Al-Buraq: die neue palästinensische Westmauer

Harry Moskoff, The Jerusalem Post, 9. Mai 2016

Letzten Oktober war die UNESCO gezwungen einen Antrag der palästinensischen Autonomie, mit dem der gesamte Platz vor der Westmauer[1] zu einer offiziellen muslimischen heiligen Stätte erklärt werden sollte, unter breitgefächerter Kritik vieler westlicher Quellen fallenzulassen.

Juden versammeln sich während Sukkhot zum Gebet an der Westmauer (Foto: AFP)

Ich kann schon die heutigen Touristen hören: „Komm, Schatz, lass uns die muslimische heilige Stätte namens Westmauer besuche, wo der Prophet Mohammed sein geflügeltes Pferd anband.“ In meinem jüngsten Film (The ARK Report – Sequel) gibt es ein Exklusivinterview mit Gouverneur Mike Huckabee, der einer der Kandidaten für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner 2016 war.

Obwohl ich für den Film viele Politiker und Botschafter interviewte, kommt eine bestimmte Bemerkung immer wieder bei den Zuschauern an. Huckabee erwähnt etwas, das jedes Mal passiert, wenn er nach Israel kommt, Jahr auf Jahr; und dieser Punkt hat anscheinend auf viele Menschen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Zu Beginn des Videos erklärt er: „Jedes Mal, wenn ich eine große Gruppe mit nach Israel nehme, ist eines, was ich liebend gerne mache, eine der palästinensischen Landkarten zu nehmen die ich in der Altstadt finde. Ich falte sie auf und frage einen der Mitreisenden: ‚Wo auf der Karte ist Israel?‘ Sie schauen und schauen … und ich sage: ‚Können Sie Israel auf der Karte finden?‘ Die Antwort lautet Nein, sie können es nicht. Ich frage sie warum und sie sagen: ‚Ich weiß nicht!‘ Ich sage, weil die Leute, die diese Karte herstellten, nicht glauben, dass es so etwas wie Israel gibt.“

Letzten Oktober war die UNESCO gezwungen einen Antrag der palästinensischen Autonomie, mit dem der gesamte Platz vor der Westmauer zu einer offiziellen muslimischen heiligen Stätte erklärt werden sollte, unter breitgefächerter Kritik vieler westlicher Quellen fallenzulassen. Wenn Sie einen Moment darüber nachdenken, dann braucht, so eine Publicity-Nummer überzeugend abzuziehen zweierlei: beträchtliche Chutzpe und massive (was wir auf Hebräisch so nennen:) protexia – Verbindungen.[2] Das Unglaubliche ist: Die PA nutzte beides und das funktioniert einfach.

Wie die meisten von uns wissen übernahm am 15 April der Exekutivrat der UNESCO eine neue Resolution, die die Westmauer ausdrücklich nur bei ihrem muslimischen Namen nannte (und alle jüdischen Verbindungen zu dem heiligen Ort ignorierte). In der Tat wird, wenn der Text den Platz vor der Westmauer (Western Wall Plaza) erwähnt, dieser in Anführungszeichen gesetzt und das folgt erst dem Gebrauch des arabischen „Al-Buraq-Plaza“ als offiziellem Namen. Darüber hinaus wird in der Resolution nur der arabische Begriff für den Tempelberg, s.h. „Al-Aqsa/Al-Haram al-Scharif“ benutzt.

Der Grund besteht natürlich darin, dass der Namen „Tempelberg“ offensichtlich den Rückschluss verlangt, dass es irgendwann in der Geschichte auf diesem Berg einen Tempel gab. Die Angst der PA (und der UNO) könnte darin bestehen, dass tatsächlich irgendwann in der Zukunft ein weiterer, dritter jüdischer Tempel kommen könnte und daher müssen jegliche jüdische Verbindungen heute irgendwie delegitimiert werden, bevor irgendwelche Fakten vor Ort (wie es einmal war) eingeführt werden können.

Sollte das nicht ausreichen, fährt die Resolution damit fort weitere heilige Stätten innerhalb Israels einzubeziehen. „[Der Exekutivrat] bekräftigt wieder, dass die beiden betreffenden Stätten in Al-Khalil/Hebron und in Bethlehem integraler Bestandteil Palästinas sind“, was sich jeweils auf das Patriarchengrab und das Rahelgrab bezieht. (Es ist interessant hier zu vermerken, dass die Resolution eigentlich von Frankreich, Russland, Spanien und Schweden vorab genehmigt wurde!) In der Tat sieht es so aus, als habe Huckabee Recht.

Es ist einfach: Nehmen Sie den jüdischen heiligen Stätten weg und es wird viel einfacher sein Israel als Ganzes fortzuschaffen, von innen heraus.

Wo ist also der Aufschrei? Wo sind die religiösen Leiter der Welt – der Papst zum Beispiel? Israel muss eine entschiedene Antwort auf solche Landraub-Versuche und krassen Fälschungen der Geschichte geben sonst wird es sicher weitergehen, aber schlimmer.

Hier haben Sie eine unkonventionelle Antwort, die vielleicht eine Lösung für alle betroffenen Parteien hat – und das ist früher schon gemacht worden. Es gibt einen historischen Präzedenzfall. Nicht einmal, nicht zweimal, sage und schreibe kolossale sechs Male seit der Zerstörung des zweiten Tempels haben Menschen eine Art „Betort“ auf dem Tempelberg gebaut. In diesem Fall ein Ort, der für alle Religionen und für alle Völker geeignet war. Klingt mehr wie ein Traum als etwas, das wirklich passierte. Es war aber so.

Was folgt, ist etwas (eher trockene) Geschichte.

Ungefähr 50 Jahre nach der Zerstörung des Herodianischen Tempels durch die Römer im Jahr 70 gewährte Kaiser Hadrian (76 – 138) den Juden den Beginn der Errichtung eines Gebäudes auf dem Berg; er wollte die Kooperation der jüdischen Gemeinde Jerusalems für sich gewinnen. Das dauerte allerdings nicht lange und das Projekt wurde kurz darauf eingestellt. Später wandte sich Konstantins Neffe Julian, der 361 n.Chr. Kaiser wurde, vom Christentum ab und gab ein Edikt zu universaler religiöser Toleranz aus, was damals eine neuartige Idee war. Zwei Jahre später versprach er ein Gebäude auf dem Tempelberg zu bauen; dazu unternahm er den unvorstellbaren Befehl die kaiserliche Kasse zu öffnen, um große Geldsummen und Material dafür zur Verfügung zu stellen. Leider wurde auch dieses Projekt gestoppt, vielleicht wegen Julians Tod oder eines Erdbebens.

Dann eroberte 613 König Chosrau II. von Persien Jerusalem und ernannte einen Gouverneur, der keine Zeit verschwendete und wieder einen Gebetsort auf dem Berg einrichtete, wie der berühmte Rabbiner und Dichter Elazar Kalir bezeugte. Über die Instandsetzung schrieb er: „Als Assyrien [Persien] in die Stadt kam … und seine Zelte hier aufschlug / erlaubte er den Wiederaufbau eines Tempels / und sie bauten den heiligen Altar…“

Außerdem erklärte selbst Kalif Omar in den Anfangsjahren der muslimischen Herrschaft, als Jerusalem von den streng arabischen Kräften 638 erobert wurde, das Recht der Juden (und anderer) weiterhin ungestört auf dem Tempelberg zu beten; das geschah im Gegenzug für Hilfe bei der Eroberung der Stadt.

Beachten Sie, dass selbst an diesem Punkt in der Geschichte die allmähliche Entwicklung des Begs in die drittheiligste Stätte des Islam nicht in totaler Ausgrenzung der Juden vom Ort resultiert. Tatsächlich erhielten die Juden kurz nach der muslimischen Eroberung die Erlaubnis ein kleines Holzgebäude auf dem Berg zu bauen.

Nach Angaben von Rabbi Petachia von Ratisbon (London 1856) blieb der Ort während der meisten Zeit der frühen muslimischen Periode aktiv, danach wieder bis etwa 1100 n.Chr., bis zur Eroberung durch die Kreuzritter. Selbst heute kann man noch hebräisches Schrift an den inneren Wänden des Goldenen Tores am Osthang sehen, die vor etwa 1000 Jahren von jüdischen Pilgern angebracht wurde.

Jemand sollte davon heute ein Foto machen, damit es nicht auch aus Israels Geschichte gelöscht wird! Saladin erlaubte sowohl Juden als auch Muslimen sich in Jerusalem niederzulassen und gemeinsam zu beten, bis dahin, dass er den Juden sogar gestattete etwas an ihrer eigenen Stelle zu errichten (laut Emil Offenbacher). Später investierten folgende osmanische Herrscher wenig bis gar nichts in die Erhaltung des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee; es gab nie einen Bericht oder Präzedenzfall muslimischer Kleriker, die jemals den Tempelberg besuchten oder Juden von dort vertrieben.

In modernen Zeiten schlug der verstorbene Oberrabbiner Israels, Rav Mordechai Eliyahu (1929-2010) einen konkreten Plan für eine Gebäude vor, das auf einem offenen Bereich im Nordosten des Felsendoms, näher an der Ostmauer, stehen könnte. Er machte seine Absichten klar, als er zum Thema sprach und sagte: „dass auch die Kinder Israels in den Bereich gehen werden und ihnen erlaubt wird [zu beten], in Heiligkeit und Reinheit, entsprechend dem jüdischen Gesetz…“

Was können wir letztendlich aus der Geschichte erfahren? Es gab eine funktionsfähige Lösung, die von den verschiedenen Regierungen der jeweiligen Zeit und allen Beteiligten allgemein akzeptiert wurde.

Gibt es irgendeine Chance, dass heute so etwas hinsichtlich des geopolitischen Szenarios in Israel vorgeschlagen wird? Keine Chance. Aber heute besitzt die Idee, wie damals, immer noch Wert. Kaiser Julian hatte recht: universale religiöse Toleranz ist in der Tat der Weg, der eingeschlagen werden muss. Geht man weiter, dann muss die PA – und wichtiger: die UNESCO – sich an die universalen Prinzipien und den Wahlspruch letzterer halten: „Frieden in den Köpfen von Männern und Frauen entwickeln“ – d.h. aller Männer und Frauen (einschließlich Juden und Christen) und ihre angestammten heiligen Gebetsstätten zu respektieren, besonders die in Israel.

[1] Im allgemeinen Sprachgebrauch wird sie meistens „Klagemauer“ genannt

[2] auf Deutsch: Vitamin B.

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