Lady Jenny Tonge gehört zu den führenden britischen Anstiftern von Antisemitismus

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In letzter Zeit hat die Hetze gegen Israel und die Juden durch gewählte Vertreter der britischen Labour Party viel Aufmerksamkeit erhalten.[1] Die wahrscheinlich wichtigste Hasspredigerin gegen Israel im britischen Parlament ist jedoch Laday Jenny Tonge, Diese ehemals liberale Parlamentarierin ist heute ein parteiloses Mitglied des Oberhauses. Ihre bisher letzte antisemitische Äußerung im Oberhaus lautet: „Die Behandlung der Palästinenser durch Israel ist eine wichtige Ursache des Anstiegs des extremen Islamismus und Da-Isch [ISIS].“[2]

Vor ein paar Monaten hat die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)[3] eine Antisemitismus-Definition angenommen. Dazu war die Zustimmung aller 31 Mitgliedsstaaten der IHRA notwendig, zu denen das Vereinte Königreich gehört.[4] Die Definition hat es enorm erleichtert diese und weitere Äußerungen Tonges als antisemitisch zu identifizieren.

Tonge sagte 2004, wäre sie Palästinenserin, sie würde überlegen Selbstmordbomberin zu werden.[5] Das passt zu einem Beispiel von Antisemitismus in der Definition – „zum Töten oder Schädigen von Juden im Namen einer radikalen Ideologie oder einer extremistischen religiösen Auffassung aufzurufen oder es zu rechtfertigen“.

Die Definition der IHRA umfasst neben weiteren Beispielen für Antisemitismus: „unwahre, entmenschlichenden, dämonisierende oder stereotypische Behauptungen über Juden schlechthin oder die Macht von Juden als Kollektiv“. Tonge machte dies 2006, als sie noch Abgeordnete der Liberalen Partei war; sie behauptete, die „pro-israelische Lobby hat die westliche Welt im Griff, ihre Finanzen in den Händen. Ich denke, sie haben einen gewissen Zugriff auf unsere Partei.“[6] Ähnliche Äußerungen fielen 2012 über die Macht der pro-israelischen Lobby in Großbritannien und den USA.[7]

Ein weiteres IHRA-Beispiel für das, was antisemitisch ist, lautet: „Juden als Volk zu beschuldigen für tatsächliches oder eingebildetes Fehlverhalten, das von einer einzelnen jüdischen Person oder Gruppe begangen wurde oder gar von Nichtjuden begangene Taten verantwortlich zu sein.“ In einem Brief an den Independent machte Tonge Israel 2006 für Selbstmord-Bombenanschläge im Irak verantwortlich; sie schrieb: „Israels Sicherheitsmauer zwingt sie, sich auf andere Kriegsschauplätze zu exportieren, um in diesem lächerlichen ‚Krieg‘ gegen den Terrorismus zu kämpfen, der von den Eseln geführt wird, die uns hier im Westen anführen.“[8] Sie machte zudem den Umgang Israels mit den Palästinensern als „Wurzel des weltweiten Terrors“ aus.[9] Das kommt zu der schon erwähnten Anschuldigung der Verantwortung Israels für den Anstieg des extremistischen Islamismus und ISIS hinzu.[10]

2009 sagte Tonge in London bei einer antiisraelischen Kundgebung während des Gaza-Kriegs: „Jüdische Menschen sollten sich absolut schämen, dass sie nicht mehr tun um Israel aufzuhalten.“ Sie fügte hinzu, das sei „absolut ekelerregend“[11]. 2015 hat sie jüdische Führungspersönlichkeiten in Britannien aufgefordert Israel zu verurteilen.[12] Ihre Äußerungen schienen zu implizieren, dass sie „jüdische Bürger beschuldigt Israel oder den angeblichen Dringlichkeiten der Juden weltweit gegenüber loyaler zu sein als den Interessen ihrer eigenen Staaten“. Das ist ein weiteres Beispiel für Antisemitismus, wie er von der IHRA definiert ist.

Die IHRA-Definition erwähnt als weiteres Beispiel für Antisemitismus „Juden als Volk oder Israel als Staat zu beschuldigen den Holocaust erfunden oder aufgebauscht zu haben.“ Tonge beschuldigt Juden „den Holocaust zu benutzen“, wenn sie fragt, ob es an „Holocaust-Schuld“ liegt, dass weiter zugelassen wird wie Israel mit den Palästinensern umgeht.[13]

Die IHRA-Definition erwähnt weiter, dass es antisemitisch ist „das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung“ zu bestreiten. Tonge nahm 2012 an einer antiisraelischen Veranstaltung an der Middlesex University teil, wo sie erklärte: „Hütet euch vor Israel. Israel wird dort nicht auf ewig existieren, so wie jetzt handeln können… Israel wird seine Unterstützung verlieren und dann werden sie ernten, was sie selbst gesät haben.“[14]

Tonge benutzte auch eine zeitgenössische Version des alten Ritualmordvorwurfes für eine Untersuchung der erfundenen Vorwürfe, israelische Medizinerteams ernteten Organe, als sie 2010 nach dem Erdbeben nach Haiti kamen um zu helfen.[15]

Über die Antisemitismus-Definition hinaus gibt es noch Vieles, das periphär auf Antisemitismus hindeutet, aber nicht in eine Definition einbezogen werden kann. Zum Beispiel brachte Tonge den palästinensisch-muslimischen Kleriker Raed Saleh ins britische Parlament. Er hat die Verleumdung propagiert, Juden würden das Blut von Nichtjuden nutzen, um ihr Sabbat-Brot zu backen.[16] Im Juli 2016 teilte Tonge einen Artikel des antiisraelischen Hasspredigers Gilad Atzmon über „jüdische Macht“.[17]

Die obige Analyse kann als Modell dafür dienen, wie man die IHRA-Definition nutzen kann, um antisemitische Verunglimpfungen offenzulegen. Israel und jüdische Gemeinden sollte so viele Menschen wie möglich ausbilden, um ähnliche Analysen vieler weiterer Fälle des Antisemitismus vorzunehmen.

Noch ein Gedanke am Ende: Die ansehnliche Liste der antisemitischen Verleumdungen durch Tonge stellt im Moment nicht mehr als die Äußerungen einer marginalen Gestalt im britischen Parlament dar, doch die Sammlung ihrer Verunglimpfungen veranschaulicht, wie sie Israel und die Juden für vieles des Bösen in der Welt verantwortlich macht. Es ist dasselbe wie das, was die mächtige römisch-katholische Kirche über viele Jahrhunderte hinweg bezüglich der Juden tat, was riesiges Leid verursachte. Joshua Trachtenberg fasst so zusammen, wie die mittelalterliche Christenheit die Juden sah: als „Hexenmeister, Mörder, Kannibalen, Vergifter, Gotteslästerer“.[18] Man kann sich also vorstellen, wie beängstigend es wäre, würde Tonge die Mehrheitsgesellschaft repräsentieren statt des Randes.

[1] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19195

[2] http://www.algemeiner.com/2016/07/22/jewish-pro-israel-groups-call-for-immediate-expulsion-of-controversial-british-peer-who-blamed-israel-for-rise-of-global-terrorism/

[3] Internationale Allianz für Holocaust-Gedenken

[4] http://www.holocaustremembrance.com/media-room/stories/working-definition-antisemitism

[5] http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/5366870.stm

[6] Ebenda.

[7] http://www.bbc.com/news/uk-politics-17218291

[8] http://www.independent.co.uk/voices/letters/letters-big-bens-fatigue-481463.html

[9] http://www.jpost.com/International/British-politician-Israel-is-the-root-cause-of-terrorism

[10] http://www.thejc.com/news/uk-news/160766/israel-creating-terrorists-a-justified-grudge-baroness-tonge-claims

[11] http://www.thejc.com/news/uk-news/25560/hundreds-rally-attack-israel-over-gaza-operation

[12] http://www.algemeiner.com/2015/01/30/antisemitic-british-baroness-jenny-tonge-pressures-uk-jews-to-condemn-israel/

[13] http://www.jpost.com/International/British-politician-Israel-is-the-root-cause-of-terrorism

[14] http://www.thecommentator.com/article/944/fanatical_uk_lib_dem_jenny_tonge_joins_new_hate_fest_against_jewish_state

[15] http://www.theguardian.com/politics/2010/feb/13/jenny-tonge-sacked-israel-comments

[16] https://ukmediawatch.org/2013/10/09/guardian-publishes-letter-by-jenny-tonge-on-the-issue-of-antisemitism/

[17] http://jewishnews.timesofisrael.com/baroness-tonge-shares-article-about-jewish-power/

[18] Joshua Trachtenberg: The Devil and the Jews Cleveland (Meridian), 1961), S. 159.

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