Israelkongress 2016 – eine sehr persönliche Bilanz

Am letzten Sonntag war wieder Israel-Kongress. Der vierte und wieder in Frankfurt. Das war gut, denn nach Berlin schaffe ich es nicht, muss ja montagmorgens wieder arbeiten.

2016-06-19_IMG_8999

Als die Werbung rauskam, hatte ich mich sofort angemeldet. Das Programm habe ich mir dann erst vier Tage vor dem Termin angesehen. Es gab eine Reihe interessanter Veranstaltungen. Das Konzept war etwas anders als die Male, die ich davor kannte: Neben den Hauptveranstaltungen gab es zeitgleich „Sessions“ (warum muss da immer so viel Englisch rumgeistern? Wenn Referenten aus dem Ausland da sind, kann ich verstehen, dass ein Podium Englisch redet, es wir ja auch simultan übersetzt.) und die erschienen mir meist interessanter als das, was auf der großen Bühne im Hauptsaal lief.

Ein paar Mal war ich im großen Saal. Dort wurden die „Schwergewichte“ aufgefahren – Botschafter, Knessetmitglieder, deutsche Politiker usw. mit Gutelaunebär Cherno Jobatay als Moderator.

2016-06-19_IMG_9003

Wenn ich dort war, wurde offiziell geredet. Die Israelis lobten Deutschland als besten Freund Israels in Europa. Da war ich persönlich etwas angep… – wenn Deutschland Israels bester Freund in Europa ist, dann armes Israel! Deutschland ist ein Land, in dem der Terrorschiffer-Angriff mit der Mavi Marmara nicht nur nicht als solcher anerkannt wurde – nein, der Bundestag stimmte EINSTIMMIG für eine Verurteilung Israels wegen der von den Terroristen angezettelten Gewalt und den Toten auf dem Terrorschiff! Deutschland hat in der UNESCO, dem UNO-Menschenrechtsrat und der Vollversammlung wenig bis nichts unternommen, um die Verleumdung Israels zu stoppen oder zumindest ein Zeichen dagegen zu setzen; es hat oft genug sogar Resolutionen gegen Israel mitgetragen. Deutschland ist das erste Land gewesen, dessen Wirtschaftsminister nach Teheran pilgerte und nicht einmal eine Schamfrist verstreichen ließ, nachdem man den unsäglich verlogenen Deal mit den Terror-Mullahs abschloss. Frau Merkel redet nett – aber praktisch kommt dann in Krisensituationen nichts Konkretes für Israel auf die politische Bühne, eher im Gegenteil.

Nein, ich empfinde Deutschland nicht mehr als wirklichen Freund Israels. Und das mit der Staatsräson brachte dann kurz vor Ende der Konferenz nur noch Volker Beck ansatzweise auf den Punkt, als er die konkrete Frage nach der Realität der Staatsräson als eher fragwürdig vorhanden beantwortete.

2016-06-19_IMG_9046

Die Diplomaten und Knesset-Mitglieder müssen wohl so reden, sie wollen keinen Streit, haben Angst den Verbündeten vor den Kopf zu stoßen. Aber nutzt das wirklich etwas? Unsere Meinungsführer prahlen damit, dass man sich unter Freunden mal was sagen können muss – um dann an der Realität vorbei und faktenfrei um so heftiger auf Israel einzudreschen und Palästinenser-Lügenpropaganda zu verbreiten (wie z.B. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz mit seinen falschen Wasser-Zahlen vor der Knesset). Es läuft hier also mit der freundschaftlichen „Kritik“ recht einseitig und konkret nur in eine einzige Richtung. Wie wäre es, wenn die Israelis ihren deutschen Regierungsfreunden auch mal etwas sagen? Das trauen sie sich (noch?) nicht, sie haben Angst um die „guten“ Beziehungen. Verständlich, aber schade. Und von deutschen Israelfreunden kam, soweit ich es mitbekam, hier auch nicht wirklich etwas.

Leider waren auch keine wirklichen politischen Schwergewichte aus der deutschen Politik dabei. Beck kann man nicht mehr als solches zählen. Außerdem gehört er einer relativ unbedeutenden Oppositionsfraktion an und ist in dieser auch noch eher Außenseiter. Wenn jemand aus der Regierung oder zumindest jemand von Bedeutung aus den Regierungsfraktionen die Konferenz besucht und sich beteiligt hätte, könnte man von der Möglichkeit Einfluss zu generieren sprechen. So war es eine nette Veranstaltung mit einer Menge gutem Willen und eher wenig an tatsächlicher Bedeutung und Effektivität.

3.000 Personen nahmen teil. Ich hätte mit mehr gerechnet. Durch die aufgefächerten Parallel-Angebote verstreuten sie sich etwas, es wirkte alles nicht so voll und das war gut.

2016-06-19_IMG_9007

Die „Panels“, die ich besuchte, waren interessant. Dort wurde auch etwas konkreter über Projekte, Meinungen und Vorhaben informiert. Man hatte direkteren Kontakt zu den Diskussionsteilnehmern und man konnte – wenn auch nicht in jeder Veranstaltung – Fragen und eigene Gedanken einbringen. Nach meinem Empfinden war das für den Besucher also deutlich effektiver, praktischer und erfahrungsreicher als die Vorträge und Podiumsdiskussionen im großen Saal. Mir fehlte aber dennoch etwas, das den Besucher anregt für Israel aktiver zu werden. Viel Information also, aber leider wenig zu dem, was der Einzelne machen kann, auch wie er aktiv werden kann. Aber vielleicht habe ich ja nur falsche Vorstellungen davon, was ein Israelkongress leisten sollte?

Am schönsten war auf jeden Fall in der Gesamtsicht, dass man Freunde und Bekannte treffen konnte, die man länger nicht gesehen hatte, darunter auch den umtriebigen Chef vom Ganzen.

2016-06-19_IMG_8980 2016-06-19_IMG_9005
2016-06-19 IMG_9052  2016-06-19_IMG_9013

Oder auch Leute, die man bisher nicht persönlich kannte. Oder die einen nicht mehr kennen, weil sie zu viele kennen, wie Tuvia Tenenbom, von dem ich jetzt zwei signierte Bücher habe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s