Dreist gelogen oder einfach nur zu blöde? Die ARD, ihre tagesschau, und die Wasser-„Berichterstattung“

Am 14. August brachte die ARD in tagesschau und Tagesthemen einen „Bericht“ über die Wasserknappheit im „Westjordanland“ – natürlich nur über die bei den „Palästinensern“. Und es wurde mehr als deutlich gemacht, dass daran die Israelis schuld sind, bei denen Wasser im Überfluss sprudelt.

Der Bericht hatte reichlich Kritik zur Folge, unter anderen von Ulrich Sahm, von Gerd Buurmann und vielen anderen. Buurmann zeigte auch, dass eine Bundestagsabgeordnete der tagesschau Lügen vorwarf.

Die Kritik war so massiv, dass die verantwortlichen Redakteure veranlasst sahen eine Stellungnahme abzugeben. Diese strotzte derart vor Selbstgerechtigkeit, dass man versucht sein könnte zu fragen, wo diese Leute ihr Hirn haben:

ARD-TA-160814

Nachbemerkungen zu unseren Beiträgen
über Wassermangel im Westjordanland,
Tagesschau und Tagesthemen vom 14.8.2016

Zu den oben erwähnten Beiträgen erreichten uns dermaßen viele Anfragen, Kommentare und Kritik, dass wir dazu Stellung beziehen möchten.

Wir schätzen das Interesse und die kenntnisreichen Hinweise unserer Zuschauerinnen und Zuschauer sehr.
Wir nehmen uns berechtigte Kritik zu Herzen, berücksichtigen sie und lernen daraus. Allerdings bitten wir darum, dabei auf sachlicher Ebene zu bleiben.

Beim Thema Wasserversorgung in den palästinensischen Gebieten scheinen wir jedenfalls einen hochsensiblen Nerv getroffen zu haben, der einiger Richtigstellungen bedarf.

Die wohl schwerwiegendste Kritik an unserem Beitrag bezieht sich darauf, dass wir Bilder manipuliert hätten, in dem wir den Wassermangel in Salfit während eines aktuellen Wasserrohrbruches gedreht hätten. Diese Mutmaßung von einem der ersten Kritiker des Beitrages, noch in der vergangenen Nacht, wurde in den sozialen Netzwerken unhinterfragt übernommen und entwickelte sich dort zu einer festen Behauptung. Bis hin zum sehr vorbelasteten Begriff der „Lügenpresse“. Dazu müssen wir sagen: Diese Unterstellung ist falsch! Als wir gedreht haben, galt der Rohrbruch als repariert.

Wir verwahren uns somit dagegen, dass man uns einer solchen Manipulation bezichtigt. Vor allem aber sind wir traurig darüber, dass unseren palästinensischen Protagonisten Lügen unterstellt werden. Im Sinne von: „Warum haben sie denn Waschmaschinen gekauft, wenn sie wissen dass die nicht funktionieren?“ etc. Diese Menschen haben eben noch immer Hoffnung auf Normalität. Sie leiden unter Wassermangel. Dies ist ein Fakt, den sie dem deutschen Publikum erzählt haben. Man sollte sich nicht darüber lustig machen. Auch nicht über den Namen der palästinensischen Familie.
Dass ihr Leiden auf so wenig Empathie stößt, hat uns sehr verwundert.

Dass Wassermangel aufgrund mangelnder Verteilungsgerechtigkeit in Salfit und vielen Orten der Westbank  Alltag ist, belegen auch diverse Berichte von unabhängigen Organisationen wie z.B. der Weltbank.

http://siteresources.worldbank.org/INTWESTBANKGAZA/Resources/WaterRestrictionsReport18Apr2009.pdf

West Bank & Gaza – World Bank Publishes Assessment of Restrictions on Palestinian Water Sector Development

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/weltbank-bericht-palaestinenser-verlieren-jaehrlich-milliarden-durch-besatzung-12671307.html

Der zweite Vorwurf, der ebenfalls wie der erstgenannte auf eine Kritiker-Behauptung zurückzuführen ist, und der im Laufe der Diskussion ebenfalls ohne weitere Diskussion als Tatsache dargestellt wurde, ist: Der im Beitrag interviewte deutsche Hydrogeologe Clemens Messerschmid sei nicht glaubwürdig. Auch hier stellen wir uns mit Nachdruck vor unseren Interviewpartner, der wie wir selbst von den Angriffen auf seine Reputation schockiert ist.

Clemens Messerschmid arbeitet seit fast 20 Jahren vor Ort als Hydrogeologe für viele deutsche und einige internationale Organisationen und Stiftungen (GIZ, DED, KfW, CIM; Weltbank, USAID, UN). Er berät auch z.B. Landeszentralen für politische Bildung, Schulbuchverlage und Abgeordnete nahezu aller Fraktionen. In Artikeln unter anderem z.B. für die SZ (10.3.2014, „Wasser und Krieg“) hat er sich mit der Wasserproblematik intensiv auseinandergesetzt. Den Vorwurf von Uli Sahm in der Internetplattform von honestly concerned, der von vielen nachfolgenden Kritikern unhinterfragt fast wörtlich übernommen worden ist, Herr Messerschmid hätte behauptet „Israel hätte Staudämme gebaut, um dann Gaza zu fluten“ streitet Clemens Messerschmid als „fabriziert“ vehement ab. Er distanziert sich auch von anderen, nach eigenen Aussagen, „fabrizierten und nicht belegbaren Behauptungen.“
Einen Mailwechsel zu dieser Kontroverse aus dem Jahre 2013 hat Herr Messerschmid uns vorgelegt.

Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben. Wir haben deshalb die israelische Seite aus dem Beitrag unserer ARD-Hörfunk-Studiokollegin zitiert. Die in der Woche zuvor zu diesem Thema mit Yisrael Medad, Sprecher der Siedlung Shilo und COGAT der israelischen Verwaltung für die besetzten Gebiete ein Gespräch geführt hat.

http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2016/07/28/der-streit-ums-wasser.html

Aus journalistischer Sicht halten wir dies für inhaltlich weiterhin voll vertretbar. Weil wir davon ausgehen, dass sich die israelischen Argumente in dem kurzen Zeitraum nicht verändert haben. Es ist uns aber bewusst, dass dies für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ein Ungleichgewicht an Experten-Tönen dargestellt hat. Wir haben in diesem Fall der Schnelligkeit den Vorrang gegeben. Wir lernen aus Ihren Anmerkungen, dass wir dies künftig anders handhaben.

Auch sei angemerkt, dass unser Beitrag – weil wir eben leider die Siedlerseite (auch zu ihrer Verteidigung) nicht vor die Kamera bekommen haben, bewusst darauf verzichtet, den Wasserverbrauch der Siedler (z.B. Pools, intensive Bewässerung) zu zeigen, sondern lediglich im Halbsatz erwähnte, dass im Sommer Siedlungen überproportional viel Wasser verbrauchen, was auch statistisch belegt ist.

http://www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.729777

Schließlich erreichte uns über einen Blog der Aufruf der SPD-Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier, die in dem Blog „Tapfer im Nirgendwo“ von Gerd Buurmann u.a. damit zitiert wird, die Tagesschau erzähle Unwahrheiten, sie erwarte eine Richtigstellung und die Anrufung des Rundfunkrates.
Dieses Zitat ist allerdings nicht auf der Facebook-Seite der Politikerin wiederzufinden, die sich – wie dort zu lesen ist – offenbar gerade in Rio befindet.
Da sich dieses für uns derzeit nicht zu verifizierende Zitat im Wesentlichen auf die von uns oben bereits richtiggestellten Unterstellungen der Kritiker stützt, sowie in dem besagten Blog noch mit unrichtigen Behauptungen zur Situation zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten sowie Behauptungen/Beleidigungen verbunden ist, wonach die ARD in die „Lügenkiste“ greife, weil es sich bei dem Kürzel ARD in Wahrheit um „Antisemitischer Rundfunk Deutschlands“ handle, wollen wir es an dieser Stelle bei den oben dargelegten Ausführungen belassen.

Für das ARD-Studio Tel Aviv,
Susanne Glass und Markus Rosch

Es dauerte nicht lange, bis dieser irre Schwachsinn auseinandergenommen wurde.

Auf Facebook schrieb ein Elio Adler:

Meine Reaktion auf die Stellungnahme des ARD-Studios:
Sehr erhellend ist der ausführliche O-Ton, den der Journalist, Herr Rosch, vor 3 Tagen auf Twitter gepostet hat. Er fragt wieder und wieder ähnliche, tendenziöse Fragen und muss sogar bei seiner Bemerkung, dass die Israelis sogar ein Geschäft mit der Wasserknappheit der Palästinenser machen würden von seinem Gesprächspartner gebremst werden.
Die trotzig anmutende Stellungnahme zu dem Beitrag vermag nicht zu überzeugen.
a) Der Hydrologe Clemens Messerschmid ist politisch engagiert. Er ist Anhänger der Intifada – wenn auch „nur “ der elektronischen: https://electronicintifada.net/people/clemens-messerschmid

b) Die lapidare Entschuldigung, der anderen Seite wegen eines jüdischen Feiertags kein Gehör verschafft zu haben, läuft ins Leere. Der pro-palästinensische Aktivtist Messerschmidt wurde wahrscheinlich am 11.8. interviewt. Da hätte es genug Zeit gegeben, andere Stimmen zu hören.

c) Zur fachlichen Frage der Wasserverteilung kann ich wenig sagen, außer, dass in den palästinensisch kontrollierten Bereichen – und gerade das lt Hydrologen wasserreichere als London seiende Ramallah liegt da drin – der Brunnenbau keinen israelischen Beschränkungen unterliegt. Die negativ geschilderten israelischen Landwirte verwenden wieder aufbereitetes Wasser (Israel hat die weltweit höchste Wasser-Recyclingquote) und eben KEIN Trinkwasser.
Weitere offizielle Details hier: http://www.botschaftisrael.de/…/aus-aktuellem-anlass…/

d) Subtiler wird es, wenn man sich den Bericht hinsichtlich seiner emotionalisierenden Machart ansieht: Vom süßen, blitzsauberen Mädchen (kann nach dem Feriencamp nicht duschen), bis zum vertraut wirkenden, deutschen Fachmann ist alles ein perfekter pro-Palli-Clip.
Das Antwortschreiben ist ebenfalls emotionalisierend strukturiert: Pseudo-Dank fürs Feedback und dann ein Argument nach dem anderen Abschütteln. Bis schließlich zur Drohung, dass man auch Swimmingpool-Bilder von Siedlern zeigen könne. Stimmt! Hätte man.

e) Michaela Engelmeier, MdB hat mit Ihrer pointierten Meinungsäußerung Recht und ich hoffe, dass ihr noch andere folgen werden.

f) Ich hatte mir von der Stellungnahme (vielleicht naiverweise) etwas in dieser Richtung erhofft : da ein ein „Experte“, von dem wir nicht wussten, dass er Politaktivist ist, uns eine so eindeutig wirkende Story präsentierte und wir den Fehler gemacht haben, uns emotional zu sehr mitreissen zu lassen, haben wir versäumt, etwas genauer hinzusehen. Aber Pustekuchen, statt dessen Nebelkerzen

Schade letztlich auch, dass ein so polarisierender Bericht keinen konstruktiven Beitrag zur Annäherung beider Konfliktparteien bringt. Es GIBT ein Wasserproblem, dessen Linderung ein gemeinsames Ziel von Israelis und Palästinensern sein sollte. Ein solcher Bericht eskaliert aber: Er füttert das Narrativ der einen Seite und vergrätzt in seiner Einseitigkeit die auf der anderen Seite, die zuhören wollen.

Auch Chaya Tal aus dem Gush Etzion hat einiges klargestellt, allerdings noch eher zum Bericht selbst. Dabei stellte sie u.a. auch ein Foto ein, das zeigt, wie sehr so manche PA-Araber unter der Wasserknappheit leiden:

Wasserknappheit_Salfeet

Sie führt allerdings auch einiges auf, wer da welches Wasser verschwendet – nämlich nicht die israelischen Bauern/„Siedler“, denn die nutzen aufgearbeitetes Brauchwasser.

Am intensivsten hat sich wieder tapfer im nirgendwo dem verlogenen Rechtfertigungsschwall gewidmet. Dabei dokumentierte er u.a. die Behauptung der ARD-Korrespondenten, die Kritik der Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier sei nicht zu finden und daher wohl erfunden.

Vielen Dank für diese Stellungnahme, liebe ARD. Meine Antwort darauf fällt deutlich aus:

Der Kommentar von Michaela Engelmeier findet sich auf der Facebook-Seite der ARD Tagesschau direkt unter dem Artikel zur Wasserversorgung. Der Kommentar von Michaela Engelmeier hat sogar so viele Likes bekommen, dass er prominent und unübersehbar angezeigt wird, um genau zu sein, genau unter Ihrer Stellungnahme, in der Sie schreiben, den Kommentar nicht zu finden.

Dafür gibt es ein Fachwort: Peinlich!

Wenn die Tagesschau es nicht mal schafft, diesen Kommentar auf ihrer eigenen Seite, unter ihren eigenem Bericht, unter der eigenen Stellungnahme zu finden, dann kann es mit der Recherche der Tagesschau nicht so weit her sein.

Wenn die Tagesschau schon daran scheitert, ihre eigene Seite zu lesen, dann möchte ich mir gar nicht ausmalen, wie sehr sie in anderen Bereichen scheitert. Wenn die Tagesschau so über Israel recherchiert, wie sie auf ihrer eigenen Seite recherchiert, dann gute Nacht Qualitätsjournalismus.

Ich nehme daher alles zurück. ARD steht nicht für Antisemitische Rundfunkanstalt Deutschland sondern offenkundig für Arbeitsverweigernde Rundfunkanstalt Deutschland.

Liebe ARD,

wenn Sie immer noch nicht den Kommentar von Michaela Engelmeier finden, lesen Sie meinen Blog, da ist der Kommentar sogar verlinkt und als Screenshot zu sehen.

Und schiebt im Wissen, dass die Qualitätsjournalisten das nicht schaffen nach:

Liebe Redaktion,

Sie schreiben in einer öffentlichen Stellungnahme, ich hätte in meinem Beitrag auf Tapfer im Nirgendwo unrichtige Behauptungen aufgestellt.

Können Sie mir bitte mitteilen, um welche unrichtigen Behauptungen zur Situation zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten es sich handelt?

Ich möchte und werde alles sofort korrigieren.

Vielen Dank,
Gerd Buurmann

Fazit: Die ARD und ihre Qualitätsberichterstatter sind nicht nur einseitig; recherchieren nicht/lassen weg, was ihnen nicht ins Konzept der Hetze gegen Israel passt. Sie sind zumindest an der Grenze zum Antisemitismus, haben ihn teilweise schon überschritten.

Und da fragt es sich wirklich, ob sie nur dumm und ignorant sind oder sich gezielt und willentlich Instrument arabisch-muslimischen Hasspredigens machen. Was wäre schlimmer?

Vielleicht gibt es ja wieder eine Stellungnahme. Ich gehe davon aus, dass das nicht der Fall sein wird. Denn mit der nächsten wird sich wieder nur Arroganz, Ignoranz und weitere unglaubliche Dummheit und Verblödung offenbaren – und selbst diesen Qualitätsjournalisten könnte dämmern, dass das so ist und sie lassen es deshalb sein – was wiederum Bände über das spricht, was sie in ihrem Beruf verbrechen.

3 Gedanken zu “Dreist gelogen oder einfach nur zu blöde? Die ARD, ihre tagesschau, und die Wasser-„Berichterstattung“

  1. „… ob sie nur dumm und ignorant sind oder sich gezielt und willentlich Instrument arabisch-muslimischen Hasspredigens machen.“– Sowohl als auch. Schon weil alle miteinander antisemitisch angehaucht sind. Mindestens,
    lg
    caruso

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