Palästinensische Christen verbittert wegen Zerstörung von Kirchenruinen im Gazastreifen

Geistlicher klagt an: „Es ist offensichtlich, dass christliches Erbe und Menschen in unserer Religion ins Visier genommen werden.“

Khaled Abu Toameh, The Jerusalem Post, 7. April 2016

Palästinensische Christen gaben am Mittwoch ihrem Ärger wegen der Art Ausdruck, wie von der palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas mit den uralten Ruinen einer byzantinischen Kirche umgegangen sind, die letzte Woche in Gaza Stadt freigelegt wurden. Sie sagten, dass Bulldozer die Altertümer beseitigten und ihrer Arbeit ohne Aufsicht fortsetzten. Sie beschuldigten die beiden großen Palästinenserparteien die christliche Geschichte und Identität im Heiligen Land auslöschen zu wollen.

Bauarbeiter fanden die Überreste der 1.500 Jahre alten Kirche am Palästina-Platz in Gaza Stadt, wo ein Einkaufszentrum gebaut wird. „Unser erster Gedanke ist, dass die Stelle eine Kathedrale oder Kirche aus der Zeit von Byzanz ist“, sagte Jamal Abu Rida, Leiter des PA-Altertümerministeriums, nach Angaben von Reuters. Obwohl das Ministerium sehr daran interessiert, die Überreste zu erhalten, fehlen ihm die Mittel das zu tun, sagte er.

„Die Stelle, von der wir reden, ist rund 2.000 Quadratmeter groß und 10 Meter tief; es erfordert hunderte Arbeiter und eine Million Dollar, um eine ordnungsgemäße Grabung auszuführen, damit die Teile herausgeholt und die Texte gelesen werden können“, fügte Abu Rida hinzu. Er vermerkte, dass sein Ministerium nur über 40 Facharbeiter für Ausgrabungen verfügt.

Die Bauarbeiten finden in einem Bereich statt, der unter der Kontrolle der Hamas steht. Das is tder Grund, dass einige Kritik sich auch direkt gegen die Hamas-Behörden im Gazastreifen richtet. Quellen in Gaza sagte, das Wakf[1]-Ministerium im Streifen sei für den Bau verantwortlich. Einige palästinensische Christen machten geltend, dass die Bauarbeiter die Überbleibsel der Kirche aus dem Weg räumten und die Arbeit fortsetzten. „Sie benutzten Bagger, um die Altertümer zu beseitigen und niemand befahl einen Stopp der Bauarbeiten an dieser wichtigen archäologischen Stätte“, sagte Vater Ibrahim Nairouz, ein Priester der Episkopalen Diözese Jerusalem, der in Nablus lebt. „Hätten sie die Überreste einer Moschee oder Synagoge oder irgendeines anderen antiken Bauwerks gefunden, würden sie damit in derselben Manier umgegangen sein?“, fragte Nairouz. „Oder tun sie das, weil es eine alte Kirche ist?“ Seine Kritik stand in einem Brief, den er PA-Premierminister Rami Hamdallah und der Ministerin für Altertümer und Tourismus, Rula Maa‘yaa schickte. Er erhob den Vorwurf: „Es ist offensichtlich, dass christliches Erbe und Menschen in unserer Region ins Visier genommen werden.“

Er beschuldigte die PA zudem zwei christlichen und jüdischen heiligen Stätten in Nablus – einem Kloster und der als „jüdische Stufen“ bekannten Treppe islamische Namen gegeben zu haben.

Er und weitere prominente Christen erhoben zudem Einwände dagegen, dass die PA den Erzbischof der syrischen Gemeine im Heiligen Land verhaftete, Swerios Malki Murad. PA-Polizisten nahmen letzte Woche in Bethlehem den Top-Geistlichen fest, als er von einer Feier syrischen Erbes im nahe gelegenen Dorf El-Khader zurückkam. Er wurde 24 Stunden später auf Kaution freigelassen.

PA-Staatsanwälte sagte, der Erzbischof sei aufgrund einer Anzeige verhaftet worden, die von einer Frau seiner eigenen Gemeinschaft gestellt wurde. Sie lehnten es ab Einzelheiten zu der Anzeige zu veröffentlichen, was Gerüchte auslöste, der Kirchenleiter sei in einen sexuellen Übergriff verwickelt – eine Behauptung, die er vehement bestritt.

Nairouz sagte, er habe sich entschlossen eine offizielle Tour Hamdallahs nach Bethlehem und Hebron zu boykottieren. „Ihre Begleitung ist unschätzbar“, schrieb er an den PA-Premierminister. „Aber mit nationaler Zuneigung habe ich mich entschieden an der Tour nicht teilzunehmen, um gegen die Zerstörung der Überreste der Kirche in Gaza Stadt zu protestieren. Und ich habe nicht gehört, dass es irgendeinen öffentlichen oder offiziellen oder privaten Protest gegen ihre Zerstörung gegeben hat.“

Viele palästinensische Christen begaben sich in die sozialen Medien, um Unterstützung der Kritik des Priesters an der PA zu äußern. „Niemand hat das Recht die Existenz des anderen zu bestreiten“, schrieb eine Christin aus Nablus. „Wir sind alle Brüder in diesem Land und wir erleiden und fühlen denselben Schmerz wie unsere muslimischen Brüder. Unserer Geschichte ist tief in diesem Land verwurzeln und jeder, der etwas anderes denkt, ist im Irrtum. Was hier geschieht ist traurig.“

Suleiman Fayoumi, ein weiterer Christ aus Nablus, kommentierte: „Wie unterscheiden sich Wakf-Vertreter im Gazastreifen von ISIS, wenn sie Altertümer und einen Religions- und Kulturschatz mit Bulldozern zerstören?“ Nick Bandak aus Bethlehem sagte, es sei „beschämend“ und „barbarisch“, die Überreste der Kirche auf diese Art zu beseitigen. „Versuchen sie die Geschichte zu verändern, die bewiesen hat, dass Gaza eine der uralten Städte der Christen war?“, fragte er.

„Die Frage lautet: Wo sind diejenigen, die sich um den Erhalt des christlichen Erbes sorgen?“, fragte Sami Khalil. „Wo sind die Kirchenleiter in Jerusalem und der Welt? Wo sind die Bischöfe und Erzbischöfe und was hält sie davon ab einen wichtigen Vorfall anzusprechen, der zur Auslöschung unserer christlichen Identität im Heiligen Land beiträgt? Wo sind der Vatikan und die UNESCO?“

„Dieser Vorfall sollte öffentlich gemacht werden, damit die Welt die Wahrheit über die Hamas kennt“, sagte Samir Qumsieh, der Vorsitzende der Vereinigung Christliche Gesellschaft in Bethlehem, in einem Post auf Facebook.

[1] Islamische Treuhand/Verwaltung

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