Ein Loch ins palästinensische Narrativ stechen

Michael Freund, The Jerusalem Post, 19. Mai 2016

IDF-Soldaten sitzen im Juni 1967 vor der Westmauer, nachdem sie während des Sechstage-Krieges eingenommen wurde.

Diese Woche vor 51 Jahren schlug der jugendliche jüdische Staat einen Friedensplan vor, der den Lauf der Geschichte des Nahen Ostens ändern und den arabisch-israelischen Konflikt ein für allemal hätte schaffen können, wäre er von den arabischen Staaten und den Palästinensern nicht gründlich ignoriert worden.

Und während es sinnlos zu sein scheint so weit in die Vergangenheit zu blicken, ist genau jetzt, wo Israel unter zunehmenden internationalen Druck und Kritik gerät, der Zeitpunkt, an dem wir die Welt – und uns selbst – daran erinnern müssen, wie die wahre zugrundeliegende Ursache des Disputs mit unseren Nachbarn aussieht.

Es war der 17. Mai 1965, als Levi Eschkol, Israelis dritter Premierminister, ans das Podium in der Knesset trat, um einen bemerkenswert detaillierten Plan für regionale Harmonie vorzustellen.

Das war noch bevor der Sechstage-Krieg von 1967 überhaupt am Horizont aufzog, zu einer Zeit, als es keine „Besatzung“, keine „Siedlungen“ und keine „Verjudung“ Jerusalems gab.

Es war einfach Israel, ein winziges jüdisches Gebilde, das darum kämpfte in einer feindlichen Umgebung und umzingelt von denen, die fest entschlossen sind es zu vernichten, zu überleben.

Eschkol war damals 70 Jahre alt; er hatte während des Ersten Weltkriegs in der Jüdischen Legion gedient, im Kampf um die Unabhängigkeit im Oberkommando der Haganah; er galt weder als charismatisch noch geschliffen und sprach Hebräisch mit jiddischem Akzent. Aber an diesem schicksalhaften Sommertag legte er mutig eine umfassende Vision dessen vor, wie Frieden mit den arabischen Staaten aussehen könnte, wenn die nur bereit sein würden die Idee gutzuheißen.

Er kommunizierte nicht mit Parolen oder Schlagworten, wie es heute viele Politiker tun. Eschkol sprach in klaren Sätzen und unmissverständlich, bot den Beginn direkter Gespräche mit arabischen Führern an, die das Ziel haben sollten die Waffenstillstandsvereinbarungen von 1949 in dauerhafte Friedensverträge umzugestalten.

„Wir schlagen vor“, sagte er, „dass direkte Verhandlungen zwischen Israel und den [arabischen] Staaten geführt werden, die die Vereinbarungen mit uns unterzeichneten, um sie durch Friedensabkommen zu ersetzen. Die Friedensregelung wird auf der Grundlage Israels, so wie es ist, erfolgen.“

Mit anderen Worten: Trotz vorheriger arabischer Versuche den jüdischen Staat zu vernichten, war Eschkol bereit Israels Grenzverlauf von 1949 zu akzeptieren, wenn unsere Nachbarn nur bereit wären dasselbe zu tun.

„Allein die vier arabischen Staaten, die Grenzen mit uns haben, erstrecken sich über 1,2 Millionen Quadratkilometer“, betonte er, „und Israel hat nur ein Sechzigstel dieses Gebiets in Besitz, mit anderen Worten, kaum mehr als 1,5 Prozent – 21.000 Quadratkilometer.“

Der Premier ging dann sehr ins Detail, was die Vorteile von Frieden bringen würden, die von wirtschaftlicher Zusammenarbeit bis zu einer Reduzierung des Wettrüstens, sowie offenen Grenzen und freiem Zugang zu heiligen Stätten reichten. Er versprach sogar, dass Israel finanzielle Hilfe für die Neuansiedlung palästinensischer Flüchtlinge in benachbarten arabischen Ländern leisten würde.

Im Gegenzug stellte Eschkol die einfache Ansinnen nach „voller Respektierung der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität aller Staaten der Region“ durch die arabischen Staaten.

Doch selbst das erwies sich als zu viel und die arabische Antwort kam zwei Jahre später, als Ägypten und Syrien 1967 ihre Armeen mobilisierten und versuchten die Juden ins Meer zu werfen.

Der Rest ist natürliche Geschichte. Israel gewann wie durch ein Wunder den Sechstage-Krieg, befreite das östliche Jerusalem und andere Teile unserer angestammten Heimat.

Die meisten Menschen haben nie etwas vom Eschkol-Plan gehört und man mag sich fragen warum.

Die Antwort ist wirklich sehr einfach: Er sticht ein Loch in das von den Palästinensern und ihren Helfen unterbreitete Narrativ, das besagt, die Wurzel allen israelisch-palästinensischen Unfriedens liege bei den Ereignissen von 1967 statt in dem langjährigen und tief sitzenden arabischen Verlangen Israel von der Landkarte zu wischen.

Fakt ist: Hätten die Araber und die Palästinenser Eschkols Vorschlag ernsthaft akzeptiert, würde der regionale Frieden im Nahen Osten sein sechstes Jahrzehnt beginnen und die sogenannte Palästinenserfrage wäre vor langer Zeit gelöst worden.

Geht man noch weiter zurück, dann wäre, wenn sie sich mit Israels Gründung 1948 abgefunden hätten, statt sich für Krieg zu entscheiden, die gesamte Region aufgeblüht.

An diesem Punkt kann man die Uhr nicht zurückdrehen und angesichts der folgenden Entwicklungen ist Eschkols Plan heute nicht mehr ausführbar, so sinnvoll er damals auch gewesen sein mag.

Doch selbst nach so vielen Jahrzehnten lohnt es sich, sich an seinen kühnen Vorschlag zu erinnern, wenn auch nur um hervorzuheben, wo in Wahrheit der zugrundeliegende Fehler des andauernden Konflikts liegt: bei den Palästinensern und denen, die sie verteidigen.

Wenn Sie das nächste Mal jemanden davon schwafeln hören, dass die „Besatzung“ die Ursache all unserer Schwierigkeiten ist, dann denken Sie einfach an die großväterliche Gestalt von Levi Eshkol zurück, den Frieden, den zu schließen er 1965 anbot, den arabischen Hass und die Feindseligkeit, der ihm entgegenschlug und wie anders die Dinge hätten sein können.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s