In der Folge eines tödlichen Brandanschlags

This Onging War, 31. Juli 2015

Eine furchtbare Nachricht. Berichte über ein totes Baby, eine am Boden zerstörte Familie, Hinweise auf einen hämischen Angreifer und erste Zeichen der Rechtfertigung. Das ist ein Szenario, das wir von innen heraus miterlebt haben.

Es ist zwar noch zu früh, als dass jemand sicher sein kann, was geschehen ist, aber zwei Punkte stechen sofort heraus:

  • In all den Jahren (und diese Woche ist es genau 14 Jahre her) seit unsere Tochter ermordet wurde, haben nicht einen einzigen Eintrag – Artikel, Tweet oder Rede – auf Arabisch gefunden, der diesen Anschlag im Zentrum Jerusalems oder die Morde verurteilte. Wir sagen nicht, dass es keinen gegeben hat und wir erheben keinen Anspruch auf vollständiges Wissen. Aber wir suchen ständig danach (wie wir hier, hier und an weiteren Orten vermerkten) und haben sie nicht gefunden – und wir möchten diesbezüglich sehr gerne falsch liegen. Andererseits gibt es ein endloses Angebot des Gegenteils (leicht zu finden – es ist nicht notwendig sie hier wieder noch einmal einzustellen) in Kommentarspalten, auf Twitter und Facebook und YouTube.
  • Keine Gesellschaft ist frei von Menschen mit Herzen, nie, nirgends. Was eine von anderen unterscheidet, ist wie die Gesellschaft damit umgeht. Bezweifelt irgendjemand, dass eine Fahndung im Gang ist, es ein Gerichtsverfahren, eine Inhaftierung geben wird und Abscheu bei den Menschen auf unserer Seite geben wird?

Und einiges an Spekulation. Es ist (gelinde gesagt) unwahrscheinlich, dass, wer immer diese furchtbare Tat beging und am Ende zur Rechenschaft gezogen wird, als „Gefangener“ beschrieben wird, den die Polizei wegen seiner/ihrer „Widerstandsaktivität“ „entführte“. Oder dass von Demonstranten Poster hochgehalten werden, mit denen seine/ihre sofortige Freilassung gefordert wird. Was immer an selbstrechtfertigenden Argumenten durch den/die Täter heute oder später zum Ausdruck gebracht werden wird, wird von Israels mit Mainstream Verachtung beiseitegeschoben werden.

Insgesamt wissen wir, welcher der beiden Gesellschaften, der beiden Wertesystem, die hier Seite an Seite leben, zugerechnet werden wollen.

———

Auf Facebook geht ein Bild von dem Messeranschlag rund, das den mörderischen Fanatiker in Aktion zeigt:

Anschlag2015-07.31Weitere gibt es z.B. hier.

Möge er nie wieder die Freiheit erleben.

Werbeanzeigen

6 Gedanken zu “In der Folge eines tödlichen Brandanschlags

  1. Es ist einfach nur traurig…
    Aber wenn wir als Freunde Israels glaubwürdig bleiben wollen, müssen wir leider, leider auch über den Terror berichten, der VON Juden verübt wird, selbst wenn er quantitativ in gar keinem Verhältnis steht zu dem, der AN Juden verübt wird….
    Ich habe drüben bei himmel und erde darüber geschrieben.

    • Liebe Rika,
      natürlich muß man darüber schreiben. Ich persönlich verabscheue solche Menschen aus tiefster Seele, egal ob Jude oder nicht.
      lg
      caruso

    • Natürlich ist es wichtig und richtig, auch darüber zu berichten. Alles andere wäre falsch, unaufrichtig und feige. Und diese Eigenschaften kann man dem isralischen Volk absolut nicht nachsagen.

      Menschen, die meinen, sich jetzt darüber das Maul zerreißen zu müssen, weil es vermutlich Täter aus den eigenen Reihen gewesen sind, sollten sich mal damit auseinandersetzen, wie die Situation umgekehrt wäre, bzw. ist. Freudengesänge, man tanzt auf der Straße, verteilt Süßigkeiten an die Kinder und man verehrt die Täter als Helden.

      Nein, Israel macht alles richtig. Nicht perfekt, das geht gar nicht. Aber richtig.

  2. Bitte lassen Sie mich meine aufrichtige Anteilnahme am Tod Ihrer Tochter ausdrücken. Nichts kann mehr weh tun als der Verlust eines Kindes; selbst Vater von vier Kindern kann ich Ihren Schmerz wohl nicht ansatzweise nachempfinden.
    Jedes tote Kind ist immer eines zuviel, um jedes muss geweint, an jedes muss gedacht werden. Wenn irgendjemand existiert, der die Gefühle der Eltern von Doma wirklich verstehen könnte – dann sind Sie es.
    Die Mörder Ihrer Tochter sind ebenso verdammenswert wie die von Ali.
    Wenn diese Erkenntnis sie nur zurückbringen könnte, wenn es doch nur gelingen könnte, all diese Mörder von ihrem furchtbaren Tun abzubringen – wenn doch nur Frieden gelingen könnte!

    • Ich hoffe, Sie haben gemerkt, dass das eine Übersetzung ist. Die Familie Roth liest meinen Blog nicht. Sie könnten den Gruß aber – auf Englisch – auf der verlinkten Seite hinterlassen (oder hier klicken).

  3. Angesichts der sich Bahn brechenden Gewalt müssen wir uns selber fragen oder fragen lassen wie anders denn auf Gewalt reagiert werden könnte, ohne dass dies den Anstoß zu weiterer Gewalt gibt. Nicht reagieren gilt als Schwäche. Überreagieren als Gewalt. Schwäche löst häufig Gewalt erst richtig aus. Gibt es auch eine Mitte? Bei schweren Verbrechen werden auch starke Emotionen frei, die in der Regel spontan ausgetobt werden wollen. Tun wir das nicht, macht es den Eindruck von Gleichgültigkeit gegenüber dem Gesetz obwohl das Motiv der Wunsch ist, der Gewalt eine gewaltlose Grenze zu setzen. Wir haben zum Beispiel die Möglichkeit unserem Feind zu vergeben. Es wird nicht verstanden, dass es sich hierbei nicht um Schwäche handelt und auch nicht darum, das Gesetz auszuhebeln. Es geht dabei im Gegenteil darum, dem Gesetz wieder zu seinem ursprünglichen Sinn zu verhelfen, nämlich dem Leben Raum zu geben für ein gutes Miteinander. Will man also einen Teufelskreis durchbrechen ist uns diese Handlungsweise angeboten. Der Vergebende ist derjenige, der durch Vergebung Freiheit und Leben ermöglicht. Es erfordert ein Höchstmaß an Selbsterkenntnis um zu wissen, dass Vergebung der Ausweg aus der Umklammerung mit dem als Feind definierten Gegner ist. Man muss ihn ja nicht gleich lieben. Aber das Loslassen in die Hand Gottes verschafft dem Vergebenden eine große Freiheit. Die Freiheit von zwanghaftem Hass. Mein verstorbener Sohn hat mich das gelehrt. Er vergab seinen Quälern und konnte sagen, dass er diese bedauert, weil es ihnen im Grunde schlechter geht als ihm. Er hat mir durch seine Haltung, die Bereitschaft abgerungen ihnen ebenfalls zu vergeben und sie aus meinem Zorn freizulassen und ihnen feurige Kohlen aufs Haupt zu legen. Das schützte uns vor Reaktionen die als Racheakte verurteilt worden wären. Ich bekenne, dass mich das ein großes Maß an Selbstbeherrschung kostete. Mir ist jedoch sehr bewusst, dass ich selbst auch nur von der Vergebung lebe. Dieses Bewusstsein gibt die Kraft, im Feind die eigene Versuchbarkeit zu erkennen, die mir sagt: auch du bist zu allem fähig. Sich so im Spiegel sehen zu müssen ist schmerzhaft und heilsam zugleich. Man kann eine solche Denkweise nicht erzwingen. Auch das wäre Gewalt. Man kann sie nur vorschlagen als einen Weg, der zuerst dem Vergebenden eine große innere Freiheit gibt. Er braucht sich nicht selbst zu rächen. Die Rache ist mein spricht der Herr. Das ist kein leeres Wort. Ich bin stark davon überzeugt, dass Israel diese Fähigkeit in sich schon längst in einem starken Maße von der Welt unerkannt, ganz still und leise entwickelt. Dass es nicht in allen Schichten angekommen ist ist jetzt noch klar zu sehen. Aber das gibt niemandem das Recht Israel an den Pranger dieser Welt zustellen. Vielmehr ist es an der Zeit, Israel nicht permanent emotional zu überfordern. Die schärfste Waffe die uns Gläubigen gegeben ist, ist tatsächlich die Vergebung. Aber um vergeben zu können muss uns der Ort der Vergebung vertraut sein. Dieser Ort ist da wo uns selber Vergebung zuteil wurde. Der edelste der Juden ist dieser Ort.
    Aber wer macht diesen Ort für die Juden denn so unwirtlich? Sind es nicht diejenigen, die Israel Tag und Nacht für seine Existenz verklagen und es dadurch auf diesem Globus nirgendwo eine Heimat hat? Nicht einmal in Israel selbst? Wer ist es denn, der Israel dazu zwingen will wie alle Nationen zu werden um die geplante Andersartigkeit dieser Nation zu verhindern. Wer ist es denn, der Israel seine jüdische Identität verweigert. Sind es nicht die Nationen, die Israel vergessen machen wollen, dass es eine Berufung hat? Ständige Erklärungsnot verursacht solche Schäden wie wir sie grade sehen. Das aber sollte zu mehr Barmherzigkeit statt zu Verdammnis führen. Israel hat durch seine Leidensfähigkeit den Nationen Längen voraus in seiner inneren Reife. Wo es das noch nicht erreicht hat wird es sich selber korrigieren. Das sollte aber niemandem Anlass geben sich nun auf den gewohnten Sündenbock zu stürzen um ihn für alles und jedes Problem vor den Richter zu ziehen. Sie tun das selbst schon am besten. Wo dies nicht geschieht, da fällt es tatsächlich in Unfreiheit. Dafür aber ist es nur einem verantwortlich: seinem Schöpfer.
    Keiner von uns kann seinem Richter entkommen. Deshalb aber müssen wir uns davor hüten zu glauben Israel vor den Richter zerren zu können. Wie leicht ist es ein Schalksknecht zu werden? Woher wollen wir denn wissen wann Israel plötzlich die Augen aufgehen und sie dann mit größter Klarheit sehen wo ihre Zuflucht ist? Sie werden in all ihrer Bedrängnis ihren Retter finden. Schande über all jene die sich so erhaben fühlen, nur weil sie in scheinbarer Sicherheit noch nie so sehr zum Zorn gereizt wurden. Trost all jenen die ihre Verluste mit Geduld ertragen……und uns damit ein grosses Vorbild sind. Israel lebt

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.