Hysterie versus Realität auf dem Tempelberg

Elder of Ziyon, 5. Juni 2016

Die vom Westen finanzierte Nachrichtenagentur Ma’an berichtet auf Arabisch:

Dutzende extremistische Siedler stürmten am Sonntagmorgen die Al-Aqsa-Moschee im Gedenken an die „Naksa“, die Besetzung Jerusalems im Jahr 1967, um an den Türen der Moschee und auf den Straßen der Altstadt Jerusalems mit den Touren und provokativen Märschen unter israelischem Polizeischutz zusammenzutreffen.

Der Direktor der Al-Aqsa-Moschee, Scheik Omar Kiswani, sagte, dass 208 Siedler in kleinen Gruppen durch das Mughrabi-Tor die Al-Aqsa-Moschee stürmten; sie wurden stark von israelischer Polizei und Spezialkräften beschützt.

Al-Kiswani sagte, die Israelis begannen ihre Tour am Marokkaner-Tor, bevor sie sich zu den Moscheen Al-Qibli und al-Marwani auf dem Gelände und dann in den Bereich Bab al-Rahma begaben. Einige von ihnen versuchten religiöse Rituale auszuführen, wurde aber von Wachen daran gehindert.

Scheik Kiswani betonte, dass die Siedler kein Recht haben die Al-Aqsa zu stürmen; er machte die israelische Regierung und die israelische Polizei für die angespannte Lage am Vorabend des heiligen Monats Ramadan verantwortlich.

Die islamische Waqf verurteilte die provokante Praxis, die durch Siedler in der Aqsa-Moschee stattfand.

Dass Juden friedlich den Tempelberg besuchen ist heute bei Ma‘an die Top-Story sowohl in der englischen (wo die Rhetorik etwas abgemildert ist) wie in der arabischen Ausgabe.

Diese Hysterie wird tagein, tagaus in arabischen Medien weltweit veröffentlicht.

Letztes Jahr beschloss der säkulare israelische Journalist Shlomo Eldar die heilige Stelle zu besuchen, um zu sehen, worum es bei der Aufregung geht. Er veröffentlichte die Wahrheit in Al-Monitor:

Ich besuchte den Tempelberg nicht aus religiösen, politischen oder ideologischen Gründen. Stattdessen kam ich als Journalist, der wissen wollte, was es mit dem ganzen Tumult auf sich hat. Ich wollte aus eigener Anschauung herausfinden, ob die palästinensischen Vorwürfe, die Al-Aqsa-Moschee sei in Gefahr, begründet sind. Hat Israel wirklich den geheiligten Status quo auf dem Tempelberg verändert oder ist es – wie israelische Offizielle behaupten – die hemmungslose und gewollte Hetzte durch den nördlichen Zweig der Islamischen Bewegung in Israel und die Offiziellen der palästinensischen Autonomiebehörde (PA), die die aktuelle Terrorwelle entfachten?

Das Gelände zu besuchen ist nur über organisierte Gruppen möglich oder durch solche, die vor Ort organisiert werden. Das ist der Grund, dass ich darum bat mich einer Tour der Stiftung Tempelberg-Erbe anschließen zu können, die vom rechten Aktivisten Yehuda Glick geleitet wird, der die LIBA-Initiative für freien jüdischen Zugang zum Tempelberg leitet. Zu meiner Überraschung entdeckte ich allerdings, dass ich der einzige Tourist in der Initiative war, weshalb das Privileg hatte eine private Reiseführerin zu haben, die mir einen detaillierten Überblick über die Geschichte Jerusalems und des Tempelbergs gab.

Orna – eine zertifizierte Reiseleiterin und säkulare Frau – war einen Monat lang als Freiwillige dort, wie es viele andere Reiseführer tun, die kostenfreie, professionelle Touren „ohne religiöse, politische oder ideologische Agenden“ für jeden anbieten, der den Ort sehen und informiert werden möchte.

Als wir am Eingangstor ankamen, erwartete mich eine weitere Überraschung: Hunderte Touristen aus aller Welt reihten sich ein, warteten geduldig auf die Besuchszeiten. Mit Touristen vollgepackte Busse parkten auf dem Parkplatz nahe der Westmauer. Reihe auf Reihe Besucher aus unterschiedlichen Ländern schlossen sich der mäandrierenden Warteschlange an, die sich den ganzen Weg vom Eingang bis am Dungtor der Altstadt ausbreitete. Naiverweise glaubte ich, dass nur eine handvoll Menschen, hauptsächlich rechtsgerichtete israelische Gruppen, die auf einer Veränderung der bestehenden Ordnung bestehen, kommen würden, um diesen Krisenherd zu besuchen.

Wie sich herausstellte haben Touristen beim Zugang zum Gelände Vorrang. Wenn eine Gruppe Juden organisiert wird, nimmt sie die letzte Stelle für den Aufgang ein. Juden, die den Tempelberg zu besuchen wünschen, werden Polizisten, Grenzpolizisten und Waqf-Wächtern zugewiesen, die sicherstellen, dass sie keine jüdischen rituellen Objekte welcher Art auch immer mitbringen. Es ist einem auch verboten zu beten, sich zu verbeugen, sich zu setzen, still Gebete zu sprechen, ein Gebetsbuch, ein Foto des Geländes oder einen Davidstern mitzubringen. Ihnen ist nicht erlaubt irgendetwas mitzubringen, das möglicherweise muslimische Beter aufbringen und weitere Spannungen schüren könnte. Bevor wir hinauf gingen, verstaute Orna sorgfältig alle Fotos, Zeichnungen und Landkarten, die sie dabei hatte, unter der Treppe, um die strikten Besuchsregeln zu erfüllen. Neben der langen Reihe Touristen standen fünf Juden mit Kippot. Als sie erst einmal als Gruppe organisiert waren, warteten sie auf die Anweisungen der Sicherheitsleute, damit diese sie hinein ließen. Nach einem rigorosen Sicherheitscheck am Eingangstor wurden sie einem Grenzsoldaten sowie Waqf-Wächtern zugewiesen, die sie während des gesamten Besuchs umringten. Sobald sie das Plateau betraten, begannen die Frauen der Mourabitat (organisierte Muslim-Aktivistinnen) laut zu kreischen: „Allahu Akbar.“ Es war das erste Mal, dass ich aus der Nähe Frauen sah, die von der Nördlichen Islamischen Bewegung in Israel angeworben worden sind und ein Gehalt für die Beteiligung an dem Auftrag „die Al-Aqsa-Moschee zu verteidigen“ erhalten.

Im weiteren Umkreis des Eingangs saßen 20 Frauen einer religiösen Lerngruppe in einem Kreis und lasen den Koran. Auf einem kleinen Hügel auf der anderen Seite, außerhalb des Gebäudes, waren die Mourabitoun – die Männer – die ebenfalls Koranunterricht abhielten. Als diese die religiösen Juden sahen, begannen auch sie mit lauter Stimme „Allahu Akbar“ zu brüllen, was sich mit dem Kreischen der Frauen mischte.

Von diesem Skandieren ungerührt ging die kleine jüdische Gruppe langsam weiter den Platz entlang, bis zum Eingang der Moschee, der durch einen Streifen auf dem Boden markiert ist. An diesem Punkt hielten sie aus Angst, sie könnten einen Bereich betreten, der verboten ist. Von dort gingen sie eine weitere Runde den Platz entlang. Dann verließen sie das Gelände, begleitet von den Wachen und dem Allahu-Akbar-Gebrüll.

Ich näherte mich der Gruppe Mourabitoun-Männer. Ich holte mein Smartphone heraus und machte ein Foto. Plötzlich tauchten Waqf-Wächter auf, die forderten, dass ich ihnen mein Handy übergebe und behaupteten, ich hätte ein Foto von einem Ort gemacht, der nicht fotografiert werden darf.

„Ich habe nichts dagegen ein verbotenes Foto zu löschen“, sagte ich einem der Wächter, der sicherstellte, dass ich alle Fotos von den Mourabitoun und Mourabitat auf dem Tempelberg löschte, ebenso Fotos der Waqf-Sicherheitswächter um die Moschee. Sie ließen mich allerdings ein Foto von mir vor dem Hintergrund der Moschee behalten. Dann tauchte aber eine weitere Gruppe Waqf-Sicherheitswachen mit ihrem Kommandeur auf (was ich aufgrund des Tons in seiner Stimme und den Befehlen annehme, mit denen er seine Untergebenen gängelte). Sie verlangten, dass ich vom Tempelberg entfernt werde, weil ich nach ihren Angaben die Regeln verletzt hätte. „Niemand sagte mir, dass ich keine Fotos von Gläubigen machen darf“, versuchte ich zu erklären. Um mein Argument zu stützen, fügte ich an, dass ich alle Fotos offen und in Anwesenheit der Sicherheitswachen gelöscht hatte. „Hätte ich gewusst, dass ich keine Fotos von Mourabitoun machen darf, hätte ich das dann vor euren Augen gemacht?“, wunderte ich mich laut.

Der Kommandeur der Waqf-Einheit wurde lauter: „Bringt ihn weg von hier, sofort. Khalas! [Das reicht!] Raus!“ Als sie begannen mich zum Ausgangstor zu geleiten, tauchte ein Grenzpolizist auf, der an einem der Sicherheitsposten stationiert war, an dem die Auseinandersetzung stattfand. An diesem Punkt entstand ein Streit über die Souveränität auf dem Tempelberg. „Ihr habt kein Recht irgendwelche Besucher vom Platz zu entfernen“, sagte der Grenzer seinen Waqf-Gegenüber, die darauf bestanden den „gefährlichen Touristen“ zu entfernen.

Einer der Waqf-Offiziellen wandte sich zu mir und sagte auf Englisch: „Hier treffen wir die Entscheidungen. Hier haben wir das Sagen. Hier sind wir die Könige – die Herrscher.“ Er wiederholte immer und immer wieder das Wort „König“. „Niemand kann anfechten, was wir sagen“, argumentierte er. „Wir bestimmen, wer hereinkommt und wer hinausgeht und was sie tun können oder nicht. Wir sind der Souverän an der Al-Aqsa-Moschee.“ Der Grenzpolizist versuchte ihn zu beruhigen; er sagte ihm, dass das nicht die Verfahrensweisen sind und dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden müssen. Doch der Waqf-Wächter bestand darauf, dass sie der Souverän sind und dass ihnen ausdrücklich befohlen worden war mich des Ortes zu verweisen.

Das beendete meinen Besuch auf dem Tempelberg, durch den ich erfuhr, dass die Al-Aqsa-Moschee nicht in Gefahr ist, da die Waqf-Offiziellen die Autorität und Fähigkeit haben zu entscheiden, wer das Gelände besuchen darf und wer die Messlattenkriterien nicht erfüllt.

Der Knesset-Abgeordnet Ghattas behauptete, dass Israel seine Kontrolle und Besatzung vertiefe, allerdings verstehe ich nicht, was er sah. Die Sicherheitswächter der Waqf sind auf dem Tempelberg dicht formiert und unternehmen große Anstrengungen sicherzustellen, dass im Vergleich zu den tausenden Touristen, deren Besuche fast ungestört zugelassen werden, nur kleine Gruppen Juden auf das Gelände kommen. Während der Erhalt von Ordnung und Sicherheit auf dem Tempelberg und an der Al-Aqsa-Moschee von Israel und der Waqf geteilt werden, belohnen die Spannungen die Palästinenser mit der fast totalen Kontrolle darüber, wer auf den Tempelberg kommen darf und wer nicht. Das steht natürlich in scharfem Gegensatz zu den palästinensischen Vorwürfen, Israel habe den Status quo verändert und die Al-Aqsa sei in Gefahr.

Selbst ein israelischer Journalist hatte die Hysterie ohne Fragen zu stellen geglaubt, bis er sich entschied selber einen Blick auf die Lage zu werfen.

Die Realität sieht so aus, dass Juden friedlich den Tempelberg besuchen und rigorosen Einschränkungen unterworfen werden, die für säkulare Touristen und Muslime nicht gelten. Und jedes Mal, wenn sie kommen, machen die Muslime eine große Sache daraus, um eine Situation zu schaffen, in der Juden komplett der Zugang gesperrt wird.

Und zu einem großen Teil hat die Strategie bereits funktioniert.

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