Schamlos darauf erpicht hinzureisen

Sarah Honig 20. Juli 2015

Deutschlands früher Vogel Sigmar Gabriel fängt in Teheran Würmer

In der Geschäftswelt fängt der frühe Vogel tatsächlich den Wurm und eingedenk dessen drängen sich europäische Firmen kopfüber eifrig in Abschlüsse mit dem Iran – obwohl die Sanktionen gegen das Ayatollah-Regime pro-forma noch nicht aufgehoben worden sind.

Am schnellsten und wichtigsten von allen sind die Deutschen, die ihre Begeisterung für Profit nicht kontrollieren können. Sie schickten eine hochrangige, 60-köpfige Delegation mit Angela Merkels Nummer Zwei an der Spitze, zusammen mit Repräsentanten solcher Industriegiganten wie Linde, Siemens, Daimler-Benz, Volkswagen und anderen. Los.

Wenn sie auch die eifrigsten dabei sind die Profite des Handels mit den völkermörderischen Feinden des jüdischen Staates einzufahren, so haben die Deutschen doch besondere Anreize rechtschaffen zu erscheinen. Und so empfahl der Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel den Iran „ihre Beziehungen zu Israel zu verbessern“, es anzuerkennen usw. Gabriel bot besorgt Deutschlands unverlangten Vermittlerdienste an. Allerdings bestehen Zweifel, dass die Ayatollahs, selbst wenn er seine moralistische Botschaft in Farsi hinausgebrüllt hätte, es geschafft hätten ihr höhnisches Gelächter zu unterdrücken.

Sein Lippenbekenntnis gab er jedoch nur in einem Interview mit der BILD, was die Sache etwas weniger als irrelevant macht.

Deutschland ist natürlich nicht alleine. Es ist nur schneller und schamloser dabei so erpicht zu sein dort hinzugehen als seine Nachbarn. Europas ungeduldiger Eifer nach Transaktionen mit dem Iran könnte bei Uneingeweihten durchaus den Eindruck erwecken, dass alle Sanktionen aufgehoben wurden, dass der Iran in vollem Umfang demonstriert hat, dass er seine Seite des Handels erfüllt, dass er vollkommen rehabilitiert ist, dass er den Terrorschläger abgegeben hat, seine atomaren Ambitionen fallen ließ und dass die Ayatollahs sich in eine pazifistische Sekte eingeschrieben haben.

Es ist so, als würde wieder in den Iran einzureisen für eine ganze Bandbreite unersättlicher Konzerne ein unwiderstehlicher, Geld schaffender Magnet sein – von Banken und Finanzkonglomeraten über den Öl- und Gassektor bis hin zu Autobauern und allerlei anderen Herstellern. Flugzeugladungen wild entschlossener Führungskräfte zahlreicher europäischer Firmen sollen für „informative“ Gespräche nach Teheran kommen, während die Tinte auf dem Deal von Wien kaum Zeit zum Trocknen gehabt hat. Der französische Außenminister Laurent Fabius und die italienische Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung Federica Guidi planen ebenfalls den Iran zu besuchen. Auf dem Fuße der Deutschen folgen eng die Briten, Niederländer, Schweizer, Spanier und andere. Gleichzeitig tauchen aus Europas Osten die Russen und aus Asien einig gleichermaßen enthusiastische Chinesen und Südkoreaner mit Angeboten an Teheran an.

Das gesamte Phänomen ist sowohl schwindelerregend als auch entmutigend, gelinde gesagt.

Es lohnt, sich daran zu erinnern, dass die internationale Gemeinschaft, während die Europäer und Asiaten über die eigenen Füße stolpern, um die Kumpanei mit dem Iran wiederherzustellen – ungeachtet seiner Terrorverbreitung und atomaren Machenschaften – mit verstärkten Boykotten des demokratischen Israel überflutet wird.

Der Ton für das rasche Anschwellen des Interesses an der iranischen Wirtschaft wird in Washington angegeben, das einst die Speerspitze der Sanktionen gegen den Mullahstaat war, jetzt aber einen anderen Kurs eingeschlagen hat.

Ironischerweise sind amerikanisch Firmen in Washingtons eigenen bürokratischen Regularien festgeklemmt, die ihre Möglichkeit behindert rasch von dem wiederentstehenden Handel mit einer Wirtschaft Gewinne zu erzielen, die die viertgrößten Ölreserven der Welt du ihre zweitgrößten Erdgasreserven stellt.

Gleichermaßen ironisch ist die Tatsache, dass einige derer, die jetzt der iranischen Verlockung am wenigsten widerstehen können zynisch nie ihre Operationen dort ganz einstellten, trotz der Sanktionen. Siemens stellt hier eines der verstörendsten Paradebeispiele dar.

Siemens behauptete durch alte Verträge verpflichtet gewesen zu sein, die nur Sektoren betrafen, die nicht von den Sanktionen abgedeckt waren. Trotzdem griff aber der Stuxnet-Virus – der die iranischen Zentrifugen für die Anreicherung von Uran, der weithin Israel zugeschrieben wurde – am Ende auch Siemens-Komponenten an. Alleine diese Tatsache sollte reichlich Futter zum Nachdenken sein.

Irans optimistische Geschäftsantreiber behaupten, den Ayatollahs die Wohlstandsrübe vor die Nase zu halten würde sie moderat machen. Fakt ist aber, dass die Chancen die Einschränkungen auf iranische Ölexporte aufzuheben, Bankkonten im Ausland zugängig zu machen und verschieden Bau- und weiter Projekte zu finanzieren den direkt gegenteiligen Effekt haben würden. Damit würden Teherans Atomprogramm und seine beispiellose Terror-Sponsorenschaft finanziell gestärkt.

Mit anderen Worten: Dem Iran wird gezeigt, dass er nicht nachgeben und seine „nicht verhandelbaren“ völkermörderischen Pläne gegen Israel vorantreiben kann, während die Reaktion aus Washington in unwahrscheinlicher Nachsicht besteht, die in Europa und Asien einen entnervenden, unüberlegten Wettkampf um lukrative iranische Geschäfte auslöst.

Ein Gedanke zu “Schamlos darauf erpicht hinzureisen

  1. Hat dies auf Regenbogen I rebloggt und kommentierte:
    Anmerkung AhuvaIsrael: Sarah Honíg schreibt über den kürzlichen Iran-Besuch von Sigmar Gabriel vortrefflich – vielen Dank!

    Sarah Honig ist eine Veteran-Kolumnistin und redaktionelle Senior-Schreiberin der Jerusalem Post Sie diente bei der Post viele Jahre als politische Korrespondentin.
    Sarah Honig’s Blog

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