Neulich im Bus (in Jerusalem)

Judy Lash-Balint, Facebook, 6. Oktober 2015

Ein „nur in Israel“-Erlebnis im Bus: Anders als zu der Zeit, als ich in den 1990-er Jahren Aliyah machte, kommt es heute selten vor, dass man Menschen sieht, deren Arme mit diesen üblen blauen Ziffern versehen sind, die sie als Überlebende der Nazi-Lager kennzeichnen. Aber das passierte heute auf dem Bus der Linie 13 in Jerusalem.

Ich setzte mich auf einen Sitz, der nach rückwärts ausgerichtet war, direkt neben eine alte Dame und gegenüber von zwei jüngeren. Nach einem Halt machte die Frau mir gegenüber ein Bemerkung über die Modegeschmack einer Gruppe Leute, die gerade um eine Ecke gingen. Das brachte uns alle in Fahrt und es entstand ein lebhaftes Gespräch über den Zustand der Läden auf der King David-Straße und die allgemeine Lage im Land.

Nach ein paar Momenten des Schweigens sah ich, dass die Frau mir gegenüber, die das Gespräch begonnen hatte, konzentriert die Frau neben mir ansah. „Das ist echt“, sagte die ältere. Ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprach, bis ich zur Seite blickte und den Anblick von Ziffern auf ihrem runzeligen Unterarm sah. „Jasenovac“, fügte sie hinzu – womit sie eines der berüchtigteren Lager im heutigen Kroatien nannte. „Ich war 14. Ich machte 1948 alleine Aliya und blickte nie zurück. Heute bin ich 86, habe vier Kinder, 17 Enkelkinder und 3 Urenkelkinder.“

Ja, das sind die wichtigen Zahlen, sagt ich ihr, nicht die, die auf Ihrem Arm stehen.

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