Wo Wasser liefern ein Verbrechen ist

Evelyn Gordon, 31. Januar 2016 (Commentary, 29. Januar 2016)

Wie baut man einen Staat für ein Volk auf, das ihn nicht bauen will? Das ist die offensichtliche Frage, die aus dem jüngsten Kapitel der fortbestehenden Saga von Rawabi entsteht, der ersten palästinensischen Stadt. Sie ist ein Vorzeige-Projekt, das internationale Diplomaten regelmäßig als Model palästinensischer Staatsbildung preisen, aber es hat von den übrigen Palästinensern kein solches Lob erfahren. Stattdessen beschuldigen jetzt genau die Leute, die davon profitieren sollen, Rawabis Gründer der Kollaboration mit dem Feind, weil er so grauenhafte Verbrechen begangen hat – das ist kein Witz – wie die Einwohner mit Strom und fließendem Wasser zu versorgen.

Rawabi wurde mit dem Ziel gegründet anständige, erschwingliche Wohnungen für Palästinenser der Mittelklasse zu bieten – theoretisch ein Ziel, das von der PA und ihren Einwohnern begrüßt werden sollte, die sich regelmäßig bei der internationalen Gemeinschaft darüber beschweren, wie elend ihre Lage ist. Von Anfang an unternahm die PA aber alles, um das Projekt zu untergraben; trotz wiederholter Versprechen es zu unterstützen, lehnte sie es ab die grundlegende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, die die meisten Regierungen ihren neuen Wohnprojekten routinemäßig bieten. So berichtete die JTA letzte Woche, dass Rawabis Wasser- und Abwassersystem, Straßen, Schulen und kleine Kliniken allesamt – wie die Häuser auch – von dem Unternehmer Bashar Masri und der Regierung von Qatar finanziert werden.

Die PA versuchte zu verhindern, dass Rawabi endlich fließendes Wasser bekommt, indem sie es fünf lange Jahre lang ablehnte das gemeinsame israelisch-palästinensische Wasserkomitee einzuberufen, die alle neuen Wasserprojekte genehmigen soll. Rawai bekam sein Wasser erst, als Israel die Geduld verlor und seinen Anschluss an Hauptwasserleitungen einseitig genehmigte.

Trotz dieser Verschleppungstaktiken hielt Masri durch und Rawabi öffnete schließlich im August seine Tore für seine neuen Einwohner. Doch seitdem sind nur tröpfchenweise ein paar Menschen dort eingezogen, obwohl Masri behauptet, Rawabi habe niedrigere Preise und bessere Annehmlichkeiten als das nahe gelegene Ramallah. Von den 637 bereits fertiggestellten Wohnungen (von insgesamt geplanten 6.000) sind erst 140 bezogen, sagte er der JTA.

Das liegt zum Teil an der Sicherheitslage, sagte Masri: Die Welle palästinensischer Messerangriffe auf Israelis, die im Oktober begann, hat in der PA für einen wirtschaftlichen Abschwung gesorgt, so dass Menschen zögern Kredite aufzunehmen um eine Wohnung zu kaufen.

Doch, so vermerkt die JTA, das andere Abschreckungsmittel sind die Vorwürfe der Kollaboration, die gegen Masir und Rawabi von anderen Palästinensern erhoben werden:

** Das palästinensische Komitee für Boykott, De-Investition und Sanktionen hat Masir der „Normalisierung mit Israel“ beschuldigt, „die hilft die fortgesetzte Besatzung, Kolonisierung und Apartheid des palästinensischen Volks reinzuwaschen“. Wasel Abu Yousef, ein ranghoher Palästinenservertreter, sagte Al-Monitor, „alle Palästinenserfraktionen“ sollten Israel boykottieren, „einschließlich Rawabi“.**

Damit das klar ist: Masri wird nicht der Kollaboration mit den Siedlungen beschuldigt; Fakt ist, dass er forderte, dass jede Firma, die am Bau von Rawabi beteiligt ist, einen Vertrag unterzeichnet, keinerlei Produkte aus Siedlungen zu benutzen. Ihm wird vorgeworfen mit israelischen Offiziellen zusammenzuarbeiten, um die grundlegenden Dinge zu erhalten, die auch die meisten anderen Palästinenser von Israel erhalten, z.B. Strom, Wasser und Zement. Wie Masri aufzeigt: „Fünfundachtzig Prozent des Zements in ganz Palästina – in der gesamten Westbank und dem Gazastreifen – kommt aus Israel. In der Westbank kommt der gesamte Strom aus Israel.“

Aber nach Angaben der „Antinormalisierungs“-Aktivisten ist es besser, wenn die Palästinenser ohne neue Häuser, Strom und fließendes Wasser auskommen, als das Verbrechen zu begehen mit einem Israeli zu reden.

Rawabi ist übrigens keine Ausnahme; „Antinormalisierungs“-Aktivisten sind gleichermaßen gegen weitere Bemühungen ihren Staat aufzubauen, indem man das Leben der Palästinenser verbessert. 2013 z.B. zwangen diese Aktivisten zwei israelisch-arabische Geschäftsleute ihre Pläne zur Eröffnung einer Zweigstelle eines israelischen Bekleidungsgeschäfts in Ramallah zu stornieren. Das Geschäft hätte 150 Menschen Arbeitsplätze geboten, aber wer braucht schon Arbeit? 2012 wurde UNICEF gezwungen den Plan aufzugeben im Gazastreifen eine Entsalzungsanlage zu bauen – einem Gebiet, in dem 90 bis 95 Prozent des Wassers als verschmutzt gilt -weil sowohl die Hamas-Regierung als auch bürgerliche Gruppen gegen die Entscheidung Einspruch erhoben, Angebote des nahe gelegenen Weltführende bei der Entsalzungstechnologie einzuholen – dem zionistischen Gebilde. Vier Jahre später hat Gaza immer noch keine Entsalzungsanlage und seine Einwohner trinken weiterhin verschmutztes Wasser.

Im Verlauf der 21 Jahre ihres Bestehens ist die PA der pro Kopf weltgrößte Empfänger von Auslandshilfe gewesen. Aber sie hat kein einziges Krankenhaus keine Universität gebaut, keinen einzigen Einwohner der Flüchtlingslager auf PA-Territorium umgesiedelt; sie zahlt lieber Terroristen Gehälter und finanziert Kampagnen bei internationalen Organisationen gegen Israel. Und jetzt, nicht zufrieden damit darin zu versagen Palästina selbst aufzubauen, versucht sie sogar private Unternehmer davon abzuhalten das zu tun.

Der größte Teil der westlichen Welt scheint verzweifelt die Schaffung des Palästinenserstaates zu erwarten. Aber ein Staat ist nicht nur eine Flagge und ein Name und eine Landkarte; er muss auch auf dem Boden gebaut werden. Und wie die Erfahrung des Irak und Afghanistans demonstrierten kann keine Menge an Anstrengung von außen einen funktionierenden Staat aufbauen, wenn eine kritische Masse der örtlichen Einwohner nicht mitarbeiten will.

Solange also viele Palästinenser es als wichtiger betrachten Israel zu ächten als ihr eigenes Volk mit grundlegenden Notwendigkeiten wie Strom und fließendem Wasser zu versorgen, wird der Traum des Westens von einem Palästinenserstaat ein Luftschloss bleiben. Man kann keinen Staat für ein Volk bauen, das lieber den Benachbarten niederreißt als seinen eignen aufzubauen.

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4 Gedanken zu “Wo Wasser liefern ein Verbrechen ist

  1. Mich irritiert die fortgesetzte Blindheit des Westens der Gesamtsituation gegenüber immer stärker. Die EU zum Beispiel hat in ihren Grundsätzen stehen, keinen Terrorismus zu fördern — und doch pumpt sie immer weiter unglaubliche Summen Geld in Gaza und fördert damit unmittelbar den Terror, denn bei der Bevölkerung landet von diesem Geld so gut wie nichts. Aber statt die Situation zu betrachten und Konsequenzen aus ihr zu ziehen, bleibt man lieber bei dem, was man am besten kann: Israel kritisieren. Denn Israel wehrt sich kaum. Da traut man sich, da ist man dann ganz groß.

  2. Es ist zum Haare raufen, Mäuse melken und Wutausbrüche bekommen. Wie schaffen es diese Knallchargen nur immer wieder, dass ihnen mehr als die halbe Welt in den Allerwertesten kriecht und ihren Unsinn auch noch unterstützt. HERR, schmeiß´ Hirn vom Himmel!

  3. Natürlich nicht, denn die „“Westbank“ beträgt ja nur 28% des „historischen Palästina“ (so Knessetabgeaordneter Jusuf Jabbarin in einem Gespräch mit deutschen Parlamentariern), und wenn die Palästinenser sich überhaupt auf Friedensgespräche einlassen, so tun sie damit einen großen Gefallen den Israelis, indem sie sich mit den 28% des „eigentlichen palästinensischen Landes“ , nämlich außerhalb der Grenzen von 67, zufriedengeben!
    Mit der Einstellung, wo soll man da weiterkommen?

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