Analyse: Deutsche nutzen Holocaust-Straßenmahnmale um Israel scharf zu kritisieren

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 8. November 2015

In München gibt es eine andauernde Diskussion darüber, ob die bayrische Hauptstadt zulassen sollte, dass „Stolpersteine“ auf ihren Bürgersteigen und Straßen gelegt werden.

Berlin – Es gibt unter den dem Gedenken an den Holocaust ergebenen Deutschen eine zunehmende Tendenz aus den jüdischen Opfer einen Knüppel für Kritik an Israelis und zur Förderung der Sache der Palästinenser zu machen.

Die andauernde Debatte in München, ob die bayrische Hauptstadt erlauben sollte, dass „Stolpersteine“ (Messingtäfelchen mit den Namen der Holocaustopfer) in Bürgersteige und Straßen eingelassen werden, ist ein Hauptbeispiel dafür. Ende Juli stimmte der Münchener Stadtrat dafür, die sogenannten „Stolperstein“-Gedenksteine zu verbieten. Charlotte Knobloch, ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland und derzeit Vorsitzende der Münchener jüdischen Gemeinde, war lange schon gegen die Stolpersteine und hat sie als Beleidigung der Opfer bezeichnet. Die Holocaust-Überlebende sagte, es ist „unerträglich“, wenn Passanten auf die Namen von Juden treten, die in der Tragödie ermordet wurden.

Es gibt vor dem Wohnsitz dieses Reporters in Berlin sechs „Stolpersteine“. Auf einem davon heißt es: „Hans Simson. JG [für Jahrgang] 1913. Deportiert am 28.6.1943. Ermordet in Auschwitz.“

Die weithin als pro-israelisch betrachtete linke Wochenzeitung Jungle World berichtete in einem Kommentar von Dora Streibl, dass ein Mitbegründer der „Stolperstein“-Mahnmale in Kassel, Ulrich Restat, im Jahr 2014 auf einer antisemitischen Demonstration erklärte, der „Tod ist heute ein Meister aus Israel“ und er wünschte sich, dass es „Stolpersteine“ für die ermordeten Palästinenser gäbe. Sein Kommentar vermerkte zudem die antizionistischen Ansichten des Mitbegründers der Münchener „Stolperstein“-Initiative.

Restats Verweis war eine Anspielung auf das berühmte Holocaust-Gedicht des jüdischen Poeten Paul Celan, eines Deutsch sprechenden Holocaust-Überlebenden, der über Hitlers Bewegung schrieb: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“ In ihrem Kommentar kritisierte Streibl Restat und andere, die die Stolpersteine als Mittel der Verminderung ihrer pathologischen Schuldgefühle wegen der Verbrechen des Holocaust nutzen, indem sie moderne Juden zu Tätern machen. Sie fügte hinzu: „Die Stolpersteine erscheinen als komfortable, unaufdringliche Form der Erinnerung: Man hat etwas getan.“

Andere haben argumentiert, dass es bei deutschen Holocaust-Mahnmalen – einschließlich der Hauptgedenkstätte im Regierungsbezirk im Zentrum Berlins – nicht um die Bewahrung der Erinnerung an jüdische Opfer geht, sondern darum, dass die Deutschen sich wohl fühlen. Die Erklärung des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder aus dem Jahr 1998 fängt die Gehaltlosigkeit dieses Ritualisierungsprozesses ein. Er sagte, das Holocaust-Mahnmal solle ein Ort sein, „wo die Leute gerne hingehen“.

Wie andere Holocaust-Mahnmale fungiert das Projekt Stolpersteine, kann man argumentieren, als eine Art Scheinwiderstand gegen Deutschlands Nazi-Vergangenheit. Der deutsche Autor Johannes Gross beschrieb Deutschlands Beziehung zu seiner Nazi-Geschichte treffsicher, als er schrieb: „Der Widerstand gegen Hitler und die Seinen wird umso stärker, je länger das Dritte Reich zurück liegt.“

Es gibt in Deutschland keine Mahnmale für den an Juden und Israelis verübten tödlichen Antisemitismus der Palästinenser, der Hisbollah und des Iran. Als vor Jahren ein Versuch unternommen wurde an Bahnhöfen israelische Opfer zu zeigen, gab es ein Aufbegehren und der Plan wurde verworfen.

Der deutsche Künstler, der das Projekt „Stolpersteine“ begann, heißt Gunter Demnig. Nach Angaben von Reuters „gibt es in Deutschland und 16 weiteren europäischen Ländern 45.000 Stolpersteine. Allein Berlin hat 5.500 davon.“

Die Beschäftigung mit der Memorialisierung toter europäischer Juden hat in Deutschland bizarre neue Richtungen eingeschlagen. Eine passende Aktualisierung des berühmten sarkastischen Spruchs des israelischen Psychoanalytikers Zvi Rex könnte lauten: „Die Deutschen werden den Israelis Auschwitz nie verzeihen.“

Ein Gedanke zu “Analyse: Deutsche nutzen Holocaust-Straßenmahnmale um Israel scharf zu kritisieren

  1. Im Vorfeld der Errichtung des Holocaust-Mahnmals in Berlin sagte mir ein Repräsentant der berliner jüdischen Gemeinde: „Wir Juden brauchen dieses Denkmal nicht.“

    Das ist auch meine Meinung, nachdem ich Yad Vashem besucht habe. Das ist eine würdige und sehr eindrucksvolle Mahn- und Gedenkstätte. Es bedarf keiner weiteren. Das ist auch meine Meinung.

    Die Stolpersteine sind für mich die Geschäftsidee eines Künstlers, der davon lebt. Sicherlich nicht schlecht.

    Herzlich, Paul

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