Einmal Kolonialist, immer Kolonialist

Judith Bergman, Israel HaYom 6. Juli 2016

Man kann den Europäer aus den ehemaligen nehmen, aber man kann den Kolonialismus nicht aus den Europäern holen. So viel ist klar, wenigstens was die Europäische Union angeht. In einem Interview mit dem israelischen Journalisten und Fernseh-Nachrichtensprecher Eylon Aslan- Levy wurde der EU-Botschafter in Israel, Lars Faaborg-Andersen, gefragt, warum die EU die französische Friedensinitiative unterstützt, obwohl der israelische Premierminister zu direkten Verhandlungen aufrief. „Warum übt die Europäische Union nicht einfach Druck auf Abbas aus, damit er Premierminister Netanyahus Einladung annimmt?“, fragte Aslan-Levy.

Faaborg-Andersen antwortete: „Weil ich glaube, die Erfahrung hat gezeigt, dass die Parteien nicht in der Lage sind, von selbst ein Stadium zu erreichen in dem sie fähig sind sich zusammenzusetzen und zu verhandeln. Es gibt die Notwendigkeit der Beteiligung einer dritten Partei und ich denke, dass die Konferenz in Paris eine Anerkennung der Tatsache war, dass es die Notwendigkeit eines internationalen Fokus auf dieses Themas gibt, das einige Zeit lang etwas inaktiv war, ich meine den Friedensprozess. Und ich denken, dies war der motivierende Faktor hinter der französischen Initiative, verbunden mit der Tatsache dass wir eine ständige Verschlechterung der Situation vor Ort sehen, die uns von einer Zweistaatenlösung weiter weg bringt statt näher an sie heran.“

Das Europa der postnationalen Europäischen Union marschiert nicht länger in die Länder anderer Völker ein um sie zu kolonisieren, sondern es nutzt all seine Macht – so eingeschränkt und zahnlos sie auch sein mag – um Invasion dessen zu vollziehen, wie andere Nationen über die Welt denken und fühlen sollten und seine ausgeprägt europäische Sichtweise aufzudrücken, wie die Welt sich für den Rest von uns drehen sollte.

Wir alle wissen, wie schwer es ist alte Gewohnheiten abzulegen; und die ideologischen Teile des Kolonialismus liegen den Nachkommen des alten Europa sehr im Blut – selbst wenn die EU fälschlicherweise glaubt, weil sie von postkolonialer Schuld gespickt ist und die Migranten der halben Welt in den eigenen Hinterhof einlädt, würde sie das von ihrer gesamten Sünden der Vergangenheit wie der Gegenwart freisprechen.

Für die, die immer noch Zweifel haben, ist Faaborg-Andersens Antwort „die Parteien sind selbst nicht in der Lage dazu“ klarer Beweis des Rassismus und kultureller Herablassung – ach so charakteristische Teile des kolonialen Projekts – die immer ein sehr potenter Faktor der europäischen Politik ist, trotz aller Versicherungen des Gegenteils während des letzten halben Jahrhunderts. Die „Eingeborenen“, d.h. die Juden und die Araber, sind unfähig selbstständig etwas zu lösen, was der Grund ist, dass wir anscheinend die Weisheit und die Überlegenheit der Europäischen Union benötigen, um unserer ignoranten und fehlgeleiteten Schritte in dieser Welt zu führen. Was glauben die Europäer eigentlich, wer wir sind?

Auch wenn die Europäische Union der beste Freund der palästinensischen Autonomiebehörde ist und obwohl diese nach Meinung ersterer nichts falsch machen kann, sollte es keinen Zweifel geben, dass die PA in den Händen der EU lediglich ein Werkzeug ist, ein Mittel, das den Zweck heiligt.

Wären die Feinde der PA nicht die Juden, sondern stattdessen andere Muslime, Christen oder Jesiden, die Europäische Union wäre dort raus, würde ihre vielen Milliarden Euros mitnehmen, schneller als man „postkoloniale Schuld“ sagen kann. Zweifeln Sie an der Behauptung, dann werfen Sie einen genauen Blick auf den vernichtenden muslimischen Kampf und die andauernden Völkermorde an Nichtmuslimen im Nahen Osten und Afrika. Die Europäische Union ist nirgendwo zu sehen, ihre Milliarden Euros nicht vorhanden und ihr Verlangen Lösungen aufzudrücken fehlt komplett.

Für den Fall, dass Sie sich wundern: Europäischer Rassismus ist immer noch sehr präsent, selbst in Gesellschaft ihrer besten Kumpel aus der PA. Hier ist es bloß der subtilere Rassismus niedriger Erwartungen. Alles, as die PA tut, egal wie mörderisch, niederträchtig und unmenschlich, löst seitens der EU nie irgendetwas außer der mildesten Form vager Verurteilungen aus – wenn überhaupt.

In dem Interview mit Aslan-levy konnte der EU-Botschafter sich nicht aufraffen die stehenden Ovationen zu verurteilen, die das Europaparlament vor zwei Wochen in Brüssel Abbas für seine Ritualmordlügen-Rede gegeben hatte. Stattdessen erklärte er hanebüchen, es habe vermutlich auch Europaparlamentarier gegeben, die nicht schätzen was der israelische Präsident Reuven Rivlin in seiner Rede vor demselben Gremium zu sagen hatte.

Der moralische Narzissmus der Europäischen Union ist nicht besser als der moralische Narzissmus seiner kolonialistischen europäischen Vorgänger. Es ist lediglich ein anderes Jahrhundert.

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