Gedankenverlorenes Territorium: Ha’aretz wird israelische Werbekunden boykottieren

Ha’aretz wird am 1. Oktober eine neue Politik wirksam werden lassen, um Komplikationen bei Werbepaketen zu vermeiden, die bereits an israelische Firmen und Organisationen verkauft wurden

PreOccupied Territory, 6. September 2015

„Ja, ich bin ein Arschloch; und ja, der Begriff bezieht sich sowohl auf meine Haltung als auch auf mein Erscheinungsbild.“

Tel Aviv, 6. September – Die Redaktionsleitung von Israels Zeitung Ha’aretz stimmte heute Morgen der Stimmigkeit halber dafür, auf Werbung israelischer Gremien zu verzichten, womit sie offiziell BDS als Leitprinzip als Abbild der Haltung einer zunehmenden Zahl der Mitarbeiter und Führungskräfte der Publikation übernimmt.

Die neue Politik von Ha’aretz wird am ersten Tag des Oktobers in Kraft treten, um die Komplikationen zu vermeiden, die mit Werbepaketen zusammenhängen, die bereits an israelische Firmen und Organisationen verkauft wurden. Sobald die bestehenden Verträge auslaufen, sagte Chefredakteur Aluf Benn, würden nur noch Werbende von außerhalb Israels und israelisch kontrollierter Gebiete akzeptiert.

„Mit der Entscheidung hat die Redaktionsleitung einstimmig beschlossen den Worten Taten folgen zu lassen“, sagte Benn. „Unsere Autoren und der redaktionelle Blickwinkel haben beständig danach gestrebt denen eine Stimme zu geben, die die Existenz und den Wohlstand des Staates Israel nicht als positive Kraft in der Welt ansehen und endlich den Mut für diese Überzeugungen gezeigt.“

Benn sagte, die Meinungen der langjährigen Ha’aretz-Autoren Amira Hass und Gideon Levy hätten beträchtliches Gewicht bei den Überlegungen der Leitung gehabt. „Gerechtigkeit erfordert oft unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen und das ist der Weg, den Ha’aretz zu gehen vor langer Zeit schon gewählt hat“, erklärte er. „Es wäre unangebracht von dieser angesehenen Publikation vom Unternehmen der Besatzung zu profitieren, so indirekt das auch sein mag, ob man nun glaubt, dass sie 1967 begann oder 1948 – und unsere journalistische Ethik verhindert eine Festlegung, welches dieser beiden Jahre größere Wertigkeit hat.“

Das Werbeverbot wird sowohl für die Print- als auch für die Online-Ausgabe von Ha’aretz gelten. Gesonderte Veröffentlichungen unter dem Schirm von Ha’aretz wie das Wirtschaftsmagazin The Marker werden israelische Werbung weitere acht Monate lang akzeptieren. Danach, nimmt der Vorstand an, wird es keine israelische Wirtschaft mehr geben, da der gemeinsame Druck des Boykotts und die Scham, die die Israelis zweifellos als Ergebnis desselben empfinden werden, den völligen Zusammenbruch des Systems herbeiführen werden und es wenig Bedarf für eine solche Publikation mehr geben wird.

Keine Entscheidung ist bisher dazu getroffen worden, wie mit den israelischen Abonnenten oder Käufern der Zeitung umzugehen ist. „Das komplexe ethische Netz der Überlegungen um diese Frage erfordert weitere Beratungen“, gab Benn zu. „Man könnte einfach sagen, wir akzeptieren kein israelisches Geld welcher Art auch immer, aber unsere Abonnenten und Leser sind im Großen und Ganzen die richtige Sorte Israelis – d.h. diejenigen, die mit uns übereinstimmen und sind daher nicht auf dieselbe Weise Israelis wie z.B. Bibi Netanyahu oder irgendjemand, der in der Umgebung der Schocken-Straße in Tel Aviv lebt. Es gibt hier also Raum für Diskussion. Ich erwarte, dass wir in den kommenden Wochen eine Entscheidung treffen werden.“

Benn gab keinen Kommentar zum Gebrauch israelischen Bodens durch die Publikation, auf dem sie ihre Betrieb betreibt.

4 Gedanken zu “Gedankenverlorenes Territorium: Ha’aretz wird israelische Werbekunden boykottieren

  1. Irgendwie habe ich nicht verstanden, was sie wollen. Wieso schliessen sie ihre haessliche Zeitung nicht einfach und eroeffnen sie im Ausland? Und wieso schliesst niemand in Israel dieses abartige Hetzblatt? Haaretz hat ausgedient, wozu wird es noch am Leben gehalten?

  2. Kann so ein Mann es noch verantworten Luft aus Israel zu atmen? Diese Luft kann nicht anders als total verseucht sein. Ich empfehle Luft in Flaschen aus dem Iran mit Zertifikat „garantiert judenrein“.

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