Die Lügen-Industrie

Chuck Chriss, SPME (uspr. Jewish Internet Association), 26.11.2002

Die Geschichte Israels und der umliegenden Region ist komplex genug, um viele Menschen zu verwirren. In biblischen Zeiten gab es einen jüdischen Staat mit seinen Königen und Propheten, der sich von den Völkern absetzte. Die Klarheit dieser Zeiten ist durch eine lange Serie von Eroberungen und Besetzungen, einem Drama mit vielen Akteuren und Konflikten über 20 Jahrhunderte hinweg getrübt worden. In den letzten etwa 150 Jahren ist das zionistische Programm während einer turbulenten Zeitperiode durchgeführt worden, die die Ersetzung der relativen Einfachheit des monolithischen ottomanischen Reiches durch die heutige Vielzahl unabhängiger arabisch-islamischer Staaten und dazu dem winzigen Israel erlebte. Diese Region steht oft im Zentrum des Weltinteresses; die Gründe hierfür sind Öl, die Politik der Großmächte und eine traditionelle Faszination für die Juden und das „Heilige Land“.

Die Geschichte der zionistischen Pioniere ist eine heldenhafte. Sie kamen in ein verwüstetes und schwach besiedeltes Land, das Land ihrer Vorfahren, und machten daraus wieder eine produktive Heimat für die Juden, die Heimat, die den Juden seit 2000 Jahren verwehrt worden war. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dies unter international anerkanntem Recht und dem Schutz Großbritanniens, der USA und anderer Weltmächte durchgeführt. Der Zionismus erschien recht und billig, auch als eine Möglichkeit das „jüdische Problem“ zu lösen, das die Welt schon so lange belästigte. Es gab in Palästina mehr als ausreichend Platz für die Juden und die kleine Anzahl Araber, die damals dort lebten. Die zionistische Entwicklung half der Region immens und viele weitere Araber strömten nach Palästina, um am Reichtum Teil zu haben.

Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust bewiesen, wie groß die Notwendigkeit eines jüdischen Staates war, in dem Juden die Regeln erstellen und sich selbst schützen können. Die Welt kehrte Europas Juden den Rücken und Palästina wurde von den Briten für jüdische Immigration geschlossen, während die Araber weiter die undichten Grenzen überquerten. Seit der Unabhängigkeit 1948 kämpfte Israel meist alleine, unterstützt von Juden der Diaspora, aber politisch isoliert. Erst als der Kalte Krieg den Nahen Osten erreichte und die Sowjetunion Ägypten, Syrien und andere arabischen Länder zu ihren Kunden machte, wurden die USA ein starker Rückhalt für Israel.

Die Araber akzeptierten die jüdische Rückkehr nach Zion aber nicht und bekämpften sie fast von Beginn an. Gestützt auf fanatische Führer wie Hadsch Amin al-Husseini leisteten sie Widerstand gegen Entwicklungen, die eigentlich nur ihren eigenen Interessen dienten. Obwohl die Zionisten ihnen Land zu überhöhten Preisen abkauften und Wohlstand und moderne Entwicklung brachten, wollten die Araber nichts davon wissen. Durch Politik und Gewalt behielten die Araber fast 80% des ursprünglichen britischen Mandats für Palästina – in der Form von Jordanien – für sich und akzeptierten die Juden in dem winzigen Landstrich in Westpalästina immer noch nicht.

Heute ist die Lage weitgehend gleich. Arabische Terroristen, ermutigt durch autokratische, sich selbst propagierende Führer, nehmen Juden das Leben und verhindern, dass die Region Stabilität und Entwicklung erlebt, die allen Menschen zu Gute kommen.

Das ist die Geschichte in ein paar wenigen Absätzen zusammengefasst; ihre ausführlichere Darstellung würde hunderte Seiten beanspruchen, eine vollständige hunderte von Büchern. Die meisten Informationen kann man heutzutage im Internet erhalten; die JIA z.B. sponsort die Internetseite „Palestine Facts “ und all ihre Verbindungen.

Aber es gibt noch eine weitere Dimension des Kampfes; diese nenne ich die „Lügen-Industrie“. Um die fortgesetzte Gewalt gegen Israel zu rechtfertigen, wurde die Geschichte umgeschrieben, Ungerechtigkeiten und Leiden sind erfunden worden. Da die Wahrheit in all ihrer Komplexität für die Juden spricht, musste eine neue Wahrheit entdeckt und verkündet werden. Das ist getan worden.

Bis zum israelischen Sieg von 1967 – der Israel Judäa und Samaria zurück brachte – gab es kein Gerede über eine palästinensische Nation oder ein palästinensisches Volk am falschen Ort. Tatsächlich bedeutete der Begriff „palästinensisch“ bis 1948 entweder alle Menschen der Region oder besonders die Juden. Die Zeitung war die Palestine Post (die heutige Jerusalem Post), die Elektrizitätsgesellschaft war die jüdische Palestine Electric, usw. Aber plötzlich gab es die PLO mit dem Auftrag das „antike Land Palästina“ wieder zu gewinnen und auf eine „Selbstbestimmung des palästinensischen Volks“ hin zu arbeiten, um die „israelische Besatzung palästinensischen Landes“ zu beenden, „gestohlenes Land“ wieder zu gewinnen, „den Flüchtlingen die Heimkehr“ zu ermöglichen und alle die heute bekannten Themen. Als die Zeit verging und die Lügen immer und immer wieder wiederholt wurden, begannen die Medien, Akademiker und Regierungsbeamten sie erstaunlicherweise zu glauben. Die Lügen-Industrie entwickelte sich so, dass sie das Mantra auf alle möglichen Weisen zu wiederholen begann, zu jeder möglichen Gelegenheit, über alle Medien.

1984 erlitt die Lügen-Industrie einen schweren Rückschlag. Zwei Bücher mit derselben Botschaft erschienen: „Claim of Dispossession: Jewish Land Settlement and the Arabs, 1878-1948“ von Aryeh Avneri („Die behauptete Enteignung: Jüdische Besiedlung und die Araber von 1878 bis 1948“) und „From Time Immemorial: Origins of Arab-Jewish Conflict“ von Joan Peters („Seit undenkbaren Zeiten: Die Ursprünge des arabisch-jüdischen Konflikts“). Beide sind peinlich genaue Dokumentationen, deren Archiv-Quellen Reisetagebücher des 19. Jahrhunderts einschlossen, die türkischen Volkszählungen, Akten des britischen Mandats, UN-Studien und viele mehr. Beide schlussfolgerten die unangenehme Wahrheit: Während Juden seit der Antike in Eretz Israel lebten, haben sehr weniger der heutigen palästinensischen Araber weiter gehende Wurzeln als die europäischen Zionisten. Das heißt: obwohl sie die Juden in Palästina im 19. Jahrhundert an Zahl übertrafen, waren die Araber eine gemischte Truppe von Immigranten und Nomaden. Die Juden waren und sind immer ein bedeutender Anteil der Bevölkerung gewesen. Und die Ankunft der Zionisten in Palästina war auch der Beginn einer Immigrationswelle von Arabern. Es gab für die Araber keine „undenkbaren Zeiten“, nur für die Juden. Die Lügen stellten die Geschichte auf den Kopf. Weit davon entfernt, von Juden „vertrieben“ zu sein, waren die Araber in Wirklichkeit dort hingeströmt, um zu ihnen zu kommen! Die Tatsache, dass viele Araber Israel 1948 verließen, hat eine weitaus andere Bedeutung, wenn man weiß, dass die meisten nicht einmal eine Generation dort lebten, ganz zu schweigen von „ seit undenkbaren Zeiten“.

Aber es gibt mehr – die Juden der antiken Gemeinden überall in der islamischen Welt wurden 1948 selbst aus ihrer Heimat getrieben und mehr als 600.000 von ihnen wurden in die neue Nation Israel integriert – es war eine Nation von Flüchtlingen. Das bedeutet, dass es einen beinahe genauen Bevölkerungsaustausch gab. Und während die Juden ihre arabischen Nachbarn anbettelten, sie sollten bleiben, wurden die Juden der islamischen Länder entweder sprichwörtlich hinaus geworfen oder so bedroht, dass sie gehen mussten und alle ihre Habe verloren.

Während die Lügen-Industrie es schaffte, alle Wahrheit mit ihrer Ablenkungsbotschaft zu ersticken, drohten Peters und Avneri, die Flut zurückzudrängen, als ihre Bücher, besonders aber „From Time Immemorial“ die Bestseller-Listen stürmten und positive Rezensionen von bekannten Wissenschaftlern und Kommentatoren erhielten (unter vielen anderen Barbara Tuchman und Daniel Pipes).

Der Gegenangriff ließ nicht lange auf sich warten. Eine besonders rechtfertigende Kritik gegen Peters’ Buch wurden im Juli 1986 in einem Artikel des „Commentary“ von Erich und Rael Jean Isaak gedruckt. Prof. Edward W. Said, die akademische Stimme der palästinensischen Sache, verriss Joan Peters und ihr Buch. Yehoshua Porath bestritt Peters’ Wissenschaftlichkeit 1986 in der „New York Review of Books“, was ihm eine detaillierte Antwort von Pipes und Ronald Sanders einbrachte. Norman Finkelstein, der von seinem guten Freund Noam Chomsky angeleitete Linksextreme, schrieb: „Der Betrug in Peters’ Buch ist so überzeugend und systematisch, dass man nur schwerlich einen einzelnen Faden heraus holen kann, ohne sich in dem auseinanderfallenden Gewirr des Stoffes zu verheddern.“ Edward Said und Christopher Hitchens fuhren fort, indem sie ein Buch mit dem Titel „Blaming the Victims: Spurious Scholarship and the Palestinian Question“ schrieben („Die Opfer anklagen: Scheinwissenschaftlichkeit und die Palästinenserfrage“). Avneris Buch wurde ohne die Öffentlichkeit von Peters’ Buch nicht so schwer angegriffen und bleibt relativ unbekannt.

Heute bezeichnen antiisraelische Internetseiten und jüdische Linke „From Time Immemorial“ abschätzig als

– pseudohistorisches Geschreibsel

– abgenutzte Falschmeldung

– Völkermord-Tirade

– schädlich für den Friedensprozess

– eine monumentale Fälschung, mit frisierten Zahlen oder falsch dargestellten Statistiken, … plagiarisierend

Edward Said nennt das Buch in einem Artikel in der ägyptischen „Al-Ahram“ im Jahr 2000 „ein inzwischen verschwundenes und so gut wie vergessenes Buch von 1984“, in der Hoffnung, dass er damit den letzten Sargnagel einschlägt.

Verschwunden? Das ist Wunschdenken. Nein, die Lügen-Industrie hat nicht gewonnen, aber sie habt eine Menge Gelände gewonnen. Wenige Presseleute kennen diese Fakten und Verteidiger der palästinensischen Araber können immer noch behaupten, was sie wollen, ohne viel Gegenrede befürchten zu müssen. Trotzdem gibt es Zeichen der Hoffnung. „From Time Immemorial“ verkauft sich weiterhin gut und es gab kürzlich eine Neuauflage. Das Buch liegt bei Amazon auf Rang 9.097 – nicht schlecht für ein Buch von 1984, das angeblich verschwunden ist.

Die Schlussfolgerungen von Peters und Avneri waren nicht neu. Das war die fest stehende Meinung von Nahost-Experten, die sogar in offiziellen Berichten der meist proarabischen britischen Mandatsbehörden und offiziellen Körperschaften der 50-er Jahre zu finden waren, bevor die palästinensisch-arabische Propagandamaschine in Gang kam. Wichtige Bevölkerungszahlen aus Cuinets Buch von 1896 zeigt auf, dass die Juden etwa 13% der Bevölkerung des Gebiets ausmachten, das das britische Mandat wurde (in Jerusalem mehr als 60%). Der britische Gouverneur des Sinai von 1922 bis 1936 stellte fest:

Diese illegale Immigration kam nicht nur aus dem Sinai, sonder auch aus Transjordanien und Syrien. Es ist sehr schwierig, aus der Misere der Araber Vorwürfe abzuleiten, wenn gleichzeitig ihre Landsleute aus den Nachbarstaaten nicht daran gehindert werden können zu kommen, um an dieser Misere Teil zu haben.

Winston Churchill sagte 1939:

Weit davon entfernt verfolgt zu werden, sind die Araber in das Land geströmt und haben sich so sehr vermehrt, dass selbst das Judentum der ganzen Welt es nicht schaffen könnte, das Verhältnis umzukehren.

Und bezüglich der arabischen Flüchtlinge:

Man muss verstehen, dass die Existenz dieser Flüchtlinge ein direktes Ergebnis der Opposition der Araber gegen den Teilungsplan von 1947 und der Wiedererschaffung des Staates Israel ist. Die arabischen Staaten übernahmen diese Politik einmütig; die Verantwortung für die Ergebnisse liegt daher bei ihnen.

Wer sagte das? Emil Ghory, Sekretär der arabischen Hochkommissariats in einem Interview, das am 6. September 1948 in der libanesischen Tageszeitung „Al-Telegraph“ veröffentlicht wurde.

Während all dieses Negative auf Peters und Avneri gehäuft wird, bleiben die zentralen Erklärungen ihrer Bücher bestehen. Kritiker putzen die Methodik oder einzelne Statistiken herunter, aber niemand ist in der Lage gewesen aufzuzeigen, dass es in der zionistischen Periode keine bedeutende arabische Immigration nach Palästina gab oder dass es keine jüdischen Flüchtlinge gab. Die Grundlage der Fakten ist vollständig intakt, obwohl sie inzwischen stark verwischt worden sind. Die Angriffe gehen weiter, sogar noch 2002 (z.B. Blair im Capitalism Magazine), aber, wie Pipes über „From Time Immemorial“ sagt:

Die Fakten bleiben bestehen, dass es eine ursprüngliche und bedeutende Beweisführung im Inneren ihres Buches gibt; damit haben sich die Kritiker bis auf Herrn Prath kaum beschäftigt, der ihm aber nichts wirksam entgegen halten konnte.

Wenn Sie etwas Konstruktives tun wollen, dann kaufen Sie ein Exemplar von „From Time Immemorial“ oder „Claim of Dispossession“ – kaufen Sie vielmehr Exemplare für jeden auf Ihrer Chanukkah-Liste.

Zu Ihrer Kenntnisnahme

Chuck Chriss
Prasident der JIA (Jewish Internet Association)

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