was soll man von einem Verteidiger westlicher Werte halten, dessen (Zitat: lieblichstes Geräusch der Ruf des Muezzins sei). Mozart, Bach, Rachmaninov, Beethoven, Schubert, Liszt, Rock, Pop, Elektro, Disco, global Volk gingen an diesem Mann aber so was von vorbei.

  3. „Der Zionismus ist eine Reaktion auf das Versagen Europas“
    Nur zu einem Teil; der Zionismus ist eine Reaktion auf das Exil der Juden aus ihrem eigenen Land, und würden die europäischen und sonstwelche Politiker noch so nett sein, sollten die Juden trotzdem den Zionismus nicht für überflüssig erklären, denn Juden haben ein Land und ein Recht auf Selbstbestimmung, und benötigen eigentlich nicht die „unbefristete Aufenthaltserlaubnis“ Europas.
    Es ist gut, dass die Juden in Europa nicht als gleichberechtigt angesehen worden sind, sonst hätten sie nie den Sprung zum eigenen Staat geschafft.
    In allem anderen stimme ich zu – und vor allem nicht wegen des Mitleids für die Juden, sondern wegen des Mitleids mit dem Verkommen der europäischen Gesellschaft nur 70 Jahre nach der großen Katastrophe. Es ist vielmehr ein nichtjüdisches als jüdisches Problem. Juden haben eine andere Geschichte zu schreiben.

    • Fakt ist aber, dass selbst unter Verfolgung in Europa der allergrößte Teil der Juden keine zionistischen Bestrebungen entwickelten. Erst durch russische Juden – in aller Stille – in den 1880-er Jahren hat es erste gezielte Einwanderung nach „Palästina“ gegeben; und erst unter Herzl wurde der Zionismus gegründet/entwickelt – beides als Reaktion auf Verfolgung, Pogrome, „wissenshacftlich“ begründeten Antisemitismus.
      Heute ist es anders und Juden entscheiden sich auch bei „netten“ und judenfreundlichen Ländern nach Israel zu gehen. Es fragt sich aber, ob das auch so wäre, wenn es die Judenverfolgungen der letzten 150-200 Jahre nicht gegeben hätte.

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