Qualitäts-Hetze

Wenn Frau Knaul in der Rheinischen Post schreibt, dann kann es nur darum gehen Israel an den Pranger zu stellen und die Terroristen auszusparen. Das jüngste Beispiel stammt vom 10. Oktober und zeigt, wie man mit in sich nicht unwahren Aussage Stimmung gegen Israel und die Opfer zu Tätern macht. Es fängt – natürlich und wie immer – schon mit der Überschrift an:

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Ganz, ganz weit vorne stehen jüdische Racheakte. Hier wird der Ton gleich deutlich. Wer „jüdische Racheakte“ liest, den kümmert der Recht schon kaum noch. Das ist die übliche Vorgehensweise, um aus Reaktionen Ursachen zu machen, damit die jüdischen Israelis die Schuldigen sind, die es zu „kritisieren“ gilt.

Ja, es gibt Juden, die Arabern ans Leder wollen, die Araber angegriffen haben. Frau Knaul zählt die Fälle genüsslich auf. Das geht ganz gut auf knappem Raum, denn es sind so wenige, dass sie gar nicht erst sonderlich sortieren muss, welche sie denn nun nehmen soll. DAS schreibt sie natürlich nicht und da läuft der Hase dann genauso wie bei Christian Wagner und seiner Verrohung der jüdischen Bevölkerung Israels. Und die Juden werden geflissentlich als Täter genannt, die Araber so gut wie nie.

Im gesamten Artikel werden einmal Palästinenser – nebenher – als Täter angführt, um gleich hinterherzuschieben, dass das meistens ziemlich ungefährlich war und von den Juden – per Vergleich – übermäßig reagiert wird: „Meist enden die Überfälle mit leichteren Verletzungen der Angegriffenen und dem Tod der Angreifer.“

Im Klartext: Die Juden haben eigentlich nicht groß was zu befürchten, aber die Palästinenser sind dann tot. Nett, nicht wahr? Erinnert so schön an die Sache mit den Raketen aus dem Gazastreifen, die ja auch kaum Tote verursachen – also recht harmlos sind – und auf die die Juden so übertrieben reagierten, indem sie gleich den ganzen Gazastreifen platt machten und Tausende Palästinenser töteten, natürlich alles Unschuldige. Unverhältnismäßige Opferzahlen machen sich immer gut, wenn man jeglichen Absichten und Zusammenhänge außer Acht lässt (und dafür solche konstruiert, die nicht stichhaltig, aber dafür so wunderbar plakativ sind).

Zurück zu Frau Knauls Täterbeschreibungen: Nach dem einen Mal „Palästinenser“ folgen noch mehrfach „Araber“ als Opfer; einmal „Muslime“ im Zusammenhang mit dem Tempelberg (als einzig Gebetsberechtigte und Opfer israelischer Willkürmaßnahmen), einmal „Demonstranten“ – und noch einmal 2 Palästinenser, die erschossen wurden. Ansonsten „kam es zu Messerattacken“, ohne dass die Täter genannt werden.

Anders, wenn es um Juden geht. „Ein 17-jähriger Jude“ griff in Dimona vier israelische Araber an und verletzte sie. „Jüdische Israelis“ nehmen immer öfter das Recht in die eigene Hand. „Israel schränkte ein“ (den Zugang zum Tempelberg). Und „Soldaten erschossen“ zwei Palästinenser aus dem Gazastreifen. Letztere Aussagen völlig bar jeglichen tatsächlich informierenden Zusammenhangs; man kann noch zugestehen, dass sie die Altstadt „und besonders den Tempelberg“ als „Unruheherd“ anführt – aber der Leser ohne Hintergrundwissen wird fragen, warum die Sperrung erfolgt, wenn es dort doch (nächster Satz) „weitgehend ruhig blieb“. Dass die „Unruhe“ im direkten Umfeld der Altstadt besonders grassiert und die Muslime, die in den Moscheen auf dem Tempelberg beten wollen, nicht (nur) aus der Altstadt kommen – geschenkt, dafür ist kein Platz und das würde ja die Sperrung verständlicher machen. Also lässt Frau Knaul das lieber weg.

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Vermutlich wird Frau Knaul sich bei Vorwürfen zu ihrer Darstellung auch darauf berufen, dass sie ja sagt, dass der Bürgermeister von Dimona den Übergriff verurteilte und Netanyahu sich distanzierte. Aber was nutzt das, wenn die Einzelfälle jüdischer Übergriffe derart in den Vordergrund gerückt werden, als fände das ständig statt und sei inzwischen die Regel? Und wenn direkt hinterhergeschoben wird, dass die Juden jetzt das Recht in die eigene Hand nehmen, diese Verurteilung und Distanzierung also wirkungslos seien? Und welche Wirkung hat das, wenn bei arabischem Terror dieser eher unpersönlich stattfindet wird und dabei weder die Absichten deutlich genannt werden noch die Unterstützung, die sie erhalten? Ganz zu schweigen von der Aufstachelung, die die PA und die übrigen Terrororganisationen seit Jahren betreiben, besonders aber seit Juli?

Frau Knaul lässt alles aus, was die Araber schlechter dastehen lassen könnte als die Juden. Das hat System und nichts mit Unwissenheit oder Ignoranz zu tun, das geschieht gewollt und gezielt. Vermutlich muss sie darüber nicht einmal mehr nachdenken, das ist ihr in Fleisch und Blut übergegangen, wie so manchem anderen Mitglied der Qualitätsjournaille auch. Ob es Frau Knaul wohl einfallen würde zu berichten, dass der (arabische) Bürgermeister von Nazareth auf offener Straße einen arabische Knessetabgeordneten beschimpfte, weil dieser Stadt schadet und die Menschen aufhetzt, statt für friedliche Koexistenz zu arbeiten? Wohl erst, wenn sie eine Möglichkeit gefunden hat den Bürgermeister als bösen Kollaborateur mit den Juden und Feind des eigenen Volks hinzustellen.